Bird: Oder wie Kapitalgeber Milliarden im eScooter-Business versenkt haben

Und am Ende haben die Kritiker doch Recht behalten – seit 2019 haben Risiko-Kapitalgeber Milliarden US-Dollar in Startups aus dem E-Scooter-Verleiher-Business versenkt. Heute sind Firmen wie Bird nur noch "einen Almosen" wert und segeln unter Penny-Stocks (wertlose Aktien). Dabei waren die Firmengründer mal angetreten, in Sachen e-Mobilität bei der letzten Meile den Markt aufzumischen und hatten den Umweltschutz ganz prominent auf das Schild gehoben. War alles Schall und Rauch.


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Es ist eine schwierige Kiste, das Ganze. Ich hatte im März 2019, also vor der Freigabe der Elektrotretroller in Deutschland, im Blog-Beitrag (e)Scooter: Chance oder einfach nur Bullshit? das Thema aufgegriffen. Basierend auf harten Zahlen (die heute zwar längst überholt sind, da die Haltbarkeit der E-Scooter deutlich besser wurde) hatte ich arge Zweifel geäußert, dass die Geschäftsmodelle der Verleihfirmen aufgehen können. Geprägt wurde ich in dieser Ansicht auch durch den Kollaps asiatischer Verleihfirmen von Mietfahrrädern, die riesige Schrottberge in den Städten hinterließen.

Nun sind wir über 3 Jahre weiter, in den Städten stehen Miet-Elektrotretroller herum oder liegen in den Flüssen. Bei den Anbietern, die diese Fahrzeuge vermieten, hat es eine kräftige Marktbereinigung gegeben. Und die Städte stöhnen über die negativen Folgen, die die Fahrzeuge verursachen.

Groschengrab eScooter

Ich bin gerade über obigen Tweet und diesen Artikel von ChrunchBase auf das Thema gestoßen. Vor ca. fünf Jahren starteten Unternehmen wie Bird, die vom ehemaligen Lyft- und Uber-Manager Travis VanderZanden gegründet worden war, mit ihren Elektrotretrollern (E-Scootern). Das Startup warb für seine Fahrzeuge "als Lösung für die letzte Meile", die mit elektrisch angetriebenen E-Scootern umweltfreundlich und preiswert überbrückt werden sollte. In dicht besiedelten Gegenden wie Universitäten und Stadtzentren konnten diejenigen, die dazu bereit waren, einfach per App einen E-Scooter mieten und los fahren.

Die ersten Nutzer sahen in den Rollern eine schnelle, unterhaltsame und kostengünstige Möglichkeit, sich fortzubewegen. Wer E-Scooter nicht nutzt, sieht in ihnen eine Möglichkeit, schnell in der Notaufnahme zu landen. Autofahrer wünschten sich meist, sie würden von der Straße verschwinden. Egal, wie die öffentliche Meinung war, die Städte wurden von Bird, Tier & Co. regelrecht überrollt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Ende 2019 schien es, als ob die E-Scooter überall präsent seien. Bis Ende 2019 hatten Venture Capital-Geber (VCs) weltweit mehr als 2 Mrd. US-Dollar in sogenannte Mikromobilitäts-Start-ups gesteckt. Die meisten Startups setzten ganz oder teilweise auf E-Scooter (und Elektroroller).

Nun sind wir im Jahr 2022, und es ist klar, dass die Venture Capital-Geber die Wette verloren und sehr viel Geld verbrannt haben. In obigem Artikel heißt es, dass Bird jetzt eine Pennystock-Aktie sei und die Bewertungen anderer Startups in diesem Bereich in den Keller gezogen habe. Zwar gibt zwar immer noch Firmen wie Lime (USA), Tier (Berlin), Voi (Schweden), die ihre E-Scooter verleihen. Aber die Erwartungen der Kapitalgeber im Hinblick auf solide Renditen aus den Investitionen in diesem Bereich sind nicht erfüllt worden, bzw. erwiesen sich als Fata Morgana.

Laut obigem Artikel sind in den letzten fünf Jahren weit über 5 Milliarden US-Dollar an Risikokapital in verschiedene Start-ups, die sich mit dem Verleih, dem Aufladen und der Herstellung von E-Scootern beschäftigen, gepumpt worden. Da wurde zwischen 500 und fast 900 Millionen US-Dollar durch Risikokapitalgeber in jedes Startup gepumpt. Und dann kam der "Scooter-Peak", als die Bürgersteige durch die Mietfahrzeuge verstopft wurden und die Stimmung umschlug. Die Coronavirus-Pandemie tat dann ein Übriges, um die rosarot eingefärbten Geschäftsaussichten der Verleiher zu pulverisieren. 

2020 gab es zwar gedämpften Optimismus und einige Startups wie Bird träumten vom Börsengang sowie Wachstum durch Übernahmen und Fusionen. Bird wollte laut Ankündigung von Mai 2021, nach der Fusion mit Switchback II, an die Börse gehen und wurde anfänglich mit 2,3 Milliarden US-Dollar bewertet. Hätte mal jemand die Zahlen genauer angeschaut. Der Umsatz von Birds für 2020 fiel im Vergleich zum Vorjahr um über 40 % auf 79 Mio. $. Der Nettoverlust lag bei über 208 Millionen US-Dollar. Selbst die Prognosen von 400 Millionen $ Umsatz für 2022 passten nicht zum geschätzten globalen Markt für Mikromobilitätsdienstleistungen, den Bird auf 800 Milliarden Dollar taxierte.

Jedenfalls kam es, wie es kommen musste, der Anbieter Bird stürzte nach der Fusion mit Switchback II im November 2021 regelrecht ab. Und auch 2022 sank der Kurs stetig, und steht bei ca. 50 US-Cent pro Aktie. Aus der Bewertung von 2,9 Milliarden US-Dollar in 2019 sind jetzt magere 135 Millionen US-Dollar geworden. Der Lifestyle der Millennials scheint sich von den hippen E-Scootern weg bewegt zu haben. Eine Fahrt mit diesen E-Scootern ist inzwischen auch kein Schnäppchen mehr – ein Ticket für Bus und Bahn ist teilweise günstiger zu haben. Die Verleihfirmen brauchen die Preise aber, um ihre Verluste zu begrenzen. Sieht so aus, als ob das subventionierte Geschäftsmodell viel Kapital verbrannt hat und der Branche die Luft ausgeht. Zumindest wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Ich sehe in den Städten zwar E-Scooter zum Mieten – aber die stehen eher herum, als dass sie ausgeliehen und gefahren werden.

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