Auch T-Mobile betreibt den VMware-Exit und klagt auf "Support"

VMwareTelekommunikationsanbieter T-Mobile betreibt grob 303.000 Cores, die noch auf VMware laufen. Aber T-Mobile hat den Exit laut Medienberichten eingeleitet, klagt aber vor Gericht gegen VMware by Broadcom auf Erfüllung noch laufender Supportverträge.

VMware by Broadcom-Kunden flüchten

Es ist ja so etwas wie ein schlechter "Running Gag", dass Kunden, die noch bei VMware by Broadcom Virtualisierungslösungen in Form von VMware Cloud Foundation (VCF) als Abonnement gebucht haben, über den Exit nachdenken oder diesen eingeleitet haben. Hintergrund sind die heftigen Preissteigerungen seit der VMware-Übernahme durch Broadcom.

Ich hatte hier im Blog über die sich abspielenden Dramen berichtet (siehe Artikellinks am Beitragsende. Mitte Juni 2026 hatte ich im Beitrag Tesco treibt VMware-Ablösung trotz Klage voran über den VMware-Exit des großen britischen Lebensmittelhändlers Tesco berichtet. Die wollen von VMware weg, koste es was es wolle. Gleichzeitig klagt Tesco gegen VMware by Broadcom auf Erfüllung des vor Jahren abgeschlossenen Supportvertrags.

Auch T-Mobile will weg und klagt auf Support

Gerade lese ich bei The Register, dass sich "die Tesco-Geschichte" bei T-Mobile zu wiederholen scheint.

Der Vertrag aus 2023 …

Laut Gerichtsunterlagen, die The Register vorliegen, hat T-Mobile im August 2023 einen Vertrag mit VMware geschlossen. Laut diesem Vertrag erwarb T-Moile unbefristete VMware-Lizenzen und zwei Jahre Support für bestimmte Softwareprodukte. Zudem gab es einen Option auf ein weiteres Supportjahr.

Broadcom stellte bei der VMware-Übernahme im Jahr 2023 den Verkauf der bisherigen unbefristeten (perpetual) Lizenzen und von eigenständigen Supportverträgen für Kunden mit solchen Lizenzen ein. Zudem reduzierte Broadcom die VMware-Produktpalette auf zwei ausschließlich im Abonnement erhältliche Pakete. Für Virtualisierungszwecke gibt es nun nur noch die Private-Cloud-Suite "VMware Cloud Foundation" (VCF).

… und die Klage gegen VMware by Broadcom

T-Mobile führt nun laut Gerichtsunterlagen einen Rechtsstreit mit VMware by Broadcom um Supportleistungen, zu deren Erbringung Broadcom nach Ansicht von T-Mobile, auf Basis des geschlossenen Vertrags, verpflichtet ist.

Denn laut Gerichtsunterlagen zufolge scheint Broadcom im Jahr 2024 T-Mobile mitgeteilt zu haben, dass der Support nach Ablauf des ursprünglichen Zweijahresvertrags im Jahr 2025 nicht verlängert werde. Die beiden Parteien führten zwar weiterhin Gespräche über mögliche neue Vereinbarungen.

T-Mobile beantragte aber eine einstweilige Verfügung vor Gericht, die Broadcom zur Gewährung eines verlängerten Supports verpflichten sollte. Broadcom legte Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung ein und argumentierte, T-Mobile habe bewusst zu lange gewartet, um diese zu beantragen.

Den Exit für 300K-Cores eingeleitet

Bei der Klage wurde auch bekannt, dass T-Mobile laut Unterlagen seit 2008 Produkte von VMware einsetzt und auf mindestens 303.000 CPU-Kernen betreibt. The Register zitiert aus einer Anhörung vor Gericht, wo der T-Mobile-Anwalt die VMware-Implementierung als "die Basis des gesamten internen T-Mobile-Netzwerks und den Ort, an dem 1.000 Anwendungen laufen" beschreibt. Für VMware by Broadcom ist T-Mobile so etwas wie ein "dicker Fisch", wo man richtig kassieren kann.

Aber T-Mobile hat wohl den Exit von VMware by Broadcom eingeleitet. Denn laut Gerichtsunterlagen schlug T-Mobile irgendwann im Verfahren vor, einen Vertrag über 20 Millionen Dollar für weitere zwei Jahre Support abzuschließen. Laut einer Erklärung, die T-Mobile-Technologie-Vizepräsident Kevin Luu letzte Woche bei Gericht einreichte, strebte T-Mobile diese Vereinbarung an, "um die Abkehr von VMware in einem bedächtigeren Tempo vollziehen zu können".

Zäher Zank vor Gericht

Der The Register-Beitrag skizziert den zähen Verlauf des Gerichtsverfahrens und den lustigen Schlagabtausch der Juristen. Laut The Register erließ das Gericht die einstweilige Verfügung gegen Broadcom. Diese zwang VMware by Broadcom Support über August 2025 hinaus anzubieten. Allerdings verpflichtete der Richter T-Mobile zur Zahlung von 5,28 Millionen US-Dollar und zur Hinterlegung einer Sicherheitsleistung in Höhe von 500.000 US-Dollar.

Damit hätte das Thema vom Tisch sein können. Denn VMware by Broadcom leistete den geforderten Support weiterhin. Aber VMware by Broadcom forderte Schadensersatz von T-Mobile. Die Begründung lautete, dass dem Unternehmen durch die einstweilige Verfügung ein neuer Vertrag mit T-Mobile entgangen sei. T-Mobile wies diese Forderung zurück, unter anderem, weil die beiden Parteien noch über einen neuen Vertrag verhandelten.

Broadcom schlug später laut The Register vor, 24 Millionen Dollar für den erweiterten Support für sechs Produkte in Rechnung zu stellen. Der Betrag sollte nach VMware by Broadcom-Angaben die Kosten für über 20 Mitarbeiter decken. Diese würden für den Support von T-Mobile benötigt. T-Mobile konterte, dass man im Jahr 2026 lediglich zwei Supportanrufe getätigt habe, was einen derart umfangreichen Personal- und Kostenaufwand kaum rechtfertige.

Mittlerweile brennt bei T-Mobile die Hütte, denn die einstweilige Verfügung läuft laut The Register am 3. August 2026 aus, sodass T-Mobile möglicherweise bald keinen Support mehr für seine sehr umfangreiche VMware-Infrastruktur erhalten kann. Die Frage von The Register, wie T-Mobile damit umgeht, blieb unbeantwortet. Allerdings muss es eine Art Vergleich im Jahr 2025 gegeben haben, der aber nicht öffentlich ist.

Es bleibt spannend, ob etwas über den VMware-Exit von T-Mobile bekannt wird. Und es laufen ja Verfahren mit Tesco und AT&T, die in ähnlicher Sache gegen VMware by Broadcom klagen.

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18 Kommentare zu Auch T-Mobile betreibt den VMware-Exit und klagt auf "Support"

  1. R.S. sagt:

    Tja, wenn sich jetzt sogar so dicke Fische wie T-Mobile von VMWare abwenden, dann scheint die Strategie von Broadcom schlussendlich doch nicht aufzugehen.

    • rpr sagt:

      die Strategie ist 60 Milliarden + X zu verdienen oder alternativ den Aktienkurs so hoch zu prügeln das einige wenige richtig Kasse machen können.

  2. McAlex777 sagt:

    Würd mich wirklich intressieren, auf welche Lösungen die mit welchen Aufwänden wechseln.

    300.000 cores dürften tausende V-Server sein.

    Dazu kommen vermutlich ziemlich komplexe virtuelle Netzwerke, VLANs, Backup-/Recovery-Lösungen etc.pp.

    CPU-Lizensierte Software wie z.B. Oracle ist dabei möglicherweise nochmal ein vollkommen eigenes gesondertes Thema …

  3. Anonymous sagt:

    Man sollte vielleicht noch hinzufügen bzw. konkretisieren, dass es um T-Mobile US geht und nicht ein T-Mobile-Unternehmen eines anderen Landes oder gar das ehemalige deutsche T-Mobile was seit einigen Jahren als Telekom Deutschland firmiert.

    • Fritz sagt:

      Man traut sich vermutlich (noch?) nicht, auf europäischem Boden zu klagen, weil das Kartellrecht hier deutlich stärker ausgeprägt ist.
      Bei Siemens wurde ja damals auch nur der US-Zweig angegangen.

  4. Grimeton sagt:

    Am 3.8.2026 wird T-Mobile lernen das man VMWare by Broadcom ™ auch ohne Support betreiben kann.

    • Fritz sagt:

      Technisch überhaupt keine Frage.

      Allerdings dürfte T-Mobile zur kritischen Infrastruktur gehörten, da stellt sich weniger die Frage ob man das kann, sondern ob man das darf (Compliance).

      Wirklichen Support habe ich in meinen 20 Jahren VMware auch nur ein einziges mal gebraucht. Das war 2018, als durch einen Programmierbug das Starten oder Stoppen von VMs anderen VM die Netzwerkverbindung kappte, weil im virtuellen Switch eine Bitmaske falsch gesetzt wurde. Es gab dann vom Support einen critical Patch und kurz danach eine neue Version.

      Auch T-Mobile hatte wohl insgesamt nur 2 Calls. Aber es geht eben auch um die Verfügbarkeit von Updates, insbesondere für CVE-behaftete Schwachstelle.

      Wenn ich das etwas wirr beschriebene Zahlenwerk oben richtig verstehe, wollte Broadcom ja neben den wohl unstrittigen 5,28 (+0,5) Mio $ weitere 24 (also insgesamt 30 Mio $) für genau die gleiche Dienstleistung: Support der genannten Installation (303k Cores, also vermutlich 10k Server) für ein Jahr.

      Bei solchen Preissteigerungen schaut natürlich schon das Controlling genau hin, die Freigabe solcher Summen dürfte auch bei T-Mobile schon C-Level sein.

      Zumal es längerfristige Finanzplanungen und Rentabilitätsprognosen tangiert.

    • Daniel A. sagt:

      Kann man machen, ja. Da man dann aber wegen der inzwischen kundenindividuellen Download-URLs keine Updates mehr bekommt (auch keine Sicherheitsupdates), wäre das dann doch eher nicht so schlau. Speziell nicht für so ein großes Unternehmen wie T-Mobile.

      • Matze sagt:

        Richtig. Ich war selbst bei einem großen Software-Entwickler (da hieß der Vertrag 'Maintenance&Support').
        Zugriff auf Updates und Patches (die zum Teil individuell für den Kunden programmiert wurden) war nur über speziellen Account möglich.
        Wenn man darauf verzichten kann…

  5. Martin B sagt:

    ich bin schon lange der Meinung, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Oft vermisse ich gerade von großen Lizenznehmern deutlichere Worte bei Verhandlungen, anstatt Drohkulisse verliert man sich in belanglosen Vertriebsgesprächen, sagt ja und Amen.

    Man ist doch kein Bittsteller, wenn man mehrere Millionen für Lizenzen auf den Tisch legt, das ist völlig unverständlich.

    • rpr sagt:

      Das Problem ist das selten auf Techis gehört wird und die Führungsebene nach Complience (cover my ass) entscheidet. Ausserdem sind die nach 5 bis 10 Jahren weg und ziehen sich aus der Verantwortung.

      • Matze sagt:

        Die wirklich großen Deals werden auf dem Golfplatz gemacht.
        Der Techi hat da nichts zu sagen (und zu suchen – nicht mal als Caddy).

  6. Marco sagt:

    Also wenn ich die Telekom wäre, wäre Broadcom in meiner Netzwerk nicht mehr erreichbar ;)

    Ich weiß darf man nicht, aber nett finde ich den Gedanken schon.

    Fack-Off Grüße gehen raus an Rotzcom

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