Rollator mit ‘Intelligenz’ soll Sturzrisiko vermindern

Schwieriges Thema – Stürze stellen mit zunehmendem Alter ein steigendes Risko dar. Die Verwendung von Gehhilfeassistenten kann für viele Menschen eine Voraussetzung für ein aktives und unabhängiges Leben sein – doch ihre Nutzung birgt auch Gefahren. Selbst ein Rollator kann bei falscher Handhabung zur Sturzfalle werden. Das soll jetzt ein intelligenter Rollator verhindern.


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Bei Menschen über 65 Jahren liegt das Risiko für mindestens einen Sturz binnen eines Jahres bei immerhin 30 Prozent. Mit jedem Lebensjahrzehnt steigt diese Wahrscheinlichkeit um 10 Prozent, so Amit Choudhury, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum Bremen-Nord. Irgendwann geht es dann nicht mehr ohne Gehhilfeassistenten. Mit einer immer älter werdenden Gesellschaft gehören Rollatoren daher zum allgegenwärtigen Bild. Aber es gibt ein Problem: Die falsche Handhabung der Gehhilfeassistenten. Dann besteht die Gefahr, dass der ältere Mensch trotz oder wegen des Rollators stürzt – man bezeichnet dies auch als Hilfsmittel Paradoxon.

 Rollator cco Public Domain(Quelle: Pixbay)

Die Verwendung eines Rollators wird zwar in der Reha vermittelt – aber mancher Senior bzw. manche Seniorin vergisst das. Auch sind einige Menschen aufgrund kognitiver Einschränkungen nicht mehr in der Lage, sich die korrekte Haltung langfristig einzuprägen. Die falsche Benutzung des Rollators birgt jedoch eine akute Sturzgefährdung, die nur durch eine Korrektur der Körperhaltung vermindert werden kann. Dieses Thema möchte man jetzt angehen, wie man einer PKI-Pressemitteilung entnehmen kann. Durch die Entwicklung eines Unterstützungssystems zur Haltungserkennung – ModESt („Rollator-Modul zur Haltungs-Erkennung und Sturz-Prävention") – soll die Sturzgefahr erheblich verringert werden.

Das zu entwickelnde System wird dabei in Form einer leichten Elektronikbox an dem Rollator befestigt. Es soll sowohl bei der Analyse der Haltung, deren Bewertung als auch bei der anschließenden Korrektur eingesetzt werden. Die Analysefunktion überprüft zunächst die Positionierung des Nutzers in Relation zum Rollator anhand von Distanzmessungen verschiedener Körperbereiche zum Gehassistenten. Anhand dieser Werte findet eine Bewertung der Haltung statt. Durch eine intuitive, dezente Rückmeldung bei der Erkennung eines Haltungsfehlers hilft das System bei dessen Korrektur.

Der DFKI-Forschungsbereich Cyber-Physical Systems unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Drechsler schafft hierfür zunächst die technischen Voraussetzungen zur Erfassung von Haltungsmustern von am Rollator gehenden Personen. Auf dieser Grundlage bestimmen die DFKI-Wissenschaftler die optimalen Positionen für die Distanzsensoren an der Gehhilfe und entwickeln eine Software zur Bewertung der Haltungsmuster. Zudem erarbeitet der Forschungsbereich, der über umfangreiche Erfahrungen sowohl in der Entwicklung von Assistenzsystemen als auch in der Sensordatenfusion verfügt, ein Konzept, wie der Rollator bestmöglich auf eine Person eingestellt werden kann und beteiligt sich an der statistischen Bewertung des zu erwartenden Nutzens des Systems.

Nach erfolgreichem Projektabschluss soll das Unterstützungssystem sowohl für ältere Menschen mit Haltungsproblemen als auch für kranke Menschen eingesetzt werden, um durch eine intelligente Sturz-Prävention Mobilitätseinschränkungen sowie Unsicherheiten zu verhindern und die Lebensqualität dieser Menschen erheblich zu verbessern.

Das auf drei Jahre ausgelegte Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 912.000 € im Rahmen der Förderlinie „Mensch-Technik-Interaktion im demografischen Wandel" gefördert. Zum Konsortium gehören vier Partner aus Wissenschaft, Gesundheit und Industrie: dazu zählen neben dem Projektkoordinator Budelmann Elektronik in Münster und dem Bremer DFKI-Forschungsbereich Cyber-Physical Systems, der Gesundheit Nord Klinikverbund Bremen mit der Fachabteilung für Geriatrie in Bremen sowie die TOPRO GmbH in Fürstenfeldbruck. Weitere Informationen lassen sich zudem bei golem.de und bei heise.de nachlesen.


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