Geldautomatensprengung: Täter in den Niederlanden gefasst

ParagraphDen Ermittlern der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, sowie der niederländischen und hessischen Polizei ist ein Ermittlungserfolg gegen eine Bande sogenannter Geldautomatensprenger gelungen. Drei Verdächtige konnten in Zusammenarbeit mit Europol in den Niederländen verhaftet werden.


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Sprengungen von Geldautomaten durch kriminelle Banden werden immer mehr zum Problem – und gefährden die Sicherheit Unbeteiligter in den Gebäuden mit den gesprengten Geldautomaten. Die Folgeschäden werden immer höher, weil Gebäude stark beschädigt werden. Die "Branche" zieht dieses "Geschäftsmodell" offenbar hochprofessionell auf. Ich hatte die Kenntnis über einen älteren Vorfall bereits vor einiger Zeit über diesen Artikel des Guardian erlangt.

Video-Tutorials zum Automatensprengen

Die niederländische und die deutsche Polizei haben eine kriminelle Bande zerschlagen, die an der Erstellung von Videoanleitungen für Bombenanschläge auf Geldautomaten beteiligt war, nachdem sich eines ihrer Mitglieder dabei in die Luft gesprengt hatte. Ein Verdächtiger wurde getötet und ein weiterer in der niederländischen Stadt Utrecht schwer verletzt, als ein Probelauf in einem illegalen "Ausbildungszentrum" für Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten schief ging, so Europol.

"Die Kriminellen machten Videoanleitungen, die sie persönlich an andere Kriminelle weitergaben", sagte ein Europol-Sprecher. "Der Hauptverdächtige, ein 29-Jähriger, sprengte sich in die Luft, als er ein Lehrvideo drehte. Sein Komplize, ein 24-Jähriger, wurde schwer verletzt und in Gewahrsam genommen." Die Explosion ereignete sich im September 2020.

Während einer 18-monatigen Operation gegen die Bande, die nach Angaben der EU-Polizeibehörde mit mindestens 15 Bombenanschlägen auf Geldautomaten in Deutschland in Verbindung gebracht wird, bei denen ein Schaden von 2,15 Mio. €  entstand, nahm die Polizei schließlich neun Personen fest.

Neue Festnahmen in den Niederlanden

Nun berichtete die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Hessischen Landeskriminalamts und dem Polizeipräsidiums Westhessen von einem weiteren Fahndungserfolg. Die Information war mir auch über diesen Tweet über Europol schon geläufig.

Tatort Geldautomatensprengung
Tatort Geldautomatensprengung, Quelle: Polizei/Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main

In einer konzertierten Aktion von EUROPOL und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Eingreifreserve – sowie der niederländischen und hessischen Polizei wurden am 17.05.2022 drei dringend Tatverdächtige von Geldautomatensprengungen in den Niederlanden festgenommen. Den Festnahmen, die in Haarlem sowie Vianen erfolgten, lagen europäische Haftbefehle des Amtsgerichts Frankfurt am Main zu Grunde.


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Die Beschuldigten im Alter von 22, 27 und 28 Jahren stehen im Verdacht, als mutmaßliche Angehörige einer kriminellen Organisation in den Niederlanden an mehreren Geldautomatensprengungen in Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz in den Jahren 2021 und 2022 beteiligt gewesen zu sein. Dabei handelte es sich im Einzelnen um folgende vollendete Geldautomatensprengungen:

  • Dietzenbach (Hessen) am 13.10.2021,
  • Hattersheim (Hessen) am 20.10.2021,
  • Eppelheim (Baden-Württemberg) am 22.10.2021,
  • Wildeshausen (Niedersachsen) am 05.11.2021,
  • Oberursel (Hessen) am 03.11.2021,
  • Kaisersesch (Rheinland-Pfalz) am 08.11.2021.

Mit über 150.000,- Euro wurde bei der Sprengung eines Geldautomaten in Hattersheim am 20.10.2021 dabei der höchste Geldbetrag der Serie erbeutet. Im Zusammenhang mit der Sprengung eines Geldautomaten in Oberursel am 03.11.2021 wird zudem gegen den 22-Jährigen sowie den 28-Jährigen Beschuldigten wegen versuchten Mordes ermittelt, da sich der Geldautomat im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses befand, in dem sich zum Zeitpunkt der Sprengung Menschen aufhielten. Bei den 22- und 28-jährigen Beschuldigten soll es sich zudem um führende Mitglieder der Tätergruppierung handeln.

Der Ermittlungserfolg ist das Ergebnis einer intensiven grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der niederländischen und hessischen Strafverfolgungsbehörden. Den Identifizierungen und Festnahmen der Beschuldigten in den Niederlanden gingen monatelange verdeckte Ermittlungen voraus. Diese wurden mit Unterstützung der europäischen Polizeibehörde EUROPOL und unter Sachleitung der Eingreifreserve der Generalstaatsanwaltschaft durch die niederländische Polizei (Politie Noord-Holland) und die hessischen Polizeibehörden (Polizeidirektion Hochtaunus) geführt. Die festgenommenen Beschuldigten, bei denen es sich um niederländische Staatsangehörige handelt, wurden dem Haftrichter vorgeführt, der ihnen die europäischen Haftbefehle verkündete.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main betreibt die Auslieferung der festgenommenen Beschuldigten. Insgesamt befinden sich derzeit sechs mutmaßliche Angehörige der kriminellen Organisation in Untersuchungshaft bzw. Auslieferungshaft. Ein weiterer mutmaßlicher Angehöriger der kriminellen Organisation, der an Geldautomatensprengungen in Deutschland beteiligt gewesen sein soll, konnte bislang nicht identifiziert werden. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, das Hessische Landeskriminalamt und das Polizeipräsidium Westhessen bitten um Unterstützung bei der Identifizierung und Fahndung nach diesem Beschuldigten. Ein weiterer Bericht findet sich hier.


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