Bitkom: Verbraucherumfrage zu eScootern – Teil 2

eScooterWie denken die Deutschen eigentlich über das Thema eScooter? Gestern hatte ich im Blog-Beitrag So denken Verbraucher über eScooter – Teil 1 einige Aussagen von BrandWatch zu diesem Thema. Es gibt nun eine zwei Verbraucherumfrage der Bitkom.


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Hintergrundinformationen zu BrandWatch und Bitcom

BrandWatch ist ein englisches Unternehmen, welches sich mit Konsumentenverhalten befasst und diese Informationen an Unternehmen verkauft. Wer also wissen möchte, wie Verbraucher bestimmte Produkte sehen, kann von diesem Unternehmen Antworten erhoffen. BrandWatch ermittelt diese Daten aus verschiedenen Quellen, auch Social Media-Kanälen wie Facebook etc.

Die Bitcom ist der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. Der Name Bitcom ist die Abkürzung für Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. Die Bitcom hat zum Thema eScooter eine Umfrage unter 1004 Bundesbürgern ab 16 Jahren durchführen lassen. Mit dieser Anzahl an Befragten und deren Auswahl sollte die Umfrage repräsentativ sein. Die Aussagen sind daher eine interessante Ergänzung zur BrandWatch-Auswertung, die ich im Blog-Beitrag So denken Verbraucher über eScooter – Teil 1 veröffentlicht habe.

Die Ergebnisse der Bitcom-Umfrage

Auch die Bitcom-Umfrage kommt zum Schluss, dass sich am E-Tretroller die Geister scheiden. Die nachfolgende Übersicht ordnet einige Antworten nach Altersgruppen und Präferenzen ein. Generationendebatte eScooter
(Generationendebatte eScooter, Quelle: Bitkomm, Zum Vergrößern klicken)

Die Kurzfassung der Umfrage offenbar eine Art Generationenkonflikt, wobei die Jüngeren die Technik kritikloser als Ältere sehen:

  • 4 (42%) von 10 Bundesbürgern sehen Elektro-Tretroller als Beitrag zum Klimaschutz
  • Ebenso viele halten sie aber für gefährlich und würden sie lieber verbieten
  • Große Mehrheit der Jüngeren möchte E-Scooter gerne in der Freizeit und für den Weg zur Arbeit oder Schule nutzen

Was mich persönlich erschüttert, ist der Umstand, dass 4 von 10 Bundesbürgern die E-Tretroller als ‘Beitrag zum Klimaschutz’ sehen – etwas, was längst durch Studien widerlegt wurde. Das ‘Greenwashing’ der Lobbyisten hat also bestens funktioniert. Interessant ist, dass sie die Mehrheit der Befragten, unabhängig von der Altersgruppe, die eScooter für gefährlich halten.

Zwei Drittel (69 Prozent) befürchten, dass es durch E-Scooter zu mehr Verkehrsunfällen kommen wird. Uneinig sind sich die Bundesbürger über ein Verbot der eScooter. Während bei den Jüngeren unter 30 Jahren 29% diese Fahrzeuge verbieten möchten, steigt das bei den über 65 Jährigen auf 59%.

Jeder zweite Bundesbürger ab 16 Jahren (49 Prozent) hält E-Scooter für eine gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr mit Bus und Bahn. Spannend wäre die Frage, ob diese Klientel die Fahrzeuge auch bei Regen und Schnee verwenden würde.

E-Tretroller zur Ausleihe
(eScooter, Symbolbild, Quelle: Pexels, Magda Ehlers, freie Nutzung)

Seit Zulassung der eScootern ist die Skepsis leicht gewachsen

Verglichen mit einer Bitkom-Umfrage von April 2019, bevor E-Scooter in Deutschland fahren durften, ist damit die Skepsis leicht gewachsen. Damals hatten nur 59 Prozent mehr Unfälle erwartet und 41 Prozent für ein Roller-Verbot plädiert. Dagegen sahen 56 Prozent in den Fahrzeugen eine gute ÖPNV-Ergänzung und 50 Prozent betonten die Bedeutung für den Klimaschutz.

Jüngere können sich vorstellen, für E-Scooter auf das Auto zu verzichten

Besonders bei den Jüngeren zwischen 16 und 29 Jahren genießen E-Scooter aber weiterhin einen guten Ruf. Zwei Drittel (68 Prozent) würden E-Scooter gerne für Fahrten in der Freizeit nutzen, 61 Prozent für den Weg zur Arbeit oder Ausbildung. In der Gesamtbevölkerung sind es nur 49 bzw. 34 Prozent. Und fast jeder zweite 16- bis 29-Jährige (49 Prozent) ist sich sicher, dass er auf private Autofahrten verzichten könnte, wenn es genügend E-Scooter gäbe. Auch hier liegt die Zustimmung deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung (31 Prozent).

Jeder Zweite (50 Prozent) der 16- bis 29-Jährigen sagt, E-Scooter sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und 63 Prozent halten sie für eine gute Ergänzung zum Nahverkehr.

Allerdings möchte ich ein Fragezeichen an diese Aussage machen – denn die Kluft zwischen ‘kann ich mir vorstellen’ und dem täglichen Handeln in den Niederungen der Praxis dürfte in der Realität für Ernüchterung sorgen. Wie viele Leute sieht man bei strömendem Regen unterwegs mit dem eScooter? Ist ein Auto vorhanden, wird dies selbstverständlich genutzt. Und die Fahrstrecken der eScooter, im Mittel um die 1,9 km sprechen gegen die Praxisrelevanz. E-Tretroller könnten eine gute Ergänzung für kurze Wege zur Bahn zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sein. Ob dann aber der große Boom der Privatkäufer da eine Verkehrswende einleitet, da mache ich mal ein Fragezeichen dran. Das die Verleihflotten da was reißen, würde ich, alleine aus Kostengründen, ausschließen.

Mein letzter Satz wird auch durch einen Kritikpunkt an den E-Scootern gestützt: Was als Kritik von den Jüngeren überdurchschnittlich oft genannt wird: 3 von 5 der 16- bis 29-Jährigen (60 Prozent) Befragten finden Fahrten mit dem E-Scooter zu teuer. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil mit 48 Prozent deutlich darunter.

Generationenkonflikt und Sicherheit

Bitkom-Mann Berg dazu: „Die Diskussion über E-Scooter spiegelt auch eine Generationendebatte wider. Die Jüngeren wollen neue Technologien mehrheitlich nutzen und die Älteren wollen sie mehrheitlich verbieten. Hier tut sich ein neues Konfliktfeld zwischen den Generationen auf, und dieses Konfliktfeld braucht unsere Aufmerksamkeit.“

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.

Eine Dritte Umfrage zu eScootern und der Meinung der Deutschen wird sich in diesem Artikel aufbereitet. Grundsätzlich hält zwar jeder dritte Bundesbürger (36 %) die E-Scooter für ein interessantes Fortbewegungsmittel. Bei der Praxis scheiden sich aber Spreu und Weizen. Denn selbst nutzen wollen diese eScooter zukünftig aber nur bis zu fünf Prozent der Verbraucher. Selbst bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (unter 30 Jahre) sind nur rund zehn Prozent bereit, eScooter zu verwenden. Und noch drastischer: Die tatsächliche Nutzungsquote der E-Scooter liegt – je nach Zielgruppe – bisher zwischen ein bis maximal fünf Prozent. Angesprochen fühlen sich vor allem jüngere, trendbewusste und luxusaffine Menschen. Fazit des Artikels: eScooter haben nur eine enge Zielgruppe – was aber durch die anderen Blog-Beiträge zu diesem Thema keine Überraschung darstellt.

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