Rom und die 430 Euro für 2 x Spaghetti mit Wasser …

Dass es beim Edel-Italiener schon mal etwas teurer werden kann, speziell, wenn man einen guten Wein als Flasche verkonsumiert hat, weiß der Feinschmecker. Aber 430 Euro für zwei Teller Spaghetti und zwei Gläser Wasser ist doch etwas herb – selbst mit Rom-Zuschlag.


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Gemeinhin bezeichnet man so etwas als Abzocke, was einem japanischen Paar in Rom beim Besuch des Restaurants l’Antico Caffè di Marte ( in der Altstadt von Castel Sant’Angelo  in Rom in Rechnung gestellt wurde.

Das Foto aus obigem Tweet zeigt noch die Rechnung des Restaurants, den das japanische Paar ins Internet hochgeladen hat. Der Text heißt ‘430 Euro Rechnung für zwei Spaghetti-Gerichte: Kontroverse um das Superkonto des Restaurants in Rom .’ Auf der Rechnung sind 80 Euro als ‘Service-Pauschale’ aufgeführt. Der Corriere schreibt in diesem italienischen Beitrag, dass die Abzocke in Rom Methode habe. Da werden Fischplatten für 6,40 Euro pro 100 Gramm angeboten und dann 4 kg Fisch berechnet.

Die auf Facebook gepostete Quittung der obigen Bewirtung ging sofort viral: Sie zeigt das Datum des letzten 4. September an, gibt aber keine Details darüber, was am Tisch bestellt wurde. Trotzdem ist der Preis von 349,80 Euro etwas heftig. Und die 80 Euro Service-Pauschale wäre ein reichhaltiges Trinkgeld für die Kellner. Aber so sind sie halt, die Italiener in Rom.

Stopp! Hier muss ich mich korrigieren – ich habe (ist aber schon einige Jahre her), sehr zuvorkommende Italiener in Rom getroffen – und die Preise waren in deren Restaurants (Osteria) auch ganz ok. Es sieht mir so aus, dass das l’Antico Caffè di Marte in Rom von Halsabschneidern betrieben wurde. Auf der Internet-Plattform Tripadvisor gibt die englischsprachige Bewertungsseite ein negatives Bild ab – von Abzocke ist die Rede. 

Auf SPON hat man die Geschichte in diesem Artikel aufgegriffen. Diesem Videobeitrag (italienisch) entnehme ich, dass das Restaurant durch die Stadt Rom nun geschlossen wurde. Nächstes Mal also Stullen mit nach Rom nehmen – aber bloß keinen Kaffee auf öffentlichen Plätzen kochen – sonst kann es einem wie hier gehen. Auf die spanische Treppe setzen oder in Hängematte schlafen können auch teuer werden. Auch sonst lässt Rom sich mit Bußgeldern und Verboten nicht lumpen. Man liebt ja Italien, und zu schlechtes Benehmen der Urlauber sollte sanktioniert werden. Aber Italien liebt die Übertreibung, bei Strafen, bei Verschuldung und auch bei der Touristenabzocke. Ich formuliere es mal so: Auch Prag oder Wien sind schöne Städte. Und Urlaub kann man auch am Bodensee machen.


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1 Antwort zu Rom und die 430 Euro für 2 x Spaghetti mit Wasser …

  1. RUTZ-AhA sagt:

    1990 waren wir in Südtirol in Urlaub, dicht bei der Stadt Botsen. Quartier hatten wir privat bei einer Frau Ohnewein [mitten im Weinbaugebiet].
    Sie wollte 35 DM pro Übernachtung mit Frühstück haben. Ich konnte ihr verdeutlichen, dass wir in Deutschland unser Geld nicht auf der Straße finden und auch keine Millionäre sind. Auf meinen Hinweis, dass wir uns lieber ins Auto setzen und sofort wieder heimfahren, hat sie dann noch zwei mal den Preis gesenkt auf je 24 DM für mich und meine Frau und 20 DM für unseren Sohn. Wir hatten die ganze obere Etage 4 Wochen lang für uns allein.
    Als erstes habe ich die Dusche in Funktion gebracht, oben kam kein Wasser und unten lief es nicht mehr ab. Also alles auseinander genommen und gereinigt. Dann habe ich ihr gezeigt, was sie alle drei Monate machen muss, damit kein teurer Handwerker kommen muss. Der sie nur übers Ohr haut, allein schon deshalb, weil sie eine Frau ist, aber auch nichts anderes macht, als reinigen.
    Daraufhin hat sie uns eine Flasche guten Rotwein aus ihrem Keller gebracht, und uns die ganze Urlaubszeit so fürstlich bewirtet, wie im Sterne Restaurant. Wir haben ihr gesagt, dass sie uns so lieb umsorgt, wie unsere Oma zu Hause. Da wurde sie sehr verlegen [mit 82 Jahren] :-)
    Alle benötigten Getränke haben bei ihr gekauft, so hatte sie ein kleines Zusatzgeschäft, von dem die italienische Finanzpolizei nichts mitbekommen hat.
    Da wir es uns nicht leisten konnten, jeden Tag Essen zu fahren [irre Preise] haben wir uns selbst versorgt. Dazu bekamen wir Tipps für günstigen Einkauf, auch Warnungen vor Dieben und Schmugglern. Mehrmals haben wir gemeinsam gegessen [bei zugezogenen Vorhängen].
    Meine Frau hatte drei selbst gemachte Broschen mitgenommen, davon durfte sie sich eine aussuchen und als Gastgeschenk behalten. Es war für beide Seiten eine wunderbare Zeit. Unsere Gesamtrechnung haben wir auf ihren Wunsch in DM bezahlt.
    Beim Abschied hatte sie Tränen in den Augen.
    Die letzte Woche waren wir drei mal abends essen, in einem nahe gelegenen Schloss. Draußen unter Bäumen, tolles Ambiente. Bewirtschaftet wurde der Familienbetrieb von einem Deutschen mit italienischer Frau, äußerst sympathische Leute. Sie hatten auch sehr humane Preise, leckere Speisen und ein selbst gemachtes Zimteis nach altem Familienrezept, höchster Genuss.
    Vom Massentourismus haben wir uns im Urlaub immer fern gehalten. So konnten wir viele liebe Einheimische kennen lernen, und haben tolle Erlebnisse gehabt.
    Dadurch blieben wir natürlich auch von hohen Preisen und Abzocke verschont.

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