Gesunde Ernährung, hoch verarbeitete Lebensmittel und nutzloser Nutri-Score

Gesunde Ernährung und hoch verarbeitete Lebensmittel, das geht nicht wirklich zusammen, wie eine Studie zeigt. Der von der deutschen Politik eingeführte Nutri-Score scheint diesbezüglich aber nutzlos, weil er sich nur auf Nährwertangaben stützt und zu skurrilen Verzerrungen führt.


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Hoch verarbeitete Lebensmittel sind zwar auf breiter Front verfügbar, gelten aber als Ursache für eine Zunahme von Adipositas- und Diabetes Typ 2-Erkrankungen. Wer sich gesund und ausgewogen ernähren will, muss mit frischen Zutaten selbst kochen. Diese Erkenntnis dürften viele am Thema interessierte Menschen inzwischen verinnerlicht haben. Ich bin gerade auf einen interessanten Gastbeitrag in der Ärzte Zeitung gestoßen, die noch ein wenig Licht auf diesen Sachverhalt wirft.

Professor Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) in Düsseldorf, geht auf vorhandene Forschungsergebnisse und Probleme mit dem Nutri-Score ein.

Studien zu hochverarbeiteten Lebensmitteln

Die Kernaussage im Artikel lautet, dass der erhöhte Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel, wie sie von der Industrie im Lebensmittelhandel angeboten wird, nach diversen Studiendaten viele Krankheiten begünstigt. Basis vieler Studien ist eine vor 13 Jahren erschienene Studie des Ernährungsforscher Professor Carlos A. Monteiro von der Universität Sao Paulo in Brasilien. Dessen Kernaussage:

Bei gesunder Ernährung kommt es nicht so sehr auf die die Lebensmittel und die Nährstoffe an, sondern auf den Verarbeitungsgrad der Lebensmittel an.

Professor Carlos A. Monteiro untergliedert die Lebensmittel in vier Stufen, von kaum verarbeiteten Lebensmitteln wie frische Früchte, Samen, Wurzeln, Milch, erhitztes Ei, Fleisch bis hin zu hochverarbeiteten Nahrungsmittel wie Chips, Wurst oder Cornflake, die mit Extrakten, Aromen, Emulgatoren und Farbstoff auf einen Geschmacksintensivität getrimmt werden (die vier Stufen lassen sich im Artikel des Ärzteblatts nachlesen).

Die Erkenntnis neuerer Studien scheint klar: Menschen, die einen erhöhten Konsum hochverarbeiteten Lebensmittel aufweisen, haben ein höheres Risiko für viele Krankheiten. Eine niederländische Studie untersuchte mit 20 leicht übergewichtigen Erwachsenen den Einfluss von hochverarbeiteten Lebensmitteln (ultra processed food – UPF) hat einen direkten Einfluss auf das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Binnen 3,5 Jahren nahm das Risiko um 25 Prozent zu.

Noch konkreter war die Gewichtszu- und -abnahme der niederländischen Kohortenstudie: Binnen 14 Tagen nahmen leicht übergewichtige Teilnehmer der Studie, die beliebig viele hochverarbeiteten Lebensmittel aßen, um 0,9 kg zu. Die Kontrollgruppe, die ebenfalls beliebig viele, aber kaum verarbeitete Lebensmittel essen durfte, nahm um  0,9 kg ab. Der Artikel im Ärzteblatt ist leicht zu lesen und zu verstehen. Gesund Essen geht nicht mit dem ständigen Konsum hochverarbeiteten Lebensmittel einher.

Der Nutri-Score ist ungeeignet


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Interessant war für mich, dass der in Deutschland eingeführte Nutri-Score, mit dem gesundheitsfördernde und weniger gesundheitsfördernde Lebensmittel gekennzeichnet werden sollen, schlicht ungeeignet ist. Das Problem: Diese Angabe stützt sich auf die Nährwertangabe, was zu skurrilen Bewertungen führt. Im Artikel wird angeführt, dass Olivenöl mit der zweit schlechtesten Bewertung (D) gekennzeichnet werde. Im Gegenzug erhält mit Süßstoff versetztes Limonadengetränk die zweitbeste Bewertung (B). Die Aussage im Artikel: In Brasilien, Uruguay, Peru und Ecuador nutzt man die wissenschaftlich fundiertere NOVA-Klassifikation.


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