In den Artikeln von Teil 1 bis Teil 4 hatte ich die Thematik, dass VW zum 27. Mai 2026 eine Änderung an seiner Authentifizierungs-API zur Steuerung des Zugriffs auf Fahrzeugdaten vorgenommen hat. Besitzer von Elektroautos aus dem VW-Konzern (VW, Audi etc.), die E-Autos netzdienlich über die eigene Solaranlage laden möchte kommen nicht mehr an die Daten heran. Der Anbieter Tibber bietet aber eine Integration, die noch kostenlos ist. Ich habe diesbezüglich ein Interview mit Tibber über die Details geführt, und greife dies in nachfolgendem Beitrag auf.
VW schließt aus, Tibber hilft Fahrzeugbesitzern
Moderne Elektroautos sammeln eine Menge Daten und übermitteln diese an den Hersteller. Besitzer von Elektroautos, die diese Fahrzeuge über die heimische Solaranlage per Wallbox laden möchten, konnten in der Vergangenheit den Akku-Ladestand des Fahrzeugs kostenlos über einen VW-API abrufen.
Der Zugriff auf diese VW-API wurde von Volkswagen durch eine Änderung an einem Authentifizierungs-Endpunkt zum 27. Mai 2026 gekappt. Damit funktionierten die per Open Source-Software implementierten Funktionen, die bisher die benötigten Daten (über den Ladezustand des Fahrzeugs) kostenlos per API-Aufruf aus der VW-Cloud abfragen konnten, nicht mehr. Das für Elektrofahrzeuge verwendbare Modul EVCC (Electric Vehicle Charge Controller) war plötzlich funktionslos und lieferte keine Daten mehr für den Home Assistant (siehe VW und Audi sperren API-Schnittstelle; "Smart-Home-Blackout" seit 27.05.2026 – Teil 1).
Inzwischen gibt es von der Open Source-Community wieder Lösungen, die für einige Fahrzeuge der Volkswagen Group funktionieren. Im Beitrag VW API-Änderung: Alle Marken betroffen; war wohl angekündigt – Teil 3 hatte ich erwähnt, dass der "smarte" Stromanbieter Tibber wohl eine Integration der neuen VW-Schnittstelle implementiert hat.

Daten eines VW-Fahrzeugs bei Tibber
Und dort kann man auch (zumindest einige) Daten in Echtzeit abrufen. Meines Wissens nach nutzt Tibber den Anbieter enode.com zur Integration.
Tibber ist ein norwegischer Stromanbieter, der Ökostrom in Norwegen, Schweden, Deutschland und den Niederlanden verkauft. Das Geschäftsmodell beruht auf Einnahmen durch eine monatlich fixe Grundgebühr, dem Verkauf von Smart-Home-Hardware im eigenen Online-Store sowie den Erträgen aus der Vermarktung von Flexibilitäten am Strommarkt.
Im Beitrag Nachlese zur VW API-Änderung (E-Auto-Ladesteuerung) Stellungnahme von VW – Teil 4 hatte ich einige kurze Anmerkungen dazu gemacht, u.a. das Tibber für den Zugriff zahlt.
Der Anbieter Tibber hatte mich auf Grund der Blog-Beiträge und des heise-Artikels angeschrieben und angemerkt, dass Tausende Tibber-Kunden und Kundinnen den Ladevorgang ihres E-Autos über die Tibber-App verwalten, um das Fahrzeug automatisch dann zu laden, wenn der Strom besonders günstig und grün ist. Ohne Datenzugriff funktioniere dieser Service nicht mehr. Hinzu kommt, dass die meisten Haushalte alle Smart-Home-Geräte und eben auch ihr E-Auto zentral über eine einzige App wie zum Beispiel die Tibber-App steuern wollen. Auch das werde ohne Zugriff auf die Fahrzeugdaten nicht mehr möglich sein.
Tibber hatte mir daher folgendes geschrieben: "Wir haben die Situation antizipiert und konnten im aktuellen Fall eine Lösung finden, bei der wir für den Datenzugriff auf die E-Autos unserer Kunden und Kundinnen bezahlen, um Smart Charging für die Marken des VW-Konzerns ohne Unterbrechungen sicherzustellen. Die Kosten dafür reichen wir bisher nicht weiter. Angebote wie Smart Charging sind ein elementarer Teil der Energiewende, weil sie gleichzeitig das E-Auto-Fahren deutlich günstiger machen und zur Stabilisierung unserer Stromnetze beitragen. Eine dauerhafte Lösung ohne Bezahlschranke wäre deshalb nicht nur für die betroffenen Fahrer und Fahrerinnen wichtig, sondern auch für die Energiewende. Setzen Hersteller dennoch eine Bezahlschranke ein, muss sie durch hochwertige, verlässliche Integrationen, eine gute Nutzererfahrung und wirtschaftlich vertretbare Preise gerechtfertigt sein – während der reine Lesezugriff auf die eigenen Fahrzeugdaten einfach und frei von Extrakosten bleiben sollte."
Mein Interview mit Tibber
Ich habe den so entstandenen Kontakt genutzt, um bei Tibber nachzuhaken und folgende Interview-Fragen (fett formatiert) einzureichen. Deren Pressesprecher hat mir dann die betreffenden Antworten der Tibber-Geschäftsleitung übermittelt. Eingeleitet wurden die Fragen mit der Bitte, möglichst Anworten auf die nachfolgend angesprochenen Aspekte zu geben.
a) [Wie beurteilt Tibber] die von Ihnen bereits vorformulierten Aussagen über einen "allgemeinen Trend" [gemeint war eine Bezahlschranke der Hersteller]. Gerne garniert mit anderen Fällen (falls bekannt oder absehbar). Wie machen BMW, Mercedes, Stellantis, Nissan, Kia etc. das?
Antwort von Tibber: Der Fall VW ist Teil einer breiteren Branchenentwicklung, die bereits vor Mai 2026 begonnen hat. Immer mehr Hersteller bündeln den Datenzugang in offiziellen, strukturierten – und zunehmend kostenpflichtigen oder partnergebundenen – Kanälen.
- BMW hat sein Datenangebot 2025 stärker auf das offizielle Modell BMW CarData ausgerichtet,
- Tesla hat Anfang 2025 eine nutzungsabhängige API-Bepreisung eingeführt,
- und Mercedes-Benz bietet ein offizielles Entwicklerportal mit gestuften Zugangsklassen inklusive einer EV-Lade-API.
Die Wege unterscheiden sich, die Richtung ist ähnlich: weg von inoffiziellen Drittzugriffen, hin zu kontrollierten Schnittstellen.
b) Wie konnte Tibber das Problem beim Fall VW Group lösen. Also: Gibt es ein Agreement mit der VW Group oder einem anderen Integrator? Kann der Integratior genannt werden? Lässt sich grob angeben, was das Tibber pro Monat / Jahr kostet (ja, ich weiß, ein heißes Eisen).
Antwort von Tibber: Tibber verfügt über eine offizielle Vereinbarung mit VW, die uns autorisierten Zugang zur neuen API der VW Group gibt – und die bereits bestand, bevor die alte Schnittstelle am 27./28. Mai abgeschaltet wurde, weil wir die Entwicklung früh haben kommen sehen.
Den konkreten Integrationsweg nennen wir nicht; solche Vereinbarungen sind beidseitig vertraulich. Dass damit Kosten verbunden sind, trifft zu – wir tragen sie derzeit selbst und geben sie nicht an unsere Kunden und Kundinnen weiter. Konkrete Beträge nennen wir aus Rücksicht auf laufende kommerzielle Gespräche nicht.
Genau deshalb setzen wir uns – öffentlich wie in Branchengremien – für offene, standardisierte Schnittstellen ein.
c) Interessieren würde mich auch, ob und wie Tibber das Ganze im Hinblick auf den EU Data Act sieht, der ja einen einfachen Zugriff der Nutzer (imho kostenfrei) auf die eigenen Daten vorsieht. Gibt es von Tibber da eine Stellungnahme, die über den allgemeinen Text hinaus geht?
Hier sind zwei Regelwerke relevant, die zusammen ein starkes rechtliches Argument ergeben – vorausgesetzt, sie werden durchgesetzt.
- Der EU Data Act gibt Nutzerinnen das Recht, auf ihre Fahrzeugdaten zuzugreifen und sie mit Dritten ihrer Wahl zu teilen; der Zugriff für Endkundinnen ist ausdrücklich kostenfrei, eine B2B-Weitergabe darf nur gegen "angemessene Vergütung" erfolgen – ein Begriff, den die Kommission selbst noch näher definieren muss.
- Für das smarte Laden noch direkter einschlägig ist Artikel 20a der RED III: Er verpflichtet Hersteller, Daten des Batteriemanagementsystems (Ladezustand, Kapazität, Gesundheitszustand) diskriminierungsfrei und kostenlos an Dritte herauszugeben, die im Auftrag der Fahrzeughalterinnen handeln; die Umsetzungsfrist lag Ende 2025.
Ob ein kostenpflichtiges, partnergebundenes API-Modell damit vereinbar ist, ist eine berechtigte rechtliche Frage – eine, die voraussichtlich Aufsichtsbehörden und Gerichte mit den ersten Fällen klären werden.
Unsere Haltung ist einfach: Wenn ein Dienstleister mit ausdrücklicher Einwilligung im Namen der Halterinnen handelt, sollte der Zugang zu den fürs smarte Laden nötigen Daten keine Einnahmequelle des Herstellers sein. Der rechtliche Rahmen dafür existiert – es geht um die Durchsetzung.
An dieser Stelle mein Dank an Tibber für die Beantwortung der Fragen. Es sieht für mich danach aus, dass da noch einige dicke Bretter gebohrt werden müssen, um die Hersteller auf Spur zu bringen.
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