AI-Slop bei KPMG und Politik, KI-Fails bei Meta

Stop - PixabayIch führe mal Themen zusammen, die zeigen, auf welch absteigendem Ast wir uns bezüglich bestimmter Entwicklungen bewegen. Es geht einmal um den ungebremsten Einsatz von AI, der aktuell neueste Blüten treibt. Die Wirtschaftsprüfungsorganisation KPMG musste gerade einen AI-generierten Bericht wegen KI-Halluzinationen zurückziehen. Bei Meta sorgt die AI-Transformation für eine interne Krise. Und Politiker wie Digitalminister Wildberger sowie Thüringens Ministerpräsident Mario Vogt fallen durch KI-generierte Reden oder Gastartikel auf. Alle auf dem KI-Tripp und alle auf der "schiefen Ebene"?

Vorab: Bezüglich des Politikbereichs geht es mir nicht darum, das bezüglich bestimmter Personen politisch auszuschlachten. Aber ich möchte einen Finger in die Wunde "wir müssen überall dabei sein, und was sagen, wenn wir nicht zu sagen haben" legen. Das, was da gerade fabriziert wird, ist nicht gut, und hat keinen Vorbild-Charakter. Und wenn eine Wirtschaftsprüfungsorganisation durch Berichte mit KI-Halluzinationen auffällt, oder Meta mit seiner KI-Strategie "gegen die Wand fährt", wirft das auch kein gutes Licht auf die Entwicklung.

Schiefe Ebene: Alle auf dem AI-Tripp?

Momentan kommst Du nicht mehr an der Frage "Nutzt Du KI, oder bist Du von vorgestern und hast keine Ahnung" mehr vorbei. "Wir müssen ja effizienter werden, und Leute mit Kopf brauchen wir eh nicht mehr", ist die Devise. Hier im Blog lege ich ja gerne die Finger in die Wunde "wo geht das mit der KI kräftig in die Hose und kann das sinnvoll funktionieren"?

Meine eigenen Erfahrungen und bisherigen Einschätzungen

Vom Gefühl her gehe ich mit, dass LLMs in bestimmten Szenarien, sinnvoll eingesetzt werden können. Bei Übersetzungen von Texten ist die Technik schon sehr gut – speziell, wenn Du beide Sprachen beherrschst und das Ergebnis beurteilen kannst. Aber es lauert latent das Risiko, dass im "schnell, schnell" ein Lapsus übersehen wird, und das Ergebnis Schrott wird.

Ich verwende gelegentlich auch Grok auf X, um mir mehr zum Kontext bestimmter Tweets heraussuchen zu lassen, um diese einordnen zu können. Und ich lasse mir schon mal Erklärungen von einem LLM liefern, um einen ersten Eindruck zu einem Thema zu bekommen. Erkenntnis: Der Prompt ist schnell erledigt, ich bekomme ein "schön klingendes Ergebnis". Aber der Aufwand, das alles zu verifizieren und Schrott auszusortieren, ist oft erheblich. Häufig bleibt dann vom Ergebnis des KI-Prompt nichts mehr übrig.

Im "schnell, schnell" der KI-Protagonisten bleibt für so etwas keine Zeit. Und dann geht es halt schief. Aber zu irgendwas muss die KI ja gut sein, vielleicht Texte und Ausarbeitungen schreiben? Ich probiere ja gelegentlich schon mal, wie KI bestimmte Sachen übernehmen könnte. Vor einiger Zeit hatte ich einem LLM die Aufgabe gestellt, mal eine Reisebeschreibung zu einem Ort in meiner Tonalität zu verfassen, den ich als Basis oder zumindest Anregung für einen Artikel nehmen könnte. Also alles recht unverfänglich, hätte ja funktionieren können.

Als ich den Text las, kam spontan der Gedanke: "Das bist nicht du, und bis Du das da so umgeschrieben hast, dass das Ergebnis stimmig ist, hast Du den Beitrag drei Mal selbst geschrieben." Daher schreibe ich meine Texte und formuliere meine Gedanken auch weiterhin lieber selbst.

GPTZero-Check

Da hier im Blog immer mal wieder Kommentare "KI-Slop, oder wie erklären sich Bindestriche im Text" kommen, mal im obigem Bild ein Ausschnitt aus einer Prüfung eines Textabschnitts  aus diesem Artikel.

Ungeprüfte KI-Ergebnisse gehen gerne schief

Ungeprüft übernommene, KI-generierte Texte sind was für Denkfaule, Blender und Leute, die da lieber nicht so genau hin schauen, aber zeigen wollen, dass es sie noch gibt, so mein Eindruck. Ob das gut ist, muss jeder selbst beurteilen. Für mich ist der Status: Ja, ich bediene mich gelegentlich an LLMs für ausgesuchte Tätigkeiten, aber in gezielter Dosis mit kritischem Abstand und Zeit zum Einordnen, Aussortieren und Aufbereiten der Ergebnisse. Aber es wird auch immer schwieriger, nicht ggf. KI-generierten Quellen aufzusitzen. Der Exkurs wird zunehmend "vergiftet", und es zeigt sich, dass LLMs bereits durch KI-Slop als Eingangsquelle schlechter werden.

Ich mutmaße, dass es Bereiche gibt, wo LLMs hilfreich sein können. Aber meine bisherige Lebenserfahrung, sowie das, was ich in den letzten Monaten so mitbekomme, spricht deutlich dagegen, dass der Durchmarsch der künstlichen Intelligenz, wie er von US-Techfirmen und Nachbetern propagiert wird, so auf breiter Basis stattfinden können wird. Ich mag nicht ausschließen, dass ich einem negativen Bias unterliege, und die propagierte "goldene Zukunft" einfach nicht zu sehen vermag. Aber die nachfolgenden Beispiele bestärken mich nicht im Wunsch, einfach "fester an die goldene KI-Zukunft zu glauben, so dass die sich plötzlich mit allen Verheißungen materialisiert".

KPMG und der Bericht mit AI-Halluzinationen

KPMG ist eines der weltweit führenden Netzwerke, selbständig agierender Unternehmen, für Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung und gehört zu den sogenannten "Big Four". In Deutschland agiert das Unternehmen KPMG mit rund 12.500 Mitarbeitern an 26 Standorten.

KPMG AI-Halluzinationen

Die Tage bin ich über obigen Tweet auf einen Trend gestoßen, der massiv um sich greift. Eine Firma setzt auf KI, um irgend ein Schriftstück zu verfassen, und fällt damit kräftig auf den Bauch. Es heißt ja: KI kann die Leute schneller und effizienter machen, aber es bräuchte am Ende der Kette Leute mit Wissen, Können und vor allem Verstand, die das dann auch überprüfen. Wenn diese Voraussetzungen bereits schon zu Beginn fehlen, kommt am Ende auch nur Stuss heraus. Vor allem müsste das KI-generierte Ergebnis als solches gekennzeichnet werden.

Zu obigem Sachverhalt: Im Oktober 2025 wurde von KPMG ein Bericht "Total Experience: Redefining Excellence in the Age of Agentic AI"  über die "Wunder der agentischen KI" veröffentlicht. In Beispielen sollte wohl aufgezeigt werden, wie toll agentische AI in der Praxis funktioniert. Ist aber daneben gegangen, und kann höchstens als Fallbeispiel für KI-Fails dienen. Denn es hat sich herausgestellt, dass der Bericht nur so von Fehlern strotzte.

Ich habe den Financial Times-Bericht in obigem Tweet nicht verlinkt, da hinter einem Paywall. Aber The Register hat es z.B. hier aufbereitet. Es gibt GPTZero, eine Seite, um Texte auf KI-Abstammung und Halluzinationen zu prüfen (obiger "Check" stammt von GPTZero).

Experten von GPTZero behaupten hier, dass eine forensische Überprüfung des KPMG-Berichts ziemlich viel AI-Halluzinationen ergeben habe. Nur fünf der 45 Zitate hätten korrekt auf die zitierte Quelle verwiesen. Der Rest der im KPMG-Bericht verwendeten Zitate war auch für die Tonne. Das Spektrum reichte von verzerrter und irreführender Darstellung bis hin zu teilweise erfunden Zitaten oder Stellen, die zu vage seien, um überprüft werden zu können.

Erinnert mich an die Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die einen teuren Bericht per KI erstellen ließen und diesen zurückziehen mussten. Ich hatte das im Beitrag KI-Irrsinn Teil 5: Deloitte, die KI und der versemmelte Report in Australien aufbereitet. Und da war doch noch was: McKinsey-Berater pilgern durch die Lande und erzählen, wie man KI sicher einsetzt. Im März 2026 hatte ich den Beitrag Nachlese: McKinsey KI-Plattform Lilli von KI geknackt, die Hütte ist am Brennen im Blog, der die nackte Realität präsentiert. Mehr möchte ich hier im Artikel zum Thema Sicherheit & KI nicht aufbereiten. Auch die finanzielle Seite des KI-Einsatzes soll nicht beleuchtet werden. Es geht nachfolgend rein um die Frage, was macht das Thema KI mit uns und wie sehen die Ergebnisse aus.

Widersprüchliche AI-Splitter

Gerade bin ich auf sehr widersprüchliche Aussagen zum Thema KI-Einsatz gestoßen. Das Ifo-Institut hat zum 12. Juni 2026 den Beitrag Erste Unternehmen sehen Künstliche Intelligenz als Alternative zu Qualifikation und Berufserfahrung veröffentlicht. Es wurden Zahlen genannt, denen zufolge bisher 54,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI in ihren Geschäftsprozessen einsetzen. Zitat:

Ich weiß jetzt nicht, ob das Manager-Sprech ist, damit man progressiv rüber kommt – oder ob das wirklich Substanz hat. Vom Bauchgefühl: Entweder sind heutige akademische Abschlüsse ziemlich wertlos, oder die Leute werden auf substanzlosen Stellen eingesetzt, oder der ifo-Bericht ist Gaga. Ich lasse mich aber gerne durch "Ergebnisse" eines besseren belehren, dass ich auf dem Holzweg bin. In den USA fallen die "First-Mover", die vor Monaten Leute mit großen Sprüchen von der AI-Zukunft gefeuert haben, gerade reihenweise auf den Bauch und müssen Personal einstellen, um ihre Geschäftsprozesse wieder zum Laufen zu bringen.

MS-AI-Smith-Statement

Parallel dazu bin ich auf obigen Tweet mit Aussagen von Brad Smith, Chef-Justiziar von Microsoft gestoßen. In den USA kippt ja die Stimmung der Bevölkerung beim Thema AI – ein Großteil der geplanten KI-Rechenzentren, die 2027 in Betrieb gehen sollten, werden nicht gebaut.

Microsoft-Präsident Brad Smith, sieht in obigem Tweet die KI-Kritik von Studierenden in den USA als Weckruf für die Tech-Branche. Smith argumentiert, dass junge Menschen nicht gegen KI sind, sondern Angst vor Jobverdrängung haben und fordern, dass KI Menschen bei der Arbeit unterstützen soll. Der Beitrag provoziert viele Kommentare, die diese Aussage als unaufrichtig angesichts des Stellenabbaus bei Tech-Konzernen kritisieren. Und Microsoft ist da ja gut dabei, befeuert zudem die Entwicklung mit seinen KI-Lösungen und hat sich den Beinamen "Microslop" verdient. Es gibt also sehr unterschiedliche Entwicklungen.

Facebook, die KI und der Gulag

Bei der Facebook-Mutter Meta fährt Mark Zuckerberg einen rigorosen KI-Kurs und hat gerade mehreren Tausend Mitarbeitern gekündigt. KI soll übernehmen, die Belegschaft brauchen wir nicht mehr. Dann gab es den Instagram-Hack, den ich im Blog-Beitrag Hacker stehlen Hunderte Instagram-Konten über Metas KI-Support angesprochen hatte. Ermöglicht wurde dieser Vorfall durch einen an eine KI ausgelagerten Support für Kontenrücksetzungen bei Instagram.

Ein Fix stellte sich als absolut unprofessionell heraus, wie ich im Beitrag Meta: Fail beim KI-Support-Fix für Instagram; KI-Tracking-Software von Mitarbeitern kurz abwählbar erwähnt habe. Und gerade hatte ich im Beitrag Facebook/Instagram hatten eine Störung (12.6.2026) über Probleme bei Meta berichtet. Mein Eindruck: Wir sehen gerade die Schatten von AI-Slop und Entlassungen. Aber was weiß ich schon von der Welt.

Meta AI-Gulag

Und dann fallen mir am Wochenende diverse Meldungen zu Meta auf die Füße, die von einem Desaster bei den KI-Plänen des Unternehmens berichten. Ein Nutzer, der die KI-Szene beobachtet, hat in diesem Tweet seziert, was vom Medium Wired über die interne Stimmung der Belegschaft durch ein eskaliertes internes Meeting mit 2.000 Meta-Mitarbeitern abging. Hier eine grobe Kurzfassung:

Im Rahmen der Umstrukturierung des KI-Bereichs bei Meta wurden im vergangenen Monat 8.000 Stellen abgebaut, was 10 % der Belegschaft entspricht. Es wurde eine Einheit "Applied AI" geschaffen, in die seit April 2026 insgesamt 6.500 software-Ingenieure und Produktmanager in mehreren Wellen versetzt wurden. Es gibt kein Bewerbungsverfahren, die Leute mussten wechseln oder das Unternehmen verlassen.

Die Betroffenen bezeichnen sich selbst als "Draftees" (Wehrpflichtige) und haben nun die neue Aufgabe, Rätsel und Programmieraufgaben (zwei Stück pro Woche) zu erstellen, um die KI-Modelle von Meta zu trainieren. Mitarbeiter, einst eingestellt, um Apps für Meta-Nutzer zu entwickeln, stellen nun Trainingsdaten für Hunderte von KI-Wissenschaftlern zusammen.

Wired-Artikel lassen sich ohne Abonnement nicht frei lesen, weshalb ich diese nicht verlinkte. Aber Techcrunch hat den Wired-Artikel mit dem Inside-Bericht zur Meta-Stimmung in obigem Tweet bzw. in diesem Beitrag deriviert.

Die Botschaft: Jeder, der bei Meta arbeitet oder jemanden kennt, der dort arbeitet, sagt, dass das "kein angenehmer Arbeitsplatz mehr sei". Die endlosen Entlassungswellen der letzten Jahre, und nun die KI-Transformation im Schweinsgalopp als Brandbeschleuniger on top. Die frisch gegründete KI-Abteilung von Meta wird von den dort hin verschobenen 6.500 Mitarbeitern als "ein zermürbender Gulag" bezeichnet. Man hat die Wahl zwischen Hamsterrad und Exit. Zuckerberg soll Fehler zwar eingestanden haben, aber ob das hilft? Jedenfalls keine "Shiny Happy People", wie R.E.M. mal titelte, sondern moderne Sklavenarbeit.

Wildberger und Voigt im KI-Rausch?

Kommen wir zum letzten Informationssplitter – wollte ich eigentlich nicht thematisieren, aber nun passt es hier herein. Digitalminister Wildberger warnte Ende März 2026 davor, dass KI massiv Arbeitsplätze vernichte und forderte Flexibilität (z.B. auf Tagesschau nachlesbar). So im Tenor, dass man nicht 40 Jahre das Gleiche machen könne, mag der Herr Minister ja Recht haben. Ob es aber klug ist, solche Schreckgespenste an die Wand zu malen, wenn Substanz fehlt, steht auf einem anderen Blatt. So etwas löst zwar ein mediales Echo aus, fällt den Protagonisten aber irgendwann auf die Füße.

Dann lancierte der Ministerpräsident von Thüringen, Mario Voigt, über seine Staatskanzlei einen Gastartikel zu Kindern und Social Media in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.). Ist eh schon ein kontroverses Thema, und ein Gastartikel sollte schon Substanz haben. Zumal die Promotion von Herrn Voigt aus 2008 zum Dr. phil. an der TU Chemnitz unter Plagiatsverdacht geriet. Im Januar 2026 erkannte die Universität Herrn Voigt den Doktortitel nach Plagiatsvorwürfen einstimmig ab.

Frag den Staat hatte sich dann den Text im F.A.Z-Artikel vorgenommen und festgestellt, dass dieser zu großen Teilen oder zu 100 % KI-generiert war. Auf Nachfrage reagierte die Staatskanzlei mit "KI gehört zum normalen Handwerkszeug eines Politikers". War natürlich Futter für die Medien, die F.A.Z. hat den Artikel gelöscht und diese Stellungnahme veröffentlicht.

Frag den Staat hat dann vor einigen Tagen in diesem Artikel den Verdacht geäußert, dass der Ministerpräsident von Thüringen, eine KI-Stimme sei, weil viele seiner Reden genau die Tonalität von KI-Erzeugnissen oder Chat-Bots aufwiesen. In n-tv zerlegt ein Kommentator das Ganze und im MDR bescheinigt ein KI-Experte der thüringischen Staatskanzlei "schlechtes Handwerk". Das ist nicht gut …

lässt sich aber noch steigern. Das ZDF hat in diesem Artikel beleuchtet, wie andere Ministerpräsidenten und Politiker das so halten – alle bedienen sich für Reden und Artikel bei einer KI. Inzwischen wurde bekannt, dass auch Digitalminister Carsten Wildberger bei seinen Reden auf KI zurückgreift. Ich verlinke mal den Beitrag von heise, der das Thema und einen Beitrag aus der Zeit aufbereitet. Während das Ministerium von "einem Arbeitsmittel wie Textbearbeitung" spricht, haben Redaktionen Gastartikel von Wildberger zurückgezogen, weil KI-Unterstützung nicht gekennzeichnet war. Erkenntnis: Wir werden offenbar von Chat-Bots politisch bespaßt, und die Protagonisten sehen noch nicht einmal ein Problem darin.

Und damit schließt sich der Kreis, den ich mit meinem Artikel zeichnen wollte. Eingangs hatte ich festgestellt, dass man die KI-Ergebnisse doppelt und dreifach prüfen müsse, und Texte gleich besser selbst verfasst, wenn man was zu sagen haben glaubt. Reflektiere ich alleine diesen Abriss, hier im Artikel, fällt es mir schwer, zu erkennen, dass KI uns eine goldene Zukunft beschert, in der alles besser wird, alle nur noch hochintelligente Texte, Reden, Arbeitsergebnisse liefern und alle zu "shiny happy people" mutieren.

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