Das Arecibo-Radioteleskop wird still gelegt

Das in Arecibo (Puerto Rico) befindliche Radiotelekop wird nach einem Schaden durch zwei gerissene Stahl-Tragseile endgültig still gelegt und abgewrackt. Das Risiko, dass die Konstruktion während der Reparaturarbeiten kollabiert, ist den Betreibern zu hoch. Hier ein kurzer Überblick.


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Das Arecibo-Radioteleskop

In Arecibo (Puerto Rico, Mittelamerika) stand das (mittlerweile) zweitgrößte Radiotelekop der Welt. Das Arecibo-Radioteleskop besitzt einen unbeweglichen Hauptspiegel von 305 Metern Durchmesser, der in einen Krater eingebaut ist. Über diesem Hauptspiegel gibt es eine bewegliche Instrumentengondel, mit deren Instrumenten Radiosignale in einem Bereich von 20 Grad um den Zenit des Teleskops empfangen werden können. 1964 in Betrieb gegangen, war Arecibo lange das größte Radioteleskop der Welt.

Arecibo-Radioteleskop
(Arecibo-Radioteleskop, Quelle: Mariordo (Mario Roberto Durán Ortiz) CC BY-SA 4.0)

Inzwischen gibt es in China das FAST-Radioteleskop ähnlicher Bauart mit einem 500 Meter messenden, adaptiven Hauptspiegel. Das Radioteleskop Effelsberg in der Nordeifel hat einen Spiegeldurchmesser von 100 Metern, wobei dieser Spiegel aber beweglich ist. Das ist ein beeindruckendes technisches Meisterwerk, welches ich mal als Student in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts besuchen durfte.

Gerissene Stabilisierungs- und Tragseile

Das 1963 gebaute und seit 1964 in Betrieb befindliche Observatorium kam langsam in die Jahre. Jetzt sind binnen weniger Wochen zwei dicke Stahlseile der Aufhängung der beweglichen Instrumentengondel, die sich oberhalb des Hauptspiegels befindet, gerissen und haben das Teleskop beschädigt, wie nachfolgendes Foto zeigt.

Beschädigung am Spiegel des Arecibo-Teleskops
(Beschädigung am Spiegel des Arecibo-Teleskops, Quelle: University of Central Florida)

Ein Foto von oben, auf dem die Beschädigungen am Spiegel zu sehen sind, findet sich in diesem Artikel. Ich hatte im Blog-Beitrag Ist das Arecibo-Radioteleskop noch zu retten? das Ganze nochmals zusammen gefasst und die Befürchtung der Wissenschaftler dargestellt, dass das Observatorium als Totalschaden endet. Das ist jetzt eingetreten.

Observatorium ist Totalschaden

Die Betreiber, die University of Central Florida (UCF), hat am 19. November 2020, in dieser Meldung die endgültige Stillegung des Observatoriums bekannt gegeben. Drei Ingenieurbüros waren nach dem Bruch eines Hilfskabels zur Stabilisierung der Messgerätegondel im August beauftragt worden, den Schaden zu beheben. Die Ingenieurbüros bewerteten die Schäden an der Konstruktion des Teleskops und legten ihre Gutachten der amerikanischen National Science Foundation (NSF).


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Der Bruch eines Haupt-Tragekabels am 6. November 2020 stellte die strukturelle Integrität des Teleskops in Frage. Der verantwortliche Ingenieur, Thornton Tomasetti, empfahl die Stilllegung des Teleskops, weil er feststellte, dass die Struktur des Teleskops von einem katastrophalen Versagen bedroht war. Die NSF ließ zwei weitere Ingenieurteams die Beurteilungen überprüfen. Diese stimmten der Einschätzung darin überein, dass die Fortsetzung der Reparaturen eine Gefahr für Menschenleben darstellt.

„Unser Team hat unermüdlich mit der NSF zusammengearbeitet und nach Wegen gesucht, das Teleskop mit minimalem Risiko zu stabilisieren“, sagt UCF-Präsident Alexander N. Cartwright. „Obwohl dieses Ergebnis nicht das ist, worauf wir hingearbeitet hatten, und wir entmutigt sind, eine so wichtige wissenschaftliche Ressource stillgelegt zu sehen, ist Sicherheit unsere oberste Priorität. In einer Zeit, in der das öffentliche Interesse und die wissenschaftliche Neugierde auf den Weltraum und die Lüfte wieder zugenommen haben, gibt es noch viel über die von Arecibo gewonnenen Daten zu verstehen. Trotz dieses enttäuschenden Rückschlags engagieren wir uns weiterhin für die wissenschaftliche Mission in Arecibo und für die lokale Gemeinschaft“.

Die UCF wird mit der NSF zusammenarbeiten, um die Sicherheitspläne und Genehmigungen umzusetzen, die für den Beginn des Stilllegungsprozesses erforderlich sind. Es wird nicht erwartet, dass die Arbeiten erst in einigen Wochen beginnen. Ziel ist es, das Teleskop, das die Plattform und die Gregorianische Kuppel umfasst, abzubauen und so viele andere Teile der Anlage für die künftige Nutzung intakt zu halten.

Die NSF beabsichtigt nach eigenen Angaben die Wiederherstellung der LIDAR-Anlage, die in der Geoforschung in Arecibo eingesetzt wird, sowie des Besucherzentrums und der abseits gelegenen Forschungsstation Culebra, die Wolkenbedeckungs- und Niederschlagsdaten analysiert.

Geschichte des Observatoriums

Das Arecibo-Observatorium wurde von 1960 bis 1963 erbaut und geht auf eine Idee des Physikers William Edwin Gordon von der Cornell-Universität zurück. Die Cornell University war der erste Manager des Standortes. Der Standort war ideal für das Teleskop und die Erwartung war, dass die Anlage jahrzehntelang bedeutende Beiträge in den Bereichen Atmosphärenwissenschaften, Planetenwissenschaften, Radioastronomie und Radarastronomie liefern könnte. Das Observatorium, das die UCF im Rahmen eines Kooperationsabkommens für die NSF verwaltet, dient dann auch seit 57 Jahren als eine wichtige Ressource für die Radioastronomie und die Planeten-, Sonnensystem- sowie Weltraumforschung.

Die riesige Spiegel des Teleskops der Anlage war ein Arbeitspferd für die Wissenschaft. Sie wurde benutzt, um die ersten Exoplaneten zu entdecken und organische Moleküle außerhalb unserer Galaxie aufzuspüren. Der Nobelpreis für Physik 1993 ging an Russell Hulse und Joseph Taylor für ihre Arbeit mit Arecibo-Telekop bei der Überwachung eines binären Pulsars, die einen strengen Test der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie und den ersten Beweis für die Existenz von Gravitationswellen lieferte. Arecibo half der NASA auch bei der Charakterisierung von Asteroiden, die eine Bedrohung für die Erde darstellen könnten, im Rahmen des Beobachtungsprogramms für erdnahe Objekte im Koordinierungsbüro für die planetarische Verteidigung. Die Einrichtung erschien sogar in einem James-Bond-Film und in der Fernsehserie Akte X. Aber das ist nun alles Geschichte – die Planungen für die Stillegung und den sicheren Abriss laufen nun an und 2021 werden wohl die Arbeiten beginnen.

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