Nightmare Eclipse, der bereits einige Schwachstellen in Microsoft Software offen gelegt hat, hat zum 10. Juni 2026 eine weitere Möglichkeit skizziert, auf Bitlocker-Laufwerke zuzugreifen. Die eher durch Zufall entdeckte Schwachstelle, die er GreatXML nennt, missbraucht den Offline Scan des Defenders, um auf mittels Bitlocker verschlüsselte Laufwerke zuzugreifen.
Über die durch Nightmare Eclipse offen gelegten 0-day-Schwachstellen in Microsoft Software hatte ich ja in den am Beitragsende verlinkten Blog-Beiträgen berichtet. Nun gibt es eine neue Veröffentlichung unter dem Begriff GreatXML, die in nachfolgendem Thread aufgegriffen wurde.

Sicherheitsforscher Steven Lim schreibt dazu, dass GreatXML eine Windows-Zero-Day-Schwachstelle ist, die BitLocker umgeht. Dazu werden die Wiederherstellungsumgebung (WinRE) von Windows und Defender-Offline-Scans ausgenutzt. Dadurch kann ein Angreifer eine uneingeschränkte Shell erlangen und ohne Anmeldedaten auf verschlüsselte Laufwerke zugreifen.
GreatXML: Ein Bitlocker Bypass
Nightmare Eclipse hat zum 10. Juni 2026 den Blog-Beitrag GreatXML a bitlocker bypass that seems to only work if you ever had Defender Offline Scan mit seiner neuesten Entdeckung veröffentlicht. Der Bitlocker Bypass GreatXML sei eine eher zufällige Entdeckung gewesen, schreibt er.
Die trivialen Details zur Ausnutzung des Bitlocker Bypass hat Nightmare Eclipse auf GitHub beschrieben. Die Schritte zur Reproduktion des GreatXML Bitlocker Bypasses sind denkbar einfach:

Defender Offline Scan mit geöffneter Eingabeaufforderung
- Auf dem Windows-Zielrechner ist ein Defender-Offline-Scan zu starten (siehe z.B. diese Microsoft Supportseite). Bei diesem Vorgang wird keine Benutzeranmeldung verlangt und der Rechner ist automatisch anfällig.
- Ein Angreifer muss lediglich während dieses Vorgangs die Datei unattend.xml und das Verzeichnis Recovery in das Stammverzeichnis der Wiederherstellungspartition (WinRE) kopieren. Zum Kopieren der Datei und des Ordners sollte sich eine Eingabeaufforderung verwenden lassen, die mit Shift+F10 geöffnet werden kann.
- Anschließend reicht es, mit Umschalt + Klick auf die Schaltfläche Neustart einen Neustart in WinRE durchzuführen.
Wurden die Schritte korrekt ausgeführt, bekommt der Angreifer eine Shell mit uneingeschränktem Zugriff auf das BitLocker-Volume (siehe folgende Abbildung).

Das Ganze erfordert allerdings, dass der Angreifer bereits Zugriff auf das System des Opfers hat und den Defender Offline-Scan starten kann. Dann konnte er auf die Bitlocker-Volume aber bereits zugreifen. Aus meiner Sicht ist die Schwachstelle daher schon ein wenig exotisch, man könnte sogar diskutieren, ob es überhaupt eine Schwachstelle ist, denn der Defender Offline Scan "works as designed" und wie häufig wird das genutzt?
Wurde der Defender-Offline-Scan bisher nie gestartet, müssen Angreifer sich entweder am System anmelden und den Defender-Offline-Scan selbst starten. Oder sie müssen einen Weg finden, im Offline-Scan-Modus in WinRE zu booten und die oben genannten Schritte befolgen, schreibt Nightmare Eclipse.
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Naja, diese Schwachstelle hat noch einen Effekt:
Man hebelt damit das Sicherheitssystem bzgl. der Benutzerrechte aus.
D.H. man bekommt auch Zugriff auf die Benutzerprofilverzeichnisse anderer Benutzer auf dem Rechner und wohl auch Systemrechte.
Man kann also auch Dinge auf dem Rechner tun, für die man normalerweise keine Berechtigungen hat.