Unschöne Geschichte, die mich hier in den Blogs auch getroffen hat. Die beiden Plattformen nitter.net und xcancel.com, über die man Inhalte von x.com abrufen konnten, sind derzeit abgeschaltet. Hintergrund sind juristische Schritte, die Anwälte von X in den USA unternommen haben.
Was sind nitter.net und xcancel.com?
Sowohl nitter.net als auch xcancel.com sind zwei Plattformen, mit denen Nutzer, die kein Konto beim ehemaligen Dienst Twitter (daher der Name Nitter), heute x.com, unterhalten, auf die Inhalte zugreifen konnten. Das Ganze hatte zwei Gesichtspunkte:
- Wer einen Twitter-Link über nitter.net abgerufen hat, konnte den Tweet genau so sehen, wie jemand mit einem Twitter-Konto. Das Gleiche gilt für die Plattform xcancel.com, deren Name von der Plattform X abgeleitet ist.
- Nachdem Twitter durch Elon Musk übernommen worden ist, und der neue Eigentümer durch "eigenwillige Aussagen" auffiel und separierte, waren beide Plattformen eine Lösung, um Inhalte auf X zu thematisieren, ohne die Benutzer vom x.com zu leiten. Es war quasi die datensparsame Variante, um auf x.com mitzulesen.
Der letztgenannte Punkt der Angeboten von nitter und xcancel ist quasi das, was die AI-Anbieter und Suchmaschinen sich herausnehmen (Webinhalte scannen, etwas derivieren und auf dem eigenen Angebot darstellen).
Die Angebote genutzt, aber nicht zuverlässig
Ich habe hier in meinen Blogs eine Zeit lang nitter.net verwendet, wenn ich Tweets zitieren, aber nicht direkt auf Twitter bzw. jetzt x.com verlinken wollte. Dann musste ich irgendwann feststellen, dass nitter.net nicht mehr zuverlässig arbeitet und später sogar ganz abgeschaltet war. Ich habe daher wieder auf nitter.net verzichtet. Plötzlich waren alle nitter.net-Links gebrochen und ich musste diese wieder umsetzen.
Vor einige Zeit haben Blog-Leser dann in Kommentaren auf xcancel.com als neues Angebot hingewiesen. Habe ich nach einem kurzen Test gerne genutzt – in Blog-Beiträgen hier wurde i.d.R. auf xcancel.com verlinkt (bei einigen wenigen Tweets klappte das aber nicht, warum auch immer). Leider bin ich dadurch erneut reingefallen.
nitter.net und xcancel.com gesperrt
Die Tage habe ich dann festgestellt, dass xcancel.com irgendwie nicht mehr funktionierte. Blog-Leser Norddeutsch hat es dann im Diskussionsbereich aufgegriffen und schrieb, dass XCancel, der Community Proxy für X (Twitter) aufgrund rechtlicher Schritte suspended sei. Seit kurzem meldet XCancel:
On Monday 24th August at 8PM EST, we received at letter from X Corp. asking to cease and desist the service XCancel.
The service XCancel is stopped until further notice.
We are seeking legal advice and won't share more details for now.Thank you for the trust you have put in these two years of XCancel.
Auf der Seite von nitter.net findet sich ein fast gleichlautender Text, wie ich gerade gesehen habe:
On 24 August 2026 cease and desist letters have been sent by X Corp. demanding a permanent takedown of Nitter instances and the project's repository.
nitter.net is offline and development has stopped for the time being. I'm seeking legal advice and won't be commenting further on the specifics for now.
Thank you to everyone who used, hosted, packaged, donated and contributed to Nitter over the past seven years.
Norddeutsch hat es auf den Punkt gebracht: "Damit brechen auch hier sofort alle datensparsamen Links auf XCancel weg" und fragte "Hat jemand Workarounds?" Einen Workaround habe ich nicht. Fakt ist allerdings, dass beide Angebote damit von jetzt auf gleich verschwunden sind. Ich habe als Sofortmaßnahme die betreffenden Links in meinen Blogs, die damit gebrochen waren, auf x.com geändert, damit die Angeboten wieder abrufbar werden.
heise hat das Ganze ebenfalls in diesem Beitrag aufgegriffen. Norddeutsch hatte dann noch auf den Artikel von Techchrunch verwiesen, die das Thema aufgegriffen haben. Ein Vorwurf der X-Anwälte lautet "scraping" per API, schrieb Norddeutsch und merkt an, dass der Schutz gegen Bots bei XCancel oder Nitter aus seiner Sicht recht stark sei. Norddeutsch merkte ergänzend an, dass die KIs von BigTech – dazu gehört auch Grok von X – das Internet und Community Content zum Lernen leer räumen. Norddeutsch meint, dass Selbst- und Fremdbild oder Wahrnehmungsschwelle bei X stark zu differieren scheint.
Noch ein paar Gedanken
Die Abschaltung der beiden Plattformen ist ein juristisches Thema, welches wohl nur in den USA so passieren kann. Die von Elon Musk beschworene "Meinungsfreiheit", die dann imho auch die Freiheit von Nitter und Xcancel umfassen müsste, wird da schnell auf dem Altar der US-Gesetze geopfert. Egal wie die obige Choose ausgeht, als Blogger stehe ich vor einem simplen Problem: "Wenn ich laufen will, darf ich mir die Beine nicht weg säbeln". Sprich: Einfach das Konto bei x.com schließen und auf Mastodon sowie BlueSky weiter machen, denn dort betreibe ich seit Jahren Konten, wäre die Option, bei der ich mir aber bildlich gesprochen "die Beine weg säbele".
Ich hatte es im Diskussionsbereich bereits erwähnt: Derzeit erreiche ich bei BlueSky zwar eine hohe Zahl an Rückmeldungen, bekomme aber nicht die relevanten Kanäle, die mir Informationen zuführen, angezeigt. Bei Mastodon gilt ähnliches. Die Algorithmen auf X, die meine Timeline befüllen und meine Posts auf X in die Timeline meiner Follower schieben, sind schon gut. In Punkto Informationsgewinnung steht X als Primärquelle derzeit für mich leider an Nummer 1.
Das Einzige, was ich an Domestizierung leisten kann: Keine Tweets direkt einbetten, sondern Screenshot von Tweets verwenden und den Link auf den Tweet seiten, falls die Quelle relevant für die Leserschaft ist (z.B. für Folge-Tweets oder Antworten). Es bleibt schwierig (genau wie bei Facebook). Jeden Tag stirbt ein Stück mehr (Internet-)Freiheit.



MVP: 2013 – 2016





Naja das freie Internet birgt eben Vor- & Nachteile… nur die Vorteile einsacken ist eben nicht! Gibts eben nur im Paket.