Wirkt Curry als Alzheimerprävention?

GesundheitIn den letzten Tagen habe ich ja einige Artikel zum Thema Alzheimer-Demenz (kurz Alzheimer) veröffentlicht. Gegen Alzheimer gibt es bisher keine wirksamen Medikamente, aber die Zahl der Patienten nimmt zu. Nun ist mir ein interessanter Ansatz unter die Augen gekommen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Es gibt Hinweise, dass Bestandteile von Curry einen gewissen Schutz vor Alzheimer bieten könnten.

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Die Alzheimer-Erkrankung ist eine hirnorganische Krankheit. Bei der Erkrankung kommt es zu einem langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen.

Die Erkrankung zeichnet sich durch eine zunehmende kognitive Beeinträchtigung der Patienten aus. Dazu gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Beeinträchtigungen und Störungen sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt, nehmen aber im Verlauf der Erkrankung zu.

Alter ist das größte Risiko

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. gibt an, dass Alzheimer-Demenz rund 12 % der über 65-Jährigen betrifft. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass über 48,6 Mio. Menschen weltweit an dieser Erkrankung leiden.

Was weiß die Forschung?

Das Problem ist teilweise das Verständnis der Vorgänge bei der Alzheimer-Erkrankung.  Die Alzheimer-Forschung geht davon aus, dass die Krankheit durch Ansammlungen des fehlerhaft konstruierten Tau-Proteins in den Zellen ausgelöst wird. Es kommt zur sogenannte Plaque-Bildung, die zur neuronalen Degeneration führen.

Eine interessante Arbeitshypothese

Die Autoren der nachfolgend angesprochenen Studie haben bereits in früheren Arbeiten eine Hypothese zu möglichen Mechanismen der Krankheitsentwicklung vorgeschlagen. Nach deren neuroimmunomodulatorischen Konzept löst das körpereigene Immunsystem eine Kaskade molekularer Signale aus. Dies führt dann letztlich zu Ansammlungen des fehlerhaft konstruierten Tau-Proteins in den Zellen – also den oben erwähnten Plaques – die zur neuronalen Degeneration führen. Die typischen Symptome von Alzheimer treten auf. Diese Hypothese scheint mit den klinischen Beobachtungen konsistent zu sein.

Pharmazeutika scheitern, helfen Nutrazeutika?

Was bringt diese Hypothese? Derzeit scheitern viele der gegen Alzheimer gerichteten Medikamente (Pharmazeutika), die auf die Auflösung dieser Tau-Proteine abzielen. Ein alternativer Weg könnte über Nutrazeutika (Nahrungsmittel) führen, also Nahrungsmittel, die gesundheitsrelevant wirken können. Solche Substanzen könnten eventuell zur Prävention und möglicherweise Behandlung der Alzheimer-Erkrankung eingesetzt werden.

In einer Studie ist man nun auf Curcumin gekommen. Dieses kommt in der Gelbwurzel (Kukuma) vor. Curcumin ist auch in der Würzmischung Curry enthalten und wirkt entzündlichen Prozessen entgegen. Die Forschung beschäftigt sich deshalb seit Jahren mit diesem Stoff. In diesem Artikel von Zentrum der Gesundheit wird Curcumin sogar als krebshemmend erwähnt. Auf dieser Internetseite sind weitere Indikationen aufgeführt.

Die Apothekenumschau widmete sich Ende 2016 in diesem Artikel ebenfalls dem Curcumin, zeigt sich aber zurückhaltend, ob die Gelbwurzel allerdings vor Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs schützen kann. Dort fordert man, dass erst aussagekräftige wissenschaftliche Studien zeigen müssen, was Curcumin diesbezüglich leisten kann.

Neuere Studien belegen Wirkung im Labor

Als Blogger gehen mir viele Meldungen zu medizinischen Studien zu. Vor einigen Tagen sind mir Informationen zu folgender Studie übermittelt worden:

Morales I, Cerda-Troncoso C, Andrade V, Maccioni RB. The Natural Product Curcumin as a Potential Coadjuvant in Alzheimer’s Treatment. J Alzheimers Dis. 2017 Aug 21. doi: 10.3233/JAD-170354. Link

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass bei oxidativen Stress die zellulären Reparatur- und Entgiftungsprozesse überfordert sind. Also genau der Mechanismus, der laut den obigen Hypothesen zu Alzheimer führt. Nun scheinen verschiedene Gehirnfunktionen, die auf Signalen des Neurotransmitters Acetylcholin basieren, mit Curcumin verbessert werden zu können. Jedoch sind die zugrundeliegenden Mechanismen bisher unklar.

Morales und Kollegen (2017) untersuchten nun die Effekte von Curcumin auf neuronale Zellkulturen im Labor. Dazu überforderten sie die zellulären Reparaturmechanismen dieser Zellen durch oxidativen Stress durch Zugabe verschiedener oxidativer Substanzen.

Typischerweise verlieren neuronale Zellen ihre neuritogenen Fähigkeiten unter oxidativem Stress – das heißt, sie können nicht weiterwachsen. Die Forscher hatten aber einem Teil der Zellkulturen Curcumin im Nährmedium beigemischt, während bei den Kontrollproben das Curcumin fehlete. Die Daten zeigten, dass Curcumin starke neuroprotektive Effekte auf die Zellen hatte, sie also vor der Toxizität der oxidativen Substanzen schützte. Die Studie konnte Anzeichen dafür finden, dass Curcumin auch hierbei den giftigen Substanzen entgegenwirkte. Zusätzlich verlangsamte sich im Curcumin-Medium die Ansammlung der Tau-Proteine, und lösten sich sogar auf.

Die Ergebnisse deuteten also darauf, dass Curcumin Potenzial zur Prävention der durch die Alzheimer-Erkrankung ausgelösten kognitiven Schäden haben könnte. Gleichzeitig zeigte die Studie Hinweise auf mögliche Wirkmechanismen und eröffnete damit einen Pfad für weitere Medikamententwicklungen zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung.

Zusammengefasst: Die Ergebnisse im Zellversuch lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen, da Curcumin kaum im Darm aufgenommen wird. In meinen Augen ist auch unklar, ob das Curcumin die Blut-Hirnschranke in genügend hoher Konzentration überwinden kann. Mit Curry wird man also kein Alzheimer aufhalten können. Aber die oben zitierte Studie enthält zumindest einen interessanten Ansatz im Hinblick auf weitere Forschungen zur Medikamentenentwicklung. Und in der Zwischenzeit haben wir ja die Erkenntnisse aus den nachfolgend aufgeführten, anderen Artikeln.

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