Der Computer der Zukunft steckt voller KI und braucht daher auch keine Menschen mehr, kann also auf Anwendungen und Apps sowie eine GUI verzichten. Denn Agenten sollen sich um alle Belange kümmern. Das ist die Kurzfassung dessen, was mir kürzlich als neuer Forschungsbericht untergekommen ist.
Das Ganze wird von nachfolgendem Tweet reflektiert, der die Schlussfolgerungen einer neuen Forschungsarbeit AgentOS: From Application Silos to a Natural Language-Driven Data Ecosystem zum Thema AgenticOS zusammenfasst.
Die Aussage ist, dass moderne Betriebssysteme wie Windows, macOS und Linux auf zwei Interaktionsmodellen basieren:
- GUI (Graphical User Interface): Klicken auf Symbole und Navigieren durch Fenster
- CLI (Command Line Interface): Eingabe von Befehlen in ein Terminal
Diese Modelle wurden für Menschen entwickelt, die Software manuell bedienen. Zum Problem wird dies für KI-Agenten, die komplexe Aufgaben über Dutzende von Tools hinweg koordinieren. Alle diese KI-Agenten laufen zwar immer noch innerhalb traditioneller Betriebssysteme. Aber die Betriebssystem-Designs führen bei KI-Agenten zu Problemen.
- Fragmentierung: Jede Anwendung existiert in ihrem eigenen Silo. Daten, Arbeitsabläufe und Berechtigungen sind auf verschiedene Programme verteilt.
- Kontextverlust: Umfasst eine Aufgabe mehrere Tools, besitzt das System kein einheitliches Verständnis davon, was der Nutzer erreichen möchte. Jede App sieht nur einen kleinen Ausschnitt des Arbeitsablaufs.
Hinzu kommen unübersichtliche Berechtigungen und versteckte Automatisierung. Viele KI-Tools umgehen daher normale Systemkontrollen, um Aufgaben zu erledigen, schreibt der Ersteller des Tweets. Forscher bezeichnen dieses Phänomen als "Shadow AI", bei der autonome Agenten systemübergreifend, aber ohne klare Struktur, Steuerung oder Transparenz, agieren.
KI-Agenten seien zwar leistungsstark, aber die Architektur von Betriebssystemen ist nicht für sie ausgelegt. Die Forscher der Studienarbeit schlagen Forscher deshalb ein neues Paradigma in Form eines neuen Betriebssystems namens AgentOS vor. Anstatt dass Apps auf dem Betriebssystem laufen, wird das AgentOS selbst zu einer Koordinationsschicht für die KI.
Im Zentrum von AgentOS steht der sogenannte Agent-Kernel. Dieser Kernel interpretiert kontinuierlich die Absichten des Benutzers und verwaltet intelligente Agenten. Der Kernel kann:
- Anfragen in natürlicher Sprache verstehen
- komplexe Aufgaben in kleinere Schritte unterteilen
- mehrere spezialisierte KI-Agenten koordinieren
- für jeden Schritt die richtigen Werkzeuge auswählen
Damit braucht es auch keine traditionelle Software mehr. Diese entwickelt sich zu etwas, das als "Skills-as-Modules" bezeichnet wird. Anstatt separate Anwendungen zu starten, werden Funktionen zu modularen Fähigkeiten, die Agenten dynamisch kombinieren können. Statt, wie herkömmlich beispielsweise mehrere Tools:
- einen Texteditor
- eine Tabellenkalkulation
- eine Präsentations-App
- einen E-Mail-Client
manuell zu öffnen, weist der Benutzer ein AgenticOS einfach an: "Analysiere diesen Bericht, extrahiere die wichtigsten Erkenntnisse, erstelle Folien und sende sie an mein Team." Der Agent Kernel interpretiert die Anfrage, wählt automatisch die erforderlichen Fähigkeiten aus und koordiniert deren Ausführung. Es braucht keine Anwendungen oder ein wechseln zwischen Fenstern mehr. Der Agent Kernel lässt einfach die betreffenden Skills ausführen. Dürfte aber noch einige Jahre dauern, wenn es denn überhaupt kommt. Und bis dahin bin ich aus dem Bloggen ausgestiegen und widme mich dem Gärtnern und meinen Rosen.




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