Die Stadt Berlin wurde Mitte August 2026 Opfer eines Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz. Die Stadt Berlin hat die von der Cybergruppe Rhysida geforderten 2 Millionen Euro Lösegeld nicht bezahlt. Nun hat Rhysida die erbeuteten (teilweise vertraulichen) Daten zum 4.9.2026 veröffentlicht.
Rückblick auf den Cyberangriff
Mitte August 2026 ereignete sich ein Cyberangriff auf das Landesnetz von Berlin, der mehr oder weniger zufällig durch beobachte Aktivitäten im Netzwerk entdeckt wurde. Freitag, den 14. August 2026, wurden zwei Verwaltungen des Berliner Senats vom Landesnetz getrennt und waren faktisch arbeitsunfähig. Es handelte sich um die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Der Berliner regierende Bürgermeister und der Senat hielten sich bezüglich Informationen bedeckt. Was ich herausgefunden hatte, war im Beitrag Cyberangriff auf Berliner Landesnetz; Senatsverwaltungen offline (14.8.2026) offen gelegt. Es gab damals bereits den Verdacht, dass Daten abgeflossen sind.
Dann wurde bekannt, dass Berlin Opfer der Rhysida Cybergruppe geworden ist. Im Zeitraum vom 7. und 12. August 2026 kam es zu Datenabflüssen bei den genannten Senatsverwaltungen, wie die Verantwortlichen in Berlin zugeben mussten. Über den Umfang der Abflüsse konnte oder wollte man nichts sagen.
Im Beitrag Rhysida Cyberangreifer erpressen Berlin nach Hack des Landesnetzes hatte ich erwähnt, dass die Cybergruppe Rhysida den Angriff auf die Verwaltung des Lands Berlin reklamiert und 5,79 Terabyte an Daten abgezogen haben will.
Es wurde bereits gemutmaßt, dass viele sensible Daten wie Verträge, Strafsachen und Ordnungswidrigkeitenverfahren, Zahlungsvorgänge, eine KRITIS-Analyse der Wasserversorgung Berlins, E-Mails, Gehaltslisten, Passwörter, IBANs und so weiter in den abgeflossenen Daten enthalten seien. Wenn Berlin nicht binnen 6 Tagen ein Lösegeld von umgerechnet ca. 2 Millionen Euro zahlt, drohte die Gruppe mit der Veröffentlichung der Daten. Eine Zahlung wurde durch Berlin aber ausgeschlossen, was von Sicherheitsexperten gelobt wurde.
Die Daten sind veröffentlicht
Am heutigen 4. September 2026 ist der Countdown zur Veröffentlichung der Daten bei Nicht-Zahlung abgelaufen. Rhysida hat die erbeuteten Daten mit dem Hinweis "Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!" auf ihrer Leak-Seite veröffentlicht. Die Erstmeldung (ohne viele Details) scheint bei RBB24 erschienen zu sein. Mir ist die Information am Nachmittag über nachfolgenden Tweet untergekommen.
Der Tweet zeigt einen Screenshot diverser Ordnerinhalte, wo die Dateinamen auf sensible Dokumente aus dem KRITIS-Bereich hinweisen. Joachim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs, wird mit folgender Aussage zitiert: "Nach dem, was ich jetzt hier sehen kann, haben sie den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt. Das ist für die Berliner Verwaltung schon unangenehm. Das sind natürlich sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen."
Laut Tagesspiegel sollen sich unter den abrufbaren Daten auch Inhalte befänden, "die für die Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt relevant sind" (z.B. Daten zum Zivilschutz und Listen mit Objekten, Immobilien, Betrieben und Einrichtungen, die im Verteidigungsfall besonders geschützt werden müssen). Über geleakte Passwort-Dateien, und den Umstand, dass Berlin Homeoffice für Angestellte der Verwaltung ausgesetzt hat, weil die VPN-Zugangsdaten abgeflossen sind und Angriffe laufen, hatte ich hier im Blog berichtet.
Dieser n-tv-Bericht sowie der Beitrag bei heise gehen auf weitere abgeflossene Daten und die sich daraus ergebenden Implikationen ein. Insgesamt dürfte der Vorfall recht unangenehm für viele Betroffene werden, da mit den erbeuteten Daten Missbrauch getrieben werden kann und sensible Informationen öffentlich werden. Ein Lehrbeispiel, warum eigentlich jeder in seinem persönlichen Umfeld auf Datensparsamkeit achten sollte. Und auch ein Beispiel dafür, diese Datensparsamkeit und Daten- sowie Cybersicherheit von Anbietern vehement einzufordern.
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Was mich daran echt ärgert: Die Verantwortlichen tragen 0 Konsequenzen und die echten Opfer, also die Menschen, deren Daten wegen Schlamperei und Inkompetenz jetzt veröffentlicht wurden, werden niemanden angemessen in Regress nehmen können.
Selbst falls es in Einzelfällen Schadensersatz geben.sollte, wird dieser lächerlich gering sein – wie immer in Deutschland.