Blue Babe: Ein Gruß aus der Eiszeit

Auftauender Boden in arktischen Gegenden fördert einige mumifizierte Tiere zutage. So auch den Körper eines Steppenbisons, Blue Babe genannt, der vor etwa 35.000 Jahren in Alaska Raubtieren zum Opfer file. Die Reste des Tieres wurden Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts durch Goldsucher gefunden, geborgen und für Ausstellungszwecke präpariert.


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Ich bin über nachfolgenden Tweet auf die Geschichte aufmerksam geworden, wobei der im Tweet enthaltene Text nicht so ganz stimmig zu sein scheint. Im Tweet heißt es, Blue Babe sei ein 50.000 Jahre altes mumifizierter Steppenbison, das 1979 von Goldgräbern nördlich von Fairbanks, Alaska, entdeckt wurde

Bison aus der Eiszeit

Die deutsche Wikipedia schreibt, dass Blue Babe der Name einer etwa 35.000 Jahre alten Eismumie eines männlichen Steppenbisons (Bos priscus) sei, welches durch die besagten Goldsucher gefunden wurde.

Der Name rührt von der Blaufärbung der Haut her, hervorgerufen durch eine chemische Reaktion mit der Luft während der Bergung des Kadavers. Die aus dem Schlamm ragenden Hufe von Blue Babe wurden von prospektierenden Goldwäschern entdeckt. Die Bergung des Kadavers erfolgte durch Paläontologen.

Blue Babe war zum Zeitpunkt seines Todes etwa acht oder neun Jahre alt und befand sich in ausgezeichneter körperlicher Verfassung. Gemäß den erfolgten Rekonstruktionen fiel der Bison zwei Löwen zum Opfer, die zu dieser Zeit in Alaska verbreitet waren (genetischen Daten zufolge besiedelte damals der Höhlenlöwe (Panthera spelaea) die Region).

Nach dem Tod fraßen die Löwen vor allem das Fleisch von Rücken und Rumpf; nach einem einsetzenden Frost konnten die Raubtiere jedoch keine weiteren Fleischstücke vom Körper abreißen. Darauf deutet auch ein im Körper des Bison gefundenes Zahnfragment eines Löwen hin. Der festgefrorene Körper wurde offenbar im Frühjahr von Schlamm und Löss verschüttet. Er mumifizierte dann im Schlamm vollständig.

Im Tweet heißt es noch, dass 1984 eine Gruppe von Paläontologen beschloss, einen Teil der Nackenmuskulatur des Bisonkadavers zu kochen und zu essen (siehe hier und hier). Der emeritierte Professor für Zoologie an der Universität von Alaska, R. Dale Guthrie, schrieb über dieses Ereignis: "Als Höhepunkt und zur Feier der Arbeit von [Präparator] Erik Granqvist mit Blue Babe gab es ein Bison-Eintopf-Essen für ihn und Bjorn Kurten … Ein kleiner Teil des Halses der Mumie wurde in Würfel geschnitten und in einem Topf mit Brühe und Gemüse gekocht. Wir hatten Blue Babe zum Abendessen. Das Fleisch war gut gealtert, aber immer noch etwas zäh, und es verlieh dem Eintopf ein starkes pleistozänes Aroma, aber niemand in der Runde hätte es sich entgehen lassen. Das Fleisch im Bauchbereich war verdorben, bevor der Bison vollständig gefroren war. Aber im Halsbereich wurden kleine Fleischstücke gefunden, die noch am Schädel hingen. Die Löwen hatten dort so wenig übrig gelassen, dass es durchgefroren war, als das Fleisch noch frisch war. Als es aufgetaut war, verströmte es ein unverwechselbares Rindfleischaroma, nicht unangenehm vermischt mit einem schwachen Geruch der Erde, in der es gefunden wurde, mit einem Hauch von Pilzen. Etwa ein Dutzend von uns versammelte sich am 6. April 1984 unter …., um den Bison-Prisco-Eintopf zu essen. Der Geschmack war köstlich, und keiner von uns hat sich durch die Mahlzeit gestört gefühlt."

Nun ja, Geschmäcker sind halt verschieden. Eine Rekonstruktion des prähistorischen Wisents befindet sich heute im Museum der University of Alaska.


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