Sommer, Sonne, Boule-Kugeln und ein Pastis …

Wir haben aktuell ja Sommer, und vieles spielt sich draußen ab. Heute mal eine kleine, persönliche Geschichte, die sich um das Boule-Spiel, und vor allem um den in Frankreich geliebten Pastis (Anisschnaps, der mit Wasser getrunken wird) dreht. Und ein kleiner Schnipsel als Rückblick aus dem (Berufs-)Leben.


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Es ist gut 2 Wochen her, dass ich dieses Jahr zum ersten Mal wieder am Abend die Boule-Kugeln herausgeholt und eine Runde auf unserem Rasen hinter der Terrasse gespielt habe. Das Boule-Spiel ist so ein altes Ritual – erinnert mich an Frankreich, wo die alten Herren auf einer Bank sitzen und Boule spielen.

Boule-Spiel in Frankreich
(Boule-Spiel in La Palmyre, Frankreich, Quelle: Wikimedia/Chauki, gemeinfrei)

Ich bin zwar inzwischen auch ‘älterer Herr’, bin aber nie zum Boule-spielen in Frankreich gewesen – ich kenne es nur aus den Französisch-Büchern meiner Studentenzeit (in der Schule hatte ich nur minimal Englisch). Die Franzosen haben eine Sandbahn, ich nur ein Stück Rasen. Aber das Spiel übt eine gewisse Faszination auf mich aus – auch wenn ich es alleine mit mir selbst spielen muss.

Das Ritual …

Sobald im Sommer das Wetter passt und ich in ‘Boule-Laune’ bin, greife ich mir das Kästchen mit den sechs Boule-Kugeln und der Holzkugel. Das Ganze wird auf den Tisch auf der Terrasse gestellt. Daneben kommt ein Krug Leitungswasser, ein Wasserglas und eine Flasche Pastis (Anis-Schnaps, meist Pernod).

Boule-Kugeln & Pastis
(Boule-Kugeln & Pastis, Quelle: Eigenes Werk)

Dann greife ich mir die Holzkugel (Schweinchen) und werfe es weit weg auf unseren Rasen (ich spiele es quer, so dass das Rasenstück ausreicht). Dann versuche ich mit zwei Boule-Kugeln möglichst nahe an das Schweinchen heran zu werfen. Mein Frau jammert immer, dass die Kugeln beim Aufprall Kuhlen in ihren geliebten und mit viel Mühe gepflegten Rasen machen. Daher spiele ich die Kugeln immer ganz flach.

Rasen als Boule-Platz
(Rasen als Boule-Platz, Quelle: Eigenes Werk)

Das geht immer so 10-15 Minuten (auch wenn ich mit mir alleine spielen muss, kann ich nicht einmal sagen ‘kein Schwein spielt mit mir’, denn das Schweinchen liegt ja immer vor mir als Ziel auf dem Rasen). Das Ganze hat aber etwas Zen-mäßiges. Und da gehört auch ein Pastis (oder Anisette, wie die Franzosen auch sagen), den ich mir zwischen durch, nach jeder Runde und mittendrin immer genehmigen muss, dazu. Immer ganz viel Wasser und wenig Pernod – geht mir um den Geschmack und das Flair. Und das passt nur an einem Sommerabend – muss nur ‘vor dem Absturz’ aufhören, mit dem Boule-Spiel, natürlich. Ist Süd-Frankreich-Feeling (savoir-vivre) pur.

Wollte ich immer machen, wenn ich mal alt und in Rente bin. Aber mein Französisch ist lausig und außerdem ist es mir da jetzt zu warm. Ist so ähnlich wie mein früherer Wunsch, im Süden zu arbeiten. Als ich als junger Ingenieur in einem großen Chemiewerk arbeitete, saß ich in den Pausen oft am Fluss, schaute den Schiffen nach und dachte so bei mir: Wenn Du mal groß bist, hauste hier in den Sack und arbeitest auf Ibizza oder Mallorca. Morgens schreibst Du Bücher, Mittags klemmst Du dir ein Surfbrett unter die Sohlen und raus aufs Meer. Abends kannst Du feiern.

Nun ja, ab 1993 hätte ich das theoretisch gekonnt – ein Autor kann ja eigentlich überall arbeiten. Nur fielen mir Tausend Gründe ein, warum genau das nicht ging: Wetter im Sommer auf Ibizza zu heiß, Spanisch zu lausig um dem Arzt im Fall der Fälle zu verklickern, wo die Hämorriden plagen, Surfen kannst du auch nicht vernünftig, das Internet ist zu lahm, die Bauqualität der Häuser ist zu lausig, überall sind Touristen und es ist laut.

Und so kam es, dass ich auch als Autor weiter in Deutschland lebe und arbeite, das Surfen zeitig aufgesteckt habe – und inzwischen dessen Wälder, die Landschaften wie die Pfalz, oder den Rheingau, die Mittelgebirgslandschaften wie Taunus, Spessart, Odenwald etc. lieben und genießen gelernt habe.

Ach ja, das Boule-Spiel war ein Weihnachtspräsent des deutschen Ablegers von Microsoft Press. Für diesen Verlag (und auch für die US-Muttergesellschaft) habe ich viele Jahre Übersetzungen aber vor allem Computerbücher erstellt. Irgendwie hatten die das im Gespür, als sie mir dieses Boule-Set schenkten – dabei habe ich mit Sicherheit nie mit denen darüber gesprochen – erinnere mich aber an ein Autorentreffen in München, wo ein Autorenkollege – der Liebe wegen – den Exit nach Frankreich, ins Finistère, gemacht hatte und extra angereist war. Und so schließen sich die Kreise wieder einmal – Berufliches kommt mit Privatem zusammen.


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Ergänzung: Und nun habe ich auch die Geschichte von der ‘grünen Fee’ – dem harten Bruder des Pastis – Absinth, von der ‘grünen Fee’ geküsst? – mal im Blog aufgenommen. Rein als Anschauungsmaterial natürlich ;-).


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2 Antworten zu Sommer, Sonne, Boule-Kugeln und ein Pastis …

  1. Joe_Gerhard sagt:

    Lieber Herr Born,

    Pastis ist wirklich etwas Tolles. Wenn die jetzt angebrochene Flasche dann ‘mal irgendwann leer ist, empfiehlt sich für den Wenigtrinker ein besserer Pastis. Ohne jegliches finanzielles Eigeninteresse empfehle ich dann den Pastis von HB. Vor 40 Jahren brachten meine Eltern mir eine Flasche aus der Provence mit. Heute ist er problemlos überall in Deutschland erhältlich. Hier der Link zur Seite des Herstellers.
    https://www.pastishenribardouin.com
    Danke für Ihre schönen Seiten!

    Viele Grüße
    Joe_Gerhard

    • guenni sagt:

      Schaue ich mir an. Mit dem Pastis bin ich ja eh fast schon in homöopathischen Dosen angelangt – ein Anis-Atom reicht, um das zu schmecken ;-).

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