Bayern: Kontrollverlust bei Palantir?

Stop - PixabayDie US-Software Palantir ist ja in Bayern bei der Polizei im Einsatz. Trotz großer Bedenken seitens der Datenschützer. Es wird behauptet: "In Bayern ist der Einsatz von Palantir sicher, wir haben alles mit unseren Informatikern im Griff". Nun gibt es Informationen, dass dies mitnichten der Fall ist, und dass Bayern die Kontrolle über die eingesetzte Software von Palantir entgleitet oder längst entglitten ist. Es läuft eher auf eine Blindflug "wir wissen nicht, wass abläuft" hinaus.

Palantir im Einsatz umstritten

Palantir Technologies Inc. ist ein US-amerikanischer Anbieter von Software und Dienstleistungen, der auf die Analyse großer Datenmengen und die Herstellung einer digitalen Ontologie von Unternehmens- und Projektdaten spezialisiert ist. Zu den Gründern gehört auch der umstrittene Unternehmer Peter Thiel.

Mehrere Bundesländer verwenden angepasste Versionen der Palantir-Software "Gotham", aus der einige rechtlich problematische Funktionen entfernt wurden. Seit 2017 nutzt die hessische Polizei die Palantir-Software unter dem Namen "HessenDATA". In Nordrhein-Westfalen wird die Palantir Software unter dem Namen "DAR" seit 2020 für eine datenbankübergreifende Analyse und Recherche eingesetzt.

Das Land Bayern setzt  Palantir seit 2024 unter dem Namen "VeRa" ein. Baden-Württemberg plant zukünftig den Einsatz der Palantir-Software. Die Grünen fordern, einen bereits unterzeichneten Vertrag mit Palantir zu überprüfen.

Das ZDF hat im Oktober 2024 eine FAQ rund um den Einsatz von Palantir bei deutschen Polizeibehörden veröffentlicht. Vertreter der Polizei fordern seit Jahren den Einsatz der Software Palantir. Das Bundesverfassungsgericht hat dem aber enge Grenzen gesetzt. In manchen deutschen Bundesländern verzichtet man daher auf diese Software.

Das Bayerische Polizeiaufgabengesetz (BayPAG) erlaubt der Polizei Bayern sogenanntes "Data Mining". Dabei wertet das Programm "VeRA" auf Basis der Überwachungssoftware Gotham von Palantir riesige Datenmengen aus und stellt Verbindungen her. Dabei werden auch Verbindungen zu Personen hergestellt, die in keinem Zusammenhang mit Straftaten stehen.

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat am 23. Juli 2025 mit Unterstützung vom Chaos Computer Club (CCC) Verfassungsbeschwerde gegen den Palantir-Einsatz in Bayern eingelegt (siehe Verfassungsbeschwerde gegen Palantir-Einsatz in Bayern eingelegt).

Inzwischen werden immer mehr Fälle bekannt, in denen sich Firmen oder Organisationen aus Sicherheitsgründen gegen einen Einsatz von Palantir entschieden haben. Dazu gehören die Bundeswehr in Deutschland sowie die Schweiz, die sich explizit gegen den Einsatz von Palantir entschieden haben (siehe Links am Artikelende).

In Spanien hat die Regierung SEPI-kontrollierte Staatsfirmen angewiesen, in kritischen Bereichen neue Verträge  mit Palantir zu vermeiden. Grund sind Bedenken zu Datensicherheit und nationaler Souveränität. Bestehende Verträge, darunter im Verteidigungssektor, bleiben unberührt und laufen weiter.

Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI schwenkt von Palantir auf die Software des französischen Startups ChapsVision um. Die Entscheidung zielt auf Datensouveränität ab und soll strategische Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern vermeiden.

In Italien hatte Palantir einen Vertrag mit der Policlinico Gemelli in Rom geschlossen und damit Fuß im Medizinbereich gefasst. Im Mai 2026 wurde bekannt, dass die Klinik die Verträge auslaufen lassen werde. Nun ist Palantir nur noch im britischen National Health System (NHS) vertreten – wobei es dort massive Proteste des Personals gibt. NHS-Patienten haben keine Möglichkeit, ihre Daten vor der Erfassung durch Palantir zu schützen. Und es scheint auch weitere Probleme mit der Software zu geben, wie ich hier gelesen habe. Da knirscht es also gewaltig.

Verliert Bayern die Kontrolle über Palantir?

Schaut man auf die Entwicklung, stellt sich die Frage, wie der Palantir-Einsatz in Bayern ausschaut? Bayerns Polizei nutzt die Palantir-Implementierung "VeRA" nicht nur gegen Terror und schwerste Kriminalität, sondern offenbar auch deutlich breiter. Laut Politik hat man alles im Griff, da Palantir abgeschottet läuft und man ja alles prüft.

Palantir-Bayern

Ende Juni 2026 hat dieses schöne Bild hat aber Risse bekommen, denn ich bin auf nachfolgenden Tweet bzw. den Artikel Wie Bayern die Kontrolle über Palantir verliertbei Golem gestoßen.

Der 2018 in den bayerischen Landtag gewählte grüne Digitalpolitiker Benjamin Adjei hat durch zahlreiche parlamentarische Initiativen intransparente Vorgänge bei der Vertragsgestaltung zwischen dem Freistaat Bayern und Palantir Technologies aufgedeckt.

Die Kurzfassung: Datenschützer warnen vor Grundrechtseingriffen massivster Art, und IT-Experten warnen vor ungeprüften Updates und Kontrollverlust bei der Software. Der Freistaat hat, trotz Warnungen und ohne saubere Grundlage, bisher 13,4 Mio. Euro Steuergelder für eine US-Blackbox mit erheblichen verfassungsrechtlichen Risiken versenkt. Die CSU verkauft Kontrollverlust als Sicherheit, heißt es. Details hat Erik Bärwaldt im dreiteiligen Artikel für Golem nachgezeichnet.

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18 Kommentare zu Bayern: Kontrollverlust bei Palantir?

  1. Cyrus sagt:

    Als IT-Experte empfehle ich eine Anti-KI-KI um dieses Palantir möglichst unter Kontrolle zu halten.
    Falls das nichts bringt, sollte man eine Anti-KI-KI-KI (die KI-Keri-KI) von Gockel zur Steuerung laufen lassen, damit das ganze nicht völlig ausartet.

  2. janil sagt:

    Ich dachte, so was richtet ein "Söder Pro"?

  3. Varus sagt:

    Drei Seiten weist der Artikel auf. Die ersten zwei widmen sich dem altbekannten, hypereskalierenden und unangemessenen Datenschutztheater in Deutschland. So schreiben meiner Einschätzung nach Autoren und Politiker, die sich weder mit den technischen und organisatorischen Hintergründen Gothams beschäftigt haben, noch polizeiliche Ermittlungserfolge zum Schutze unserer Bevölkerung befürworten. Die rattern zur clickbaitigen Selbstinszenierung in diesem Milieu unbeirrt ihre Datenschutzcheckliste herunter.

    Ein kleiner Absatz auf Seite 3 schwatzt von "unkontrollierbaren" Updates, da der Quellcode nicht vorliege. Überraschung – Behörden nutzen auch Exchange und spielen Microsoft-Updates ein ohne Einblick in den Quellcode. Bei Palantir sei das plötzlich ein Problem?

    Die politische Tendenz des Golem-Autors ist unübersehbar.
    Zumindest wird nicht mehr das bisherige Standardgegenargument der angeblich "unkontrollierbaren Datenausleitung" heruntergebetet. Man ist also lernfähig.

    • Günter Born sagt:

      Wichtiger Einwand! Da gehe ich mit. Kann man auch so sehen, muss man aber nicht. Zumindest liegen Fragen auf dem Tisch – kann von den Verantwortlichen ja alles sauber abgeräumt werden. Ich bin vom Thema zu weit weg, um das final zu werten – aber für mich ist es eingängig, dass die Fachinformatiker vor Ort nicht den Hauch einer Chance haben, Updates des Kerns von "VeRA", die von Palantir ausgerollt werden, so zu durchdringen, dass die Kontrolle vollständig gegeben ist – lasse mich aber gerne fachlich eines anderen belehren.

      Ansonsten habe ich mir die letzten Tage die Analyse des Palantir CEO Alex Karp zu AI auf der Zunge zergehen lassen: "Unternehmen laufen Gefahr, ihr Wissen, ihr Know-how, ihre Geschäftsgeheimnisse und ihre Kundendaten an Modellanbieter weiterzugeben, die sich möglicherweise irgendwann dazu entschließen, mit ihnen in Konkurrenz zu treten. Sicherheit bedeutet für ein Unternehmen, dass es die Kontrolle über seine eigenen Daten, seine Modellgewichte und seine Rechenleistung behält, sodass ein Forschungslabor nicht sein firmeneigenes Wissen, seinen Wettbewerbsvorteil, abgreifen und in sein nächstes Produkt umwandeln kann."

      Ist zwar auf OpenAI und Anthropic und deren KI-Modelle bezogen und es geht dort auch um Konkurrenz. Aber die Botschaft von Karp lautet: "Du brauchst Kontrolle über deine Daten und dein Know How und das muss in deiner Hand liegen". Genau diese Fragen wurden doch abgewandelt in obigem Golem-Beitrag bzgl. VeRA gestellt. Ich weiß, wenn ein Abgeordneter der Grünen eine Anfrage stellt, ist das hoch politisch, könnte aber fachlich beantwortet werden. Da erscheint mir persönlich das Ganze mit "politische Tendenz des Golem-Autors" abzutun, eindeutig zu flach und wird der Sache in meinen Augen nicht gerecht.

      • Luzifer sagt:

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        Ansonsten habe ich mir die letzten Tage die Analyse des Palantir CEO Alex Karp zu AI auf der Zunge zergehen lassen: "Unternehmen laufen Gefahr, ihr Wissen, ihr Know-how, ihre Geschäftsgeheimnisse und ihre Kundendaten an Modellanbieter weiterzugeben, die sich möglicherweise irgendwann dazu entschließen, mit ihnen in Konkurrenz zu treten. Sicherheit bedeutet für ein Unternehmen, dass es die Kontrolle über seine eigenen Daten, seine Modellgewichte und seine Rechenleistung behält, sodass ein Forschungslabor nicht sein firmeneigenes Wissen, seinen Wettbewerbsvorteil, abgreifen und in sein nächstes Produkt umwandeln kann."
        *****************************************************
        Das haben diese Firmen doch bereits mit der Cloud gemacht!
        Der Einsatz von KI ist da ledigglich noch das iTüpfelchen!

        Es gilt die alte Weisheit: nicht dein Blech, nicht mehr deins!

        • Olli sagt:

          Ach Kleiner…

          Dank Windows, Management Engines auf dem Blech und so tollen Netzwerkkomponenten z.B. von Cisco mit ihren "Zusatzfeatures" ist auch dein Blech schon längst nicht mehr deins. Du hast es vielleicht nur noch nicht bemerkt ;-)

        • Froschkönig sagt:

          Im Prinzip kann jede Software, die im eigenen Netz läuft und Zugriff auf deine Daten hat, sie irgendwo hochladen, jedes poplige Tool, dass du aus dem Internet herunter lädtst.

  4. Grimeton sagt:

    Die verstehen doch alle schon lange nicht mehr was da passiert und was mit unseren Daten geschieht, sonst könnte niemand solche Verträge unterschreiben.

    Das müssen die aber auch nicht, denn solange jeder ein Handy benutzt und die EULA dort abnickt kann es so wild nicht sein.

  5. Stefan Kanthak sagt:

    Auch andererorts scheinen bayrische Behörden (aber erst seit knapp 30 Jahren) die Kontrolle verloren zu haben:
    | curl -q -I -L https://www.lfp.bayern.de/
    | HTTP/1.1 200 OK
    | Date: Mon, 06 Jul 2026 10:32:18 GMT
    | Server: CERN httpd

    Die aktuelle Version 3.0A des CERN httpd alias W3C httpd wurde laut https://www.w3.org/Daemon/ vor 30 (in Worten: DREISSIG) Jahren veröffentlicht.
    Meine Nachfrage, wer dieses Altherthum wartet, wurde nicht beantwortet…

    • robbi sagt:

      Willst du denn ernsthaft das all die Faxgeräte nicht mehr mit dem Server kommunizieren können?
      Wer soll dann morgens das Internet ausdrucken.

      • PattyG sagt:

        @robbi: Großartig, der war gut 🤣

        Kann doch nur Server-Banner-Faking oder ein easter egg sein, oder?
        Oder?? 😰
        HTTPS / WP / php … würde doch alles auf einem CERN httpd gar nicht laufen … imho

  6. Visitator sagt:

    Der Freistatt Bayern gibt deine Daten frei für die Amis …

    Ich weiß nicht wieso, aber mir kommt gerade der Film in den Sinn:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Brazil_(1985)

  7. Karli sagt:

    Geht es bei dem Produkt um das des Unternehmens, dass mit Thiel und Carp 2 ausgewiesene und in der Wolle gefärbte NeoFaschisten als Gründer und CEO hat? Diese Software setzt ein der Demokratie verpflichtetes Bundesland ein?
    https://www.derstandard.at/story/3000000318327/palantir-manifest-zwischen-allmachtsfantasie-und-techno-faschismus
    Was könnte da das Problem sein?
    Ein Zitat aus dem Artikel.
    "Palantir versucht seit geraumer Zeit, sich in Behörden festzusetzen und so deren Entscheidungsträger zu beeinflussen. Das gelingt trotz umstrittener Ansichten der Chefs und den antidemokratischen Tendenzen des Gründers Peter Thiel ganz hervorragend. "

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