Essen: Vorsicht vor schwarzen Lebensmitteln …

GesundheitEs war die Schlagzeile ‘Finger weg von schwarzen Lebensmitteln’, die mich aufhorchen ließ. Was war damit gemeint? Kein Black Food wie schwarze Oliven, schwarze Johannisbeeren, Aronia-Beeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Auberginen oder schwarzen Bohnen mehr essen? Das ist doch alles aber sehr gesund. Konnte da Angebranntes wie Brot, Toast oder Fleisch mit gemeint sein? Auch Lakritze ist schwarz. Hat mich neugierig gemacht … und dann habe ich noch mehr gestaunt.


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Nichts von alledem war mit der Warnung gemeint. Aber es gibt einen neuen Nahrungstrend, bei dem Lebensmittel mit Zusatzstoffen schwarz eingefärbt werden. Von Brötchen über schwarze Nudeln (mit Tintenfisch-Tinte gefärbt) bis hin zu schwarzem Wasser (mit Fulvinsäure eingefärbt) ist wohl alles erhältlich. Eine Suche nach ‘schwarze Lebensmittel’ ergibt vor allem Treffer für schwarze Lebensmittelfarbe. Aber auch mit Aktivkohle kann man Lebensmittel einfärben.

Falsche Versprechungen

Die mit Aktivkohle versetzten Lebensmittel sind zwar geschmacklich gleich zu normalen Pendants, werden dabei aber als ‘gesundheitsfördernd’ angepriesen. Von Entgiftung bis was weiß ich ist alles an Heilsversprechen dabei. Gut, appetitlich sehen die Lebensmittel für mich nicht aus – aber wenn es Trend ist, wird sich nicht jeder verweigern. RP-Online hat das Thema in diesem Artikel aufgegriffen. Da die Lebensmittel meist mit Aktivkohle zubereitet werden, ist das bedenklich. Aktivkohle ist zwar im medizinischen Bereich, z.B. bei Durchfall, in Gebrauch. Wer aber zu viel davon zu sich nimmt, riskiere Mangelerscheinungen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Risiko bei Arzneimittelgebrauch

Es gibt aber noch eine gänzlich andere Gefahr, auf die Professor Matthias Melzig vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin hinweist: „Die Kohle bindet sowohl Arzneimittel als auch sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe“.

Medikamente
(Quelle: Pexels, CC0 Lizenz)

Das das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass ”dieses große Saugpotenzial sich für Patienten, die regelmäßig Medikamente schlucken und gleichzeitig schwarze Smoothies trinken, nachteilig auswirken kann. Auch die Wirkung von Medikamenten wie die Antibabypille kann beeinträchtigt werden, und in hoher Dosis kann es zu Verstopfung kommen.”

Untersuchung von Studenten

Die Hochschule Biberach hat Studierende schwarze Lebensmittel und ihre Wirkung auf Medikamente untersuchen lassen. Denn dort wollte man es genauer wissen, was schwarze Nahrungsmittel tatsächlich im menschlichen Körper bewirken, etwa im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten, wie die Pressemitteilung erläutert.

Konkret hat ein Studententeam der Fakultät Biotechnologie untersucht, was geschieht, wenn junge Frauen ein Verhütungsmittel wie die Pille zusammen mit dem schwarzen Trendgetränke schlucken. Denn Aktivkohle hat eine sehr große, poröse Oberfläche und wird bei akuten Vergiftungen verabreicht, um die Giftstoffe zu binden. Isabel Fouquet, Patrick Kopp, Iman Shrimo und Ramona Walder stellten sich die Frage: Trifft dieser Mechanismus auch auf die Minipille und den darin enthaltenden Werkstoff Desogestrel zu? Beeinträchtigt Aktivkohle also die empfängnisverhütende Wirkung? Die Ergebnisse ihres Experiments sind eindeutig – und „absolut relevant für die Öffentlichkeit”, sagt die betreuende Professorin Dr. Katharina Zimmermann. Sie rät: „Finger weg von mit Aktivkohle versetzten Lebensmitteln, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden”.


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Die Studierenden recherchierten zunächst, dass mindestens 80 Prozent des Wirkstoffs für eine verhütende Wirkung aufgenommen werden müssen. Anschließend untersuchten sie, ob sich die Pille nach der Einnahme kleiner Mengen schwarzen Wassers überhaupt noch nachweisen lässt und eine ausreichende Menge Desogestrel für die empfängnisverhütende Wirkung zur Verfügung steht. Bei einer Testreihe wurde eine handelsübliche Tablette mit 75 Mikrogramm Desogestrel jeweils:

  • in 50 Milliliter schwarzem Wasser aufgelöst und die Menge an freiem Wirkstoff, der nicht an Aktivkohle gebunden ist, bestimmt.
  • Als Gegenprobe wurde der gleiche Versuch mit reinem Wasser durchgeführt.

Wurde das Medikament in reinem Wasser aufgelöst, ist der Wirkstoff sehr gut nachweisbar. Bei den Proben, die in mit Aktivkohle versetztem (schwarzem) Wasser aufgelöst wurden, konnte dagegen kein freier Wirkstoff nachgewiesen werden: Die verbleibende Menge lag unterhalb der Nachweisgrenze und damit natürlich auch unterhalb der Menge, die für die verhütende Wirkung notwendig ist.

Nun dürfte der Kreis der Blog-Leserinnen für auf die Minipille angewiesen sind, in der Gruppe 50Plus begrenzt sein. Aber viele Ältere sind auf täglich zu nehmende Medikamente angewiesen, und es ist anzunehmen, dass dort die gleichen Wirkungsmechanismen gelten. Wer keine schwarzen Lebensmittel konsumiert, aber häufiger auf medizinische Kohle zurückgreifen muss, sollte diese Wechselwirkung auch beachten. 

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