Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 2

Die ‘Rente droht’ und ich habe mit dem Ausmisten meines Büros begonnen. Wie ich in Teil 1 ausführe, waren sowohl meine Frau, als auch Maria Kondō, der Meinung, dass das befreit. Nun ja, so ein ‘easy going’ ist die ‘Befreiung’ dann doch nicht, wie ich feststellen musste – speziell, wenn beim Ausmisten und Wegwerfen plötzlich zahlreiche Erinnerungen aus deinem Leben hochkommen.


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… und wurde von der Vergangenheit geküsst

Als ich so anfing, zumindest mal alte Bücher fremder Autoren und meine Altmanuskripte wegzuwerfen, kam schon eine merkwürdige Stimmung auf. Da fallen dir Briefe und Korrespondenz mit Lektoren in die Finger, wo Du genau weißt, dass diese Personen inzwischen verstorben sind (und wir wollten damals mit den Buchprojekten ‘die Sterne vom Himmel holen’ – da verdienen wir die nächste Million, was natürlich nie geklappt hat).

Das erste Buch, wie das entstand

Da war dann plötzlich die Erinnerung da, wie das erste Buch entstand. Ich wollte mir damit den ersten PC (ca. 2.600 DM mit Drucker) finanzieren – war 1988. In den Urlaub nach Holland hatte ich mir einen großen Schreibblock und einige Kugelschreiber mitgenommen. Ich saß dann auf der Terrasse des gemieteten Häuschen, sah meiner damals kleinen Tochter zu, die plötzlich an der Terrassentür stand und mit ihren ersten Schritten auf mich zugelaufen kam – in diesem Urlaub hat das Kind laufen gelernt. In Pausen habe ich auf dem Block die Konzepte und Entwürfe für das erste Buch verfasst und auch einzelne Passagen mit der Hand vorgeschrieben.

Ich erinnere auch, dass meine Schwester mit Mann und zwei kleinen Kindern dabei war. Als der Schwager fragte: Was macht Günter da, was schreibt der immer in seinen Block? Da meinte meine Frau: Er schreibt ein Buch. Da war er, der Moment, in der die Familie glaubte ‘jetzt ist er völlig meschugge geworden’. Was’n Glück, dass keiner die netten Junge gerufen hat, die mich in einer weißen Jacke mit auf den Rücken geknoteten Ärmeln in einem Auto mit so einem lustigen blauen Lichtchen auf dem Dach mitgenommen hätten. Hat dann auch fast ein Jahr gedauert, bis das erste Buchmanuskript fertig wurde – ist als Buch sogar erschienen – aber der kommerzielle Erfolg blieb aus. Den PC konnte ich zwar aus den Tantiemen finanzieren, für den Druckerkauf musste ich aber einen Zeitschriftenartikel schreiben. Aber ich habe nie aufgegeben, und noch’n Buch, und noch eins, und noch eins geschrieben …

Erinnerungen: Was ich mal machen wollte  …

Und dann holte mich die Vergangenheit heftig ein. Ich habe sicherlich kein großes Talent zum Malen und Zeichnen und vor allem keine Ausbildung in diesem Bereich. Als Technik-affiner Mensch durfte ich ab 1969 mit Zeichenbrettern und Rapidographen in der Lehre, später in der Berufsaufbau- und Fachoberschule und schließlich im Studium technische Zeichnungen (Schaltpläne, Mantelabwicklungen für Kegel oder Zylinder, Getriebe, Seilwinden etc.) anfertigen. Aber freies Zeichnen war da nicht dabei. Gelegentlich gab es aber kurze Ausflüge in dieses Metier. Meine Skizzen von irgendwelchen Maschinen, auf ein Blatt Papier (oder beim Mittagessen auf eine Serviette) geworfen, haben so manchen Kunden überzeugt – oder auch nicht. Und es gab immer mal wieder Ansätze, auch Skizzen von Gebäuden, Landschaften oder Dingen anzufertigen. Mangels echtem Talent und freier Zeit habe ich das aber vor über einem Jahrzehnt aufgesteckt.

Im Süden - Skizze Günter Born
(Im Süden – Skizze Günter Born, undatiert)

Beim Ausmisten meines Büros bin ich dann überraschend auf Konzept-Skizzen aus dem Süden (muss Italien gewesen sein, wo ich die Skizzen aus Langeweile mit Kugelschreiber auf einen schnell gekauften Schreibblock gekritzelt habe) gestoßen. Da blitzte wieder ‘der andere Flair’ – im künstlerischen Bereich zu arbeiten – durch.

… und gemacht habe

Und dann stieß ich auf weitere Arbeiten. Die nachfolgenden Skizzen stammen aus einem Manuskript, aus den Zeiten, wo ich Computerbücher für Kinder erstellt habe.


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Illustration Kinder-Computerbuch, (Skizze Günter Born, undatiert
(Skizze zur Illustration Kinder-Computerbuch, Günter Born, undatiert)

Die Skizzen sollten dem Grafiker verdeutlichen, was ich dort für Bilder haben wollte (ein kleiner Hase hat die Kinder durch den Stoff geführt – um druckreif zu zeichnen, reichten meine Fähigkeiten, die Ausbildung/Kenntnisse und die Zeit nicht). Die kleine Tochter war damals begeistert und hat immer meinen Papierkorb im Büro durchwühlt, in der Hoffnung, ein paar Manuskriptseiten mit den gezeichneten Hasen zu finden, die sie dann mit Buntstiften ausgemalt hat. ‘Hast Du Hasen gemacht’, war die Begrüßung, wenn sie ins Büro kam – Rückblick auf eine wilde Zeit, als die eigenen Kids als Tester für die späteren Bücher fungierten.

Wer weiß, vielleicht komme ich im Unruhestand auch wieder mehr in diese Richtung, und zeichne wieder aus Jux und Dollerei oder um die Zeit tot zu schlagen. Ach ja, die Gitarre bräuchte nach Jahrzehnten auch mal neue Saiten, wo ich meine Notenhefte mit eigenen Kreationen/Anmerkungen sowie die Gitarrenlehrbücher und das Folk-Rock-Buch von Peter Bursch hin gebeutelt habe, weiß ich gar nicht – stelle mit Entsetzen fest, die stehen nicht mehr im Bücherschrank, wo ich sie vermutet habe. Da müssen Mari Kondō und meine Frau heimlich im Büro gewesen sein. Ob ich meine Finger (nach dem in Teil 3 beschriebenen Unfall) wieder richtig auf die Gitarrensaiten bringe und schnell genug bewegen kann, das müsste ich wohl probieren. Ich denke aber, ich beginne eher wieder mehr mit fotografieren – immerhin habe ich ja mal Fotobücher gemacht (Zeit hin, Zeit her). Momentan ist aber der Masterplan eher ‘einfach nach Lust und Laune weiter zu bloggen’.

Wertvolle (Lebens-)Erfahrungen ziehen vorbei

Da gab es die Mail eines englischsprachigen Lesers, der mir schrieb ‘Dein Buch liest sich wie ein Krimi, ich habe die ganze Nacht durchgelesen, gehe jetzt duschen und zur Arbeit, heute Abend lese ich das letzte Kapitel’. Himmel, das war ein Computerbuch, welches ich für Microsoft USA gemacht hatte. Aber diese Reaktion gab es häufiger. Gut, für einen Krimi – oder genauer einen Thriller – im Bereich Hacker – habe ich auch mal recherchiert – das aber fallen gelassen. Denn mir fehlte die Zeit und die Ruhe, um mal ein Jahr über so etwas nachzudenken. Das war mir dann doch wirtschaftlich zu unsicher – genau wie die Idee, meine Erinnerungen an Arbeitsaufenhalte in Japan als Buch herauszugeben. Das habe ich immerhin in einen Blog gepackt.

Ach ja, die ‘geniale Idee’ für ein Bratkartoffel-Kochbuch, die ich mal hatte, wurde vorsorglich auch nicht umgesetzt. War zu einer Zeit, als ich mal beschlossen hatte, ein ‘besserer Mensch’ zu werden und einen Kochkurs belegte (ich hatte eine Zeit lang für die Familie gekocht, worauf die Truppe spontan mit beten begann). War etwas burschkioser im Kochkurs, ich saß dort mit frischen Witwern in der Küche einer Schule. Und im Kurs musste die Herren Kartoffeln schälen lernen. Heute kaufen die Youngster und frischen Wittwer so etwas fertig geschält im Glas ;-) – aber so etwas wie Kartoffeln schälen etc. konnte ich alles. Ich wollte mindestens auf dem Niveau von Witzigmann kochen – später habe ich davon, in einem anderen Kochkurs, ein Fitzelchen von erahnen können. Aber nach dem im obigen Kurs gekochten war mir einfach nur immer schlecht – zu fett, zu schwer und am späten Abend. Kam dann auf den Trichter, dass mein Bratkartoffel-Kochbuch dann doch irgendwie kein Mega-Seller werden würde und habe es sein gelassen.

Und es gab die Phase um die Jahrtausendwende, wo ich unter dem Motto ‘Autor zum Anfassen’ durch die Republik getingelt bin und schon mal Autorenlesungen in Buchhandlungen durchgeführt habe. Das habe ich als Promotion für den Vertrieb der Verlage und für die jeweiligen Buchhändler gesehen – und einige Ecken Deutschlands kennen gelernt. Wirtschaftlich war das weniger sinnvoll und hat eine irre Zeit – oft am Samstag – verbraten, so dass ich das irgendwann habe auslaufen lassen. Aber immerhin weiß ich jetzt, wie es sich als ‘Autor on Tour’ so anfühlt und Du plötzlich gefragt wirst ‘Signieren Sie mir ihr Buch’. Praktisches Problem: Als Mann der Feder, der ein Leben lang die Tastatur zum Schreiben traktiert hat, sahen meine Signaturen in Kinder-Krakelschrift  auf dem Schmutztitel der Bücher immer ‘zum Brechen’ aus – ich habe mich oft geschämt – aber so sind sie, die Autoren.

Oh Mann, nun ist der Tag schon rum, nur in Erinnerungen geschwelgt und noch nix weggeworfen. Das wird schlimm mit mir enden und gleich gibt’s Mecker von ‘beste Frau von Welt’. Na ja, morgen ist auch noch ein Tag – und dann löse ich in Teil 3 auf, ob ich doch noch was wegwerfen konnte und was sonst noch so in meinem Leben passiert ist.

Artikelreihe
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 1
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 2
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 3

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