Wie klimafreundlich sind Vois eScooter?

eScooterVermietete Elektro-Tretrollern stehen inzwischen in vielen Städten bereit und sorgen nicht selten für Ärger. Von den einen als Beitrag zur Verkehrswende gefeiert, sehen andere diese als Umweltsünde. Der Anbieter Voi nimmt jetzt zum Thema Klimafreundlichkeit Stellung.


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Es sind Studien wie im Blog-Beitrag US-Studie zeigt: E-Roller sind gar nicht so umweltfreundlich aufgeführt, die für Unruhe bei den eScooter-Verleihern sorgen. Speziell die medial überspitzte Aussage “E-Scooter erzeugen mehr Treibhausgasemissionen als ein Dieselbus“ scheinen die Leute bei Voi gestört zu haben. 

VOI eScooter
(eScooter Quelle: VOI)

Voi zur Klimafreundlichkeit seiner eScooter

Zum Abschluss der ersten E-Scootersaison in Deutschland hat der CEO und Gründer des schwedischen E-Scooterverleihers Voi einen Kommentar zu verschiedenen Themen im Bereich eScooter Stellung bezogen. Darin gibt er offen Einsicht in Standpunkte seines Unternehmens zu kritischen Themenfeldern wie der Klimafreundlichkeit, der Datennutzung etc. Gestern hatte ich im Blog-Beitrag eScooter-Anbieter Voi: Aussage zu gesammelten Daten die Aussagen des Voi-Gründers zum Thema Datenweitergabe thematisiert. Nun geht es weiter mit dem Thema Klimafreundlichkeit und Umweltschutz. Hier die Stellungnahme des Voi-Gründers:

Wie klimafreundlich sind Vois E-Scooter?

Unsere Vision ist es, Städte frei von Lärm und Schadstoffbelastung zu schaffen und wir setzen alles daran, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Für uns bedeutet das viel harte Arbeit, vor allem beim Recycling und der Logistik unserer E-Scooter.

Das ist ein Allgemeinplatz, mag den nicht klein reden, natürlich müssen die Startups hart arbeiten, um am Markt zu bestehen. Interessant sind die folgenden Aussagen, die mein Bild bestätigen, dass die erste Generation der Elektro-Tretroller im Verleih aus diversen Gründen (Lademöglichkeit, Haltbarkeit etc.) problematisch war. Der Voi-Chef weiter:

Und wir machen hier sehr gute Fortschritte: Aus einer in den nächsten Tagen erscheinenden Studie von Ernst & Young geht hervor, dass unsere E-Scooter bis zu 60% weniger Co2 ausstoßen, als noch in der im Sommer diesen Jahres herausgegebenen North Carolina Studie angenommen.

Mit der Einführung unseres neuen E-Scooters im Herbst haben wir die Lebensdauer unserer Modelle auf über 12 Monate erhöht und uns zusätzlich vorgenommen, diese Zahl noch zu verdoppeln.

Dazu holen wir alle unsere E-Scooter für regelmäßige Wartungsarbeiten von der Straße und recyclen alle Teile fachgerecht – entweder als Ersatzteil oder bei professionellen Recyclingpartnern.

Das ist genau der Punkt, den die bisherigen Studien, die sich ja auf die Vergangenheit beziehen, kritisierten. Die Lebensdauer der ersten Generation eScooter bei den Verleihern in den USA hielt teilweise nur 28 Tage. Im Blog-Beitrag Leih-eScooter, die werden bleiben, sagen Experten hatte ich erwähnt, dass neue Modelle (laut der Verleihfirmen) eine Lebenszeit von 18 bis 24 Monaten aufweisen sollen. Klingt erst einmal gut – interessant ist aber eine Aussage des Umweltbundesamts, verlinkt in folgendem Tweet.

Die Aussage des Umweltbundesamts vom September 2019 lautet: Bisher liegen dem UBA keine gesicherten Erkenntnisse zur Haltbarkeit und Lebensdauer / Nutzungsdauer von E-Scootern vor. Wenn man jetzt bedenkt, dass Fahrräder Jahrzehnte halten, sind die 24 Monate eScooter-Lebensdauer nix – nur mal an dieser Stelle festgehalten (obwohl Leihfahrräder auch keine 8 Jahre halten).

Aussagen zum Laden und zu Juicern

Auch beim Laden will man bei den Verleihfirmen mit neuen Fahrzeugen effizienter werden und kommende Modelle mit Wechselakkus ausstatten. Dann müssen die Roller nicht mehr über Nacht geladen werden. Auch die prekären Beschäftigungsverhältnisse der Juicer, die mit ‘alten Autos’ durch die Stadt fahren, die eScooter einsammeln und zum Laden bringen, sind in Diskussion. Dazu schreibt der Voi-Gründer folgendes:

Um unseren Logistikaufwand so zuverlässig und nachhaltig wie möglich zu halten und weil es außerdem unserer schwedischen Mentalität widerspricht, beschäftigen wir keine freiberuflichen Hunter.

Stattdessen sorgt ein internes Team aus Flottenpersonal in Kooperation mit professionellen Logistikpartnern dafür, dass die Wege zwischen den E-Scootern beim Einsammeln so kurz und effizient wie möglich sind. Dabei setzen wir zunehmend auf elektrische Vans und laden unsere E-Scooter mit Ökostrom.

Wer mit einem Voi Elektro-Tretroller fährt kann also, laut Sicht des Unternehmens, sicher sein, dass dieses alles daran setzt, eine neutrale Klimabilanz zu erreichen. Für 2020 haben sich die Leute von Voi zusätzlich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in den Operationen der Firma komplett emissionsfrei zu werden. Dazu stattet Void ein neues E-Scootermodell, den Voiager 3, mit austauschbaren Akkus aus. Diese können dann auch mit E-Cargobikes ausgetauscht werden. Dadurch entfallen Kraftfahrzeugfahrten zum Einsammeln und Laden der E-Scooter.

Abschließend führt Voi noch eine im November erschienene Studie der Wirtschaftsberater McKinsey an. Laut Studie könnten durch gezielte Investitionen in Infrastruktur für Mikromobilität in Städten wie München schon 2030 jährlich 80.000 Tonnen Co2 eingespart und 130 Hektar Grünflächen im urbanen Raum dazu gewonnen werden. Allerdings liegt mir diese Studie nicht vor und mir ist nicht klar, wie das mit den eScootern zusammen hängt. Austauschbare Akkus bei Leih-eScootern sind sicherlich keine gezielten Investitionen im  urbanen Raum. Und die werden bis 2030 auch keine 80.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Andererseits möchte ich das Ganze auch nicht kleinreden – die Bemühungen von Voi sind durchaus als lobenswert anzusehen.

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