Microsoft nutzt KI zur Entdeckung von Windows-Schwachstellen, hadert aber mit Kosten und patzt bei CO2-Emissionen

CopilotMicrosoft setzt intern nach wie vor bereit auf KI-Lösungen und verwendet diese auch, um schneller Schwachstellen in Windows zu finden. Andererseits machen sich die negativen Aspekte des KI-Ansatzes bemerkbar. Microsoft muss wohl seine Kosten für den KI-Einsatz unter der Belegschaft massiv drücken. Und es gibt noch eine äußerst negative Entwicklung. Microsoft ist beim Greenwashing gescheitert und muss einen sprunghaften Anstieg der CO2-Emissionen durch KI eingestehen.

KI-Nutzung zur Entdeckung von Windows-Schwachstellen

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz verändert die IT-Landschaft gravierend. KI-gestützte Softwareanalyse zur Entdeckung von Schwachstellen legt oft hunderte an Sicherheitslücken offen. Angreifer machen sich dies für ihre Zwecke zunutze, und ich hatte die Tage im Beitrag Microsoft zur Windows Update-Strategie in KI-Zeiten die Empfehlungen Microsofts aufgegriffen. Microsoft hatte in einem Beitrag konkrete Empfehlungen gegeben, wie Administratoren auf die verkürzten Fristen vom Aufdecken einer Schwachstelle bis zum Beginn von Angriffen reagieren sollten.

Zum 9. Juli 2026 hat Pavan Davuluri, Executive Vice President, Windows + Devices, im Beitrag Evolving Windows vulnerability management to meet the speed of AI-powered discovery offen gelegt, wie Microsoft auf die Problematik der Schwachstellen in Windows reagiert. Durch den Einsatz von KI in der Sicherheitsanalyse können die Microsoft Sicherheitsexperten schneller Muster erkennen, Risiken priorisieren und die Erkennung von Schwachstellen in der gesamten Windows-Codebasis skalieren.

Dies trägt laut Pavan Davuluri dazu bei, die Zeit zwischen der Entdeckung von Schwachstellen und dem Schutz der Kunden mittels Patches zu verkürzen. Zu den von Microsoft genutzte Ansatz gehört der Einsatz des Multi-Model Agentic Scanning Harness (MDASH) von Microsoft Security, der mehrere Modelle nutzt, darunter führende KI-Modelle von Drittanbietern zur Erkennung von Schwachstellen.

Im Blog-Beitrag erklärt Pavan Davuluri: Um MDASH im Windows-Maßstab auszuführen, hat Windows eine dedizierte Cloud-Infrastruktur für das Scannen und Überprüfen eingerichtet. Eine Scanner-Pipeline scannt kritische Binärdateien und validiert Kandidaten mithilfe einer "Multi-Model-Debate" über mehrere Modellfamilien hinweg. Bestätigte Kandidaten werden anschließend an eine separate, Windows-spezifische Verifizierungs-Pipeline weitergeleitet, die dabei hilft, verbleibende Fehlalarme zu eliminieren, sodass nur die Ergebnisse mit der höchsten Konfidenz das Entwicklerteam erreichen.

Diese Automatisierung soll dabei helfen, ein größeres Volumen potenzieller Schwachstellen zu bewältigen und verkürzt das Überprüfungsfenster für neue Schwachstellen, wodurch sich das Angriffsfenster für Zero-Day-Exploits verringert. Im Blog-Beitrag hier nennt Pavan Davuluri wie man dies zur Verbesserung der Sicherheit nutzen möchte (via).

KI-Kostenexplosion und fehlende Kontrolle

Zum Wochenende bin ich auf divers Posts von Kevin Beaumont auf Mastodon gestoßen. In diesen Posts drückt er seine Verwunderung aus, dass viele Firmen keine Kontrolle über ihre AI-Kosten haben und ziemlich "unklug" beim KI-Einsatz vorgehen. Sein Beispiel: IT-Insider wissen, dass etwa 0,1 % der Belegschaft absolute Excel-Power-User seien. Aber 99 % der Mitarbeiter könnten nicht einmal eine Tabelle in Word ausrichten.

Niemand käme jetzt auf die Idee, allen Mitarbeitern Tools zur Verfügung zu stellen, die pro Nutzer und Monat viel Geld kosten, und sie damit alles Mögliche anstellen zu lassen. Aber bei KI passiert derzeit genau das – die Leute bekommen KI-Lösungen vorgesetzt und werden regelrecht gezwungen, diese zu nutzen. Führt dazu, dass die Leute E-Mails verfassen, und PDF-Dokumente konvertieren lassen, um KI-Nutzung nachzuweisen. Der Unsinn verschlingt horrende Summen und zwingt einige Firmen in die Knie. The Register hat in diesem Beitrag eine KPMG-Studie aufgegriffen, die zeigt, dass das Management kaum weiß, was mit KI-Nutzung in Firmen passiert und Schwierigkeiten habe, die Preismodelle zu verstehen und Kosten zu kontrollieren.

Im Beitrag KI-Splitter #2: Fährt die Branche mit Karacho gegen die Wand? hatte ich bereits angesprochen, dass Microsoft seinen Entwicklern Anthropic Claude Code größtenteils ab Juli 2026 weg nimmt und diese auf Microsoft Copilot umstellt. Die explodierenden Kosten waren der Grund. Martin Geuß hatte das zum 8. Juli 2026 im Beitrag Die Kosten müssen runter: Microsoft ersetzt OpenAI und Anthropic durch eigene KI-Modelle erneut aufgegriffen. Die Copilot-Nutzung bei Microsoft 365-Kunden ist laut diesem Artikel nach drei Jahren immer noch unter 4,5 %. Nur 1 % der Microsoft 365-Anwender nutzen das Tool wöchentlich, dennoch seien die Preise gestiegen. Kein gutes Geschäftsmodell für Microsoft.

Microsoft als CO2-Umweltsau

Vor genau einem Jahr hatte ich im Beitrag Energieverbrauch und funktionale Fails: KI auf dem Weg zum Crash? auf das Problem des Energieverbrauchs durch KI bzw. die KI-Rechenzentren berichtet. Und vor einem Jahr hatte ich den Beitrag Microsoft, die AI, die Erfolge und die "Kosten" (Greenwashing) im Blog, der auf den steigenden CO2-Ausstoß Microsofts durch den AI-Hype hinwies.

In den USA baut sich ein enormer Widerstand gegen KI-Rechenzentren auf, denn Anrainer leiden unter massivem Lärm durch Turbinen von Gas-Kraftwerken, fehlendem oder verschmutztem Wasser (die Kühlung der Rechenzentren sorgt für Wassermangel) und massiven Preissteigerungen für Energie (Strom).

In diesem Tweet wird darauf hingewiesen, dass irische Rechenzentren mittlerweile 23 % des gesamten Stroms des Landes verbrauchen. Der Verbrauch stieg um weitere 10 %, während die Beschränkungen für die meisten neuen Netzanschlüsse im Raum Dublin bestehen blieben. Quelle ist The Register.

Zurück zu Microsoft: Zum 9. Juli 2026 haben Brad Smith, Vice Chair and President bei Microsoft and Melanie Nakagawa, Chief Sustainability Officer, den Responsibly building the AI future vorgelegt. Es geht um den Nachhaltigkeitsbericht von Microsoft, der nicht gut ausschaut. Verpackt in viele Worte kommt heraus, dass Microsofts Gesamt CO2-Emissionen im Vergleich zum Vorjahr um 25 % gestiegen sind. Das ist in erster Linie auf den Ausbau der Microsoft Rechenzentrumsinfrastruktur zurückzuführen – und Redmond hat keine "CO2-Zertifikate" mehr gekauft, um Ablasshandel beim CO2-Ausstoß zu betreiben. Ich verlinke an dieser Stelle mal zu Martin Geuß und Dr. Windows, der zum 10. Juli 2026 diese Geschichte im Beitrag Umweltverpester Microsoft: KI lässt die Emissionen explodieren aufgegriffen hat.

Nur mal langsam zum Mitschreiben: Microsoft steigert massiv seinen CO2-Ausstoß, will die horrenden Token-Kosten für OpenAI- und Anthropic-Modelle für seine Mitarbeiter nicht mehr zahlen und hat, trotz vieler verbrannter Milliarden US-Dollar nach drei Jahren immer noch unter 4,5 % zahlender Microsoft 365-Copilot-Nutzer. Und das Ganze soll eine Erfolgsgeschichte sein? Irgendwie bin ich immer noch am Rätseln, wo ich was falsch verstanden habe.

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9 Kommentare zu Microsoft nutzt KI zur Entdeckung von Windows-Schwachstellen, hadert aber mit Kosten und patzt bei CO2-Emissionen

  1. Tomas Jakobs sagt:

    Ein Unternehmen, dass massiv Mitarbeiter in QA und Security seit einem Jahrzehnt abbaut, sich öffentliche Tiraden mit Security-Forschern leistet und überall statt dessen genAI und Agentic-Gaggelfax für Heilsbringer hält. Ein solches Unternehmen beschwert sich nun, dass es der Flut an Security-Hinweisen nicht mehr Herr wird.

    Herrlich!

    Dass noch jemand diese Typen Ernst nimmt und deren Krempel nutzt,
    das ist für mich der eigentliche Skandal.

  2. Jürgen sagt:

    Vorsicht, ich denke, dass Du da zwei Themen vermischst.
    1) Office hat jede(r) bekommen, egal ob man nur PowerPoint für ein paar Slides nutzt, Outlook für Mails oder Word, Excel, Teams…
    Jede(r) hat die entsprechende Verwendung gefunden.
    KI kann man jetzt noch nicht abschätzen. Einstieg z.B. mit Copilot Chat, ggf. ergänzt um einige bezahlte Aktionen.
    PowerUser mit M365 Copilot, ggf. ergänzt um einige bezahlte Aktionen und mit Budgets.
    M365 Copilot ist für mich auch ein Stück "Barrierefreiheit" – Dinge rasch erkennen und verstehen. Einfach auf etwas draufhalten, z.B. zum Übersetzen oder im Teams-Meeting die sprechende Person in meine Sprache übersetzen lassen.
    Im Transkript/Mail Dinge finden, die man zuvor vielleicht überlesen/überhört hat. Vermutlich gibt es auch Menschen die damit einen Teil ihres Aufmerksamkeitsdefizits reduzieren können. Im Sinne von Nachteilsausgleich würde ich Menschen die sie benötigen eine Copilot Lizenz geben, egal ob was damit für sie einfacher wird.
    Cowork ist für mich ein Werkzeug, das meine Arbeitsweise stark verändert hat. Ich würde behaupten zum positiven. Klar, das kostet aktuell noch richtig Geld.

    Wo ich zustimme ist, dass die CO2 Bilanz grottig ist.
    Was ich vermute ist, dass es hier Fortschritte geben wird. Kleinere, sparsamere Modelle, neue Herangehensweise… die ersten Dinge tauchen am Horizont auf. Nicht immer brauch man Klaus… manchmal reicht auch ein SLM oder spezifisches Modell.
    Wenn dann die Modelle auf optimierte Hardware treffen und vielleicht Kontexte/Prompts besser definiert sind… dann wird es spannend und sparsam.
    Insofern… Müll in, Müll out – gutes Prompts, richtige Wahl des Modells und etwas Übung, dann spart man sehr viele Tokens.

  3. Bolko sagt:

    Zitat:
    "scannt kritische Binärdateien"

    Warum scannt Microsoft die Windows-Binärdateien anstatt direkt den Windows-Source?
    Ist der Windows-Source so geheimt, dass ihn Mitarbeiter und KI nicht sehen dürfen?

    • Gelbfues sagt:

      Berechtigte Frage. Allerdings wäre auch zu berücksichtigen, dass die eine oder andere Backdoor sicherlich erst auf Compiler bzw. Linker Ebene usw. eingeschleust wird. Wobei man hier wohl davon ausgehen kann, dass diese dann eher auch weder von (normalen) Mitarbeitern noch von "KI" gesehen werden sollen.

    • viebrix sagt:

      habe ich mich auch gefragt.
      Aber wer weiß – vielleicht ist das Programmieren auch schon outgesourced in ein Sub-Unternehmen in einem anderen Land – so wie es mit der Wartung der Cloud Services auch früher gemacht wurde.

      Die Erklärung mit der Compiler-Chain klingt aber auch sehr logisch

  4. Rolf sagt:

    Meine KI sagt mir nun dieses zum Thema:

    Zitat:
    "Er trägt eine Mitschuld an der Öffnung der „digitalen Büchse der Pandora", und dies lässt sich nicht rückgängig machen, da er kein Widerrufsrecht besitzt."

    Haha!

    btw: Dieses "Billboard" letzte Woche über "seinem besten Freund" in Cincinnati gesehen..
    https://postimg.cc/cgCSbhgC

  5. Stefan Kanthak sagt:

    The most important guidance is to stay current and take security updates as soon as possible. Timely patching is one of the most effective ways to reduce exposure, especially as AI accelerates the speed at which vulnerabilities can be discovered and exploited.

    Wenn der Herr Pavaluri doch nur seine Handlanger endlich anweisen würde, dieses Zitat auf die von seinem Unternehmen in den eigenen Produkten verwurstete FOSS-Software wie cURL, 7zip, Info-Zip, etc. anzuwenden…

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