Zum 23. Juni 2026 mussten die deutsche Bahn und die Betreiber von Bahnstrecken den Zugbetrieb einstellen. Ja, es ist heiß draußen, aber es gab keine verformten Bahngleise. Vielmehr gab es erneut einen großflächigen Ausfall des Zugfunks. In Folge blieben die Züge in den Bahnhöfen und Depots stehen, da die Sicherheit des Betriebs nicht gewährleistet werden kann. Ein Vorfall, der nicht neu ist und mit schöner Regelmäßigkeit in Deutschland auftritt.
Ein Leserhinweis auf Zugfunkausfall
Blog-Leser R.J. hatte mit zum 23. Juni 2026 kurz vor 23:00 Uhr per Mail kontaktiert und schrieb unter dem Betreff "Ausfall Zugbetrieb BRD", dass "aktuell die Info rum geht", dass der Zugfunk (GSM-R) in komplett Deutschland ausgefallen ist. Das führt dazu, dass keine Züge mehr weiterfahren dürfen (wenn nur in den nächstgelegenen Bahnhof). Der Leser meinte dazu: "Es könnte spannend werden, da es sich um KRITIS handelt und wie das so einfach gehen soll…".
War ganz witzig, weil mir im Postfach eine Meldung später eine Presseinformation "Leo Express startet neue Zugverbindung zwischen Frankfurt – Prag – Przemyśl" angezeigt wurde. „Eines der Ziele von Leo Express ist es, große europäische Ballungsräume zu verbinden und komfortable Reisemöglichkeiten auf Strecken anzubieten, auf denen bisher keine Direktverbindungen verfügbar waren. Das Potenzial der neuen Linie liegt darin, die wahrgenommene Barriere zwischen Ost- und Westeuropa zu überwinden, indem wichtige wirtschaftliche und kulturelle Zentren bis an die Grenze mit der Ukraine miteinander verknüpft werden. Unsere langfristige Strategie ist der Aufbau transeuropäischer Verkehrskorridore, die eine umweltfreundlichere Mobilität ermöglichen und eine komfortable Alternative zum Flug-, Bus- und Individualverkehr bieten", sagt Peter Köhler, CEO von Leo Express." Der Zug startet dann wohl verspätet.
Was ist Zugfunk?
Zugfunk oder Bahnfunk ist die Bezeichnung für die drahtlose Kommunikation per Funkwellen zwischen Schienenfahrzeugen und ortsfesten Kommunikationspunkten der Bahnbetreiber. Für den Eisenbahnbetrieb sind die inkompatiblen analogen Zugfunkarten seit Ende der 2010er Jahre in Deutschland und weiteren europäischen Ländern durch den international genormten Standard GSM-R weitgehend ersetzt worden.
Und dieses GSM-R-Netz ist wohl am gestrigen 23. Juni 2026 großflächig für Stunden im deutschen Bahnnetz ausgefallen. Ohne Bahnfunk dürfen Züge aus Sicherheitsgründen nicht auf die Strecke fahren und können maximal bis zum nächsten Bahnhof weiter fahren.
Medienberichte zum Ausfall
Ergänzung: Inzwischen liegen Medienberichtet wie bei der Tagesschau vor. Dort heißt es zu 24. Juni 2026, dass die die Deutsche Bahn den Zugverkehr bundesweit eingestellt habe. Es wird aus einer Bahnmitteilung zitiert: "Aufgrund einer bundesweiten Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R werden vorläufig alle Züge an Bahnhöfen zurückgehalten". Es sind regional auch S-Bahnen betroffen.
Die Folge: Züge stehen an Bahnhöfen oder auf offener Strecke – viele Reisende sitzen fest. Obiger Tweet ist am späten Abend des 23. Juni 2026 gepostet worden und beschreibt die Situation. Techniker arbeiten "mit Hochdruck daran, die Störung zu beheben.", heißt es. Der RBB zitiert Behörden, dass der Ausfall wohl nicht auf Sabotage zurück gehe. Der technische Defekt wurde wohl in den frühen Morgenstunden des 24. Juni 2026 behoben. n-tv erklärt hier, dass die Störung um 0:30 Uhr behoben wurde und geht auf die Bedeutung des Bahnfunks ein.
Obiger Tweet signalisiert das Ende der Störung, die ein Fahrgast wohl gepostet hat.
KRITIS, aber nicht der erste Ausfall
Der noch spannendere Punkt dreht sich für mich um die Frage, wie so etwas wie Bahnfunk flächendeckend ausfallen kann. Denn die Bahn gehört zur kritischen Infrastruktur und unterliegt der KRITIS-Regulierung. Noddeutsch hat zum 24.6. im Diskussionsbereich auch folgendes gepostet:
Der Bahnfunk legt Zugferkehr lahm – GSM-R zwingt Züge in DE zum Halt. Tagesschau, Heise dort, WDR hier. Heise war laut Timestamp mit am schnellsten ;-).
Leider nicht neu – digitale Mobile Communications for Rail basierend auf GSM-R (wiki) ist ein Mobilfunkstandard der sich seit Anfang der 90er etabliert hat. Dies im 900 Mhz Frequenzband (19 GSM-Kanäle und Kanalabstand 200 kHz). Aus Sicherheitssicht ist hier Availability betroffen. Unsere Infrastruktur hat Risiken. Vom durchtrenten (single point of failure) Glasfaserkabel bis zum Hack. Schadensereignisse a'la KRITIS waren zB:
– 2024 GSM-Störung bei der Bahn, für 2 Stunden.
– 2023 halten Züge in Polen per Funksignal an, ohne GSM
– 2022 Sabotage, GSM-R und offen zugängliche Infrastruktur-Infos
Das hört sich nicht gut an, und wirft viele Fragen auf.





MVP: 2013 – 2016





Laut Bild-Zeitung war ein Komponentenwechsel im Funksystem ursächlich. Nun ja, es wäre nicht der erste Mobilfunkprovider, dem ein Zentralrouter abraucht.
PS: Ja, ich weiß, die Bild mal wieder. Aber sie ist gut vernetzt und schnell und taugt so als Sprungbrett für andere Berichterstattung.
Im Serverraum:
"Sag mal, kann man die Karte im laufenden Betrieb wechseln?"
"Keine Ahnung, mach einfach, ich will nach Hause, Fußball wartet"
"Ups, warum ist der Gerät jetzt so leise?"
Und ich dachte schon, die DB setzt jetzt eine KI als Fahrdienstleiter ein.
Das Endergebnis würde wahrscheinlich ähnlich aussehen. ;-)
>> Der technische Defekt wurde wohl in den frühen Morgenstunden des 24. Juni 2026 behoben
Na hoffen wir mal. Ich habe gleich eine 700-km-Fahrt vor mir…
Um es mal anders zu sehen…
Am Ende haben entsprechende Notfallmaßnahmen gegriffen die für einen geregelten Stillstand gesorgt haben. Es scheint ja im Ganzen nicht völlig kopflos abgelaufen zu sein. Das ist ja am Ende auch KRITIS. Klar, sind Störungen / Ausfälle sind immer doof und gerade bei KRISTIS bestmöglich vermeidbar zu halten. Ausschließen wird es aber auch da keiner können, daher ist es doch gut, dass es dann anscheinend klar Notfallpläne gibt.
Na,
da wird wohl aus irgendeinem Grund das Home Location Register nicht mehr verfügbar gewesen sein. Das ist halt ne Schwachstelle in solchen Netzen… Ob da der Server selbst hopps ist, oder nicht mehr erreichbar, ergibt das gleiche Ergebnis.
Ohne HLR ist das Netz zwar logisch intakt, weiss aber nicht mehr wo sich die einzelnen Endgeräte befinden und kann keine Verbindungen mehr in die jeweilige Zelle des Endgeräts routen.
Das fiese dabei: Als Endnutzer merkste erstmal gar nix: Dein Gerät sieht ja die Funkzelle und meldet 'eingeloggt'. Erst wenn man eine Verbindung aufbauen will, merkt man – da geht ja gar nix.