Valve hat Steam-Hardware-Kunden über einen Cybervorfall mit Datenabfluss informiert. Auch der Anbieter Questel sah sich dazu gezwungen, einen Sicherheitsvorfall bei seinem genutzten Microsoft 365,-Tenant zu bestätigen, nachdem ShinyHunters Daten veröffentlicht hat. Und RingCentral, Anbieter "vertrauenswürdiger" KI, hat auch einen Cybervorfall zu verdauen. Dies und weitere Datenschutzvorfälle habe ich in einem Sammelbeitrag zusammen gefasst.
Valve informiert über Cybervorfall
Der Anbieter Valve informiert Kunden seiner Steam-Hardware über einen Cybervorfall mit Datenabfluss. Auf reddit.com ist in diesem Post vom 10. August 2026 eine Benachrichtigung von Betroffenen zu finden.
Zwischen dem 29. Juli 2026 und dem 1. August 2026 wurde CEVA Logistics, das Unternehmen, das Steam-Hardware an Kunden in Europa versendet, Opfer eines Cyberangriffs. CEVA untersucht diesen Angriff noch, doch wie Valve am 7. August erfuhr, sind bestimmte Informationen über Steam-Kunden, darunter auch Sie, wahrscheinlich in die falschen Hände geraten.
Der Hintergrund: CEVA erhält von Steam bestimmte versandbezogene Informationen, um physische Hardware an Kunden in Europa versenden zu können. Diese Daten wurden vom Angreifer vermutlich erbeutetet. Da CEVA diese Informationen bis zu 90 Tage nach der jeweiligen Bestellung speichert, wurden alle Kunden, von denen eine Betroffenen anzunehmen ist, von Valve informiert. Bleeping Computer hat über diesen Vorfall berichtet.
ShinyHunters Vorfall bei RingCentral
RingCentral, Inc. ist ein US-Anbieter von KI-gestützten, cloudbasierten Kommunikations- und Kollaborationsprodukten und -dienstleistungen. Die cloudbasierte Plattform für Zusammenarbeit und Kommunikation wird von über 600.000 Unternehmen für Dienste wie Telefonie, Messaging und Voicemail genutzt. Wenn ich es richtig sehe, bietet auch Vodafone RingCentral-Telefonanlagen für seine Kunden an.
Der Anbieter wurde Opfer der Cybergruppe ShinyHunters, der es gelang, die Daten von 1,6 Millionen RingCentral-Konten zu stehlen. Have I been pwnd hatte Zugriff auf diese Daten, so dass RingCentral den Datenschutzvorfall zum 28. Juli 2026 eingestehen musste. Bleeping Computer hat den Vorfall in diesem Beitrag angesprochen.
Microsoft 365-Hack bei Questel
Das aus Frankreich operierende Unternehmen Questel bezeichnet sich als Weltmarktführer für IP (Intellectual Properties, geistiges Eigentum), der "erstklassige" Lösungen in IP, Markenschutz und Übersetzungen anbietet. Anbieter offeriert Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Juristen Lösungen in den Bereichen Patente, Marken, Innovationsanalysen und IP-Management an.
Gemäß obigem Tweet ist es der Erpressergruppe ShinyHunters gelungen, die Microsoft 365-Instanz von Questel zu hacken. Auf der ShinyHunters Leak-Website heißt es, dass mehr als 21 Millionen Datensätzen mit teilweise personenbezogenen Daten (PII) sowie von über 147 GB interner Unternehmensdaten abgezogen wurden.
CyberInsider berichtet hier, dass Questel diesen Hack auf Nachfrage des Mediums inzwischen eingestanden habe. "Wir sind uns des Vorfalls bewusst und können bestätigen, dass wir kürzlich nach einem Voice-Phishing-Versuch einen unbefugten Zugriff auf einen Teil unserer Microsoft 365-Umgebung, insbesondere auf eine Sales-SharePoint-Umgebung, festgestellt haben. […] Es wurde kein Zugriff auf unsere Produktionstools, IP-Plattformen oder SaaS-IP-Produkte und -Dienstleistungen erlangt, und unser Betrieb läuft weiterhin uneingeschränkt.", teilte Questel CyberInsider mit.
Vorfall bei Mein Heimwerkermarkt
Blog-Leser Christian H. hat mich zum 14. August 2026 über einen Datenschutzvorfall beim Anbieter Mein Heimwerkermarkt (der Bau und Heimwerkermarkt Müllenhoff GmbH aus Winterberg) informiert. Als Kunde erhielt er folgende Mail:
Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
wir möchten Sie über eine technische Unregelmäßigkeit in einem Testsystem unseres Online-Shops informieren. In diesem System befanden sich Daten aus unserem Shop, die aufgrund einer technischen Fehlkonfiguration zeitweise aus dem Internet erreichbar waren. Unsere Systemprotokolle zeigen keine Hinweise darauf, dass personenbezogene Daten abgerufen wurden. Dennoch können wir einen Zugriff nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen.
Möglicherweise betroffen sein könnten Ihr Vor- und Nachname, Ihre Postanschrift sowie Ihre E-Mail-Adresse. Falls Sie uns eine Telefonnummer mitgeteilt haben, könnte auch diese betroffen sein. Nicht betroffen waren jedoch Zahlungsdaten, Passwörter, sonstige Zugangsdaten oder besondere Kategorien personenbezogener Daten.
Sobald uns der Vorfall bekannt wurde, haben wir den externen Zugriff umgehend unterbunden, technische Zugangsschlüssel vorsorglich erneuert und weitere Schutzmaßnahmen ergriffen. Das betroffene Testsystem wird gelöscht. In Zukunft werden Test- und Entwicklungsumgebungen nicht mehr mit Daten aus dem Produktivsystem befüllt, und ihre externe Erreichbarkeit wird regelmäßig überprüft.
Bitte seien Sie in den kommenden Wochen besonders aufmerksam bei unerwarteten E-Mails, Anrufen oder Nachrichten – auch wenn diese scheinbar von uns oder anderen bekannten Unternehmen stammen. Geben Sie aufgrund unaufgeforderter Kontaktaufnahmen keine Passwörter, Zahlungsdaten oder sonstigen vertraulichen Informationen heraus. Bei Zweifeln an der Echtheit einer Nachricht oder eines Anrufs kontaktieren Sie das betreffende Unternehmen bitte über die Ihnen bekannten offiziellen Kontaktdaten.
Datenleck durch kompromittierte LiteLLM-Pakete
Ende März 2026 war der Cybergruppe TeamPCP ein Lieferkettenangriff auf Trivy und anschließend auf LiteLLM durchzuführen. Im Anschluss konnten Daten von vielen Unternehmen abgezogen werden – ich hatte hier berichtet. Sicherheitsforscher konnten gerade das Ausmaß dieses Angriffs beziffern. Unter anderem hat Golem das Ganze hier aufbereitet.
Weitere Sicherheitsvorfälle und Probleme
In Frankreich ist derzeit auch die "Hölle los", was Hacks und Datenschutzvorfälle betrifft. Die Seite FrenchBreaches listet quasi täglich Vorfälle auf. Ich folgen dem Kanal auf X.
Französische Steuerbehörde gehackt
Im Juni 2026 wurde die französische Steuerbehörde DGFiP gehackt. Ein Hacker namens ZeroBytes beansprucht den Zugriff auf 6.366.056 Steueranträge. Er veröffentlicht Screenshots des Tools, zu dem er Zugang gehabt haben will. Die Daten will er weiter verkaufen. Die Steuerbehörde erklärt, dass der Hacker kaum Zugriff auf Daten gehabt habe. Details lassen sich hier (französisch) nachlesen. The Register hat es hier auf englisch aufgegriffen.
AmnesiaStealer macOS-InfoStealer
Neuer macOS-InfoStealer "AmnesiaStealer" wird über gefälschte GitHub-Seite verbreitet, wie Jamf mitteilt. Die Kampagne lockt Opfer auf eine gefälschte GitHub-Seite, die Nutzer dazu auffordert, einen Befehl in das Terminal zu kopieren. Durch den Befehl wird unbemerkt ein in Rust entwickelter Infostealer heruntergeladen, der sich über einen mehrphasigen Angriff Zugriff zu Chromium Browsern verschafft und Zugangs- und Browserdaten sowie Live-Sessions von MacOS-Nutzer:innen exfiltriert. AmnesiaStealer verfolgt damit ein ähnliches Ziel wie bereits etablierte Malware-Familien, wie Atomic (AMOS), MacSync und CrashStealer. Details finden sich hier.
Hacks von US-Wasserwerken
Vor einigen Wochen ist mir die Information untergekommen, dass knapp ein Dutzend US-Wasserwerke, mutmaßlich aus dem Iran, gehackt wurden. Die Angreifer konnten auf die Kontrollsysteme der Anlagen zugreifen. Ich hatte es nicht im Blog aufgegriffen. Techcrunch hat nun diesen Beitrag mit einer Zusammenfassung der bekannten Informationen veröffentlicht.
Threema mit Problemen (12. August 2026)
Im Diskussionsbereich schrieb Fred zum 12. August: "Threema hat seit gestern Abend recht Probleme: Statusseite. Wellenweise, mal geht's, mal geht nichts, dann geht es wieder, dann wieder nichts.". heise berichtet nun in diesem Artikel, dass DDoS-Angriffe für Ausfälle bei Threema sorgten.
Sicherheitslecks in Ivanti EPM
heise berichtet hier über gleich drei hochriskante Sicherheitslecks, die in Ivanti EPM per Update schlossen werden. Hacker können im Ivanti Endpoint Manager (EPM) Zugangsdaten abgreifen, Cloudspeicher manipulieren oder den Agent-Dienst abstürzen lassen.
TPM über Schwachstellen angreifbar
Es wird von Microsoft ein riesiger Aufwand zur Absicherung von Windows-Systemen über TPM getrieben. Nun wurde aufgedeckt, dass der TPM-Schutz über zwei Schwachstellen ausgehebelt werden kann. Golem hat das Thema diese Tage in diesem Artikel aufgegriffen. Bei heise wird es hier aufgegriffen.




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