Meta stimmt 18 Milliarden-Vergleich mit 47 US-Bundesstaaten zu

Die Facebook-Mutter Meta hat einem gerichtlichen Vergleich mit US-Bundesstaaten zugestimmt, um Vorwürfe beizulegen, wonach das Unternehmen Facebook und Instagram so konzipiert habe, dass sie bei Kindern Sucht hervorrufen, Verbraucher irreführen. Der Vergleich beinhaltet Änderungen an den Plattformen und eine Zahlung von fast 18 Milliarden US-Dollar durch Meta.

Georgias Attorney General (oberster Strafverfolger), Chris Carr, vergleicht das Ganze hier mit dem "Big Tobacco Settlement" in den 1990er Jahren, als ein Vergleich mit den US-Zigarettenherstellern bezüglich der irreführenden Werbung für Verbraucher erzielt wurde.

Im aktuellen Fall hat die Facebook-Mutter Meta einem gerichtlichen Vergleich mit 47 US-Bundesstaaten zugestimmt. Es ging darum, die Vorwürfe einiger US-Bundesstaaten beizulegen, wonach das Unternehmen Meta die beiden Plattformen Facebook und Instagram so konzipiert habe, dass sie bei Kindern Sucht hervorrufen und Verbraucher irreführen.

Meta erklärt sich bereit, bis zu 18 Mrd. US-Dollar zu zahlen, um die obigen Vorwürfe der US-Bundesstaaten beizulegen. Meta wird im Rahmen der Vereinbarung bis zu zudem die Nutzung von Facebook und Instagram durch Jugendliche streng einschränken. Der Generalstaatsanwalt von Georgia, Chris Carr, bezeichnet es als den größten Vergleich im Bereich des Verbraucherschutzes in der Geschichte der USA, abgesehen von den Vergleichen mit den großen Tabakkonzernen in den 1990er Jahre.

Die gerichtliche Vereinbarung regelt die Vorwürfe von 47 Bundesstaaten sowie Washington, D.C., Puerto Rico, Amerikanisch-Samoa und den Nördlichen Marianen, wonach das Unternehmen Instagram mit suchterzeugenden Funktionen entwickelt, junge Nutzer wissentlich ernsthaften psychischen Schäden ausgesetzt und die Öffentlichkeit absichtlich über die Sicherheit seiner Plattformen getäuscht habe.

Carr feiert diesen Vergleich als bahnbrechenden Sieg zum Schutz amerikanischer Kinder und werde die Art und Weise, wie die gesamte Social-Media-Branche Produkte für Kinder und Jugendliche entwickelt, grundlegend verändern. Im Rahmen des Vergleichs erhält der Bundesstaat Georgia fast 100 Millionen US-Dollar und könnte bis zu 135 Millionen US-Dollar erhalten.

"Seit Jahren haben wir die großen Social-Media-Plattformen dazu gedrängt, wichtige Schutzmaßnahmen zum Schutz unserer Kinder im Internet einzuführen, und genau dazu trägt dieses Ergebnis bei", sagte Carr. "Dies ist eine wegweisende Vereinbarung, die Maßstäbe für künftige Fälle setzt, und obwohl Meta als erstes Unternehmen an den Verhandlungstisch getreten ist, sollte es nicht das letzte sein. Es sollte keine Klagen, Gesetze oder Ermittlungen erfordern, um das Richtige zu tun. Die Sicherheit unserer Kinder wird immer unsere oberste Priorität sein."

Meta-Vergleich

EU-Kommissar Thierry Breton weist in obigem Tweet darauf hin, dass dieser Vereinbarung ironischerweise 9 von 12 Maßnahmen aufweist, die unter den europäischen Digital Service Act (DSA) fallen, der seit 2023 in Kraft ist. Breton stellt fest, dass die US-Gerichte schneller als die EU-Kommission handeln und fordert das die EU den DSA jetzt durchsetzt.

Die Einigung verpflichtet Meta dazu, eine Reihe von Sicherheitsfunktionen auf Instagram und Facebook einzuführen, darunter:

  • Feste tägliche Nutzungszeitlimits und "produktive Pausen" für Kinder: Für die beiden Plattformen Instagram und Facebook gilt ein kombiniertes tägliches Nutzungslimit von zwei Stunden mit obligatorischen Pausen nach 15 Minuten ununterbrochener Nutzung sowie nach 60 und 90 Minuten, um endloses Scrollen zu unterbrechen.
  • Diese Limits gelten für fünf Jahre. Sollten Snapchat, TikTok und YouTube vergleichbare Bedingungen einführen, sinkt die tägliche Nutzungsdauer auf jeder Plattform für 10 Jahre auf 60 Minuten.
  • "Nacht-Sperren", die den Zugang für Kinder von 0:00 Uhr bis 6:00 Uhr einschränken.
    Eingeschränkter Zugang für Kinder während der Schulzeit, wobei Push-Benachrichtigungen an Wochentagen während des Schuljahres von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr deaktiviert werden.
  • Robuste Maßnahmen zur Altersüberprüfung, um das Alter junger Nutzer effektiver zu verifizieren.
  • Sicherere, altersgerechte Inhaltskontrollen, einschließlich strengerer Schutzmaßnahmen gegen Mobbing, Inhalte, die Essstörungen fördern, sowie Inhalte im Zusammenhang mit Suizid und Selbstverletzung.
  • Stärkere, benutzerfreundlichere Kindersicherungen.
  • Einschränkungen bei Funktionen zum sozialen Vergleich, darunter Schönheitsfilter und sichtbare „Like"-Zahlen, die mit negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht wurden.
  • Sowohl die Umsetzung als auch die Wirksamkeit der Maßnahmen werden regelmäßig von einem unabhängigen Prüfer und den an dem Vergleich beteiligten Bundesstaaten bewertet.

Dies sind bahnbrechende Veränderungen für Instagram und Facebook, die weitreichender und umfassender sind als alles, was bisher von einem Gericht angeordnet wurde. Am wichtigsten ist vielleicht, dass dieser Vergleich einen ersten Schritt in Richtung einer branchenweiten Social-Media-Regulierung darstellt, die Kindern einen Schutz in diese Bereich bietet und sie vor dem Auswüchsen der Tech-Firmen schützt.

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15 Kommentare zu Meta stimmt 18 Milliarden-Vergleich mit 47 US-Bundesstaaten zu

  1. SArmstrong sagt:

    Herr Born, gestern haben Sie moniert, das freie Internet stürbe jeden Tag; jetzt scheinen Sie damit einverstanden zu sein.

    Es ist nicht die Aufgabe von Unternehmen, Kinder vor dem Internet zu beschützen.

    Auch nicht die der Regierung.

    Die Verantwortung für die Kinder liegt bei den Eltern – wo sonst?

    Warum haben die Kinder denn Internetzugang? Sie selbst werden die Verträge wohl kaum abgeschlossen haben und das hat auch ein Herr Zuckerberg nicht ausgeheckt.

    Hier klagen unverantwortliche, faktisch Kindesmissbrauch betreibende Eltern gegen Internetdienstleister dafür, dass sie selbst etwas Inakzeptables getan haben.

    In dem Umfang, in dem diese Firmen ihre Produkte bewusst auf die Altersgruppe geeicht haben, nehme ich sie in die Verantwortung. Die ganze Mentalität hinter der Klage, also dass das Internet für Achtjährige ausgelegt sein soll, läuft aber nur auf eine universelle Überwachung und Ausweispflicht (digitale persönliche ID) hinaus. Weltweit zentralisiert zB in Amerika. Ich finde zB viele Wikipedia-Inhalte auch nicht für Grundschüler geeignet.

    • Andreas K. sagt:

      Es liegt in der Verantwortung der Eltern, sämtlichen! Schaden von ihren Kindern abzuwenden. Dazu zählen auch Dinge, die ich hier nicht aufführen möchte.
      Trotzdem sollten die moralbefreiten Auswüchse der Konzerne (Schönheitsfilter und sichtbare „Like"-Zahlen .. wtf) in die Schranken verwiesen werden.

    • hab hunger sagt:

      Hier geht es jedoch darum, dass Meta ganz bewusst psychologische Tricks nutzt um Kindern und Jugendlichen zu schaden.

      Ein Teil der Verantwortung liegt natürlich auch bei den Erziehungsberechtigten, jedoch ist auch der Staat dafür verantwortlich, dass Kinder geschützt werden.
      Und wir sind uns doch sicherlich einer Meinung, dass Kinder nicht die Opfer von schlechter Erziehung sein sollten.

      • Fritz sagt:

        Welche Tricks nutzen sie denn, um explizit Kindern zu schaden?
        Und warum sollten die ab einer gewissen Altersgrenze (in den USA vermutlich 21, in Europa 18) nicht mehr wirken?

        Das Konzept von Social Media ist es doch gerade, Nutzer (jeden Alters) soweit zu fesseln daß in den entstehenden Blasen die Influencer mit ihren Followern gefangen sind und möglichst viel Zeit verbringen.

        Das funktioniert genauso gut mit Volljährigen, wie man jeden Tag auf den Straßen bei den "Handy-Zombies" beobachten kann, die jede freie Minute beim Warten, Gehen oder Bahn fahren damit verbringen.

        Richtig ist, daß sich in den letzten Jahren und damit schon über ein oder zwei Generationen eine gewisse "ist mir egal, der Staat soll sich kümmern"-Mentalität ausgebreitet hat, vorwiegend in den etwas weniger bildungsaffinen Bevölkerungsschichten.

        Das trifft aber auch auf Alkohol, Rauchen (oder neuerdings "dampfen") und alle anderen Arten von Drogen zu.

        • KT sagt:

          Das Konzept soziale Medien ist an sich schädlich und gefährlich. Jede Maßnahme, die der "Nutzerbindung" dient, kann gleichzeitig eine Erhöhung des Suchtpotentials mit sich bringen. Wenn das dann auch noch bewusst verschwiegen und eventuell sogar in der Werbung das Gegenteil suggeriert wird, kann man sich alles Weitere denken.

          Dazu und zur Moral der sozialen Medien fällt mir die derzeitige Kampagne in der Fernsehwerbung ein, wo 50 Datenschutzeinstellungen angepriesen werden, die Jugentliche nun besser schützen sollen. Schon mit etwas Nachdenken merkt mann, dass ein schon für Erwachsende kompliziert klingendes System den versprochenen Schutz eher nicht hinbekommen wird. Die Schuld haben dann natürlich die Jugendlichen, die das falsch eingestellt haben.

    • Giesama sagt:

      Hier merkt man, dass Sie keine Kinder haben. Falls doch, haben die kein soziales Umfeld.
      Die Regierung schreit immer "Eltern müssen" "Eltern sind die Verwantwortlichen".

      Mein Kind sollte sein erstes Handy und Internet mit 14 bekommen. Handy wegen der Entwicklung der Augen (Blaulicht) und Internet etc. damit er erstmal so den Umgang mit dem Rechner lernt. Habe damls auch nach dem xten Virenbefall beim Windows 98 selbst installieren und einrichten müssen, da Mutter dafür kein Bock mehr hatte.

      Was ist passiert? Mobbing und Ausgrenzung mit 11/12-Jahren. Schule verlangte Handy, da dies im Unterricht eingesetzt wird (ich glaube 2-Mal in der Schullaufbahn verwendet für irgendeine geile Schulapp). Aber gleichzeitig hat die Schule ein Handyverbot ausgesprochen, gerade in den Pausen auch "wir verlieren ansonsten den Bezug zu den Schülern".

      Also, Mobbing hatten wir schon, da mein Kind sich immer mit anderen das Handy teilen mussten. Andere in dem Alter haben auch schon hart auf TikTok und Insta gearbeitet.

      Nach dem Druck der Schule und des Mobbings (wo keiner was gegen gemacht hat) habe ich nachgegeben. Erstes Handy mit 12, aber mit Einschränkungen. Haben veruscht das Handy so gut es geht mit "Family-Link" und wie die Apps nicht alle heißen zu Schützen. Die Kids sind ja nicht dumm. Alles kann umgangen werden. Diese Apps sind auch mehr Schein als Sein. Endresultat? Tadel wegen Handynutzung bekommen, zunehmende Verblödung, da alles auf TikTok und Insta für wahre Münze genommen wird. Jetzt ist er 18 und fällt immer noch auf die ganze scheiß Werbung rein, bzw. jetzt wo er darf und kann macht er fast alles was er damals nicht konnte.

      Eltern müssen? Nein. Eltern können gar nicht. Eltern sind nicht 24h hinter dem Kind. In der Schule hat der Staat die Verantwortung und rennt total gegen die Wand. Die Regierung schiebt die Verantwortung sehr gut weg, genau wie die Konzerne.
      "Sie müssen mit ihrem Kind reden". Schonmal mit einem Pubertier geredet? Keiner von den Schwachmaten die so was sagen, haben/hatten Kinder.
      Selbst wenn es zuhört, wird es nicht geglaubt. Die anderen haben es ja auch und dürfen das auch.

      Altersfreigabe bei solchen Portalen, okey. Aber hey, wer hat noch nie irgendwo ein falsches alter angegeben?

      • KT sagt:

        So sehe ich das auch.
        Als Ergänzung zur Altersangabe sei noch gesagt, egal wie man den Schutz hochdreht. So lange man rankommt, werden sich auch Kinder Zugang verschaffen oder irgendwie verschaffen lassen.

        Der Grund ist einfach: Kinder haben und nehmen sich bei Bedarf den ganzen Tag Zeit dafür, nach Lücken im System zu suchen und tauschen sich darüber auch untereinander aus. Diese gemeinsam investierte Zeit ist ein Vielfaches der Zeit, die Eltern für die Gegenmaßnahmen aufwenden können. Das Zeitproblem wird beim Thema Jugendschutz viel zu oft vergessen.

      • Chris sagt:

        GENAU DAS. Es ist effektiv nicht möglich, die Kinder in der eigenen Geschwindigkeit an diese Technik heranzuführen, wenn sie ein entsprechendes Alter erreicht haben, es wird schon seitens der Schule vorgegeben. Unser Kleiner hat nun in der Grundschule seit einigen Jahren ein privat beschafftes iPad und die darauf befindliche "Anton-Schul-App". Hier können die Kids Übungen machen und Punkte für Spiele sammeln, was im Prinzip aber eine Lachnummer ist, da das Verhältnis von Übung und Belohnung recht ungleich ist, so dass ich unseren Kleinen die meiste Zeit in der Anton-App mit einem Spiel antreffe.

        Ganz davon abgesehen, dass die Schule den Eltern keinen Anhalt gibt, wie eine Kindersicherung überhaupt sinnvoll durchzuführen wäre (und wenn ich mir die technische Versiertheit einiger Lehrkräfte so ansehe, wundert mich das auch nicht; Insta, TikTok und WhatsApp kann bedient werden, alles andere und gerade PCs sind offensichtlich wieder #Neuland).

        Ich habe einen Kinder-Account bei Apple eingerichtet, was an sich ganz nett ist, da dort Nutzungszeiten, gesperrte Apps und Einstellungen möglich sind, allerdings funktioniert die Sperre nicht zu 100%, was anscheinend auch auf das Alter und veraltete Betriebssystem des iPads zurückzuführen ist. Nun muss ein neueres Gerät beschafft werden, was nur einen theoretischen Mehrwert hat, die meiste Zeit wird eh' nur gespielt, denn darauf achtet die App anscheind auch nicht, danke dafür.

    • Chris sagt:

      Unsinn. Das Internet stirbt nicht, wenn Maßnahmen getroffen werden, die Kinder vor Suchtverhalten ein Stückweit bewahren sollen. Das Internet stirbt nicht, wenn Herr Zuckerberg und Konsorten für die schändliche Ignoranz gegenüber dem Jugendschutz auf die Finger geklopft bekommen.

  2. C. Dürst sagt:

    Die 18 Mia. sind noch zu wenig. Packt noch 100 drauf! Mark vermag das.

  3. janil sagt:

    Gute Sache. Jetzt darf man gespannt sein, was wann umgesetzt wird.

  4. Simon sagt:

    Ich hoffe die EU holt sich da nochmal den gleichen Betrag ab. Wäre aber sicherlich deutlich einfacher für die EU, wenn es hier zu einem Prozess und einer Verurteilung gekommen wäre. Bestimmt auch ein Grund für den Vergleich.

  5. mw sagt:

    Und es wird sich gar nichts ändern. Die Algorithmen bleiben, wie sie sind. Die Sucht machenden Ursachen werden nicht beseitigt. Meta hat sich für ein geringes Taschengeld freigekauft. Ein miserabler Kuhhandel. Ich habe mit Meta nichts am Hut und möchte mit diesen Leuten auch künftig nichts zu tun haben. Und ja, (a)soziale Medien sind Gift für ein freies Internet, ebenso der Überwachungs- und Identifizierungswahn der Regierungen. Die Provider tun ein übriges z. B. Server am Anschluß zu verbieten und nur NAT anzubieten. Deshalb: das Internet stirbt und ist schon halb tot. Da ist nichts mehr übrig von den Visionen eines Sir Timothy John Berners-Lee.

    • User007 sagt:

      Zum letzten Satz:
      Das ist auch vllt. die Krux in allen "visionären" (Technologie-)Ideen – ein leider realitätsfern zu unbedarfter Idealismus, der einfach nicht die Korrumpierungsneigung sowie das -potential unserer Spezies bedenkt bzw. anerkennen will. 🤷‍♂️
      Und die haben wir seit jeher noch immer mit mehr oder weniger eklatanten Konsequenzen bestätigt (bekommen)! 🙄

  6. Phadda sagt:

    Viel zu günstig vor der Verantwortung verkauft.

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