Microsofts gescheiterte / fehlende GUI-Strategie für Windows

WindowsHeute noch ein Thema, welches sich mit der gescheiterten GUI-Strategie von Windows über die letzten Jahrzehnte befasst – wobei ich konstatiere, dass Redmond da nichts in Bezug auf GUI-Strategie hat. Ein Insider hat vor einiger Zeit aus dem Nähkästchen geplaudert. Ich habe zudem ein wenig aus eigenem Erleben beigetragen. Hier ein kleiner Abriss.

Inneneinsichten: Microsofts Windows GUI-Strategie

Getriggert wurde der Artikel hier durch den Blog-Beitrag Microsoft Hasn't Had a Coherent GUI Strategy Since Petzold von Ex Microsoft Mitarbeiter Jeffry Snover. Snover ist heute im Ruhestand, stieß aber 1999 als Bereichsarchitekt zu Microsoft und war im Geschäftsbereich "Management and Services" tätig. Dort war er für die technische Ausrichtung der Managementtechnologien und -produkte von Microsoft verantwortlich.

Petzold mit klarer Vision und Strategie

Snover skizziert in seinem Blog-Beitrag die Irrungen und Wirrungen der Microsoft Windows GUI über die letzten Jahrzehnte. Er startet mit Charles Petzold, der 1988 sein Werk "Programming Windows" veröffentlicht hat. Hier einige Zitate:

  • [Am Anfang war] Die Win16-API in C. Und trotz ihres Umfangs stellte sie etwas Bemerkenswertes dar: eine einzige, schlüssige und maßgebliche Antwort auf die Frage, wie man eine Windows-Anwendung schreibt. In der Branche nennen wir das eine „Strategie".
  • Das darauf folgende Win32 war umfangreicher, aber immer noch kohärent. Nachrichten-Loops; Fensterprozeduren; GDI. Das mentale Modell war ein bisschen schräg, aber es war ein einziges mentales Modell.

Snover fasst es so zusammen: "Petzold erklärte es [Die Windows GUI-Programmierung]. Es war das Fundament von Windows. Einfach, Leistungsstark, man lernte es, man nutzte es. Man war erfolgreich. Klarheit ist dein Freund! Ein Betriebssystem, eine API, eine Sprache, ein Buch." Und noch ein Insight aus den frühen Windows-Tagen liefert Snover: Es gab kein Komitee, das über Alternativen für Managed Code debattierte. Es gab nur Win32 und Petzold, und es funktionierte.

Der Absturz im Chaos

Dann skizziert Snover, wie die "Bürokratie" und ein krudes Management bei Microsoft den Ansatz von Petzold gekillt haben. neowin.net, über deren Artikel hier ich auf den Beitrag von Snover gestoßen bin, fasst es etwas zusammen.

In den 1990er Jahren versuchte Microsoft dann, die Einschränkungen von Win32 mit MFC, COM, OLE und ActiveX zu umgehen. War zwar kein GUI, aber die Komponentenarchitekturen durchdrangen laut Snover jeden Winkel der Windows-Entwicklung mit steigender Komplexität. Der von Snover als Clusterfu*k (deutsch: riesen Schlamassel) bezeichnete "Abstieg" begann. Der Insider schreibt von "Objekt-orientiertem Fiebertraum" von 1992–2000.

Im Jahr 2003 präsentierte Microsoft Windows Longhorn, mit Avalon (später bekannt als WPF) als GUI-Technologie. Avalon baute auf dem GPU-beschleunigten, vektorbasierten UI-Subsystem XAML auf.

Im August 2004 gab es von Microsoft die neueste interne Vorgabe, für alle neuen Entwicklungen C++ zu verwenden. Windows Presentation Foundation (WPF) sollte zwar mit Windows Vista ausgeliefert werden, doch die Shell selbst sollte es nicht nutzen. Es gab dann Zoff zwischen dem .NET-Team und dem Windows-Entwicklerteam, und das Verhältnis sollte sich nicht mehr erholen.

WPF wurde zwar Ende 2006 intern fertig und hätte Potential gehabt, so Snover. Stattdessen kam der feuchte Traum von Silverlight als Technologie auf, der von 2007 an bis 2010 seine Urstände feierte. Am Ende des Tages starb Silverlight als Technologie (und Flash-Killer), während WPF zwar blieb, aber verwaiste.

Danach kam die Universal Windows Platform (UWP) heraus, die seinerzeit schon bei ihrer Einführung zum Scheitern verurteilt war. HTML 5 war ist nun der Standard, nur hat man dem Silverlight-Team das nicht mitgeteilt. Hier im Blog hatte ich 2015 Silverlight am Ende? Edge unterstützt es nicht! und Update KB4481252 für Silverlight (15.1.2019) letztmalig was zu dieser "Krankheit" geschrieben.

Aber Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn sich die Konfusion nicht noch toppen ließ. 2012 kam es zu Windows 8.x Metro-Entwicklung, was Snover als "Metro-Panik und der Krieg der Teams" bezeichnet. Apple hatte 200 Millionen iPhones verkauft und das iPad grub den PCs das Wasser ab. Microsoft kam schwungvoll mit Windows 8 und Metro, um "den Markt zu übernehmen" und fiel bekanntlich auf die Nase.

Snover berichte, dass sich intern zwei Teams (.NET und Windows-Entwicklung) bekriegten. Spannend die Insides von Snover. Windows 8.x hatte eine touch-orientierte Laufzeitumgebung namens WinRT, die bewusst nicht auf .NET aufbaute. Er erinnert an die oben erwähnte Verbitterung des Windows-Teams. WinRT war eine native C++-Laufzeitumgebung, ein klarer Bruch mit WPF, WinForms und einem Jahrzehnt Entwicklerinvestitionen in .NET, so Snover.

Das Windows-Team entwickelte WinRT. Das .NET-Team warb weiterhin für WPF. Verschiedene Gebäude, verschiedene Vice Presidents, verschiedene Roadmaps , schreibt Snover (erinnert mich an meinen letzten Arbeitgeber bis 1993).

Windows 10 brachte 2015 dann die Universal Windows Platform (UWP) mit dem Versprechen: Einmal Anwendungen als App schreiben, und auf PC, Smartphone, Xbox und HoloLens ausführen. Problem: Windows Phone ist tot, Office, Visual Studio und die Windows-Shell nutzten UWP nicht. So 2021 gab es das Projekt Reunion / WinUI 3 mit dem Versuch, das Ganze irgendwie noch hinter einen Zaun zu kriegen. Project Reunion sei eine organisatorische Notlösung, die als technische Lösung getarnt war, schreibt Snover.

Snover fasst das Schlamassel bei Windows mit der Aussage eines Entwicklers aus dem Jahr 2024 zusammen: "Ich habe die ständigen Veränderungen bei Microsoft verfolgt: UAP, UWP, C++/CX, ersetzt durch C++/WinRT ohne Tool-Unterstützung, XAML Islands, XAML Direct, Project Reunion, der Neustart von WinAppSDK, der chaotische Wechsel zwischen WinUI 2.0 und 3.0 …" Und zieht das Fazit: Vierzehn Jahre. Vierzehn Kurswechsel.

Mein eigener Blick auf das Ganze

So als schlichteres Gemüt mit Null Ahnung, aber viel Meinung, habe ich das Ganze eher aus der Ferne beobachtet. Ich habe gestaunt, wie die "Fachkollegen" mit Begriffen wie Avalon, Metro, WPF etc. um sich warfen und das scheinbar nicht nur verstanden, sondern auch zitiersicher beherrscht. So als schlichtes Gemüt habe ich auf der Basta 2005 oder 2006 letztmalig so etwas "Ok, Du hast verstanden, wo die Genialität von WPF und XAML liegt, ist die Zukunft"-Gefühl aufblitzen sehen, mich dann aber aber aus der Entwicklung verabschiedet.

Meine Microsoft-Insights passierten früher und viel schnöder, denn ich war "Outsider", der von draußen auf den Zirkus blickte. Als ich 1993 als Schreiberling in die Selbständigkeit startete, gab es Windows 2.x und bald 3.x. Und dort gab es – aus meiner Sicht – den Versuch, dass Aussehen der Windows-Fenster, der Menüs und der GUI so zu vereinheitlichen, dass ein Anwender die gleiche Handhabung zwischen unterschiedlichen Anwendungen wiedererkennen konnte.

Dann kam 1995, und Microsoft brachte Windows 95 auf den Markt. Bei Microsoft Press USA erschien "Programming the Windows 95 user interface" von Nancy Cluts. Zu dieser Zeit gab es von Microsoft Press Deutschland einen Anruf, der in meinem Büro auflief: "Born, wir wollen den Cluts-Titel auf Deutsch übersetzen, übernehmen sie das?".  Die Übersetzung des Buches war für mich ein Augenöffner – da gab es ganz klare Vorgaben, was auf der Benutzeroberfläche von Windows für Elemente verwendet werden, wie diese auszusehen und anzuwenden wären und wie Menüs etc. zu gestalten seien.

Meine Erinnerung an dieses Buch: "Wow, da haben die bei Microsoft den Stein der Weisen gefunden, wenn die das durchhalten, rollen die den Markt gnadenlos auf". Dazu muss ich sagen, dass ich in dieser Zeit auch ein Buchmanuskript eines Autorenkollegen zu IBMs OS/2 (OS-Halbe) als Herausgeber betreute. Ich rief den Kollegen mitten in der Lektüre des Manuskripts an und fragte "was hast Du dir da zusammen geschrieben?", und der meinte nur "das ist O-Ton IBM, bei OS/2 ist das so".

Schwank am Rande, ist inzwischen "verjährt": Kurz nach der Übersetzung des Nancy Cluts-Titels kam den nächste Anruf aus München: "Born, wir wollen den neuen Petzold übersetzen, sind Sie dabei? Aber Sie sind Projektverantwortlicher, in sechs Wochen ist das Manuskript von 1.000 something Seiten fertig übersetzt bei uns." Ich habe mir einen halben Tag Bedenkzeit erbeten, zwei Anrufe getätigt und hatte ein Team von "drei Musketiere" zusammen, von denen jeder 300+ Seiten übersetzen sollte (gab da noch kein Deepl oder ChaptGPT, und Microsoft hat noch richtige Bücher gemacht).

Wurde mein Waterloo, denn am Ende des Tages habe ich den Petzold alleine übersetzen müssen – teilweise rund um die Uhr. Ja, ich habe die die 1.000+ Seiten abgerissen und die Termine gehalten. Der Petzold lag in deutscher Übersetzung zum Wunschtermin in den Buchhandlungen. Aber die Übersetzung war nicht wirklich richtig gut – mit mehr Zeit hätte ich die mir zugedachten 300 Seiten durchpflügen und in deutschem Kontext "ausliefern" können. So musste ich das englische Manuskript durchhecheln im Kopf übersetzen und den deutschen Text tippen, bis die Finger wund waren. Da bleibt dir keine Zeit für tiefergehende Überlegungen, was man besser machen kann. Ist so in etwa der Kontext, unter dem ich die Entwicklung von 1993 bis heute bei Windows verfolgt habe.

Es hätte mit Microsoft genial werden können. Die hatten gut vorgelegt, und 1998 gab es sogar ein Buch von mir zur Registrierung von Windows 1998 direkt in Englisch geschrieben und bei Microsoft Press USA erschienen. Teile wurden später in das offizielle "Microsoft Windows 98 Ressource-Kit" übernommen. Mein Registry-Titel zu Windows 98 muss palettenweise zu den Windows-Entwickler gekarrt worden sein, erzählte mir der US-Lektor seinerzeit. Es hätte steil gehen können. Hätte, hätte Fahrradkette …

Und damit kommen wir wieder mit Snover und dessen Insides weiter oben zusammen. So 2000 erlebte ich mit Microsoft Press USA mein Waterloo, als ich was zu Windows Script Host verfassen sollte. Es war die Zeit, als eine US-Kartell-Untersuchung eigentlich zur Zerschlagung Microsoft hätte führen sollen. Hintergrund war der Vorwurf, dass Microsoft seine Monopolstellung ausnutzt, um den internen Windows- und Office-Entwicklern einen Insider-Vorsprung bei der Produktentwicklung zu verschaffen und externe Entwickler auszubremsen.

Das führte zur berühmten "Chinese Wall", die intern bei Microsoft organisatorisch zwischen Geschäftsbereichen und Teams eingezogen wurde. Ich hatte in dieser Zeit alle 6 Wochen einen anderen Lektor als Ansprechpartner bei Microsoft Press USA, und die Projekte scheiterten (über 1.000 Seiten englisches Manuskript in den Sand gesetzt). Natürlich ging es auch bei den Windows Entwicklern ebenfalls drunter und drüber, was möglicherweise später auf die Longhorn-Entwicklung durchschlug.

Das 9/11-Ereignis 2001 und die Paranoia der US-Homeland-Security gab dann für mich den Ausschlag, alle Verbindungen meinerseits mit Microsoft Press USA zu kappen. Seit dieser Zeit habe ich als sehr weit außenstehender die Windows-Entwicklung für deutsche Verlage und Microsoft Press Deutschland begleitet. Windows 2000, Windows Millennium, Windows XP waren von der Benutzeroberfläche das, was ich aus dem Titel von Nancy Cluts kannte und schätzen gelernt hatte. Selbst Windows Vista (2007) und Windows 7 (2009) bauten auf dieser Welt auf.

Die Älteren unter den Blog-Lesern erinnerten sich aber noch an Windows Longhorn, Steve Ballmer und die Versprechen zu einem genialen neuen Windows-Betriebssystem, was dann nicht kam, und nach einem großen Reset als Windows Vista 2007 auf den Markt geworfen wurde. Zwei Jahre später schob Microsoft 2009 Windows 7 nach, was (neben Windows XP) in meinen Augen einen "nicht tot zu kriegen"-Status hatte.

Und dann kamen 2012 Window 8 und Metro, die Kacheloberfläche, die Metro-Apps und die Zeit, wo ich "angeleint auf dem Bürostuhl in meinem Büro arbeiten musste". Angeleint, um nicht der Versuchung zu erlegen, vor Verzweiflung aus dem Fenster zu springen, wenn ich mal wieder eine Windows 8-Beta-Version für irgend ein Buch auf dem Tisch bekam. Bei meinem Büro im 1. Stock wäre das mit etlichen Brüchen ausgegangen.

Ok, ist jetzt spitz formuliert, aber ich bin fast verrückt geworden. Unabhängig von der Kachelbedienung und der Touch-Oberfläche in Windows 8, die erkennbar für Desktop-Rechner nicht funktionierten konnte, erkannte ich noch etwas anderes: Microsoft hatte Jahrzehnte an GUI-Entwicklung über Bord geworden. Die Apps waren von der Bedienoberfläche das reinste Chaos. Jeder Entwickler schnitzte sein eigenes Zeug.

Ich habe adhoc keinen meiner damaligen Blog-Beiträge gefunden, wo ich über den Verlust einer klaren Bedien-Vision für Metro-Apps geklagt habe. Ich erinnere mich aber, dass da der Gedanke war, dass Microsoft "auf den Bauch fällt", weil Anwender sich mit den Metro-Apps nicht mehr zurecht finden. Jeder App-Entwickler bastelte sich seine eigene Bedienoberfläche zurecht. Nur native Windows-Anwendungen hatten noch das Look-and-Feel von früher – aber die sollten ja nach dem Willen Microsofts verschwinden. Apps, Apps, Apps, gekauft im Windows Store, war das Credo.

Zu dieser Zeit ist auch meine Begeisterung für Windows gekippt und es ist auch die Zeit, wo ich langsam aus dem Schreiben von Windows-Büchern ausgestiegen bin (weil der Kollaps absehbar war). Die Blog-Beiträge Neues zu Windows 8 (2012), Windows 8.1: (nicht nur) Entwickler sind angepisst (2013) und Windows 10 Apps: Können PWAs es reißen? (2018) lassen die damalige "Stimmung" durchblitzen. Ich habe damals schon vor gewarnt, was uns heute auf dem Füße fällt: Cloud-Fokussierung, gesperrte Online-Konten, Software as a Service als Bananaware, die beim Kunden reift und öfters mal umgestoßen wird. Tja, wie es bis heute weiter gegangen ist, weiß vermutlich jeder Leser selbst am besten.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, Microsoft hat "keine Erzählung mehr, die die Kundenerwartungen trifft". Ein WordStar, ein Multicalc, die später in Word, WordPerfect oder Lotos 1-2-3 mündeten, brachten den Leuten einen Vorteil. Das waren Killer-Anwendungen, die ihren Weg auch ohne großes Marketing machten. Bis so Windows XP, max. Windows 7 sehe ich noch irgendwie, dass Microsoft sein Windows unter der Haube als Betriebssystem weiter entwickelte. Aber bereits damals war schon zu viel "Eye Candy" im Vordergrund. Und das Wissen der Anwender zur Bedienung wurde ab Windows 8 mit jeder Version über den Haufen geworfen. Das konnte nicht gut gehen.

Wenn ich sehe, wie wenig das Startmenü von Windows 11 heute noch verwendet wird – und wie das früher unter Windows 2000 bis Windows 7 war, lässt sich die Fehlentwicklung erkennen Heute erklären mir die Leute, dass sie die Suche verwenden oder Verknüpfungen ablegen. Mache ich übrigens bei Windows 10 auch so – nur bei Linux Mint arbeite ich noch mit dem Startmenü. Stattdessen meint Microsoft nun mit Gimmicks wie AI den Benutzer abholen zu müssen und wirft Funktionen mit Windows auf den Markt, nach denen niemand gefragt hat. Eine absolute Fehlentwicklung in meinen Augen.

Ist aber nur meine "Außensicht", ohne die Insides von Snover. Spannend fand ich, die Inneneinsichten von Snover mit dem abzugleichen, was ich als Außenstehender so erlebt habe. Und da fiel beispielsweise die Geschichte mit der "Chinese Wall" mit zig Umorganisationen Microsofts ein. Dass wir deutschen Autoren und Übersetzer damals von der Nomenklaturgruppe in Redmond gefragt wurden, wie bestimmte GUI-Elemente oder Begriffe im deutschen Office oder Windows heißen sollten, ist eine Fußnote. Diese Welt gibt es nicht mehr – und die Nomenklaturgruppe ist längst aufgelöst.

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21 Kommentare zu Microsofts gescheiterte / fehlende GUI-Strategie für Windows

  1. Red++ sagt:

    Wie Microsoft hatte mal eine Strategie? Das wäre mir aber neu! Zumindest die KI Strategie hat irgendwie nicht so Funktioniert wie sie sich es gedacht haben, das Ding schaut doch erst mal vom Tisch zu sein. Zumindest schaut es so für mich und den Moment aus!
    Ansonsten kann ich momentan keine Richtige Strategie für die Zukunft bei Microsoft entdecken.

  2. WLanHexe sagt:

    Schöner Artikel. Fasst es sehr gut zusammen, was ich über die letzten Jahrzehnte von Windows wahrgenommen habe und ich kenne Windows auch schon seit 3.11, bin so richtig aber erst mit 95 eingestiegen. Bis Windows 7 hab ich das Startmenü auch sehr gern und viel genutzt. Wobei ich die Oberfläche Bei Win7 und XP immer auf klassisch umgestellt hatte. Damals verfolgte ich immer das Ziel, einen möglichst klaren, aufgeräumten Desktop zu haben, und so hab ich nur das, was ich absolut oft nutze, auf dem Desktop verknüpft. Alles Weitere verblieb bei mir im Startmenü und so ergab sich für mein Usecase ein Mix aus "aufgeräumt und alles schnell erreichbar".

    Das konnte ich seit Windows 10 nie mehr umsetzen, da ich das Startmenü seit Win 10 überhaupt nicht mehr mochte. Windows Vista und Windows 8 hab ich persönlich übersprungen. Vielmehr ging ich dazu über, vieles über die Suche zu erreichen, was der Artikel auch beschreibt. Gefühlt war für mich die Suche unter Windows seit Win 10 das erste mal brauchbar geworden. Zumindest wenn es darum geht, eine App zu öffnen…

    Danke für den schönen Lesestoff.

    • Wolf789 sagt:

      Genau meine Erfahrung. Wobei ich Win10 nur noch zwangseise hin- u. wieder nutze.

    • Christian Krause sagt:

      ich habe als Kind schon mit Windows 3.11 "gearbeitet". mein erster Rechner hatte Windows 98.
      Was ich damals noch wusste: Die Oberfläche von Windows 3.11 war durchdacht. und man konnte alles mit der Tastatur bedienen.

      als ich neulich ein Programm für Windows 3.11 in eine dosbox gepackt habe, musste ich an einer Stelle kurze Zeit ohne Maus auskommen. und es war gar kein Problem. die Oberfläche von Windows 3.11 konnte man ohne Probleme und zeiteinbußen komplett mit der Tastatur bedienen.
      Hut ab.
      Heute undenkbar.

  3. Luzifer sagt:

    Das einzige was MS konnte war MS-DOS (und das war mehr oder weniger "geklaut"; DR-DOS anyone) "Fenster" GUI gab es da schon bessere als MS noch mit DOS unterwegs war (Amiga OS; AtariOS; Mac)… Windows GUI war schon immer nur von anderen "zusammenkopiert".. was gerade hipp ist, nur eben schlecht kopiert.

    Das große Crux: es hat sich halt durchgesetzt!

  4. Stefan sagt:

    Ich schließe mich an. Das trifft auch genau mein Empfinden zur Windows Entwicklung.
    Windows war auch in der Vergangenheit oft technisch fragwürdig. Aber konsequent und die hervorragende Useabilty hat zu einer enormen Verbreitung geführt.
    Ich habe insbesondere kein Verständnis warum man in W10/11 die Administration an vielen Stellen ändert. Die neue GUI ist unübersichtlicher, enthalt weniger Informationen, lässt weniger Änderungen zu und ist zeitaufwendiger zu bedienen.
    Man hätte die vorhandenen Elemente einfach nachbauen können und Altlasten wie fehlende Skalierbarkeit, etc. beheben können. Ich habe auch keinerlei Verständnis dafür, dass man für einen Umbau Jahrzehnte braucht.
    Das Startmenu habe ich auch in W10 noch für gut bedienbar gehalten. Das fällt für mich eher in die Kategorie Umgewöhnung. Hatten wir immer von Version zu Version in Windows.
    In W11 hingegen haben sie eine "klassische" Bedienung vollständig aus den Augen verloren. Die blinde Bewegung der Maus nach unten links (+Keyboard Eingabe). Irgendjemand bei MS dachte sich wir designen das Windows Logo mal so um, dass es ein paar Pixel kleiner ist und Abstand zum Rand hat. So eine kleine Änderung, aber so undurchdacht.

  5. janil sagt:

    Frohe Pfingsten!
    Wieder mal eine sehr schöne Zusammenfassung der Missstände bei MS.
    Benutze LTSC und Mint und CachyOs je nach Bedarf und Lust und Laune. 11 läuft auf Testgerät only und wird produktiv auch ausgelassen. Ein wenig Zeit ist ja noch, die OS nach Bedarf zu nutzen.

  6. Tim B. sagt:

    … und immer wieder muss man sagen: sie können all diese Dinge machen, weil niemand anderes da ist. In Bezug auf die verfügbare Software für das OS. Es ist so gut wie alles da, für alles und jeden Zweck. In Teilen noch Apple und dann so gut wie nichts mehr, obwohl umsonst und kostenfrei.

  7. Alfred E. sagt:

    Lustig fand ich damals die Berichterstattung in den "Fachzeitschriften" zu Windows 8. Bevor es auf dem Markt war, war die allgemeine Berichterstattung so, dass der doppelte Desktop Mist sei….

    Als Windows 8 dann so auf den Markt kam, hieß es plötzlich, gar nicht so schlimm, schließlich braucht es nur einen zusätzlichen Klick, bis man wieder beim klassischen Desktop ist. Einer der seltenen Fälle, wo der Konsumer nicht mitgegangen ist…

    Außerdem habe ich nicht verstanden, wieso man eine neue GUI auf den Markt bringt, seine (damalige) Killerapplikation (Office) aber nicht gleichzeitg mit der neuen GUI veröffentlicht hat (wenn ich mich recht erinnere, war das aus technischen Gründen wegen der Berschränkungen von METRO nicht möglich, aber ihr könnt mich berichtigen)

  8. Traeumerin sagt:

    Ach… dieser herrliche Artikel hat mich träumen lassen, zurückerinnern an damals…. Kurz OT: Ich liebte und liebe Windows 2000. Ja, sogar die Optik der GUI. Ich wünschte, es gäbe eine neue Auflage von Windows 2000, mit Unterstützung von mehr als 8GB RAM und auf 64Bit. ABER, mit der alten GUI Optik und kein MOD für Windows 10 oder so… . Mensch, das würde mich richtig glücklich machen.

    • Christian Krause sagt:

      ich nutze seit einigen Jahren ein Windows 95 Desktop Theme (chicago95) für xubuntu und bin jeden tag aufs neue begeistert.

      • Anonym sagt:

        Alternative Retro-"Experience": Stil "Redmont97NT" und für die Icons "SE98" nehmen (Google ist Dein Freund), nebst Schriften von Windows.

  9. Grüsch sagt:

    Sehr schöner Artikel. Es ist ja leider nicht nur so, dass jeder seine eigene Oberfläche bastelt, sondern auch Shortcuts überall anders sind. Selbst wenn die Programme von Microsoft selbst stammen, kann man sich darauf nicht mehr verlassen. Ich erwarte von Programmen (bzw. Apps wie es jetzt heißt) eine einheitliche Oberfläche und auch einheitliche Shortcuts. Ich kenne ja Windows seit Version 2 und leider bestätigt der Artikel, was ich all die Jahre mit jedem neuen Windows geahnt hatte. Ich war entsetzt, als ich letztens das neue Starmenü von Windows 11 sah. Zum Glück muss ich mir das privat nicht mehr antun…

  10. Anonym sagt:

    Ich bin bei der GUI schon länger wieder Retro unterwegs – allerdings unter Linux, mit einem Windows-Classic-Look. Da hat jedes Fenster noch eine Titelzeile, und die verändert die Farbe, je nachdem, ob sie im Vordergrund ist, oder im Hintergrund. Und das egal bei welchem Programm.
    Auf meinem Dienstrechner unter Win11, für dessen Nutzung ich Schmerzensgeld erhalte, ist das User-Erlebnis, äh, sorry falsch übersetzt, die "Erfahrung" (würg!) eine durchwachsene. Manche Programmen, äh, Apps habe Titelleisten, manche nicht, manche verändern die Farben je nach vorn/hinten, manche nicht. Inkonsistenter Wildwuchs, und wir sprechen hier von Office-Anwendungen.

    Aber für die Taskleiste haben sie ja noch das kleine Schlupfloch gelassen, das Start-Menü wieder links zu positionieren, und Fensterreiter zu haben. Nicht so gut wie früher, aber immerhin. Es bleibt abzuwarten, ob das noch lange bleibt, denn die Otto-Normal-Nutzer verirren sich seltener in die Einstellungen, um das zu ihren Gunsten anzupassen. Und wenn es keiner nutzt, na dann, weg damit!
    Aber was Millionen Fliegen… Ach, ihr wisst schon!

  11. Froschkönig sagt:

    Man könnte ja meinen, nach vier Jahrzehnten des Wanderns durch die wechselnden Landschaften der Bedienoberflächen hätte sich so etwas wie eine stabile Formsprache herauskristallisiert. Doch nein — die GUI‑Welt gleicht eher einem unsteten Organismus, der mal asketisch wie ein Zen‑Mönch auftritt, mal wie ein überdrehter Jahrmarkt seine Funktionsknöpfe in alle Richtungen schleudert. Neulich fiel mir ein alter Windows‑95‑Rechner in die Hände, und ich war regelrecht erschüttert, wie viele Elemente sich dort noch weigerten, auf einen rechten Mausklick mit einem Kontextmenü zu antworten, oder wenn doch, wie klein dort das Angebot an Unterpunkten war. Es ist, als würde man in eine Zeit zurückblicken, in der die Benutzeroberfläche noch nicht wusste, was sie einmal werden wollte.

    Über die Jahrzehnte hinweg herrscht weniger Kontinuität als vielmehr ein rastloses Hinterherhecheln hinter ästhetischen Moden, die mal sinnvoll erscheinen, mal wie ein spontaner Einfall nach einer zu langen Design‑Retreat‑Nacht. Und doch bleiben die Grundprinzipien bestehen — ähnlich wie beim Autofahren, wo Gas, Bremse, Kupplung und Lenkrad seit Ewigkeiten in einer Art stillschweigender Übereinkunft gleich funktionieren. Kennt man Windows, findet man sich irgendwie auch auf MacOS oder Linux zurecht, zumindest so weit, dass man Programme starten kann, ohne vorher ein spirituelles Reinigungsritual durchführen zu müssen.

    Der größte Sprung war für mich der Übergang von Windows 3.0 zu jenem Bedienkonzept, das Windows 95 etablierte — ein Konzept, das, wie man munkelt, nicht ganz zufällig frappierende Ähnlichkeiten zu RiscOS auf den alten Acorn‑Archimedes‑Maschinen aufweist. Danach waren die Umstellungen meist eher graduell, selbst der Sprung von 7 auf 8, auch wenn Microsoft damals versuchte, dem PC eine Touch-Oberfläche überzustreifen, die ihm so gar nicht stand. Viele Programme verweigerten schlicht die Kooperation, und selbst die hauseigenen Tools wirkten, als hätten sie den neuen Dresscode nicht verstanden.

    Ein ähnliches Gefühl der Entwurzelung überkommt mich jedes Mal, wenn ich ein Linux‑System vor mir habe. Man weiß nie, welche Desktop‑Inkarnation diesmal erscheint — Gnome, KDE, irgendwas anderes, das sich spontan materialisiert hat. Am ehesten komme ich noch mit den modernen KDE‑Varianten klar, aber auch dort rennt man den Trends hinterher, die Apple oder Microsoft gerade vorgeben. Man denke nur an die Office‑Ribbons, die LibreOffice inzwischen nachahmt, als sei es ein modischer Schal, den man halt trägt, weil alle ihn tragen.

    So entstehen immer wieder Brüche, mal optisch, mal konzeptionell. Funktionen verschwinden, weil irgendjemand glaubt, sie seien obsolet, andere tauchen auf, nur um später festzustellen, dass niemand sie wollte. Und doch muss der alte Ballast aus Kompatibilitätsgründen weiter mitgeschleppt werden, wie ein geisterhaftes Erbe, das man nicht ablegen darf, weil sonst uralte, aber wichtige daran nagepasste Anwendungen ihren Dienst verweigern würden.

    Im Großen und Ganzen bin ich mit der GUI von Windows 11 zufrieden, aber manches wirkt wie eine Entscheidung, die in einem Meeting entstand, das besser hätte abgesagt werden sollen. Die frühere Freiheit, Fensterelemente farblich zu gestalten, fehlt mir. Heute bleibt einem meist nur die Wahl zwischen „Hell" und „Dunkel", und die Unterscheidbarkeit aktiver und inaktiver Fenster ist so subtil, dass man öfter daneben klickt, als einem lieb ist. Eine einzige Akzentfarbe darf man bestimmen — ein großzügiges Geschenk, das von den meisten Programmen ignoriert wird.

    Doch eines muss man den alten GUI‑Relikten lassen: Sie funktionieren. Dank solcher Kompatibilitätsschichten laufen selbst Programme aus der Windows‑95‑Ära noch heute, und unter Linux sorgt Wayland mit seinem X‑Wrapper für ähnliche Wunder.

    Von allen GUIs, die ich je benutzt habe, hat mich BeOS am meisten beeindruckt. Dort schien das System wirklich zu verstehen, dass der Benutzer im Mittelpunkt steht. Selbst unter hoher Last reagierte es sofort auf Eingaben — ein Verhalten, das moderne Systeme insbesondere mit Bluetooth‑Mäusen unter Stress gerne vergessen, da werden Mausbewegungen dann gerne schlicht ignoriert oder nur stark verzögert wiedergegeben.

    Und für uns Nostalgiker des Windows‑7‑Startmenüs ist die Lage derzeit etwas prekär: Die neueste Version des OpenShell‑Installers verweigert unter Windows 11 den Dienst, weil sie nicht signiert ist. Die Echtheit der Datei lässt sich nicht verifizieren, und Windows blockiert sie konsequent. Zum Glück existiert noch die vorherige Version. Ja, man könnte SmartScreen deaktivieren, aber angesichts der aktuellen Sicherheitslage und der jüngsten Vorfälle rund um GitHub lasse ich das lieber und hoffe, dass die Entwickler bald wieder die gängigen Standards einhalten.

    (Für Freund "Anonym" mal wieder per Copilot umgeschwurbelt, damit er mich nicht mit dem Blümchen verwechselt)

  12. Tomas Jakobs sagt:

    Zur Windows "Designsprache" habe ich vor Jahren eine Bildergalerie des Schreckens veröffentlicht:
    https://blog.jakobs.systems/blog/20210626-windows11/

    Ansonsten hier eine andere Perspektive auf das gleiche Elend:
    https://blog.jakobs.systems/blog/20250712-vom-messdiener-zum-ketzer/

    Und ich habe soeben in meine 4. Auflage des "Petzolds" nachgeschaut.
    Da steht bereits ein anderes Übersetzungsteam drin ;-)

  13. Stefan sagt:

    Für mich wirkt das ganze irgendwie so, das die Hersteller/Entwickler keine Lust haben Fehler zu beheben oder keine Ideen für neue Funktionen. Dann wird am Aussehen gedreht. Und nicht nur am PC, auch am Smartphone, Website usw. Evtl. sind manche Anwendungen auch fertig entwickelt. Dann drehe ich an der GUI, nehme Funktionen wieder raus oder baue KI ein.

  14. Bernd sagt:

    @Günter Born:
    Aus Interesse wie es in den alten Zeiten lief: Auf welcher Basis hast du denn das Buch zur Windows-Registry geschrieben? Hast du von Microsoft die Entwicklungsdoku bekommen und diese dann in ein anwenderfreundliches Format umgewandelt? Oder hast du das alles selber herausgefunden?

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