Pedelecs, eine Gefahr fürs Alter?

Es ist ein Trend: Die eBikes, auch Pedelecs genannt, also Fahrräder, die mit einem elektrischen Antrieb versehen sind. Aber der Trend hat auch seine Schattenseiten: Die Zahl der schweren Unfälle ist stark gestiegen.


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Speziell Menschen ab 50 Plus greifen gerne auf Pedelecs zurück. Wer am Bodensee oder in Radfahrgegenden unterwegs ist, kommt an Pedelec-Fahrer/innen kaum vorbei. Wenn ich beim Spaziergang mal wieder einen Radfahrer oder eine Radfahrerin sah, die scheinbar mühelos jede Steigung meisterte, dachte ich ‘bist du ein Weichei, Du hättest dich da abgemüht und schwitzend den Berg hoch gestrampelt’. Heute geht mein Blick unwillkürlich in Richtung Tretantrieb. Ist dort ein ‘Knubbel’ zu sehen oder findet sich ein Akku-Gehäuse am Rahmen des Fahrrads, weiß ich ‘aha, ein Pedelec’. Der Begriff steht dabei für Pedal Electric Cyle, also ein Fahrrad mit Elektromotor, der sich ab 25 km/h selbsttätig abschaltet (siehe).

Pedelec
(Quelle: Wikipedia  J. Hammerschmidt, CC BY-SA 3.0)

Unfallzahlen steigen

Das Statistische Bundesamt teilte im Januar 2018 mit, dass in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 die Zahl der Unfälle mit Personenschäden, an denen Pedelecs beteiligt sind, auf 4.300 gestiegen ist. Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine Steigerung vom 28 Prozent.

Der Fahrrad-Clubs ADFC sieht einen Grund in der Zunahme der eBike-Zahlen. 2017 gab ca. 3,5 Millionen Pedelecs in Deutschland, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 700.000 Exemplare oder 25 %.

Problem: ältere Fahrer und tödliche Unfälle

In Niedersachsen ist, laut Innenministerium in Hannover, die Anzahl der tödlich verunglückten sowie der schwer- und leichtverletzten Pedelec-Nutzer für 2017 angestiegen. Laut diesem Artikel sind bis September im Jahr 2017 insgesamt 55 Pedelec-Fahrer/innen tödlich verunglückt (eine Verdoppelung gegenüber 2014).

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann sagt ‘Der Anteil Älterer an Pedelec-Unfällen ist überdurchschnittlich hoch’. Brockmann, der die Unfallforschung der Versicherer (UDV) leitet, führt auch aus, dass die Zahl illegal getunter Pedelecs, die schneller fahren als die erlaubten 25 Stundenkilometer, steige.

Brockmann sieht ein Problem bei älteren Pedelec-Fahrern, welches nicht von der Hand zu weisen ist. ‘Viele ältere Menschen fahren durch die Unterstützung des Elektromotors viel schneller, als es ihre Fähigkeiten eigentlich erlauben.’ Das führt aber zu einem Verlust der Kontrolle über das Gefährt und dann zu Stürzen mit entsprechenden Folgen.


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Hier hilft, sich vor den ersten Ausfahrten mit dem eBike vertraut zu machen und vor allem ein Gefühl für dessen Bremsverhalten zu entwickeln. Ein Sturzhelm und entsprechende Kleidung sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Viele Unfälle sind Folge nicht angepasster Geschwindigkeit. Hier mein Ratschlag, sich nicht selbst zu überschätzen und im Zweifel auf das eBike zu verzichten. Weitere Hinweise lassen sich den Artikel hier und hier entnehmen.


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3 Antworten zu Pedelecs, eine Gefahr fürs Alter?

  1. Ralf Buschner sagt:

    Ich bin zwar erst 57, werde mich aber auf keinen Fall auf so ein Pedelec setzen, solange ich meine 1000er Honda im Griff habe. Versprochen!

  2. nook sagt:

    Von mir beobachtet, ein älterer Herr welcher sich ausgiebig mit dem Display und dessen Einstellungen beschäftigte.

    Zügig am Radweg unterwegs reichte die kleine Kante zum Gehweg hin, die Ihn wegen seiner Unaufmerksamkeit zum Stürzen brachte.

    Rettungswagen, Krankenhaus …

    Übergreifend:
    Technisch überforderte Verkehrsteilnehmer mit längerem Blick auf Navi, DAB Radios, KFZ Meldungen, Smart Phones und und und

    Ein Handyverbot reicht da schon lange nicht mehr. Die Automobilindustrie sorgt schon dafür das da nichts verboten wird, was Infotainment im KFZ angeht. S-Klasse mit analogem UKW Radio und sonst nichts? ;-)

  3. Markus sagt:

    Senioren, die mit EBikes oder Pedelecs mit Tempo 20-30 durch die Gegend rasen, sehe ich hier auch allerorten. Schon das Anfahren ist oftmals ein Katapult-Effekt.

    Es fehlt die Helmpflicht für alle Fahrradfahrer. Das würde den Kindern auf dem Schulweg auf ihrem normalen Fahrrad helfen, den Senioren auf dem normalen Fahrrad auch. Und den elektrischen Bikern sowieso.
    Eine ältere Verwandte von mir kippte bei Tempo 5kmh vom Rad und prallte so unglücklich seitlich mit dem Kopf auf den Boden auf, dass Sie durch die harte Erschütterung ein Auge verlor, weil sie keinen Helm hatte, der den Aufprall gelindert hätte.

    Ich war Schülerhelfer bei den ersten Schultagen und fuhr mit den Schülern Fahrrad-Kolonne, damit sie die Gefahrenstellen des Schul-Radwegs kennenlernen und Sicherheit gewinnen. Was nook oben über den alten Hern mit dem Display berichtete, kann ich auch von Schulkindern und ihren 12/24/148 Gängen an Ihren von der Verwandschaft geschenkten Fahrrädern beobachten. 3 Meter Schwankungsbreite auf der Straße, weil sie verkrampft mit den Schalthebeln nicht klarkommen.

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