Ein Großbrand in einem IBM-Rechenzentrum in Almere (Nähe Amsterdam, Niederlande), am 7. Mai 2026, hatte nicht nur zur Folge, dass der E-Mail-Dienst turboSMTP, sondern auch die Dienste von Cisco (Cloud Email Security) offline waren. Ich hatte über diese Ausfälle berichtet. Im Nachgang bin ich dann auch auf die Information gestoßen, dass Kunden der IBM-Cloud in Probleme gerieten, weil Dienste ausgefallen waren. Erstaunlich, wurde "Cloud" doch mal mit Redundanz und was weiß ich verkauft.
Rückblick auf das Feuer in IBM-Rechenzentrum in Almere
Ein Blog-Leser hatte mich auf den Großbrand in Almere (Niederlande) hingewiesen und auf den Beitrag Zeer grote brand bij datacenter Rondebeltweg verlinkt. In einem von IBM betriebenen Rechenzentrum am Rondebeltweg in Almere war am Donnerstagmorgen gegen 08:30 Uhr ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr stufte den Einsatz auf einen Großbrand hoch.
Beim Brand kam es zu starker Rauchentwicklung und der Betrieb des Rechenzentrums musste eingestellt werden. Das hatte zur Folge, dass der E-Mail-Dienst turboSMTP für mehrere Stunden komplett ausgefallen ist (siehe (serversmtp.com) sind down (7.5.2026) – Brand in Rechenzentrum). Auch die Dienste von Cisco (Cloud Email Security) waren betroffen, wie ich im Beitrag Rechenzentrums-Brand in Almere (NL): Cisco auch betroffen (7.5.2026) berichtete.
IBM-Cloud-Kunden waren ebenfalls betroffen
Im Nachgang habe ich vorige Woche bei The Register im Artikel IBM Cloud evaporates as datacenter loses power gelesen, dass auch Kunden, die Dienste in der IBM-Cloud gebucht hatten, in die Röhre schauten. Das europäische Rechenzentrum war aufgrund eines Stromausfalls mehrere Stunden lang offline, so dass es mit der IBM Cloud ebenfalls einige Probleme gab.
Ein Leser meldete sich bei The Register und teilte mit, dass die IBM Cloud am 7. Mai 2026 mindestens vier Stunden lang offline war. Der Leser schrieb, dass das komplette AMS3-Rechenzentrum der IBM Cloud für mindestens vier Stunden offline war. Sev-1-Tickets seien mehrere Stunden lang unbeantwortet geblieben. Informationen wurden erst auf direkte Nachfrage beim Kundenbetreuer bereitgestellt.
Die IBM Cloud-Statusseite zeigte während dieser Zeit jedoch keine Probleme an. The Register merkt an, dass StatusGator, ein Dienst zur Überwachung von Cloud-Diensten, einen Ausfall der IBM-Cloud anzeigte. Es war von mindestens 10 Nutzern ein "Service down" gemeldet worden, wobei die letzte Meldung über einen Ausfall um 23:25 Uhr UTC des Tages protokolliert wurde.
Massive Auswirkungen auf niederländische Kunden
The Stack hat zum 8. Mai 2026 den Artikel Data centre fire knocks IBM's cloud service offline veröffentlicht und dann laufend aktualisiert. Laut diesem Bericht sorgte der Brand auch für erhebliche IT-Probleme bei niederländischen Organisationen und Firmen. So gab es beim nationalen Statistikamt der Niederlande, CBS, Ausfälle.
Die Universität Utrecht schloss einen Großteil ihrer Einrichtungen wegen erheblichen Problemen mit dem Netzwerk, den Anwendungen und der Website der Uni. Eine lokale Wasserbehörde der Niederlande bestätigte ebenfalls Ausfälle der IT durch den Brand.
Die niederländische Handelskammer (KVK) meldete am 7. Mai ebenfalls ein Problem mit ihren Diensten, hatte das Problem jedoch noch am selben Nachmittag behoben, schreibt The Stack. Das Transportunternehmen Transdev meldete ebenfalls Probleme mit seinen Kommunikationssystemen.
Laut lokalen niederländischen Medien waren auch mehrere Krankenhäuser und Hausarztpraxen von Ausfällen betroffen. Das Flevo-Krankenhaus in Almere bestätigte laut The Stack, dass seine Systeme teilweise über den NorthC-Standort liefen. Deren IT konnte jedoch die Auswirkungen des Ausfalls begrenzen.
Interessant ist, dass die nicht in den Niederlanden angesiedelte britisch-französische Fährgesellschaft Brittany Ferries einen "Brand in einem IBM-Rechenzentrum" als Grund für Probleme mit fehlendem Zugriff auf ihr Reservierungssystem nannte. Kunden konnten während der Störung keine Buchungen vornehmen oder ändern.
Fun Fact: Jemand schrieb auf reddit.com, dass der 7. Mai 2026 der letzte Tag ihrer Rechenzentrumsmigration gewesen sei. Der Betreiber des alten Rechenzentrum hatte mit nur acht Monaten Kündigungsfrist mitgeteilt, dass dieses Data Center geschlossen wird. Jemand betrieb dort 350 Racks, und am besagten Tag war nach monatelanger harter Arbeit der Umzug der letzten Racks in das neue IBM-Rechenzentrum dran – und dann fackelt diese am Morgan ab – schlechtes Karma?
Der Artikel hier gibt an, dass die zur Wiederaufnahme des Rechenzentrumsbetriebs erforderlichen Notreparaturen bis zu 72 Stunden dauern werden.
Was stimmt nicht mit der Cloud?
Nur mal laut nachgedacht: Ein simples kleines Feuer in einem Rechenzentrum in Holland bewirkt, dass eine Menge Organisationen und Unternehmen massiv in ihrer IT beeinträchtigt wurden. 2.500 km weiter östlich tobt ein Krieg, bei dem ständig Infrastruktur zerstört wird. Auch im Nahen Osten sorgt der Iran-Konflikt für zerstörte Rechenzentren mit einhergehenden IT-Einschränkungen. Aber im Grunde herrscht derzeit diesbezüglich doch noch "Sonnenschein" in Westeuropa. Wenn also ein kleiner Brand bereits solche Auswirkungen hat, wie soll das im Konfliktfall funktionieren? Sieht so aus, dass diese ganze Cloud-Welle massive Abhängigkeiten mit vielen Single-Point-of-Failure geschaffen hat. Oder wie seht ihr das so?




MVP: 2013 – 2016




