Microsoft wird wegen "AI-Lüge" von Investoren verklagt

ParagraphFällt dem Microsoft-Management seine "KI-Erzählung auf die Füße? Microsoft wurde gerade in den USA verklagt, weil es seine eigenen Investoren hinsichtlich der KI-Zahlen belogen haben soll. Hintergrund ist, dass die Copilot-Nutzung sich arg schleppend entwickelt.

Der Hintergrund: Über ein Jahr lang hatte Microsoft der Wall Street gegenüber behauptet, Copilot und Azure seien ein unaufhaltsamer Wachstumsmotor im KI-Bereich. Nun ist mir Ende der vorigen Wochen folgender Tweet untergekommen, der diverse Sachverhalte aufgegriffen hat.

MS-Copilot-Klage

Am 28. Januar 2026 wurde dann die tatsächliche Zahl der Microsoft Copilot-Kunden bekannt gegeben: Microsoft 365 Copilot hatte gerade einmal 15 Millionen Premium-Kunden. Dieser Wert lag weit unter den Erwartungen der Analysten, und Microsoft musste in einer Telefonkonferenz einräumen, dass sich das Wachstum von Azure plötzlich  auch verlangsamt hatte.

Die Microsoft-Aktie fiel am nächsten Tag um 10 % (von 481,63 US-Dollar auf 433,50 US-Dollar), was einem Kursverlust von 48,13 US-Dollar pro Aktie entsprach –innerhalb eines einzigen Handelstages.

Dann haben Investoren genauer gelesen, was Microsoft mitgeteilt hatte und dann eine Klage eingereicht. Die Klage wurde im Western District of Washington gegen Microsoft und mehrere seiner Spitzenmanager eingereicht. Der Vorwurf lautet auf Wertpapierbetrug gemäß dem Gesetz von 1934.

Die Aktionäre machen geltend, dass die ihnen versprochene Nachfrage nach KI-Produkten nicht mit der tatsächlichen Situation im Unternehmen übereinstimmte.

Sechs Tage nach diesem ersten Kursrückgang veröffentlichte das Wall Street Journal einen Artikel mit dem Titel „Microsofts entscheidendes KI-Produkt stößt auf große Probleme".

Darin wurde berichtet, dass Copilot Marktanteile verlor, wobei eine verwirrende Positionierung und Integrationsprobleme die Nutzer frustrierten.

Das Flaggschiff-KI-Produkt, zu dessen Kauf alle aufgefordert worden waren, hatte zu kämpfen.

Und Microsoft war an diesem Tag nicht einmal das einzige Unternehmen, gegen das geklagt wurde. Eine ähnliche Klage traf auch ZoomInfo, die KI-Software verkaufen. Und Intuit ist wohl auch betroffen.

Das sind drei Unternehmen, die an einem einzigen Tag wegen desselben Themas verklagt wurden. Jedes einzelne dieser Unternehmen hat den Anlegern eine Wachstumsstory rund um KI verkauft. Jedes einzelne Unternehmen musste dann mit ansehen, wie Kunden zögerten, abwarteten oder sich abwandten. Nun müssen sich alle drei Unternehmen vor  US-Gericht verantworten.

Anleger haben bis zum 11. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger gegen Microsoft zu melden. Die eigentliche Gefahr liegt in der Beweisaufnahme, denn dann kommen die internen Zahlen und E-Mails ans Licht. Sollten diese Dokumente zeigen, dass Microsoft WUSSTE, dass die Akzeptanz von Copilot gering war, während es den Anlegern das Gegenteil versicherte, ist dies nicht mehr nur eine Angelegenheit, die die Aktie betrifft.

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11 Kommentare zu Microsoft wird wegen "AI-Lüge" von Investoren verklagt

  1. Red++ sagt:

    Da würde mich doch mal interessieren, wer diese Investoren genauer sind. die gegen Microsoft Klage eingereicht hat.

  2. viebrix sagt:

    hmmm.. ich denke zuerst einmal müsste hier geklärt werden, was denn nun wann mit Copilot gemeint war. Denn fast alles bei MS heißt Copilot. Es kann also schon möglich sein, dass die Zahlen von Microsoft 365 Copilot (mit zahlenden Kunden) schwach war, aber das kostenlose Copilot (zB in Teams oder der Webseite) hervorragende Zahlen hatte. (ich weiß es nicht)
    Wenn nun angenommen wurde, dass ein Teil der sparsamen User umsteigen auf eine kostenpflichtige Variante, wäre der Optimismus von MS erklärbar.
    Verwirrend ist eben, diese Unklarheit über Produkte und Lizenzen, und ich könnte mir vorstellen, dass hier Mitarbeiter – bei dem – Hü & Hott – ebenso wenig Transparenz haben.
    Eine überzeugende Erklärung, dass hier von einer anderen Copilot Lizenz gesprochen wurde, könnte das Verfahren rel. schnell abwürgen.

    • Phadda sagt:

      Steht doch im Artikel und das Zitat:"Microsoft 365 Copilot hatte gerade einmal 15 Millionen Premium-Kunden." :)

      • viebrix sagt:

        Ja aber:
        "Über ein Jahr lang hatte Microsoft der Wall Street gegenüber behauptet, Copilot und Azure seien ein unaufhaltsamer Wachstumsmotor"
        Welches Copilot wurde für 1 Jahr lang als Wachstumsmotor bezeichnet… 365 oder einfach die Copilot Familie?

        Microsoft vergleicht sich ja in letzter Zeit gerne mit einem KI Startup. Ein Startup erzielt oft Wachstum durch steigende Userzahlen, auch wenn der Gewinn dabei negativ – also sprich Verlust ist.

        Die Zahlen von "Microsoft 365 Copilot" sind nicht so gut wie Investoren erwartet hätten. Aber von welchen Copilot Zahlen hat MS das Jahr davor gesprochen?

  3. Luzifer sagt:

    Bei Aktien gibt es keine garantierten Gewinne!

    KI ist ein kann und könnte…mehr nicht.

    • Mingus sagt:

      Naja, da geht's ja scheinbar nicht darum, dass M$FT grundsätzlich große Versprechen mit KI geschwungen hat und diese nicht erfüllt hat, sondern aktiv das Narrativ nach außen geschönt hat obwohl (mutmaßlich) intern bekannt war, dass nicht alles so rosig und schön ist.

    • Bernd Bachmann sagt:

      Problematisch und sogar strafbar — auch bei uns — wird es halt dann, wenn die Unternehmensleitung den (potentiellen) Unternehmenseigentümern Erträge in Aussicht stellt, obwohl sie *weiß*, dass diese Erträge nicht erzielt werden können.

    • ARC4 sagt:

      da halte ich dagegen es gibt aber kalkulierbare Risiken und Chancen. Und die Kalkulation wird halt klarer sobald möglichst viele Fakten am Tischen liegen, wenn dann aber nun ein Akteuer mit geschönten Zahlen kommt, verändert dass die Kalkulation und damit das Chancen Risiko Verhältnis.

  4. Dave sagt:

    Es kann nicht mehr ausgeschlossen werden dass der KI(AI)Hype sich abschwächt, weil die Anzahl der Nutzer nur erfunden wurde und tatsächlich kleiner ist.

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