Windows 10: Microsoft verlängert kostenloses ESU bis Oktober 2027

WindowsGute Nachrichten für Leute, die auf Windows 10 als Betriebssystem geblieben sind. Für Privatpersonen wäre der Extended Security Update Support (ESU) ja zum Oktober 2026 ausgelaufen. Nun hat Microsoft vor einigen Stunden  ohne große Ankündigung seinen Supportbeitrag aktualisiert und die Verlängerung der ESU-Unterstützung bis Oktober 2027 bekannt gegeben.

Windows 10 und bisherige ESU-Regelungen

Zum 14. Oktober 2025 ist ja der Support durch Microsoft für Windows 10 22H2 ausgelaufen, und es gibt keine Unterstützung mehr. Allerdings konnten Nutzer sich für das Extended Security Update-Programm (ESU) entscheiden. Mit ESU-Lizenz bekommen die Systeme mit Windows 10 22H2 weiterhin Sicherheitsupdates.

  • Für die Gruppe der Privatanwender galt das kostenlose ESU-Programm für ein Jahr und wäre im Oktober 2026 regulär ausgelaufen.
  • Für Business-Einsätze können Unternehmen ESU-Lizenzen für Windows 10 22H2 Enterprise kostenpflichtig über drei Jahre buchen.

Ich hatte in diversen Blog-Beiträgen (siehe Links am Artikelende) über diesen Ansatz berichtet. Für Privatnutzer hätte die obige Regelung bedeutet, spätestens ab Oktober 2026 auf Windows 11 hochzurüsten (falls die Hardware und Software mit macht) oder zu einem alternativen Betriebssystem wie Linux zu wechseln.

Die andere Alternative, die ich mehrfach hier im Blog angesprochen hatte, war die Verwendung von 0patch. ACROS Security wird Windows 10 22H2 für fünf Jahre, also bis 2030, mit sogenannten Micro-Patches versorgen, die in Windows 10 bekannt gewordene Schwachstellen absichern. Ich hatte im Blog-Beitrag Windows 10: 0patch sorgt für 5 Jahre Zusatzsupport darüber berichtet. Der Vorteil ist, dass auch Microsoft Office 20216 und 2019 mit abgesichert werden (siehe Windows 10 und Office 2016/2019 ab Oktober 2025 sicher betreiben – Teil 2).

Microsoft verlängert Windows 10 ESU bis Oktober 2027

Bereits seit den Abendstunden des 25. Juni 2026 rauscht die Nachricht, dass die ESU-Unterstützung für Windows 10 22H2 durch Microsoft bis Oktober 2027 verlängert worden sei, durch die Internetseiten. Es gibt den Microsoft Beitrag Stay secure with Windows 11, Copilot+ PCs and Windows 365 before support ends for Windows 10 vom 24. Juni 2025, verfasst von Yussuf Mehdi, Executive Vice President, Consumer Chief Marketing Officer bei Microsoft. Dort geht es um das geplante Supportende von Windows 10 zum Oktober 2025.

Windows 10 22H2 ESU

Mir ist über die Patchmanagement-Mailing-Liste obiger Post in mein E-Mail-Postfach gespült wird. Susan Bradley, die diese Mailing-Liste betreibt, verweist auf die "Editor's note" vom 25. Juni 2026, die Microsoft an obigem Beitrag von Yussuf Mehdi vorgenommen hat. Dort findet sich nun folgende Formulierung:

Editor's note – June 25, 2026 – This post has been updated to reflect that the Windows 10 Extended Security Updates (ESU) program for personal use devices is being provided for an additional year, with coverage now available through Oct. 12, 2027. This extension provides customers with more time to transition to a new Windows 11 PC while continuing to receive critical security updates.

Microsoft hat den Beitrag dahingehend modifiziert, dass das ESU-Programm für Privatgeräte nicht zum Oktober 2026 ausläuft. Vielmehr wird die ESU-Unterstützung für diese Geräte bis zum 12. Oktober 2027 verlängert. Das soll Nutzern mehr Zeit geben, auf Linux umzusteigen, ups, hab mich gerade verschrieben, ich meine natürlich nach Microsofts Lesart einen neuen Windows 11-PC zuzulegen.

Wer also in Europa ein Windows 10 22H2 Home oder Premium mit dem kostenlosen ESU-Programm aktiviert hatte und somit weiterhin Sicherheits-Updates erhielt, bekommt eine Verlängerung um ein weiteres Jahr spendiert. Es gibt also Sicherheits-Updates bis zum Oktober 2027. Die genauen Modalitäten sind noch unbekannt, ich gehe aber davon aus, dass sich wenig ändert und die Rechner sich automatisch für das Folgejahr mit ESU-Lizenz aktivieren.

Für Firmen ändert sich übrigens nichts, da für Windows 10 22H2 Enterprise das ESU für Business-Fälle kostenpflichtig erworben werden muss. Unternehmen können noch bis Oktober 2028 ESU-Lizenzen erwerben.

Und wer sich ein Windows 10 2021 IoT Enterprise LTSC beschafft, ist noch bis 2031 im Support.

Meine 2 Cents

Als erstes ist das schon mal eine gute Nachricht für die ca. 500 Millionen Windows 10-Nutzer, deren Geräte sich nicht auf Windows 11 hochrüsten lassen, weil sie die Hardware-Anforderungen nicht erfüllen. Die Rechner sind noch lange gut genug für Windows 10, man kann einfach mit den Systemen arbeiten, ohne durch Gimmicks traktiert zu werden. Das erlebe ich täglich, wenn ich statt Linux meinen Windows 10-Desktop (läuft auf einer 2019 LTSC Enterprise) und mein Windows 10 22H2 Notebook verwende.

Es ist auch eine interessante Nachricht für die mutmaßlich "etwas weniger als" eine halbe Milliarde Windows 10-Nutzer, die nicht auf Windows 11 wechseln wollen, weil sie schlicht keinen Vorteil sehen. Diese können weiter mit dem bisherigen Betriebssystem arbeiten, bleiben aber mit Updates abgesichert.

Und für Microsoft? Ist es sicherlich die "geräuschloseste" Lösung eines riesigen Schlamassels. Die Strategen aus Redmond haben sich schlicht in eine Sackgasse manövriert. Windows 11 war nie das "von Nutzern geliebte Betriebssystem", sondern bestenfalls notwendiges Übel. Durch die überzogenen Hardware-Anforderung, für die Windows 11 entwickelt wird, und die durch den AI-Hype beförderte Preisexplosion bei Hardware (RAM, SSDs, andere Komponenten) hat Microsoft sich quasi den eigenen Markt abgewürgt. Keiner wäre jubelnd umgestiegen, so mancher liebäugelt mit Linux oder anderen Lösungen.

Microsoft hätte sich einerseits wieder der Diskussion "die verschrotten Millionen gut funktionierender Windows 10-Rechner" ausgesetzt. Andererseits lauert die latente Gefahr, dass Windows 10-Nutzer feststellen, die Rechner laufen doch mit Linux genau so gut. Beide Punkte hat Redmond mit dem neuen Schlenker elegant abgeräumt. Denn Sicherheits-Updates müssen die Entwickler für Unternehmenskunden im ESU-Program bis 2028 und für Windows 10 2021 IoT Enterprise sogar bis 2031 bereitstellen.

PS: Das Ganze hat in meinen Augen etwas von "Chicken game", also zwei Autos, die aufeinander zurasen, um zu testen, wer als erster die Nerven verliert und zur Seite lenkt. Hier die Windows 10-Nutzer, die auf das Supportende zusteuern, möglicherweise die Nerven verlieren und einen neuen Rechner kaufen. Dort Microsoft, welches sieht, dass Millionen Rechner noch mit Windows 10 laufen und möglicherweise die Nerven verliert, weil die Rechner dann plötzlich potentiell unsicher sind und man das "verschuldet hat". Also hat Microsoft kurz vom großen Knall "einen Rückzieher" gemacht und ist "ausgewichen".

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