PSA-Tests zur Prostatakrebs-Früherkennung

GesundheitWir Männer können ja einen sogenannten PSA-Test zur Bestimmung des Prostata spezifischen Antigens durchführen lassen. Das lässt sich zur Prostatakrebs-Früherkennung verwenden. Der PSA-Test zur Krebsfrüherkennung ist aber umstritten.


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Der PSA-Test

Die Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA) ist im Hinblick auf die Prostatakrebs-Früherkennung ein stark diskutiertes Thema. Auf der einen Seite ist der PSA-Test sehr sensitiv, was bedeutet, dass mit ihm der Prostatakrebs bereits erkannt werden kann, wenn sich dieser noch im Anfangsstadium befindet. Auf der anderen Seite ist er jedoch nicht sehr spezifisch. Das führt dazu, dass viele mit dem Verdacht auf Prostatakrebs konfrontiert werden, obwohl sie nicht erkrankt sind. Der PSA-Test liefert nämlich nur einen ersten Verdacht auf Prostatakrebs.

Die tatsächliche Diagnose wird mithilfe von Gewebeproben gestellt, die der Arzt dem Patienten bei Verdacht auf Prostatakrebs aus der Prostata entnimmt (Biopsie). Diese werden im Anschluss auf Krebszellen untersucht. Ein weiterer stark diskutierter Punkt bezüglich des PSA-Tests bei der Früherkennung ist, dass mit dem PSA-Test viele Prostatakrebse erkannt werden, die niemals Beschwerden verursacht hätten. Wegen der genannten Nachteile ist der PSA-Test für die Krebsfrüherkennung umstritten.

Ich selbst lasse den Test, nach Absprache mit meinem Hausarzt, zur Kontrolle alle zwei Jahre, im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung, durchführen. Da es direkt mit dem Labor abgerechnet wird, verdient der Arzt nichts an dieser individuellen Gesundheitsleistung (IGEL). Aber wie steht es denn nun um den Nutzen und die Risiken des PSA-Tests?

Eine Studie untersucht Nutzen und Risiken

Wissenschaftler aus Davis (USA) wollten einen Überblick über Nutzen und die Risiken die eine standardmäßige Anwendung des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs mit sich bringt, erstellen. In einer Studie haben sich Forscher mit dem Nutzen und den Risiken,  Hierfür sichteten die Wissenschaftler bereits veröffentlichte Studien zu dieser Thematik und fassten deren Ergebnisse zusammen.

Ergebnisse älterer Studien zusammengefasst

Die Wissenschaftler suchten in internationalen Datenbanken nach englischsprachigen Studien, die sich mit der Prostatakrebs- Früherkennung beschäftigt hatten. Dabei konzentrierten sie sich vor allen auf das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, auf Komplikationen bei der Gewebeprobeentnahme (Biopsie) und auf die sogenannte Überdiagnose (damit ist gemeint, dass Patienten mit einem Prostatakrebs konfrontiert werden, der niemals Beschwerden bereitet hätte). Die Wissenschaftler fanden insgesamt 63 Studien mit insgesamt 1904950 Teilnehmern, die ihre Kriterien erfüllten. Sie fassten die Ergebnisse dieser Studien zusammen und bewerteten die Qualität der einzelnen Studien.

Uneinheitliche Daten bezüglich des Nutzens

Bei der Analyse der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass es widersprüchliche Ergebnisse dazu gibt, ob die routinemäßige Verwendung des PSA-Tests das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, reduzieren kann oder nicht.

  • In einer US-amerikanischen Studie (mit 76683 Teilnehmern) und einer Studie aus England (mit 408825 Teilnehmern) konnte ein positiver Effekt des PSA-Tests auf das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, nicht bestätigt werden. Es ist jedoch anzumerken, dass diese Studien nicht unwesentliche Mängel aufwiesen.
  • Zu einem anderen Ergebnis kam eine europäische Studie (mit 162243 Teilnehmern). In dieser Studie konnten die Forscher zeigen, dass das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, um 21 % reduziert werden könnte, wenn der PSA-Test standardmäßig zur Früherkennung angewandt werden würde. Laut ihrer Berechnungen würde durch den PSA-Test jährlich einer von 10.000 Männern vor einem Tod aufgrund von Prostatakrebs bewahrt.

Allerdings: Viele der durch den PSA-Test entdeckten Prostatakrebse hätten keine Beschwerden verursacht.

Zu den Risiken des PSA-Tests


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Der PSA-Test selbst hat eigentlich keine Risiken, es wird nur ein wenig Blut gebraucht. Allerdings tritt ein Problem auf, wenn der PSA-Test einen Anstieg des prostataspezifischen Antigens (PSA) anzeigt. Dann obliegt es dem Arzt zu entscheiden, wie man weiter vorgeht. Wird eine Biopsie zur Abklärung des Krebsverdachts durchgeführt, liegen natürlich Risiken auf der Hand. Bei drei Patientengruppen (insgesamt 15136 Patienten) wurde untersucht, wie häufig es bei der Entnahme von Gewebeproben zu Komplikationen kam, die aufgrund von erhöhten PSA-Werten durchgeführt wurden.

  • Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei 0,5 % bis 1,6 % der Patienten Komplikationen auftraten, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machten.
  • Zudem wurde geschätzt, dass 20,7 % bis 50,4 % der durch den PSA-Test entdeckten Prostatakrebse nie Beschwerden bereitet oder das Leben der Patienten bedroht hätten.

Die Autoren der Studie sehen dies vor allem deswegen kritisch, weil eine Behandlung des Prostatakrebses durch Operation oder Bestrahlung, welche nach der Diagnose häufig durchgeführt werden, mit Komplikationen wie Harninkontinenz und Erektionsstörungen verbunden sein können. Somit kann es durchaus sein, dass ein Patient unter den Folgen einer Therapie leidet, die eigentlich nicht nötig gewesen wäre.

Das Fazit der Studie

Wenn der PSA-Test standardmäßig zur Prostatakrebs-Früherkennung eingesetzt werden würde, könnten somit vermutlich Todesfälle aufgrund von Prostatakrebs verhindert werden. Diesem Umstand stehen jedoch Komplikationen bei der Biopsie, die im Anschluss an einem PSA-Test durchgeführt wird, und die Konfrontation (oder gar die Behandlungen) mit einem Prostatakrebs, der weder die Lebensdauer noch die Lebensqualität beeinflusst hätte, gegenüber.

Es muss somit abgewogen werden, ob der Nutzen tatsächlich die Risiken überwiegt. Denn nur dann ist es sinnvoll, den PSA-Test standardmäßig zur Krebsfrüherkennung anzuwenden. Weitere Studien, die den Nutzen des PSA-Test zur Krebsfrüherkennung belegen oder widerlegen, wären somit wünschenswert, um bei dieser Debatte einen Schritt weiter zu kommen.

© Alle Rechte: DeutschesGesundheitsPortal.de

Referenzen:

Fenton JJ, Weyrich MS, Durbin S, Liu Y, Bang H, Melnikow J. Prostate-Specific Antigen-Based Screening for Prostate Cancer: Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA. 2018 May 8;319(18):1914-1931. doi: 10.1001/jama.2018.3712.

 


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1 Antwort zu PSA-Tests zur Prostatakrebs-Früherkennung

  1. Walter G. sagt:

    Im Grunde genommen ist die Messung des PSA-Wertes ein sinnvoller Test. Heikel wird es aber, wenn der Wert tatsächlich dauerhaft über dem Grenzwert liegt, denn alles, was danach an weiteren Untersuchungen oder Therapien erfolgt, sollte man sich sehr überlegen und die Entscheidung darüber keinesfalls nur dem Arzt überlassen. Letztlich entscheidet der Patient, was er machen lassen will und was nicht, denn er muss mit den Folgen leben.

    Für die meisten Ärzte ist die S3-Leitlinie das A und O, nach der sie streng vorgehen. Und wehe, der Patient wünscht wegen individueller gesundheitlicher Besonderheiten eine andere Vorgehensweise oder Untersuchungsmethode. Dann war man einmal Patient dieser Arztpraxis wegen “schwerer Störung des Arzt/Patient-Vertrauensverhältnisses”. So stand es in der Patientenakte, die ich anforderte, nachdem der Arzt hinterrücks dem MDK mitteilte, ich sei nicht mehr Patient bei ihm.

    Als Betroffener möchte ich ein paar Worte zum Thema loswerden. Ich hatte seit einigen Jahren sehr schwankende PSA-Werte im Graubereich (4-10). Tastbefund und Sonographie waren unauffällig, fPSA-Wert auffällig. Da mein Körper auf bestimmte Antibiotika lebensbedrohend allergisch reagiert, kam die herkömmliche Biopsie für mich nicht infrage. Natürlich hatte ich mich vorher schon im Internet informiert, was es für Alternativen gibt. Und ich fand eine Klinik, die eine Biopsie nicht herkömmlich transrektal durchführt, sondern mit einem Zugang in der oberen Gesäßregion unter multiparametrischer MRT-Bildgebung (mpMRT). Da im Gegensatz zum Enddarm diese Einstichstelle gut desinfiziert werden kann, ist kein Antibiotikum erforderlich. Das Wichtigste dabei: Es wird nur biopsiert, wenn im mpMRT tags zuvor tatsächlich Herde oder verdächtige Stellen gefunden wurden. Es ergeben sich also keine Zufallsfunde wie bei der herkömmlichen Biopsie, sondern es wird gezielt biopsiert. Weitere Vorteile dieser Methode: Es wird das gesamte Becken einschl. Lymphknoten untersucht, man misst im MRT Gesamtgröße und -volumen der Prostata sowie der Funde und kann so viel besser das Ausmaß des Karzinoms beurteilen und, falls man sich für Active Surveillance entscheidet, bei Folge-MRTs die Veränderungen durch Vergleich der Bilder erkennen. Ein MRT sieht die Leitlinie erst nach negativer herkömmlicher Biopsie vor. Trotzdem versuchte ich ohne Hilfe des Arztes, eine Kostenübernahme durch die GKV zu erreichen. Nach viereinhalb Monaten und einiger Schreiberei bekam ich die Zusage, dass in Höhe des 1-fachen GOÄ-Satzes die Kosten übernommen werden, das entsprach fast 60 % der Gesamtkosten.

    Nach dieser Zusage fand die Untersuchung statt. Es wurden 2 kleine Herde gefunden und biopsiert. Im Ergebnis machen sie 0,5 % (niedriges Risiko) und 0,01 % (mittleres Risiko) des Gesamtvolumens der Prostata aus und sind organbegrenzt.

    Für einen anderen Urologen, den ich mit diesem Befund aufsuchte, gab es nur zwei Möglichkeiten: Total-OP oder Bestrahlung des gesamten Organs, so wie es die Leitlinie vorsieht – wegen des 0,01 %-Risikos kein Active Surveillance mehr(!). Das sah der Bestrahler, zu dem er mich schickte, anders, denn der tendierte zum Active Surveillance.

    Tatsächlich sieht die Leitlinie beim organbegrenzten Karzinom nur die beiden Extreme vor, entweder Total-OP und/oder Bestrahlung einerseits oder Active Surveillance bzw. Watchful Waiting andererseits. Alles, was dazwischen liegt, wird nicht empfohlen. Das heißt in meinem Fall und auch bei vielen anderen Patienten im Prinzip nichts anderes als entweder GKV-bezahlte Übertherapie mit allen Folgen oder nix tun. Aber eine Leitlinie ist keine Richtlinie, man darf fallbezogen abweichen. Und da war doch noch der § 27 Abs. 1 im SGB V, nach dem man Anspruch auf eine Behandlung hat, die u. a. eine Verschlimmerung verhütet und andererseits der Artikel 2 Abs. 2 GG hinsichtlich körperlicher Unversehrtheit (bei den Folgen der Übertherapie wohl kaum einhaltbar). Auch interessant und u. U. hilfreich: Das sog. Nikolausurteil und darin das Wort “insbesondere” in der Rz 53.

    Was macht man als Betroffener als nächstes? Auch hier wieder im Internet recherchieren. Und wenn man nur lange genug sucht, wird man fündig. Es gibt tatsächlich ein vielversprechendes minimalinvasives Verfahren, dass Karzinome fokal zu 100 % absterben lässt. Es ist risikoarm und ohne wesentliche Nachteile, es schließt andere Therapien zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus und ist sogar wiederholbar. Urologen halten die wissenschaftlichen Beweise für diese neue Therapieform als nicht ausreichend belegt. Offenbar fürchtet man finanzielle Einbußen, wenn dadurch herkömmliche OP’s überflüssig werden. Das darf natürlich nicht sein. Und deshalb wird das Verfahren auch noch keine Empfehlung in der Leitlinie haben. Es wird bisher nur an sehr wenigen Kliniken durchgeführt, teils in noch laufenden Studien (sehr einschränkend), teils regulär (dann aber aus rechtlichen Gründen experimentell). Aber immerhin, von den über 1000 Patienten innerhalb von etwa 8 Jahren wurden offenbar alle erfolgreich behandelt.

    Und dann darf man gleich noch weiter suchen im Internet, um Ansatzpunkte mit den entsprechenden Argumenten zu finden, um die nicht gerade billige Therapie bei der gesetzlichen Krankenkasse durchzubekommen. Die Kassen haben keine Eile bei der Genehmigung oder Ablehnung. Zum Glück spielt dabei der Zeitfaktor kaum eine Rolle, da ein GS6/GS7a-Prostatakarzinom i. d. R. sehr langsam wächst. Auf jeden Fall sollte man bei Ablehnung Widerspruch mit Begründungen einlegen und vorher das Gutachten des MDK anzufordern. Keinesfalls vorzeitig aufgeben, wenn man aufgefordert wird, den Widerspruch zurückzunehmen, weil er aussichtslos sei. Gerade dann scheinen vorgebrachte Argumente Wirkung zu zeigen. Mein Verfahren läuft derzeit noch bei der Kasse – seit 4 Monaten.

    Zur eigentlichen Therapie möchte ich an dieser Stelle nicht mehr schreiben. Es sollte jeder Betroffene selbst in alle Richtungen recherchieren. Ich will ihn nicht in eine bestimmte Richtung drängen.

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