EC-Kartenterminals: So sieht's mit den Geräten von Ingenico & Co. aus

Nachdem ich das Thema das Thema EC-Kartenterminals zum bargeldlosen Bezahlen im Handel aus "Kundensicht" angesprochen und nach Erfahrungen gefragt hatte, meldete sich ein Entwickler bei mir und hat einige "Innenansichten" aus dem Bereich Kassensysteme und EC-Kartenlesegeräte offen gelegt. Ich stelle mal die Informationen hier im Blog ein.

Kurzer Rückblick auf das Thema

Kürzlich hatte mich Blog-Leser Marcel per Mail kontaktiert und auf das Thema bargeldlose Zahlungen über POS-Terminals (nachfolgend als EC-Kartenterminal bezeichnet) angesprochen. Er wollte wissen, wie störanfällig die praktisch in allen Geschäften vorhanden EC-Kartenterminals sind.

Ich hatte das Thema im Blog-Beitrag Self-Service und Supermarktkassen: Wie störanfällig sind die EC-Kartenterminals? aufgegriffen und nach Erfahrungen aus der Leserschaft gefragt. Meine Hoffnung war, dass sich Insider melden und ggf. aus dem Nähkästchen plaudern. Dummerweise habe ich den Fehler gemacht und das Thema "Self-Service-Checkout-Kassen im Handel" mit in den Artikel aufgenommen.

Ein Insider meldet sich

Es gab zwar viele persönliche Erfahrungen aus der Leserschaft zu letztgenanntem Thema. Aber die Frage der "Zuverlässigkeit von EC-Kartenterminal" ging in der Diskussion unter. Auf Facebook hat sich ein mir bekannter Blog-Leser dann mit folgendem Kommentar auf meinen Beitrag gemeldet.

Da ich gerade deinen Artikel über die EC-Terminals gelesen habe, hier ein bisschen Futter diesbezüglich, da ich mit meiner Firma genau in der Schnittmenge von Kassen und Schnittstellen der EC-Terminals sitze und dort erstaunlicherweise auch noch gerne arbeite…

Der Blog-Leser ist hier kein Unbekannter, hatte er mich doch in der Vergangenheit, wenn es Störungen von EC-Kartenlesern im Handel gab, mit Informationen versorgt. Der Leser schrieb mir, dass Händler wie Penny, Rewe, Edeka (einige Gesellschaften) "leider die gar nicht so günstigen aber [zumindest in seinen Augen] absolut schlechten Ingenico-Terminals" nutzen.

Verbuggte und schlechte Software

Diese Terminals sind von der Software sondermaßen schlecht und verbuggt, dass man sie gegen die Wand werfen könnte, lautet das harsche Urteil des Spezialisten. "Ich muss mich mit diesen Dingern leider rumschlagen und ewig gegen die Bugs an programmieren. Die Provider wissen um die Problematik auch, aber es kommt keiner gegen an." Jede  neue Firmwareversion von Ingenico bringe neue Fehler und neue Eigenheiten, führt der Insider aus.

Neustart nach Verbindungsabbruch erforderlich

Der Leser erwähnt, dass die Ingenico-EC-Kartenterminals vor allem ein großes Problem haben:

  • Bei einer abgerissenen Verbindung kann diese nicht neu aufgebaut werden.
  • Das Terminal muss also hart neu gestartet werden.

Andere Hersteller wie Verifone und CCV haben laut Blog-Leser eine grundsolide und stabile Basisintegration für das sog. ZVT-Protokoll und können die Fehler abfangen oder gar nicht erst entstehen lassen. "Du wirst im Feld wenig bis gar keine Probleme mit Terminals von Verifone und CCV finden", ist sich der Leser in seinem Urteil sicher und ergänzt: "ZVT ist das Protokoll was für die Kommunikation zwischen Kasse und EC Terminal verwendet wird."

Fehler bei Ingenico-Geräten

Ich habe dann beim Blog-Leser nachgefragt, ob er noch einige Details aus seiner Praxis nachliefern kann. Er war so freundlich, mir eine Liste mit Fehlern zu überlassen, die ich nachfolgend veröffentlichen darf (danke dafür). Die heftigsten Fehler bei Ingenico-Geräten sind laut Leser folgende:

1.) Das Rückmeldungsproblem des Protokolls

Ingenico hat durch Altlasten in der Firmware, die seit vielen Jahren mitgeschleppt
werden, einen großen Bug, der nie behoben wurde. Dieser äußert sich darin, dass das
Terminal meint, einen Befehl von ZVT anstatt mit einem einzelnen 80 00 00 (ACK) und
dann der Folgebefehl z.B. 06 0f zu schicken, beide Anweisungen direkt hintereinander zu senden (also 80 00 00 06 0f …).

Das ist für den Blog-Leser insoweit ein großes Problem, weil man als Entwickler auf solche Protokollabweichungen nicht reagieren müsste, das es nicht dem ZVT-Protokoll
entspricht. Will man aber, dass Ingenico als EC-Kartenterminal-Anbieter auch unterstützt wird, dann muss man auf solche "Besonderheiten" eingehen. Der Leser versucht dann per Workaround um dieses Problem herum zu programmieren. Die Reaktion des Ingenico-Supports "Das ist kein Fehler, da müssen Sie eben drauf reagieren…" ärgert ihn, und er kommentiert "Danke für nichts!".

2.) Das PCI-Neustart-Problem

Es gibt im Payment-Bereich eine Anforderung, die von der PCI festgelegt wird (muss sich wohl um PCI DSS, Payment Card Industry Data Security Standard, handeln). Diese
Anforderung muss erfüllt werden, damit die Terminals u.a. Kreditkarten verarbeiten
dürfen.

Die Terminals starten in einem Zeitfenster von 2.00 -4.00 Uhr in der Nacht immer einmal neu. Das passiert automatisch. Das Ingenico Move5000 Terminal hat seit der aktuellsten Firmware das Problem, dass es in einem Screen beim Booten hängen bleibt. Der Ladebalken bleibt genau an dieser Stelle stehen.

Ingenico Terminal hängtIngenico Terminal hängt (Quelle: Blog-Leser)

Da hilft dann laut Blog-Leser nur noch Akku ziehen und neu starten lassen. Manchmal muss man diesen Vorgang drei bis vier Mal hintereinander versuchen. Dieses Problem wurde, so der Leser, von einem Payment-Anbieter auch bestätigt. Der Ingenico-Support aus England kann das Problem laut Blog-Leser nicht nachvollziehen. Der Support-Chat, den er diesbezüglich eröffnet hatte, startete am 08.05.2026 und ist immer noch nicht abgeschlossen, weil man sich dort im Kreis dreht, war die Aussage des Lesers.

3.) Das "Terminal hängt sich komplett auf"-Problem

Dieser Fehler ist laut Blog-Leser eigentlich das heftigste und zugleich gemeinste Problem, was Ingenico aktuell mit seinem EC-Kartenterminals zu bieten hat. Das Lane5000 Terminal (Rewe ausschließlich, Edeka zum großen Teil im Norden, Esso usw.) ist das verbreitetste Terminal am Markt.

Ingenico sei und war sehr gut im Vertrieb, dieses Terminal in einer breiten Masse an den Kunden zu bringen. Aber die Entwickler der Software, die zwischen POS-Kasse und EC-Kartenterminal sitzen, müssen diese Fehler ausbaden. Der Insider hat dann die Technik und Architektur der Terminals beschrieben.

  • Die Terminals haben eine Grundfirmware, die die Gerätefunktionen steuert.
  • Darauf aufgesetzt kommen dann die Softwaremodule für die entsprechenden Märkte auf der Welt zum Einsatz. In Deutschland ist es A32.
  • Diese Firmware enthält dann auch die Kommunikationsparameter für die Kassenschnittstelle.

Der oben skizzierte Softwarestack ist aber auch schon sehr alt und wurde immer nur erweitert. Das Terminal hat laut Leser  schon immer ein Problem damit, dass es nur einen (Kommunikations-) Socket (für eine Verbindung) gleichzeitig verarbeiten kann.

Grundsätzlich sieht das Protokoll das laut Blog-Leser auch vor, aber das Gerät bzw. die Firmware sollte andere Verbindungen dann mit einem "Busy" abweisen. Ingenico tut das bei seiner Firmware aber nicht. "Wenn der Socket im Terminal aus den Fugen gerät, nimmt das Gerät keine neuen Verbindungen mehr an, die Kasse ist dann tot." beschreibt der Insider den Sachverhalt. Andere Blog-Leser beschrieben mir dann als Kunden die Erfahrung "die Kasse und das Lesegerät mussten im Markt neu gestartet werden, weil alles abgestürzt war.

Der Experte merkt dazu an: "Hier hilft nur noch ein harter Reset durch Ziehen des Steckers." und ergänzt: "Und hier kommen wir auch zum eigentlichen Problem. Hängt sich das Terminal auf, hängt auch die Kasse. Je nach Implementierung wartet die Kasse 180 Sekunden minimal, bis sie abbrechen darf. Das ist Protokollvorgabe."

"Jetzt war Ingenico so schlau", schreibt der Insider, dass das Terminal bei einem ungünstigen Timing (die Zeit zwischen zwei Befehlen) komplett einfriert. Weder Anfragen an die ZVT-Schnittstelle noch Eingaben am Display funktionieren dann laut Leser noch. Das Terminal ist weg und kann nicht mehr durch Eingaben zurückgesetzt werden.

Lediglich ein Ziehen des Steckers hilft dann noch. Auch das Problem sei mittlerweile bekannt, kann aber nicht so schnell behoben werden, schreibt der Leser. Ziemlich übles Verhalten, wenn man das so liest. Erklärt dann auch die Beobachtung mancher Leser, die als Kunden die Ausfall solcherTerminal miterlebt haben und berichteten.

Hintergrund zu den Firmwareversionen

Grundsätzlich ist es laut Blog-Leser so, dass es eine komplette Hauptversion der A32 Firmware gibt. Diese wird global entwickelt. Diese wird dann an die Netzprovider verteilt, die ihrerseits Änderungen machen können. Diese Versionen müssen dann zertifiziert und abgenommen werden, damit diese im Girocard-System verwendet werden dürfen. Erst wenn diese Schrittfolge durch ist, kann die Firmware auf die Geräte eingespielt werden.

Stolperfallen bei Geräte-Updates

Aber auch hier gibt es laut Leser Stolperfallen: Der Provider muss die Geräte auf eine Update-Liste setzen und einen sog. "Downloadauftrag" einstellen. Darüber weiß das Terminal, dass es ein Update bekommen kann. Das Update muss bei Ingenico manuell angestoßen werden. Dafür gibt es den "Wartungsruf". Es gibt auch die Möglichkeit, den Downloadauftrag über einen automatischen "Kassenschnitt" zu triggern. Das passiert aber selten bis gar nicht.

Die Terminals werden daher, wie beim Auto, i.d.R. nur dann geupdatet, wenn es
Probleme gibt oder ein neuer Technischer Anhang (Aktuell TA7.2) ein Update
vorsieht. Daher hängen einige Terminals noch auf Versionen, die Jahre alt sind.

Ein Fazit zur Sachlage

Die kritischste Schnittstelle ist laut Insider das EC -Terminal. Ingenico ist bei ihm im Labor "immer vorne dabei" mit Firmwareproblemen. Vor allem, weil die Softwarequalität
so dermaßen miserabel sei, dass man jede Funktion immer wieder testen muss. Denn es sei keine Seltenheit, dass behobene Probleme aus alten Firmware-Versionen auf einmal
wieder auftauchen.

Hier erfolgt in den Augen des Blog-Lesers einfach keine Softwarekontrolle durch die Firmware-Entwickler. O-Ton des Lesers: "Die Verlegung des Ingenico-Supports ins Ausland tut ihr Übriges dazu. Keiner weiß, was der andere macht. Kein Ansprechpartner mehr und in meinen Augen hat auch keiner mehr Ahnung von den Produkten. Dazu bestehen die Terminals aus teilweisen alten Modulen, die aus Kompatibilitätsgründen scheinbar erhalten bleiben müssen."

Da der Blog-Leser als Entwickler auch mit anderen Herstellen zusammen arbeitet, ist er dort auch über Bugs im Bilde. Aber bekommt er auch Hilfe und die Implementierungen der Kassenschnittstelle seien stabil und getestet, heißt es. Ohne einen Namen nennen zu wollen, gab es ein riesiges Problem mit einem bestimmten Terminal eines großen Herstellers. Das Terminal stürzte, nach einer nicht erfolgten PIN-Eingabe, reproduzierbar ab und startete dann neu. Nach der Meldung des Bugs war innerhalb von 10 Tagen ein Patch verfügbar, der nach weiteren 10-14 Tagen ausgerollt werden konnte. So kann es auch gehen, schrieb der Blog-Leser zu dieser Erfahrung.

Entwicklung bei Bäckereien und die Probleme

Ganz interessant ist die Entwicklung bei Bäckereien, weiß der Experte zu berichten. Bei zwei verschiedenen Ketten in seiner näheren Umgebung, die Vectron-Kassen benutzen, wurden die Ingenico-Terminals von epay und VR-Payment durch Terminals von Shift 4 ersetzt. Diese Terminals können keine Girocards annehmen, weil sie schlichtweg nicht für die Girocard zertifiziert wird.

Durch das Co-Branding auf den Girocards, sei das weniger ein Problem, merkt der Blog-Leser an. Wenn er aber seine Sparkassen-Card, die nur eine reine Girocard ist, in Apple Pay vorhalte, bricht der Bezahlvorgang natürlich ab.

Das Phänomen, dass ausländische Anbieter auch ohne Girocard-Zulassung auf den
deutschen Markt drängen, ist nicht neu. Viele Anbieter scheuen die extremen Hürden
für die Girocard und verlassen sich zum großen Teil darauf, dass viele Karten eben ein
Co-Branding haben, stellt der Experte fest.

Entwicklung bei Kassensystemen

Das Thema Kassen ist laut Blog-Leser auch so eine Sache. In der Regel läuft auf den Kassen in Edeka-Filialen noch Windows 7 Embedded. Rewe nutzt seit x Jahren Linux, weiß der Insider zu berichten. Der Hintergrund ist, dass er sich für die Entwicklung Kassensysteme gekauft  hat. Da war zufällig auch eine komplette Edeka-Kasse mit GK-Retail auf Windows 7 Embedded-Basis dabei, schrieb der Leser.

In Bezug auf die EC-Terminals hält der Experte fest, dass es in der Branche üblich sei, dass man die Gerätesoftware erst per Update aktualisiert, wenn es Probleme gibt, oder wenn es regulatorisch notwendig ist. Genau wie beim Auto, dort wird auch erst ein Update der Steuergeräte gemacht, wenn es Probleme gibt.

Allgemeine Einschätzung des Insiders

Der Blog-Leser  schrieb mir als Vorbemerkung zu obiger, technischer Beschreibung einer Hintergründe: "Man kann in den Läden i.d.R. ja nicht technisch tief schauen. Aber im Hintergrund brodelt eine Menge. Vor allem weil der Trend erkennbar ist." Das EC-Terminal wird in den nächsten Jahren verschwinden, ist der Experte überzeugt.

Der nächste Schritt ist eine Terminalbasis auf Android. Dann werde das EC-Kartenterminal durch einen "dummen" NFC-Leser ersetzt. Die Logik/Encryption findet dann in der Cloud oder in einem Softwaremodul statt, schrieb mir die Person.

Es sei eher traurig, was in der Branche abgeht, ist das Fazit des Leser. Der größte Faktor sei leider wieder dieses "Kaputtregulieren" und daraus erwachsend eine völlige Überforderung bei den Herstellern. Der Blog-Leser führt das Thema "DORA" (EU Vorgabe) als Belegt an, das sei nur noch krank.

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Ein Kommentar zu EC-Kartenterminals: So sieht's mit den Geräten von Ingenico & Co. aus

  1. Jonathan sagt:

    Nur ganz kurz aus Anwendersicht: Wir haben das Ingenico das Move/5000 (Bezug und Betreuung durch die VR Payment). Frühere Versionen von Ingenico hatten indoor teilweise grottenschlechte LTE-Verbindungen. Insgesamt laufen die nach einer Weile alle in irgendwelche Abnutzungserscheinungen – werden dann allerdings in der Regel auch anstandslos und ohne Zusatzkosten ausgetauscht. Das beschriebene Reboot-Problem haben wir nicht. Hat vielleicht auch Vorteile, wenn man nicht immer automatisch die neuste Software bekommt ;)

    Aber ja, Softwareupdates werden grundsätzlich nur eingespielt, wenn man als Kunde irgendwelche Probleme meldet. Und wie das mit dem Schließen von Sicherheitslücken aussieht, will ich gar nicht wissen…

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