Neue Erkenntnisse zur Himmelsscheibe von Nebra

Die aus der Bronzezeit vor 3600 Jahren stammende Himmelsscheibe ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts. Untersuchungen haben nun neue Erkenntnisse gebracht. Im Sommer soll dann eine neue Ausstellung stattfinden.


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Die Himmelsscheibe von Nebra, eine 3700 bis 4100 Jahre alte, kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, ist die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung. Das Artefakt der Aunjetitzer Kultur aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas zeigt astronomische Phänomene und religiöse Symbole. Längere Zeit nach der Entstehung eingearbeitete Gold-Tauschierungen und die vermutlich bewusste Vergrabung vor etwa 3600 Jahren lassen den Schluss auf einen längeren, möglicherweise religiösen Gebrauch zu.

Himmelsscheibe von Nebra
Himmelsscheibe von NebraDbachmann, CC BY-SA 3.0

Gefunden wurde sie am 4. Juli 1999 von Raubgräbern auf dem Mittelberg in der damaligen Gemeinde Ziegelroda nahe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle. Den Ort, an dem die Himmelsscheibe 3600 Jahre im Boden lag, überwölbt das „Himmelsauge", eine Scheibe aus poliertem Edelstahl. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Auf der Seite des Landesmuseums für Vorgeschichte lassen sich Details zur Fundgeschichte und zur Bedeutung der Scheibe nachlesen. Der Hortfund von Nebra besteht aus ca. 4 kg Bronze und 50 g Gold: eine beachtliche Menge. Woher stammte das Material? Kupfervorkommen gibt es in der Region, doch die Forschungsergebnisse verweisen auf eine andere Quelle und einen ausgedehnten Fernhandel. Die Spuren gehen ins europäische Ausland, nach Österreich und England.

Der Hortfund von Nebra ist laut Landesmuseum für Vorgeschichte wohl einer der naturwissenschaftlich am intensivsten erforschten archäologischen Fundkomplexe überhaupt. Die Untersuchungen begannen mit der Sicherstellung im Jahre 2002 und verliefen bis Ende 2007. Sie umfassten die chemische und physikalische  Charakterisierung des Materials mittels Röntgenfluoreszenzanalyse, Synchrotron-RFA, Röntgendiffraktometrie, Computertomografie, Isotopen/Massenspektroskopie, Metallografie, Licht- und Rasterelektronenmikroskopie und vieles mehr.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf Fragen der Herstellungstechnik, der Herstellungsgeschichte, Fragen zu ›Echtheit‹ und Herkunft der Objekte und ihrer Rohstoffe. Die Himmelsscheibe ist ein Werk der Schmiedekunst. Der Handwerker, der die Scheibe aus einem rohen Gusskuchen aus Weichbronze auf die Größe von 32 Zentimetern Durchmesser austrieb, hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch er wusste sich zu helfen, kannte bereits technologische Kniffe, wie er sich das widerspenstige, zähe Metall gefügig machen konnte.

Mit Metalleinlagen versehen, stehen die Funde von Nebra auch in technologischer Hinsicht im mitteleuropäischen Raum nahezu einzigartig da. Die Himmelsscheibe ist nicht in einem Arbeitsgang entstanden, schreiben die Wissenschaftler. Immer wieder wurde sie verändert, die verschiedenen Handwerkergenerationen hinterließen ihre jeweils eigene Handschrift auf dem Kultobjekt. Es sollte wohl immer wieder den veränderten rituellen Bedürfnissen und sich ändernden Weltbildern angepasst werden.


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Röntgenuntersuchungen haben jetzt mikroskopisch kleine Spuren aufgedeckt, die als Vorzeichnungen zur Bearbeitung der Scheibe gedeutet werden – schreibt SPON hier. Die Handwerker wischen vom ursprünglichen Entwurf ab und die Scheibe muss mehrfach bearbeitet worden sein. Und ZON berichtet hier, dass eine Schau "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte" vom 4. Juni bis zum 9. Januar 2022 mit rund 400 Ausstellungsstücken im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen sein werde.


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