Firmen haben keine Kontrolle über ihre AI-Kosten

Spannende Aussage von Beratungsunternehmen KPMG, welches behauptet, dass die meisten Firmen bezüglich Ausgaben für KI "im Blindflug" operieren und erst an der monatlichen Abrechnung sehen, was das AI-Abenteuer kostet. Die Finanzabteilungen schlagen Alarm und suchen händeringend nach Lösungen, um die Kosten in Echtzeit zu kontrollieren und Auswüchse, die auf das Budget durchschlagen, zu beschneiden.

Kleiner Rückblick

Ich hatte ja die Tage im Blog-Beitrag Zerschellt der KI-Traum an den gigantischen (Token-)Kosten? skizziert, dass US-Firmen in Sachen KI-Kosten ziemlich im Blindflug unterwegs zu sein. Das autonome Taxi-Unternehmen Uber hat sein KI-Jahresbudget für 2026 in einem Monat verbrannt. Microsoft rudert beim Einsatz von Claude Code zurück, die Mitarbeiter bekommen ab Juli 2026 wieder Copilot. Und es wird kolportiert, dass ein Unternehmen 500 Millionen US-Dollar AI-Kosten in einem Monat angehäuft habe. Das Unternehmen (ich tippe mutmaßlich auf Amazon) hält Mitarbeiter an, KI nur noch sinnvoll einzusetzen. Aus allen diesen Berichten schimmert aber "die Firmen haben keinen Schimmer, welche KI-Kosten verursacht werden und erfahren das erst aus der Abrechnung" durch.

KPMG legt Zahlen vor: Blindflug bei KI-Kosten

Die Tage bin ich dann auf eine Bestätigung gestoßen, dass die Firmen, was das Monitoring und die Kontrolle der laufenden AI-Kosten betrifft, im Blindflug operieren.

KI-Kostenkontrolle

Ed Zitron hat es in obigem Tweet aufgegriffen: Die Umstellung der Abrechnung von KI-Rechenleistung auf eine nutzungsbasierte, Token-gestützte Abrechnung, hat die Firmen kalt überrascht. Die neuen Abrechnungsmodi stellen selbst die erfahrensten Finanzteams vor neue Herausforderungen. Finanzvorstände, die es gewohnt sind, Pauschalbeträge für Technologie zu zahlen, müssen gerade lernen, dass die Kosten für KI-Rechenleistung  unvorhersehbarer geworden sind.

Von KMPM gibt es eine Umfrage, die das Wallstreet Journal (WSJ) im Artikel The Metric CFOs Struggle to Track: AI Usage öffentlich gemacht hat.

  • Danach haben lediglich 26 % der Unternehmen (also gerade 1/4) einen umfassenden Überblick über ihre laufenden KI-Kosten.
  • Bei 50 % der Unternehmen ist es so, dass diese einen gewissen Einblick haben, was die KI an Kosten verursacht.
  • Bei 22 % der Unternehmen heißt es "keinen Plan und kein Konzept", auch keinen Überblick, was die KI-Party kostet. Diese Unternehmen erfahren die laufenden Kosten erst nach der Rechnungsstellung, böse Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Man kann es auch platt ausdrücken: 3/4 der Unternehmen sind im Blindflug unterwegs, wenn da jemand irgend etwas mit KI macht. Im Wallstreet Journal Artikel werden Beispiele für Kostenexplosionen genannt, und die Controller sowie Vorstände der Unternehmen machen Handstände, um die KI-Nutzung auf ein akzeptables Maß zurück zu stutzen. "The AI-Party isch over", hätte Wolfgang Schäuble gesagt.

Ed Zitron, der die AI-Welle kritisch begleitet, schreibt in obigem Tweet: "Die Führungskräfte werden in Echtzeit von ihrem eigenen Ego hinters Licht geführt. Wäre dies ein von einem Mitarbeiter initiiertes Projekt, wäre es innerhalb eines Monats begraben worden. Da die Führungsriege unter einer KI-Psychose leidet, nehmen sie es hin, keine Echtzeit-Ausgabeninformationen zu haben. Die Geldbörse wird kontrolliert!"

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Zerschellt der KI-Traum an den gigantischen (Token-)Kosten?

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24 Kommentare zu Firmen haben keine Kontrolle über ihre AI-Kosten

  1. Gänseblümchen sagt:

    Ja, die KI-Anbieter haben da jetzt wohl einen Weg gefunden, ihre Kunden wie die Weihnachtsgans auszunehmen. Man kann auch beim Prompten garnicht einschätzen, wieviele "Tokens" eine aktuelle Frage denn kostet? Wieviele Tokens habe ich noch, wieviele habe ich schon aufgebraucht? Mir zum Beispiel ist auch nicht klar, wie sowas berechnet wird, nach Antwortlänge, Anzahl Buchstaben, Absätzen, Anzahl Agentenklicks in meine Programme, wie quasselfreudig die KI gerade ist? Diese Kostenfalle könnte dann tatsächlich der Sargnagel zur ungehemmten Verbreit(er)ung der KI-Nutzung werden. Ist den Firmen die versprochene Arbeitsleistungssteigerung ihrer Mitarbeiter tatsächlich das wert, wird anderswo, z.B. an der Arbeitszeit der Mitarbeiter eingespart, oder wo sonst, um diese Technologie nutzen zu können?

  2. Daniel A. sagt:

    Das dürfte dann der Punkt sein, an dem der ganze KI Hype dann anfängt zu sterben. Die Kosten waren schon immer der Pferdefuß an der Sache, der bisher aber von vielen ignoriert wurde. Es war eigentlich klar, dass die KI-Firmen über kurz oder lang die Preise massiv anziehen müssen, um irgendwie die massiven Kosten für Hardware und Betrieb wieder rein zu bekommen.
    Und die Firmen die KI nutzen, müssen spätestens jetzt schauen, wo der Kram tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar ist, anstatt auf Teufel komm raus auf alles KI zu werfen. Die Kosten und Nutzen liegen für die meisten Firmen meiner Meinung nach weit auseinander, was dann den Hype hoffentlich bald mal auf ein realistisches Maß eindampft.

    • viebrix sagt:

      Ich hatte schon 2019 auf diesen Artikel:
      ttps://www.boerse.de/boersenwissen/boersengeschichte/Die-Eisenbahnaktien-Hausse-in-Deutschland-1842-1848-80
      im Zusammenhang mit KI einige Bekannte aufmerksam gemacht. Es gab auch eine ähnliche Eisenbahn-Blase zu einer anderen Zeit in den USA. (hab aber den link gerade nicht zur Hand)

      Es gibt viele Ähnlichkeiten. Infrastruktur wird aufgebaut, die extrem viel kostet – visionär ist, aber nicht in wenigen Jahren rentabel sein kann. Nicht einmal die Betriebskosten können anfangs eingespielt werden. Trotzdem springt jeder auf den "Zug" *lach* auf und investiert kräftig in die aus dem Boden schießenden Unternehmen. Irgendwann kann ein Unternehmen dann die Kosten nicht mehr decken. Entweder die Banken steigen aus – oder eine Bank wird sogar selbst mit in die Krise gerissen. Sofort steigen alle mit Verlust aus dem Unternehmen aus. Aber sehr viele auch aus den anderen (denn welches wird es als nächstes treffen)
      Dann reißt es alle mit…

    • janil sagt:

      Sehr interessant, wenn also alle anfangen Anteile zu verkaufen, um zu monetarisieren, dann wahrscheinlich knallt es.

  3. Red++ sagt:

    Und wenn ich mir dann die meist gestellten Fragen bei Google durchlese, liegt das wohl eher daran das wir uns immer weniger merken, bzw. keine Logischen fragen mehr einfallen lassen können.

  4. Bregosch sagt:

    Jede Blase vergeht; manche mit einem Knall, andere mit einem Zischen.
    Zitat von Bregosch

  5. Chris sagt:

    Wenn ein Handwerker ein Fehler macht und das korrigieren muss, geht das zu Lasten des Handwerkers.

    Wenn eine KI einen Fehler macht und das korrigiere muss, geht das zu meinen Lasten, da die Korrektur weitere Token verbraucht für die ich ja bezahlen muss.

    Damit sind KI Anbieter in der Lage ihre Einnahmen selber zu steuern.
    Ein paar absichtliche Fehler hier, eine falsch Antwort da und schon hat man mehr Umsatz generiert. Man darf das ganze natürlich nicht übertreiben, der Nutzer muss am Ende immer noch das Gefühl haben das es insgesamt in Ordnung war.

    • Bernd Bachmann sagt:

      Tja nun. Das ist in der IT ja schon lange ein bewährtes Prinzip: Den Kunden „Support" bezahlen lassen, damit er zumindest eine Chance hat, dass das von ihm gekaufte Produkt dann auch tatsächlich genutzt werden kann…

    • viebrix sagt:

      Ich weiß nicht ob "wir" schon so weit sind. Ich denke – aktuell ist eine Phase in der man noch mit bester Leistung überzeugen möchte. Das abcashen mit schlechteren Modellen hätte ich erst später vermutet.
      Aber wenn es wirklich so ist, dann müssten die kostenlosen Modelle besser agieren, denn da kostet jeder Fehler – den Betreiber.

      Wenn ich etwas kaufe und es hat einen Mangel, dann muss ich es auch wieder zum Verkäufer (Supermarkt) zurückbringen – auf meine Kosten. Beim OL Bestellen ist das natürlich meist anders

      • Thomas sagt:

        Falsch:
        § 439 Abs. 2 BGB sagt unmissverständlich:
        „Der Verkäufer hat die zum Zwecke der Nacherfüllung erforderlichen Aufwendungen, insbesondere Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten zu tragen."
        Wenn du also extra noch einmal zum Supermarkt fahren musst, um die mangelhafte Ware zu reklamieren, muss der Verkäufer dir die Fahrtkosten (z. B. Spritgeld oder das Ticket für den ÖPNV) erstatten.

        • viebrix sagt:

          Die Kassierin wird mich nächstes mal wohl groß anschauen wenn ich das behaupte.

        • Luzifer sagt:

          Nö! den du kannst auch im Supermarkt online reklamieren und als Kunde hast du den kostengünstigen Weg zu wählen… auch die anderen Paragrafen berücksichtigen…

        • Red++ sagt:

          Erzähle das mal der KI mit dem § 439 Abs. 2 BGB die Lacht sich Tot, und zieht sich selbst den Stecker zumal in der Antwort immer steht, dass sie nicht für die Aussage Haftbar gemacht werden kann.

    • Jannis sagt:

      "Wenn ein Handwerker ein Fehler macht und das korrigieren muss, geht das zu Lasten des Handwerkers.

      Wenn eine KI einen Fehler macht und das korrigiere muss, geht das zu meinen Lasten, da die Korrektur weitere Token verbraucht für die ich ja bezahlen muss."

      So funktionierte die IT doch schon immer. Ich sage immer, behandelt IT als Werkvertrag und holt euch eure Mängelrechte und lasst den Hersteller kostenlos die Fehler beheben.

      Will aber kaum jemand machen. Alle zahlen dann brav Support-Verträge.

      • Tobi sagt:

        Das Problem ist das Werkverträge sehr aufwendig sind. Kaum jemand kann in allen Details formulieren was man will. Wenn es im Werkvertrag nicht steht, dann kostet es.

        Das ist auch der Grund warum man Software Entwickler nicht durch KI ersetzen kann. Weil ein Entwickler es besser schafft aus dem Gesamtkontext nicht vorhandene Anforderungen zu erraten.

  6. Anonym sagt:

    Das spannende daran ist, dass die "KI" Token aktuell ja noch zum Schleuderpreis an Mann/Frau gebracht werden. Gesamt noch stark defizitär für den Anbieter. Die Preise werden noch um ein Vielfaches steigen.

  7. Matze sagt:

    Naja, die Kosten für die gigantischen Investitionen müssen ja irgendwann wieder reinkommen.
    Solange die Firmen, die das nutzen wollen (oder müssen), so blöd sind quasi pauschal zu löhnen, sind sie selbst schuld.

  8. wolfi sagt:

    auch bei AWS kann man seine kosten nicht in echtzeit kontrollieren, trotzdem verwenden es die leute

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