Das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, stellt bis Ende des Jahres 2026 mehr als 2.200 seiner Industriecomputer und eingebettete Systeme in seinen Linearbeschleunigern von RedHat-Linux (RHEL) auf Debian um. Das soll dem CERN 6 Millionen Euro jährlich an Kosten ersparen.
Ankündigung des Wechsels
Es war ein Tweet, der mir die letzten Stunden unter die Augen gekommen ist, der auf das Thema aus diesem Artikel hinwies.
Das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, stellt derzeit mehr als 2.200 Industriecomputer und eingebettete Systeme seiner Beschleunigerinfrastruktur vom Red-Hat-Ökosystem auf Debian 13 „Trixie" um. Die Umstellung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Bekannt wurde dies in einem Vortrag auf der MiniDebConf Winterthur von den CERN-Ingenieuren Federico Vaga und Nikos Tsipinakis. Die Veranstaltung fand vom 29. bis 30. August 2026 in Winterthur, Schweiz, statt.
Einige Hintergründe für diesen Wechsel
Das CERN war lange dafür bekannt, RedHat-Linux (RHEL) einzusetzen. Zudem wurde von CERN Scientific Linux, ein RHEL-Derivat mit gepflegt. Im Jahr 2015 wechselte das CERN mit seinen Systemen zu CentOS (kompatibel mit RHEL). Nun kam es aber zur Abkehr von RHEL bzw. CentOS, was an den neuen Hardware-Anforderungen lag. Während der oben erwähnten Präsentation wurde eine Risikoanalyse aus Q2 2023 erwähnt, die bei Fortsetzung der Verwendung von RedHat-Linux das CERN rund 5,4 Millionen CHF (ca. 6 Millionen Euro) kosten könnte.
Hintergrund war, dass die Hardware bei neuen CentOS-Releases nicht mehr unterstützt wurde. Das hätte bedeutet, dass die Hardware unbrauchbar würde und etwa 11 Hardware-Karten neu zu entwerfen wären. Neben personellen Aufwänden wäre zudem eine Neuorganisation der Racks und eine Neuverkabelung erforderlich gewesen. Das hätte sich massiv auf die Inbetriebnahme die meisten Systeme am Forschungszentrum ausgewirkt. Die Erfolgsquote zur Umstellung wurde, selbst im optimistischen Szenario, auf nur etwa 20 Prozent geschätzt, hieß es in diesem Artikel, der den Vortrag auf der MiniDebConf wiedergibt.
Angesichts einer festen Frist bis zum vierten Quartal 2026, bis zu der die Infrastruktur für den Beschleuniger betriebsbereit sein muss, entschied sich das CERN stattdessen für die Migration der betroffenen Rechner auf Debian 13, so dass die Hardware bleiben konnte. Die Infrastruktur zur Steuerung der Beschleuniger erstreckt sich über rund 43 Quadratkilometer an Tunneln, oberirdischen Gebäuden und Gerätehallen und umfasst derzeit etwa 2.200 Computer, die mit rund 17.000 Geräten verbunden sind.
Neben der Migration auf Debian 13 hat das CERN auch die unterstützende Infrastruktur überarbeitet. Das betrifft die Mechanismen zur Verteilung von Komponenten des Betriebssystems, wie die Front-End-Computer hochfahren und wie spezielle Hardwaretreiber für maßgeschneiderte Beschleunigerelektronik in das Betriebssystem integriert werden. Die Details lassen sich in diesem Artikel nachlesen. Ein deutschsprachiger Abriss findet sich zudem bei Golem. Das CERN wird aber bei seinen Rechenzentren laut diesem Artikel weiterhin bei RedHat-Linux (RHEL) bzw. AlmaLinux als Derivat bleiben.




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