Facebook-Mutter Meta und weitere Anbieter propagieren intelligente Brillen (Smart Glasses) mit Kamera und KI-Auswertung als letzten technischen Schrei. Die Geräte übertragen die Aufnahmen an Server und bekommen Informationen zurück. Die Verwendung dieser Geräte wirft aber Fragen der Privatsphäre auf. Immer mehr Aufnahmen landen ungewollt im Internet, und Betroffene können sich nur schwer gegen solche Aufnahmen wehren. Zum 1. August 2026 ist die Frage entbrannt, dass Smart Glasses in Deutschland oder sogar in der EU verboten werden sollen.
Das Konzept der Smart Glasses
Die intelligente Brillen (Smart Glasses) mit Kamera können die Umgebung des Trägers aufnehmen und Fotos oder Videos per Cloud-Anbindung an die Server eines Anbieters wie Meta übertragen. Dort werden die Inhalte per KI ausgewertet und der Träger der Brille bekommt zusätzliche Informationen in den Brillengläsern, die als Display fungieren, eingeblendet. Zudem besteht die Möglichkeit, die Aufnahmen öffentlich zu posten.
Obiger Screenshot von der Meta-Promotion-Seite zur Smart Glass-Brille zeigt solche Informationen. Eine kurze Suche auf Google nach "Meta Smart Glass" zeigt bereits entsprechende Angebote. Und beim China-Mann sind solche Brillen für "wenig Geld" erhältlich.

Google hatte eine Brille mit Kamera in Entwicklung, stellte diese aber ein. 2019 wurde dann eine virtual Reality-Brille Google Glass Enterprise Edition 2 vorgestellt. Seit dem war es ruhig um das Thema. Mit dem AI-Hype und der Meta-Entwicklung nimmt das Ganze Fahrt auf.
Ein wachsendes Privatsphären-Problem
Dass diese Smart Glasses ein Problem der Privatsphäre darstellen, wurde im Frühjahr 2026 deutlich. Im Beitrag Meta kauft Moltbook – und Metas Rayban Smart-Glasses Videos landen bei Click-Workern in Kenia hatte ich über einen Skandal berichtet.
Meta hat 2025 wohl um die 7 Millionen Rayban Smart-Brillen verscherbelt. Die nehmen über Kameras die Umgebung auf. Die mit den Brillen von Trägern aufgenommenen Videos landeten bei Click-Workern in Kenia.
Die Käufer mit der Brille auf's Klo, tragen diese beim Anziehen und anderen Sachen, die im Schlafzimmer passen. Und die Videos werden zu Meta auf die Server gestreamt. Whistleblower aus Kenia haben nun Medien gesteckt, dass sich Click-Worker in Kenia die Videos zum Training der Meta AI ansehen müssen.
Datenschützer: Verbot in Deutschland /EU notwendig
Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs ist für Meta-Dienste in Deutschland zuständig und hat die Meta Rayban Smart Classes ausführlich getestet. Die Brille hat zwar eine kleine LED, die die Aufnahme signalisieren soll. Ein ausführlicher Prüfbericht soll noch veröffentlicht werden.
Aber der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs sagt laut diesem heise-Beitrag vom 1.8.2026 und diese Beitrag vom 30.7.2026, dass das Aufnehmen von Personen mit den Meta Glasses eindeutig gegen das Datenschutzrecht verstoße. In diesem Tageschau-Artikel vom 2.8.2026 geht die Redaktion ausführlicher auf die datenschutzrechtliche Problematik ein.
Gesetzliche Grundlagen in Deutschland
In Deutschland gibt es bereits jetzt ein gesetzliches Verbot für den Besitz und den Verkauf von Aufnahmegeräten, die als Alltagsgegenstände getarnt sind. Grundlage ist § 8 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG), siehe auch diesen juristischen Artikel. Weiterhin gibt es im Strafgesetzbuch zwei Paragraphen, die relevant werden. § 201 StGB schützt das "nichtöffentlich gesprochene Wort". Und der "Paparazzi-Paragraph" § 201a StGB betrifft die "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen".
Datenschützer für Verbot
Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs hält die LED-Signalisierung von Aufnahmen bei der Meta Rayban Smart Glass-Brille nicht für ausreichend. "Das LED-Signal fällt im Alltag einfach nicht genug auf. Wenn man im Park an einer Person mit Meta Glasses vorbeiläuft, kann man nicht oder zumindest nicht ohne große Anstrengung direkt sehen, dass da gefilmt wird", wird Fuchs zitiert.
Wegen der KI-Funktionen der Meta Smart Glasses steht Fuchs im Austausch mit der irischen Datenschutzaufsicht. Diese ist auf EU-Ebene für Meta zuständig und es zeichne sich ab, dass man Meta möglicherweise die KI-Funktionen in der Brille innerhalb der EU untersagen werde. Hintergrund ist, das in den Aufnahmen der Brillen eben auch Dritte ohne ihr Wissen zu sehen sein könnten. Und diese Aufnahmen dürfen nicht einfach für das KI-Training genutzt werden.
Derzeit ist es für Betroffene Dritte, die ohne ihr Wissen heimlich gefilmt werden, schwer, bis unmöglich, ihre Rechte durchzusetzen und Aufnahmen löschen zu lassen. Daher wird ein Verbot des Verkaufs und des Besitzes dieser Geräte angestrebt. Laut diesem heise-Artikel prüft die Bundesnetzagentur aktuell das weitere Vorgehen.

Mir ist zum 1. August 2026 obiger Tweet auf X untergekommen, der das mögliche Verbot in Deutschland thematisiert. Dort wird darauf verwiesen, dass eine deutsche Entscheidung auch auf die gesamte EU Einfluss habe. Wenn die Brille in Deutschland nicht datenschutzkonform ist, ist sie es auch nicht in der EU. heise hat im oben verlinkten Artikel die Thematik kurz angerissen und verweist auf diesen Politico-Beitrag. Die Politik und Juristen sind aufgeschreckt, weil eine weitere Überwachungstechnik droht.
Der Europäische Datenschutzausschuss (European Data Protection Board), in dem Datenschutzbehörden aus ganz Europa vertreten sind, hat die Erstellung eines Berichts über Smart-Brillen in Auftrag gegeben, der noch im Sommer 2026 fertiggestellt werden soll, wie die Vorsitzende Anu Talus gegenüber POLITICO erklärte.
Die französische CNIL mahnt in diesem Artikel vom 29. Juli 2026 zur Vorsicht vor Smart Glasses. Die Verbreitung dieser Smart-Brillen stelle eine neue Herausforderung für den Datenschutz dar und werfe tiefgreifende ethische und gesellschaftliche Fragen auf. Die CNIL warnt vor diesen Risiken, und stellt einen Aktionsplan vor. Die Renew Europe forderte im Namen der slovakischen EU-Parlamentsabgeordneten Progresívne Slovensko in dieser Pressemitteilung Maßnahmen und fragt die EU-Kommission in einem Brief, was man gegen entsprechende Verstöße gegen die EU-Datenschutzregeln (GDPR) tun könne.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein Verbot des Verkaufs und des Besitzes dieser Geräte in Deutschland und in der EU kommt. Die in Foren aufgeworfenen Gegenargumente wie "Smartphones und Kameras können doch auch Aufnahmen anfertigen" und "die Brillen sind für blinde Menschen ein Segen", da gäbe es doch auch kein Verbot, sind Scheinargumente. Smartphones und Kameras sind keine getarnten Aufnahmegeräte, sondern vom Zweck her zur Anfertigung von Fotos und Videos als bekannt vorauszusetzen. Eine Meta Rayban Smart Glass oder ähnliches sind von normalen Brillen kaum zu unterscheiden. Und für blinde Menschen gibt es entsprechende medizinische Hilfsmittel, die einer Sonderregelung unterliegen. Diese bieten dann auch nicht die Funktion, Aufnahmen an Meta-Server zur KI-Auswertung zu übertragen und im Internet zu posten.
PS: Auf Google Play gibt es die App Nearby Glasses für Smartphones, die solche Brillen über deren Bluetooth-Kennung detektieren und warnen soll. Die App hat schon über 100.000 Downloads. Es gibt also Bedarf an einer Regulierung. Oder wie seht ihr das?





MVP: 2013 – 2016





Ich persönlich finde das Verbot richtig. Bei Handys oder Digitalkameras weiß man dass man gefilmt werden kann. Wenn man das nicht möchte kann man entsprechende Schritte unternehmen. Bei den Smart Glasses kann man nicht unbedingt erkennen ob es eine normale Brille ist oder ob man da gerade gefilmt wird. Normale Aufnahmen auf öffentlichen Plätzen empfinde ich da noch nicht so als Problem aber es gibt auch Situationen wo man überhaupt nicht gefilmt werden möchte. Da wären zum Beispiel das Baden am Strand wo man ja normal nur leicht bekleidet ist und es gibt nicht nur Modelmaße und niemand möchte dass diese Bilder und Videos irgendwo auftauchen. Aber auch für Firmen die ein Geheimhaltungsinteresse haben sind solche Smart Glasses problematisch. Klar kann man in sensiblen Bereichen ein Handyverbot aussprechen. Aber ein Brillenverbot wird schwer realisierbar sein denn Brillenträgern die Brille zu verbieten halte ich für unmöglich, ich trage übrigens selbst so ein Seheisen.
Das Verbot ist in Firmen durchaus durchsetzbar. So wie Dein Smartphone einen Kleber über die Kamera bekommt, so bekommt auch Deine Brille einen Kleber über die Kamera. Der dürfte i. d. R. zu groß sein und deshalb auch einen Teil Deines Brillenglases bedecken. Mal ganz zu schweigen, wie das aussieht damit rumzulaufen. Dann mußt Du die Spionagebrille eben zuhause lassen und eine normale Brille tragen, wenn Du Zugang zu bestimmten Bereichen wie z. B. R&D haben willst. Manchmal mußt Du auch Dein Telefon einschließen, dann eben auch die Kamerabrille. Läßt sich ganz easy durchsetzen, wer nicht kooperiert, bleibt vor der Türe.
Es ist eher ein Spionagegerät.
Diese Datenbrille erinnert uns irgendwie an das Spielzeug für Kinder "My Friend Cayla" die ja auch Verboten wurde die ja die Umgebung Abgehört hat und mit KI Ausgewertet hat um so Antworten zu können.
Die Brille ist nur noch Problematischer da diese auch eine Kamera hat und dies ein Alltagsgegenstand ist wo die Leute nicht von ausgehen das die damit Ausspioniert werden…
Auch wenn es gute Möglichkeiten gibt diese zu nutzen ist es dennoch so das die Datenverarbeitung irgendwo auf der Welt wo unbekannte Zugriff auf die Daten haben sehr Problematisch….
Big brother is watching you.
Deine Brüder u. Schwestern jetzt auch.
Nur noch zum K..
Irgendwie hatten wir – ältere – uns das mit der EDV anders vorgestellt u. auch anders geplant u. umgesetzt. Jetzt is' es IT (??) u. KI(???) ;-(
Langsam wird mir klar, warum diese potthässlichen schwarzen Nana-Mouskouri-Brillengestelle überhaupt zur Mode gemacht wurden. In einer dünnen hellen Fassung kann man keine Kamera verstecken. Objektive müssen schwarz sein, weil sie ja Licht schlucken.
Zu beobachten war das (in zwei Schüben), noch bevor es überhaupt die Technik für derartige Cams gab. Aber scheinbar denken die ganz und gar nicht harmlosen Leute, die hinter den künstlich gehypten Modetrends stecken, sehr weit voraus. Zuckerberg und der Telekom-Chef machen's vor, hunderttausende Lemminge äffen's nach. (Wie kann man nur freiwillig wie Tim Höttges aussehen wollen???)
– Warum wohl grassiert Schwarz als Modefarbe auch in der (Innen-)Architektur?
Es dürfte wohl trotz Verbot genug Leute geben, die sich eine solche Brille besorgen werden und nutzen. Hier könnte nur ein Verbot über IP-Lokalisierung des Nutzers halbwegs durchzusetzen sein aber auch da gibt es genug Dinge wie VPN u.ä. um das zu umgehen.
Ich finde diese Technologie inakzeptabel. Eigentlich wäre ich nur für ein Verbot in der Öffentlichkeit; aber es wird wohl keiner Leute auf der Straße ansprechen und dann was (verprügeln?). Es muss also ganz weg.
Dass die EU da etwas tun wird glaube ich aber – rein gefühlsmäßig – nicht. Es wird in Brüssel immer dann interessant, wenn man Bußgelder verhängen kann.