Das Kamel und das Nadelöhr: Das perfekte Foto mit Sonnenfinsternis

Perfektes Foto einer partiellen Sonnenfinsternis mit KamelEs gibt so Fotos, die siehst Du und denkst Wow! Genau das ging mir bei einem Foto durch den Kopf, welches bei einer partiellen Sonnenfinsternis 2020 in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen wurde. Es zeigt die Sichel des Vollmondes – Sichel, weil der Mond sich partiell über die Sonnenscheibe geschoben hatte. Und im Vordergrund ist eine Düne in der Wüste mit einem Kamel vor dem Sonne zu sehen – ein perfektes Foto. Hier ein paar Informationen und die Geschichte dazu.


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Das in nachfolgendem Tweet eingebundene Foto mit der beschriebenen Szene ist mir bereits mehrfach auf Twitter unter die Augen gekommen. Die Aufnahme hat Symbolcharakter, ist in den Ländern der arabischen Halbinsel der Halbmond im Islam gebräuchlich und Kamele gibt es auch. Zudem ist mit noch der Spruch "eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass einem so ein Foto gelingt" noch im Ohr – wobei ich mir unsicher bin, ob der Text wirklich so im Originalzitat existiert oder eine Ausgeburt meiner Phantasie ist. Aber egal – was ist, abseits meiner obigen Beschreibung, noch zu dem Foto zu sagen, außer dass es schön ist?

Perfektes Foto einer partiellen Sonnenfinsternis mit Kamel
Sonnenfinsternis in den UAE, Image Credit & Copyright: Joshua Cripps

Die Geschichte hinter dem Foto

Das Foto muss am 10. Januar 2020 entstanden sein, denn an diesem Tag gab es eine sogenannte Halbschattenfinsternis des Mondes (siehe). Das Foto zeigt genau den Augenblick, als der Schatten der Erde das Maximum des Mondes bedeckt. Damit ist nur noch die Mondsichel am kupferfarbenen Himmel zu sehen. Alleine dies wäre schon Wow, wenn man noch den Schattenriss der Düne im Vordergrund bedenkt.

Aber der Fotograf hat noch ein bisschen gezaubert und von einer Position aus fotografiert, wo das Kamel und der Kamelführer auf der Düne genau zwischen Betrachter und Mondsichel zu stehen kommen. Durch das restliche Sonnenlicht wird der Schattenriss des Kamels an den Rändern beleuchtet, genau wie der Strick, den der Kamelführer in der Hand hält. Ein wahrhaft ikonisches Foto, dass aber akribisch vorher geplant und arrangiert wurde.

Das Bild wurde von der NASA als Astronomie-Foto des Tages für den 10. Februar 2020 auf dieser Seite veröffentlicht. Die NASA-Astronomen schreiben dazu: Dass für diese beeindruckende Überlagerung verschiedener Motive im Foto es einer gut geplanten Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate, einer sorgfältigen Ausrichtung und einer genauen Zeitplanung am Tag der Finsternis bedurfte. Es war vorher bekannt, dass keine vollständige Sonnenfinsternis zu beobachten sein wird. Das resultierende Bild zeigt eine teilweise verfinsterte aufgehende Sonne als Sichel. Etwas später bedeckte der Mond die Sonne so, dass eine ringförmige Verfinsterung, die als Feuerring bekannt ist, entstand.

Der Fotograf hat die Aufnahme aber zu einem Zeitpunkt gemacht, als die Sonnenfinsternis eine Sichel zeigte. Und Mann samt Kamel standen im Vordergrund auf einer Düne. Die zur Kamera gerichtete Streuung des Sonnenlichts wird durch eine quantenmechanischen Beugung erzeugt. Diese Streuung verleiht dem Kamelhaar und den Seilausfransungen ein ungewöhnliches Leuchten.

Der Fotograf ist Joshua Cripps, der eigentlich nie geplant hat, ein Fotograf zu werden. Der junge Mann kauft erst mit 25 Jahren seine erste Kamera, absolvierte aber ein Ingenieurstudium in Raumfahrttechnik (er wollte als Kind Astronaut werden). Nach dem Studium reiste er durch Neuseeland, um "sich selbst" zu finden und den Lebensstil aus den USA abzulegen. Er versuchte sich als Autor durchzuschlagen und schoss einige Fotos, die aber kaum Aufmerksamkeit bekamen. Mitte 2005 war er so gut wie pleite und kehrte in die USA, in seine Heimat Kalifornien, zurück.

Damals reifte die Erkenntnis, dass das "Abenteuerleben als Globetrotter" irgendwie doof sei (kein Geld), und seine Kenntnisse in Mathematik und aus dem Ingenieurstudium vielleicht nicht so ganz verkehrt seien, wenn man Geld verdienen muss. Er nahm eine Stelle als Entwickler von Kommunikationssatelliten bei Boeing an – eigentlich ein guter Job. Aber jedes Jahr nahm er sich mir zwischen vier und fünf Wochen frei, um irgendwohin zu fahren. Der erste Trip ging nach Alaska, wobei er eine Nikon D50 Spiegelreflex-Kamera mit nahm. Und so entstanden zwar Fotos, die aber unbrauchbar waren. Aber die Saat als Fotograf war gesät.


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So 2008 konnte er erste Fotos verkaufen. Hätte mit dem Job bei Boeing und den Hobby-Fotos noch bis zur Rente weiter laufen können. Aber im Rahmen der Finanzkrise litt die US-Wirtschaft und Boeing entließ Tausende von Mitarbeitern. Mit dem Floh im Ohr "icke bin Fotograf und krisch richtisch Kohle für meine Bildchen" ging er zu seinen Chefs. Dort kündigte er, weil er es als Vollzeit-Fotograf versuchen wollte.

Erinnert mich an meine eigene Vita – denn nach einem Studium der Physikalischen Technik landete ich zuerst für kurze Zeit in der Luft- und Raumfahrtindustrie, um dann in der Chemieindustrie zu arbeiten. Und irgendwann im Alter von 38 Jahren stand die Frage im Raum "war es das, bis zur Rente". Ich bin dann auch gesprungen, nicht als Fotograf, sondern als Computerbuch-Autor. Ich habe noch das Bild am Strand auf Mallorca vor Augen, als ich auf einer Strandliege in der Abendsonne die Entscheidung traf. Meine beiden kleinen Kinder spielten im Sand und ich stellte meiner Frau die Frage "soll ich springen". Und sie meinte "mache es, ich will mit 50 keinen Mann an meiner Seite habe, der es bereut hat, nie den Schritt in die Selbständigkeit zu versuchen". Sind jetzt 28 1/2 Jahre her, zu Beginn wäre ich fast abgesoffen, aber es war die richtige Entscheidung für mich.

Joshua Cripps gibt in seiner Vita auch zu, dass ein eine völlig naive Entscheidung von ihm war, denn er hatte keine Ahnung, wie man eine freiberufliche Tätigkeit aufzieht, Kunden gewinnt und Einkommen zu generieren. Ich habe es etwas besser hingebracht. Cripps krebst jedenfalls als Fotograf recht erfolglos herum, musste sogar ein halbes Jahr wieder als Berater für Technik anheuern, um Kreditkartenschulden abzustottern und beantragte sogar Arbeitslosengeld (dank Obama wohl kurzzeitig möglich). Im Jahr 2012 konnte er dann 100 % seines Einkommens aus Fotoaufträgen generieren.

2014 erhielt er dann eine E-Mail von Nikon, wie er hier schreibt, in der man ihn bat, bei der Erstellung von Beispielfotos für die internationale Vermarktung der D750-Kamera zu helfen. Er verbrachte neun Tage damit, mit einem Prototyp der D750 durch Yosemite und die östliche Sierra zu streifen und Fotos zu machen, die die bemerkenswerten Funktionen der Kamera zeigten. Diese Fotos wurden auf Nikons Website und in Werbematerialien auf der ganzen Welt veröffentlicht. Das war der Durchbruch für Cripps als Fotograf und er konnte fortan durch die Welt für Fotoaufnahmen reisen. Im Januar 2020 gelang ihm dann das obige ikonische Foto, was von der NASA, Nikon und vielen Medien aufgegriffen wurde.

Fürwahr eine beeindruckende Geschichte, die das "lebe deine Träume" am Ende des Tages perfekt umgesetzt hat. Er hat sein Talent und seine Begabung umsetzen können. Aber das Ganze war in Punkto Erfahrung so etwas wie "rocky road to hell". Als freier Autor und Blogger im Bereich IT kann ich davon "jeden Stein genau nachfühlen", auch wenn ich auf meinem Weg bis heute die ganz tiefen Schlaglöcher meist vermeiden konnte.

PS: Ein weiteres ikonische Foto findet sich hier: Eine verzerrte Sonnenfinsternis beim Sonnenaufgang über dem Meer.


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