VMware by Broadcom: Kippt die Nutzerzahl bis Oktober 2027?

VMware VMware war ja im Bereich der Virtualisierung der Platzhirsch bei der Nutzerzahl. Kürzlich ist mir eine Analyse von The Register unter die Augen gekommen, die nahe legt, dass VMware by Broadcom bis Oktober 2027 deutlich Kunden verlieren dürfte. Aber für Broadcom scheint dies nicht relevant zu sein, weil man große Kunden behält, im KI-Geschäft mitmischen will und auch noch ein Angebot für "Low-End-Kunden" mit einem aktualisierten vCenter Standard am Markt positionieren will.

Die frühere Rolle bis zur Broadcom-Übernahme

Der Virtualisierungsanbieter VMware war 20 Jahre lang der unangefochtene Marktführer im Bereich Virtualisierungslösungen. Ich erinnere mich, im Jahr 2001 das Buch "VMware Workstation Praxisführer – Installation, Konfiguration, Anwendung unter Windows und Linux"für SUSE-Press geschrieben zu haben. Seit dieser Zeit war VMware mit VMware Workstation, VMware ESXi-Server und der VMware Cloud Foundation (VCF) quasi der Standard im Bereich Virtualisierung in Unternehmensumgebungen.

Das änderte sich 2022 mit der Übernahme von VMware durch Broadcom (siehe Broadcom kauft den Anbieter VMware für 61 Milliarden US-Dollar und die am Beitragsende verlinkten Blog-Beiträge). Seit dieser Übernahme finden sich Kunden von VMware by Broadcom "am Gängelband" des Anbieters. Massive Preissteigerungen der Lizenzen, die Einstellung der VMware ESXi-Server Produktlinie, sowie der Schwenk auf die VMware Cloud Foundation (VCF) als einzige, Abonnement-basierende Virtualisierungslösung treiben die Kosten in die Höhe und die Kunden von VMware by Broadcom weg.

VCF ist eine integrierte Software-Plattform von Broadcom, die Server-Virtualisierung (vSphere), Storage (vSAN), Netzwerk (NSX) und Cloud-Management (SDDC Manager) in einem einheitlichen Stack zusammenführt.

Sind die Tage als Marktführer gezählt?

Vor der Übernahme hatte VMware, laut diesem Beitrag von The Register, etwa 350.000 Kunden und einen Marktanteil von mehr als 50 % im Bereich der Server-Virtualisierung.  Broadcom hat so gut wie offen zugegeben, schreibt The Register, dass man es nur an 10.000 bis 30.000 dieser Kunden interessiert ist, die VCF benötigen. Man setzt voll auf diese Lösung als zukünftige Infrastruktur- und DevOps-Plattform und will zudem im KI-Bereich absahnen.

Hier im Blog höre ich von Lesern, dass viele alles daran setzen, um VMware by Broadcom-Produkte durch andere Virtualisierungslösungen zu ersetzen. Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, dass VCF alternativlos sei und man dieses nicht ersetzen könne. Diese Kunden beißen in den "sauren Apfel" und zahlen die geforderten Preise.

The Register hat sich kürzlich in diesem Beitrag an einer Analyse versucht und prognostiziert, dass VMware by Broadcom bis Oktober 2027 einen großen Teil bisheriger Kunden verlieren werde und führt mehrere Stichtage an, die relevant für Kunden werden.

  • 22. November 2026: Das sei der dritte Jahrestag der VMware-Übernahme durch Broadcom. An diesem Stichtag laufen viele der 3-Jahres-Verträge aus, die VMware-Kunden vor dem Kauf abgeschlossen hatten (weil Broadcom wegen seiner Geschäftsmethoden berüchtigt ist).
  • 31. März 2027: An diesem Datum laufen die Verträge von VMware mit vielen Mitgliedern seines Cloud Service Provider (VCSP)-Programms aus. Diese dürften keine Cloud-basierten VMs mehr auf Basis von VCF bereitstellen. Kunden müssen sich einen neuen Anbieter suchen, oder eine VCF-Lizenz direkt von Broadcom erwerben.  Die ehemaligen Partner versuchen die Kunden auf eine andere Plattform mitzunehmen.
  • 11. Oktober 2027: Das seit der letzte Tag, an dem Support für Version 8 von VMware Cloud Foundation angeboten wird, heißt es. VMware-Anwender müssen entscheiden, ob sie auf VCF 9 umsteigen oder sich nach Alternativen umsehen.

Viele bisherige VMware-Kunden werden aus Kostengründen versuchen, den Abschluss eines Supportvertrags für VMware Produkte zu vermeiden. The Register zitiert den Drittanbieter Rimini Street, der sein VMware-Supportangebot als das "derzeit der am schnellsten wachsende Dienst des Unternehmens" sieht. Oder die VMware-Kunden kaufen Drittanbieter-Lizenzen mit Restlaufzeiten (ich hatte hier ja einen Anbieter aus Österreich genannt). Oder die Kunden wechseln zu anderen Virtualisierungslösungen, weil die VCF-Lizenzkosten zu hoch sind.

The Register zitiert Adam Centorrino, CEO des australischen Dienstleisters Centorrino,  der noch vor Ablauf der Frist im März 2027 seine VMware-Partnerschaft einseitig beendet. Centorrino wechselt von VMware zu SUSE und versucht nun, seine Kunden mitzunehmen. Auch Cisco bietet eine eigene Virtualisierungslösung als Alternative zu VMware an.

Nutanix gewinnt, laut The Register, jedes Quartal Hunderte ehemaliger VMware-Kunden hinzu. Red Hat habe aus dem Stand heraus Virtualisierungsaufträge im Wert von über 680 Millionen Dollar eingeworben. Auch HPE ist mit seinem Produkt "VM Essentials" am (als vSphere ähnliche Private Cloud-Lösung) am Markt aktiv und vermeldet ein hohes zweistelliges Wachstum bei den Neukunden.

VMware by Broadcom ist trotzdem gut aufgestellt

Allerdings heißt es bei The Register auch, dass VMware by Broadcom für viele Kunden immer noch die beste Virtualisierungslösung anbietet. Das würden selbst Mitbewerber zugestehen. Für kleinere Virtualisierungsprojekte kommen KVM oder Proxmox als Alternativen in Frage. Aber ein richtig "großer Fisch" im Virtualisierungs-Server-Teich scheint nicht in Sicht.

VMware werde, so die Analyse von The Register, den Großteil der gewünschten Kunden behalten und über fette Lizenzverträge auch genügend Cash für sich generieren, damit die vor der Übernahme durchgeführte Rechnung aufgeht. VMware ist quasi Masse losgeworden und hat "Klasse" in zahlungsbereiter Kundschaft behalten.

Andererseits lese ich bei ArsTechnica in diesem Artikel, dass VMware versucht, KMUs zu beruhigen und zu halten. Die Fokussierung auf VCF wird im Vertrieb etwas abgeschwächt. VMware will wohl bald eine aktualisierte Version" von vSphere Standard veröffentlichen, berichteten heise und The Register Anfang September 2026. Weitere Informationen sollen voraussichtlich im Oktober 2026, während der VMware Explore-Konferenz in Frankfurt bekannt gegeben werden. Also ganz gibt VMware by Broadcom den "Low End-Markt" wohl doch noch nicht auf. Ob VMware by Broadcom aber die verprellten Kunden wieder locken kann, ist in meinen Augen fraglich.

Zudem hat Broadcom Ende August 2026 seine VMware AI Factory angekündigt. VMware integriert dabei einige der beliebtesten KI-Modelle von Google und NVidia in seine Private-Cloud-Plattform VMware Cloud Foundation (VCF). Sowohl heise als auch Channel Partner haben berichtet. Der Verband europäischer Cloud-Anbieter zeigt sich bereits alarmiert, wie ich die Tage bei heise gelesen habe. Sieht mir so aus, dass Broadcom nicht von der Bildfläche verschwindet und gut im Geschäft bleibt.

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