Digitalisierungs-Fail 1: Klinik-Hammelburg-Webseite als Online-Kasino

Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)Auf Grund der Diskussionen zu meinem gestrigen Blog-Beitrag Petition "Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz!" bis 21. Mai 2026 zeichnen packe ich meinen "schwarzen Humor" aus und spieße zwei Fälle auf, wo Digitalisierung Neuland und schief gegangen ist. Mein erste Fail: Die "Webseite" der Klinik-Hammelburg wirbt für ein spanisches Online-Kasino. Schon krass, dieses Neuland.

Wir alten Knochen und die eigene Website

Die ganz Alten unter uns erinnern sich noch, wie stolz wie Bolle wir über die erste eigene Homepaidsch waren – echt krass, mit möglichst vielen blinkenden GIFs und möglichst noch Hintergrundmusik und Augenkrätze förderndem roten oder gelben Hintergrund. Gut, ich oute mich, dass ich ohne Animation und mit augenfreundlichem weißen Hintergrund und schwarzer Schrift unterwegs war.

Und die Prolls unter uns hatte ganz schön schnell sogar eine eigene .de-Domain oder sogar .com-Webseiten. Ja gut, wenn Du Shell mit Familiennamen heißt und deiner Webseite diesen Domainnamen registrierst, konntest Du Ärger bekommen. Mein Pech, die .de-Domain Born war bereits weg, als ich so 2001 digital "wach" wurde – die Domain hatte irgend eine Umzugsfirma oder Spedition, wenn ich es richtig erinnere, registriert. Ich hab mich dann für borncity.de entschieden.

Heute bin ich älter, nicht immer "viel weiser, aber viel greiser" als damals und sehe, welche Last eine eigene Domain bedeutet, wenn Du auch noch digitale Identitäten wie einen E-Mail-Server mit der Domain verknüpft hast. Die Erkenntnis kam mir erstmals mit dem Beitrag Tippfehler: Millionen US-Militär-E-Mails gehen an TLD-Operator in Mali aus 2023. Geht dir die Kontrolle über die Domain verloren, hast Du auch keinen Zugriff mehr auf die E-Mail-Postfächer unter dieser Domain.

Auf ins Online-Kasino deiner Helios-Klinik

Szenenwechsel zur realen Welt. Gestern Nachmittag schlug bei mir die E-Mail eines Blog-Lesers mit dem Betreff "Klinik Hammelburg" auf. Darin verpackt der Hinweis, man lande dort online in einem Online-Casino. Telefonisch sei auch alles tot, und es folgte die Frage "Was da wohl am würgen ist…".

Webseite "Klinik-Hammelburg"

Hammelburg ist eine Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Sie liegt an den Ausläufern der bayerischen Rhön und an der Fränkischen Saale. Hammelburg ist als die älteste Weinstadt Frankens bekannt und wurde urkundlich erstmals im Jahre 716 erwähnt. Wisst ihr's jetzt.

Da ich keine Klinik-Webseite gefunden habe, fragte ich den Leser, was er so meint und wo er sich bloß herumtreibt. Die Story des Lesers ist einfach, denn der schrieb:

Klinik-Hammelburg

Ich verfolgte online einen hubschrauber, der von hammelburg kommend in meine richtung flog. Das niedrig und ziemlich schnell. Also wollte ich wissen, was es dort für kliniken gibt. Das hat mir siehe bild ausgespuckt.

Mit der Webdresse landet [man] auf einem spanischen onlinecasino. Dann wollte ich es genauer wissen und habe mir das telefon gegriffen. Dort ist niemand erreichbar. Später versuchen sagte die freundliche stimme am telefon. Der hubschrauber war vorbeigerast, das ziel habe ich aber nicht verfolgt. Grobe richtung war erfurt/ jena.

Nun ja, als im Westen sozialisierter konnte ich die Verortung Hammelburg liegt nahe an Erfurt nicht assoziieren – jetzt weiß ich, dass ich eher auf Bad Kissingen geschaut hätte – da es dort Kliniken gibt.

Wenn Digitalisierung schief geht

Kommen wir nun dahin, wo Digitalisierung schief geht oder vielleicht nicht so laufen sollte. Es gab die Helios OrthoClinic Hammelburg, die aber inzwischen dauerhaft geschlossen ist. Der Mainpost und dieser Initiative nach ging dort am 1. August 2024 "das Licht aus", die Klinik ist geschlossen und wurde zum Helios Elisabethen-Krankenhaus in Bad Kissingen umgezogen. Und was macht der Kontroller mit Assets, die er nicht mehr zu brauchen glaubt und kosten? Er kündigt diese, aus die Maus und gut ist (machen auch Insolvenzverwalter so, nur mal angemerkt).

Bei Telefonanschlüssen legt der Anbieter eine Sprachansage und vergibt den alten Anschluss nicht neu, wenn man Glück hat. Der arme Kunde, der die Telefonnummer einer Klinik als Neuanschluss bekommt, kann sich die Kugel geben, wenn ständig Anrufe an "das Klinikum kommen".

Bei der Webseite war es einfach: Die Domain hat sich dann der Betreiber der obigen Online Casino-Webseite gegriffen und dann eine Umleitung auf seine eigene Webseite eingerichtet. Na und? Einmal ist es a bisserl doof, dass ich so per Web die direkte Verbindung zwischen Helio Klinik Hammelburg und einem Online-Casino mit Lizenz aus Curacao herstellen konnte.

Brisant würde der Fall, falls es wirklich einen E-Mail-Server unter dem alten Domain-Namen gab (ist von mir Spekulation) und der neue Betreiber die E-Mails an die alte Klinik-Domain E-Mail-Adresse mit catch all abfängt. Ich hatte in nachfolgenden Artikeln auf diese Problematik hingewiesen. Dann wird ganz schnell eine Sicherheitsthema draus – auch wenn die elektronische Kommunikation der Klinik-Ärzte mit anderen Medizinern in Bezug auf Arztbriefe inzwischen (hoffentlich) über KIM läuft. Aber auch die Verwaltungsmitarbeiter, Pflegepersonal etc. dürften ggf. eigene E-Mail-Adressen am Klinikum gehabt haben. Alles unter Kontrolle des neuen Domain-Besitzers.

Ein Szenario, was so mancher Firma, aber auch Privatleuten, droht. Bleibt aber meist alles im Schatten – wird mit zunehmender Digitalisierung für Kollateralschäden sorgen. Dabei bin ich überzeugt, dass Helios die paar Euro-Cents pro Jahr sicher in der Porto-Kasse gehabt hätte, um die Klinik-Domain weiter für sich reserviert zu halten, auf einen anderen, eigenen Server umzuleiten und dort zu melden, dass man jetzt in Bad Kitzingen residiert. Gut, ein Controller oder Verwaltungsdirektor hat von IT-Sicherheit und Implikationen Null Ahnung – die sind eher bei Lindner und der FDP: Digitalisierung first, Bedenken second, was soll schon schief gehen, die Klinik ist doch geschlossen.

Spoiler: Ich habe meine E-Mail-Domain sorgsam von borncity.com, borncity.eu etc. getrennt, so dass der Verkauf der Domain die obigen Fragen nicht tangiert. Aber mich treiben schon zwei Fragen um: Was, wenn mir (durch einen technischen Fehler des technischen Hosters der Domain, ist mit meinem DSL-Vertrag assoziiert), oder meinem Ableben, die Kontrolle über diese Mail-Domain verloren geht. Auch wenn ich sehr zurückhaltend mit Digitalisierung bin, hängen doch einige digitale Identitäten dran, und es werden ggf. Passwort-Resets, Benachrichtigungen, Rechnungen etc. an meine E-Mail-Adresse übermittelt. Vielleicht übertrage ich die Domain in einigen Jahren an eines meiner Kinder, versehen mit dem Betrag X und der Maßgabe, die Domain für 20 oder 30 Jahre ungenutzt zu behalten.  Wer macht sich von euch Lesern über so etwas heute schon Gedanken? Oder wer hat das heute schon mit seinem digitalen Nachlass schon geregelt, und nur meine Wenigkeit stolpert blauäugig und planlos durch Digitalien?

Artikelreihe:
Digitalisierungs-Fail 1: Klinik-Hammelburg-Webseite als Online-Kasino
Digitalisierungs-Fail 2: API-Theater mit Wittmann auf Malta

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