Drei Faktoren bestimmen Alzheimer-Demenz-Risiko

GesundheitAlzheimer-Demenz bewirkt einen Verfall der Hirnleistung und irgendwann die Hilflosigkeit der erkrankten Person. Ob man an Alzheimer-Demenz im Alter erkrankt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hilfreich wäre, bereits vorher zu wissen, welche Faktoren das Risiko für diese Erkrankung erhöhen. Zudem gibt es interessante Erkenntnisse aus einer kleinen US-Studie, wo der Effekt von Alzheimer-Demenz rückgängig gemacht werden konnte.

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Was die die Ursachen bzw. die Auslösung für Alzheimer-Demenz sind, haben die Forscher noch nicht verstanden. In der Fachwelt werden diverse Thesen kontrovers diskutiert. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Therapie sowie auf die Forschung für Medikamente aus.

Für mögliche Betroffene wäre es hilfreich, bereits vor dem Sichtbar werden der Erkrankung zu wissen, welche Faktoren das Risiko für diese Erkrankung erhöhen. Genau dies haben Forscher der University of Southern California in Los Angeles in einer Metastudie untersucht. Die Forscher werteten dazu die Daten von 27 Einzelstudien aus, an denen knapp 58.000 Männer und Frauen aus Nordamerika und Europa im Alter zwischen 55 und 85 Jahren teilgenommen hatten.

Faktoren für höheres Alzheimer-Demenz-Risiko

Auch wenn die Ursachen und Auslöser von Alzheimer-Demenz noch nicht verstanden und in der Fachwelt kontrovers diskutiert werden, scheinen sich drei Faktoren herauszukristallisieren, die das Risiko für Alzheimer-Demenz bestimmen.

  • Menschen mit der Gen-Variante APOE4 haben ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung (Frauen Faktor 4, Männer Faktor 3).
  • Das Geschlecht hat ebenfalls einen Einfluss, bekannt ist, dass Frauen häufiger als Männer an Alzheimer-Demenz erkranken.
  • Zudem gibt es ein Zeitfenster beim Alter. Bei Frauen steigt das Erkrankungsrisiko im Alter zwischen 65 und 75 Jahren an.

Der Studienleiter geht nach diesen Ergebnissen davon aus, dass Frauen mit der Gen-Variante APOE4 im Alter von ca. 65 Jahren sich am besten als Probandinnen für Studien zu Alzheimer-Demenz eignen. Die Studie ist im JAMA Netzwerk erschienen (Englisch), eine deutschsprachige Abhandlung findet im bei wissenschaft-aktuell.de im Artikel Alzheimer: Wie Gene und Geschlecht das Risiko beeinflussen.

Alzheimer-Demenz möglicherweise umkehrbar?

Im Rahmen der Recherchen zu diesem Artikel bin ich noch auf eine interessante Fundstelle gestoßen. Während es aktuell noch kein Medikament gibt, welches Alzheimer-Demenz heilen oder aufheben kann, scheint es aber möglich, die Folgen zu beeinflussen.

In einer Studie mit 10 Patienten wurden unter der Leitung von Dr. Dale Bredesen (Mary S. Easton Center für Alzheimer-Forschung an der University of California in Los Angeles (UCLA) und des Buck Institute für Altersforschung in Novato, Kalifornien) ermutigende Erkenntnisse gewonnen.

Da Medikamente sich als wirkungslos erwiesen hatten, stellte man bei den Patienten dieser Studie die Therapie gänzlich um, wie in dieser Pressemitteilung (Englisch) von Oktober 2014 mitgeteilt wird. Hier die Therapiemaßnahmen, die eine komplette Lebensumstellung beinhalteten:

  • Alle einfachen Kohlenhydrate, Gluten und verarbeiteten Lebensmittel wurden aus der Ernährung der Patienten entfernt. Zu essen gab es mehr Gemüse, Obst und Fisch, der nicht aus einer Zucht stammt.
  • Die Studienteilnehmer mussten zweimal täglich Meditation und Yoga zum Stressabbau durchführen.
  • Die Probanden wurden angehalten, ihr Schlafpensum, welches bisher bei vier bis fünf Stunden lag, auf sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht auszuweiten.
  • Tägliche Einnahme von Melatonin, Methylcobalamin, Vitamin D3, Fischöl und Coenzym Q10.
  • Optimierung der Mundhygiene durch elektrische Zahnseide und elektrische Zahnbürste.
  • Wiedereinsetzen einer Hormonersatztherapie, die zuvor abgebrochen wurde.
  • Faste für mindestens 12 Stunden zwischen Abendessen und Frühstück und mindestens drei Stunden zwischen Abendessen und Schlafenszeit.
  • Bewegungstraining für mindestens 30 Minuten an vier bis sechs Tagen in der Woche.

Das war für die Patienten und Pfleger zwar schwierig umzusetzen und es wurden auch nicht immer alle Punkte erfüllt. Aber die Maßnahmen führten zu einem besseren Gesundheitszustand und einem verbesserten Body Mass Index – ein angenehmer Nebeneffekt. Das Überraschende war, dass man bei 9 von 10 Patienten eine Verbesserung der Gehirnleistung feststellen konnte. Einige Patienten waren im Anschluss sogar in der Lage, wieder zu arbeiten. Nur bei einem Patienten traten keine Verbesserungen ein. Die Details sind auf dieser Webseite (Englisch) abrufbar.

Ein deutschsprachiger Artikel zum Thema findet sich hier, wobei ich die Therapie mit Kokosnussöl oder Cannabis eher zurückhaltend sehe. Diese Geschichte geht auf Dr. Mary T. Newport zurück, die ihre Erfahrungen in der Behandlung des Ehemanns mit Kokosnussöl in diesem Webartikel beschreibt. Es gibt aber keine relevanten Studiendaten, die die Wirkung belegen. Ein Versuch, dass zu untersuchen, musste wegen ungenügender Probandenzahl abgebrochen werden, wie man in diesem Artikel (Englisch) nachlesen kann.

Tipp: Für Leser/innen, die nicht so fit in Englisch sind, hilft die Webseite DeepL bei der Übersetzung. Dieser deutsche Übersetzungsdienst ist kostenlos und das Ergebnis ist meist ganz verständlich. Den Dienst habe ich im Blog-Beitrag Tipp: Deutscher Übersetzungsdienst DeepL vorgestellt.

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2 Kommentare zu Drei Faktoren bestimmen Alzheimer-Demenz-Risiko

  1. Pater sagt:

    Sehr geehrter Herr Born,
    mir und auch meinen Freunden und Bekannten gefällt sehr gut Ihr SENIORENTREFF. Obwohl Sie mit Ihren 62 Jahren nach politischer (deutscher) Definition noch kein Senior sind, gefällt uns allen (mindestens 24 Freunde und Bekannte) Ihr Engagement für ältere Mitbürger.Es ist angenehm und hilfreich, Ihre Kommentare zu den Alltagsproblemen für Senioren zu lesen .
    Ihre Kommentare,sicher auch durch Ihre eigene Erkrankung geprägt,sind absolut glaubhaft und zwingen zum Nachdenken. Mir und meinen Freunden (70+) haben sie oft geholfen
    Uns gefällt Ihr gesamter Blog und insbesondere die Berücksichtigung sprachlicher Probleme. Der Tipp DeppL war sehr gut.
    Es ist auch super,dass Sie Nicht IT-Profis immer eine verständliche Antwort in Ihrem Born IT- und Windows Blog geben.
    Nochmals vielen Dank dafür und WEITER SO !

    • guenni sagt:

      Danke für die Blumen.

      Zu ‚Obwohl Sie mit Ihren 62 Jahren nach politischer (deutscher) Definition …‘: Im Sport geht es ab 45 mit dem ‚Senior‘ los – und als ich 2001 mit meinem ersten Ratgeber für Senioren (Internet für Senioren) begann, habe ich recherchiert. Da kam ich auf den Trichter, dass Senioren als 50+ gelten (habe geschluckt, ich war gerade mal 48).

      Nun ja, ab 2003 habe ich ehrenamtlich Computerkurse für ‚Senioren‘ gegeben, und musste dort lernen, dass sich die Zielgruppe bis weit über die 70 nicht als Senioren betiteln lassen mag – und nie Zeit hatte (Unruhestand). Von daher – das Senioren einfach mit einem Augenzwinkern nehmen – auch ich fühle mich nicht als Senior – meine Frau sagt sogar ‚dieser Kindskopf, nur Mist im Kopf‘. Also: Man ist so alt, wie man sich fühlt – wenn’s auch im Gebälk zwickt.

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