Hayabusa-2 setzt Mascot-Lander auf Asteroid Ryugu ab

Vor einem Tag hat die Raumsonde Hayabusa2 mit einem Manöver begonnen, um auch den europäischen Lander Mascot zur Landung auf dem Asteroiden Ryugu abzusetzen. Hier einige Informationen zu diesem Manöver, welches aktuell in der ‘heißen Phase’ sein sollte. Ergänzung: Mascot is erfolgreich gelandet.


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Ein kleiner Rückblick

Nach der Ankunft der japanischen Raumsonde Hayabusa2 am 1 km großen Asteroiden vor mehreren Monaten, hat diese mit der Abarbeitung eines Wissenschaftsprogramms begonnen. Über die Mission hatte ich in diversen Blog-Beiträgen berichtet (siehe Linkliste am Artikelende).

Hayabusa2 hatte im September bereits zwei Minerva-Lander auf dem Asteroiden Ryugu abgesetzt. Diese haben die vergangenen Tage neue Bilder aufgenommen und über Hayabusa2 zur Erde übertragen. Erste Bilder hatte ich im Artikel Hayabusa-2: Minerva-Lander auf Ryugu abgesetzt und weiteren Blog-Beiträgen gezeigt. Hier ist noch ein ganz neuer Satz an Fotos.

Der Mascot-Lander

Am Projekt sind auch deutsche Wissenschaftler, u.a. mit dem Lander Mascot beteiligt. Dieser soll am 3. Oktober 2018 auf dem Asteroiden aufsetzen (siehe folgenden Tweet).

Seit Dienstag, den 2. Oktober 2018 haben die japanischen Raumfahrttechniker damit begonnen, die Umlaufbahn der Sonde Hayabusa2 so weit abzusenken, dass das Mutterschiff weniger als 60 Meter von der Oberfläche des Asteroiden entfernt ist. Die Antennen des NASA-Deep-Space-Netzwerks empfangen bereits Signale (hier als HYB2 zu finden).


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Der obige Tweet verlinkt ein Video, der den ganzen Vorgang der Landung in einer Simulation zeigt. Nachfolgender Tweet enthält ein Bild des Asteroiden, aufgenommen von der Sonde Hayabusa2 am 2. Oktober 2018, 21:30 japanischer Zeit. Die Sonde ist 6 km von der Oberfläche des 1 km großen Asteroiden.

Am heutigen Mittwoch, um 4:00 MEZ, soll es soweit sein. Die Sonde wird in ca. 60 Meter Höhe ausgeklinkt und sinkt dann mit 20 Zentimetern pro Sekunde langsam auf die Oberfläche des Asteroiden. Mascot wird weich aufsetzen, wegen der geringen Schwerkraft aber über die Oberfläche des Himmelskörpers hüpfen. Der folgende Tweet zeigt einige mögliche Landeplätze – wobei meines Wissens der ‘im Süden’ liegende Landeplatz MA-9(auf dem Foto unten links) gewählt wurde.

Sobald der Lander zur Ruhe gekommen ist und alles nach Plan läuft, beginnt das wissenschaftliche Programm. Mascot soll 16 Stunden lang Daten sammeln und Fotos machen. Über einen Schwungarm kann er über die Oberfläche ‘hüpfen’. Wegen der weiten Entfernung zur Erde (die Funkübertragung dauert 15 Minuten), arbeitet der Lander autonom. Nach 16 Stunden dürften die Batterien leer sein, die an die Muttersonde übertragenen Daten sollen dann in den folgenden Tagen zur Erde übertragen werden. Es wird also dauern, bis wir Fotos erhalten. Der Artikel hier beschreibt die Details ganz gut – hier gibt es einen englischsprachigen Beitrag.

Es sind extrem spannende Zeiten für Raumfahrt-Interessierte, in denen wir heute leben. Übrigens, der folgende Tweet zeigt alle Himmelskörper, auf denen der Mensch oder seine Sonden bereits gelandet sind und Bilder übermittelt haben. Das geht vom Mond über Venus und Mars, den Mond Titan bis hin zu Kometen und Asteroiden.

Ergänzung: Mascot ist erfolgreich gelandet

Laut dieser Mitteilung der DLR ist die Sonde Macot erfolgreich auf der Oberfläche von ‘Ryogu’ gelandet. „Es hätte nicht besser laufen können“, erklärte MASCOT-Projektmanagerin Dr. Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. „Aus den Betriebsdaten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raumsonde trennte und nach rund 20 Minuten auf der Asteroidenoberfläche zur Ruhe kam.“

Bereits der Moment der Separation gehört zu den Risiken während der Mission: Da hätte viel schief gehen können, Eingriffsmöglichkeiten von der Erde gab es nach der Trennung nicht. Doch alles verlief reibunglos: Bereits während des Abstiegs auf den Asteroiden schaltete die Kamera MASCAM ein und nahm 20 Bilder auf, die nun an Bord der japanischen Sonde gespeichert sind. „Die Kamera funktionierte perfekt“, sagt Prof. Ralf Jaumann, DLR-Planetenforscher und wissenschaftlicher Leiter des Kamera-Instruments. „Damit sind dem Team die ersten Bilder der Kamera sicher.“

Auch das Team des Magnetometers konnte in den von MASCOT gesendeten Daten erkennen, dass das Instrument bereits der vor der Separation einschaltete und Messungen durchführte. „Die Messungen zeigen das relativ schwache Feld des Sonnenwindes und die sehr starken magnetischen Störungen durch das Raumfahrzeug“, erläutert Prof. Karl-Heinz Glaßmeier von der Technischen Universität Braunschweig. „Im Moment der Separation erwarteten wir eine deutliche Abnahme des Störfeldes – und diese wir konnten wir auch deutlich erkennen.“

Schon 20 Minuten nach der Separation kam MASCOT auf der Oberfläche zur Ruhe. Nun analysiert das Team die Betriebsdaten, die MASCOT zur Erde sendet, um zu erfahren, was in 300 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde auf dem Asteroiden  Ryugu geschieht. Der Lander sollte nun auf der Asteroidenoberfläche liegen, sich mit seinem Schwungarm im Inneren in die richtige Position gebracht haben und selbstständig mit den Messungen beginnen.

An Bord befinden sich insgesamt vier Instrumente: eine Kamera sowie ein Radiometer des DLR, ein Spektrometer des Institut d’Astrophysique Spatiale sowie ein Magnetometer der TU Braunschweig. Hat MASCOT alle geplanten Messungen durchgeführt, soll er zu einem weiteren Mess-Ort hüpfen. So erhalten die Wissenschaftler erstmals Daten von unterschiedlichen Stellen auf einem Asteroiden.

„Mit MASCOT haben wir die einzigartige Möglichkeit, das ursprüngliche Material des Sonnensystems unmittelbar auf einem  Asteroiden zu untersuchen“, betont DLR-Planetenforscher Prof. Ralf Jaumann. Mit MASCOTs gemessenen Daten und den Proben, die Hayabusa2 im Jahr 2020 von Ryugu zur Erde bringt, lernen die Wissenschaftler nicht nur mehr über Asteroiden, sondern vor allem über die Entstehung unseres Sonnensystems. „Asteroiden sind sehr ursprüngliche Himmelskörper.“

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