Corona-Infosplitter (20.1.2021)

GesundheitGestern hat die Bundesregierung ja mit den Ländern 'schärfere Corona-Regeln' beschlossen, die nun schon wieder von einzelnen Bundesländern relativiert werden. Mit sind die letzten Tage einige Schlagzeilen zur Thematik untergekommen, die ich kurz zusammenfasse. Was treibt die COVID-19-Informationen? Was passiert, wenn jeder sich an die Auflagen behalten würde? Und wieso bekommt das Robert-Koch-Institut die COVID-19-Infektionszahlen nicht akkuat berichtet?


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Wo passieren die Ansteckungen?

Trotz einem Jahr Coronavirus-Pandemie tappen unsere 'Entscheidungsträger' aus der Politik und dem Gesundheitswesen (zumindest gefühlt) im Dunkeln, versuchen aber mit einer Kakophonie an 'harten Maßnahmen' in der Öffentlichkeit zu punkten. Mich nervt das nur und ich frage mich 'wieso die Gesundheitsbehörden auch 12 Monate nach den frühen COVID-19-Infektionsfällen' nach wie vor bezüglich der Pandemietreiber im Dunkeln tappen?.

Gerade bin ich in der FAZ auf diesem Artikel gestoßen, der mit 'das Büro ist nicht der Infektionstreiber' übertitelt ist. Interessant sind die Aussagen im Artikel, was man als Infektionsherde ausgemacht hat. Die gravierendsten Hotspots habe ich zuerst aufgeführt.

  • Restaurants mit normaler Bestuhlung und Service,
  • Fitness-Center,
  • Cafés und Snackbars,
  • Hotels,
  • kleinere Gaststätten,
  • Kirchen,
  • Arztpraxen,
  • Kaufhäuser und Tankstellen

Die FAZ schreibt: Unter den Neuinfektionen, bei denen dem Robert-Koch-Institut Informationen über das Infektionsumfeld vorliegen, haben in den Wochen vor Weihnachten nur fünf Prozent der Infektionen am Arbeitsplatz stattgefunden.

Wenn sich alle an die Maßnahmen halten würden

Es dürfte sich so mancher Zeitgenosse auch die Frage stellen, warum die COVID-19-Neuinfektionen nach dem Lockdown nicht drastisch fallen. Hier möchte ich einen zweiten FAZ-Artikel verlinken, der ebenfalls interessante Einblicke vermittelt.

Simulation der COVID-19-Infektionen
Simulation der COVID-19-Infektionen, Quelle: FAZ/Maria Barbarossa

Basis ist eine Simulation der Frankfurter Wissenschaftlerin Maria Barbarossa, die das Infektionsgeschehen in Abhängigkeit von der Befolgung der Kontaktbeschränkungen in der Bevölkerung abbildet. In obiger Grafik sieht man, dass, wenn 80-95% der Bevölkerung die Maßnahmen befolgen, die Neuinfektionen drastisch sinken.

Damit hat man die Antwortwort, warum der Lockdown im Dezember 2020 nicht gewirkt hat. Zorn kommt auf, wenn man dann mal 'beim Volk' nach hört. Quellen wollen nicht genannt werden, aber da gibt es die Mitarbeiter eines Ordnungsamt, die feststellen, dass sich 'immer die Gleichen' nicht an die Regeln halten, Zusammenkünfte im Keller einer Shisha-Bar oder in einem Barber-Shop stattfinden. Werden Anzeigen geschrieben, verschwinden diese in den höheren Rängen der Kommunalverwaltung. Frust bei den Ordnungsamtmitarbeitern, die inzwischen verlacht werden, denn Verstöße haben keine Konsequenzen. Da gibt es die Kneipen, die die Rollläden herunterlassen und wo dann 'in privater geschlossener Gesellschaft' hoch die Tassen gilt.


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In einem Industrieunternehmen ist eine ganze Schicht wegen COVID-19 ausgefallen. Nach Neujahr erzählten zwei Arbeitnehmer, dass man Silvester im 'kleinsten Kreis der Familie' mit 50-60 Leuten gefeiert habe. Bei der Einreise aus dem außereuropäischen Ausland wurde in Deutschland nichts kontrolliert. In Selbstisolation zu gehen, hielten die Arbeitnehmer nicht für notwendig (gibt kein Geld, und Urlaub wollen wir dafür nicht verschwenden). Zwei Tage später waren die Leute krank gemeldet und einige Tage später die Schichtmannschaft an COVID-19 erkrankt.

Es sind offenbar nicht die Leute, die brav mit selbstgenähter Maske unterwegs sind und Kontakte einschränken, die die Pandemie treiben. Sondern es deutet sich an, dass es häufiger eine bestimmte Klientel ist, die sich über die Maßnahmen hinweg setzt und nichts passiert. Wer solche Fälle in seinem Umfeld mit bekommt und dann die Kakophonie der Politik über 'verschärfte Maßnahmen' vernimmt, könnte schon mal Zorn bekommen.

Technik-Land Deutschland im FAX-Fieber

Abschließend noch zwei Informationssplitter, die ein Licht darauf werfen, wie der 'Technologiestandort Deutschland' in der Bewältigung der Pandemie bei den Gesundheitsbehörden aufgestellt ist. In diesem heise-Artikel erfährt man, das 2/3 der deutschen Gesundheitsämter weiterhin auf Fax & Co.  zur Übermittlung von Informationen setzen. Nur 111 von 375 Gesundheitsämtern nutzen das Pandemie-Management-System Sormas. Der Rest schwört auf Zettelwirtschaft und Insellösungen.

Corona und Gesundheitsämter

Und in obigem Tweet weist ein weiteres Medium darauf hin, dass Gesundheitsämter in Deutschland kaum Kontaktverfolgungssoftware einsetzen. Kein Wunder, dass das Robert-Koch-Institut nie valide Zahlen der Neuinfektionen vorlegen kann, sondern im 'Schätzmodus' segelt.

Besonders traurig: Da schwadronieren Politiker öffentlich darüber, dass man den Datenschutz bei der Corona-Warn-App lockern müsse, um die Pandemie 'besser in den Griff zu kriegen'. Dabei lässt sich seit 10 Monaten allerorten ein Politik- und Verwaltungsversagen feststellen, egal ob bei der Impfkampagne und deren Organisation oder bei der Kontaktverfolgung oder Testung auf COVID-19. Hier hätte seit Monaten Aufbauarbeit und Vorbereitungen für die 2. Welle, Schutzmasken, die Testungen und die Impfung geleistet werden können – jedenfalls meine Meinung. Es ist frustrierend.


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4 Antworten zu Corona-Infosplitter (20.1.2021)

  1. Info sagt:

    Wir haben einen Punkt erreicht wo Jeder seinen individuellen Modus fährt um seine bisherige wirtschaftliche und berufliche Existenz zu sichern. Dann gibt es noch Die die meinen nicht einmal vielleicht, eine etwas längere Zeit, Ihre persönliche Vergnügung zurückzufahren trotz Ihres möglicherweise noch lange andauernden Daseins. Dann gibt es noch die Ignoranten/Unwissenden die bisheriges physikalisches/biologisches Wissen als Blödsinn abtun/nicht verstehen, Wissenschaftler als Dilettanten verschreien und sich vorsätzlich widerwillig verhalten. Und…

    Ich verbringe 24/7 meiner Zeit in der Nähe einer der Zu- Ausfahrtsstraßen, einer Stadt, zur Autobahn. Im 1. Lockdown hat alles noch funktioniert. Das Verkehrsaufkommen hat sich drastisch minimiert, früh abends totenstille, war schon etwas beängstigend.

    Der 2. Lockdown funktioniert nicht, zeigt wenig Wirkung, weil sich kaum noch jemand an Einschränkungen hält! Das Verkehrsaufkommen ist bereits seit ca. 21.12.2020 auf dem vergleichsweise 24 stündigen Niveau wie vor der Pandemie – andauernd.

    Ohne einheitliche Bundesweite drastische Einschränkungen sowie abendliche Ausgangssperren bei Androhung gesetzlich geahndeter Verstöße – wird es uns nicht viel weiter bringen. Anders ist der Masse des Individuellen Mensch nicht beizukommen um diese Pandemie zu verarbeiten.

    Auch mich stimmt es inzwischen etwas ärgerlich, es wird vieles zeitlich vorsätzlich verschleppt…

  2. Klaus451f sagt:

    Die Aussagen zur Arbeit der Gesundheitsämter stimmt so nicht. Es gibt kommerzielle Software, die alle Bereiche des Amtes abdeckt, die seit Jahr und Tag vom RKI gemobbt wird. Informationen über Änderungen kommen grundsätzlich zu spät, sodass die Firma immer hinterherhinkt. Deshalb ist es dem RKI gelungen, in vielen Ämtern ihr eigenes Programm SurvNet zusätzlich einzuführen. Nun wird nochmal zusätzlich SORMAS reingedrückt, aber nur für Covod-19. Alle anderen Krankheiten gehen nach wie vor über SurvNet. Und alle anderen Aufgaben werden dann über das dritte Programm erledigt.
    Der Import der Labormeldungen klappt inzwischen mit allen Softwareprodukten, aber eben nur Labore. Z.B. Arztpraxen, Pflegheime, Krankenhäuser melden schriftlich. Das ist aber nur ein kleiner Teil, das meiste kommt von den Laboren.
    Ein Import von Excel-Listen ist außerdem auch möglich.

  3. Andreas B. SH sagt:

    Skandalös: Am Montag, 19.01.2021, gab's in der Sendung "Markt" im NDR-Fernsehen in dem Beitrag: "FFP2-Masken: Vorsicht vor schlechter Qualität" eher ganz beiläufig die Nachricht, dass das Pflegepersonal auf Corona-Stationen (!!!) eines Profit-Konzerns mit minderwertigen FFP2-Masken ausgestattet wurde und sich welche deshalb in dieser Hochrisiko-Umgebung infiziert haben.
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/Markt,markt14146.html

  4. nook sagt:

    Ich habe letztes Jahr nach Möglichkeiten zur Kontrolle von Masken mit entspr. CE Nr. gesucht.

    https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/nando/index.cfm?fuseaction=directive.notifiedbody&dir_id=155501

    Seinerzeit fand ich als bestätigende Stelle ein Labor in Istanbul für die CE Kennzeichnung, nicht für das Produkt an sich inkl. Herstellerkennzeichnung.

    Ich hätte mir notieren sollen was man unter Search Criteria des obigen Links eingeben müsste, wobei … bringt ja nicht wirklich weiter.

    Dann fand ich noch einen bayr. Link wo Lieferanten aufgelistet werden https://healthcare-bayern.de … Informationen zur Schutzausrüstung, Barbara Stamm, MdL, Präsidentin des Bayerischen Landtags a.D.

    Die Konstellation "Politikerin a.D.", e.V. und Lieferantenauflistungen (-empfehlungen?) sind … ? Mache sich jeder so seine Gedanken dazu.

    Ein Unternehmen der Seite habe ich mir angesehen. Von 99 Bewertungen auf der eigenen hp waren 1 bis 2 als verifiziert gekennzeichnet. Der Rest, alle absolut positiv bewertet, neutral und ohne Verifizierung!

    Das mag nicht für alle Unternehmen dort gelten, das Eine reichte "mir" aber schon.

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