Digital Independence Day: Exchange/Outlook ersetzen; grommunio 2026.06.1 ist da

EU-FlaggeWir haben wieder den 1. Sonntag im Monat, also "Digital Independence Day" und Zeit für einen Beitrag zum Thema digitale Souveränität. Das Thema digitale Souveränität in Europa liegt ja seit ca. einem Jahr virulent in der Luft und hat auch die Mainstream-Medien erreicht. Vor einigen Tagen habe ich eine Rückmeldung von René Ketterer Kleinsteuber auf Facebook erhalten, der mir schrieb, dass sie in seinem Umfeld Exchange/Outlook ersetzen. Ich skizziere mal, was ich so erfahren habe. Zudem ist vor einigen Tagen grommunio 2026.06.1 erschienen. Ergänzung: Podcast mit Sarah Spiekermann beim SWR zu Regeln für die digitale Welt verlinkt.

Das Thema digitale Souveränität in Europa liegt ja seit ca. einem Jahr virulent in der Luft, und ist inzwischen sogar in den Mainstream-Medien. Gestern hatte ich noch berichtet, dass Mecklenburg-Vorpommern Microsoft Sharepoint durch Nextcloud ersetzt. Es geht also schrittweise voran. Viel wichtiger ist aber, dass es auch Firmen gibt, die über das Thema nachdenken und sogar erste Schritte wagen.

Aber ich höre auch allzu oft "Microsoft ist alternativlos". Könnte ein böses Erwachen geben, denn zum 30. Juni 2026 hatte ich im Beitrag Wurde das US-EU Transatlantic Datentransfer-Abkommen gerade pulverisiert? über die nächste juristische "Stolperfalle" für die europäischen US-Cloud und M365-Anwender berichtet. Eine Entscheidung des obersten Gerichtshofs der USA (US Supreme Court) alle eigenständigen  US-Aufsichtsbehörden für verfassungswidrig zu erklären hat Implikationen über die USA hinaus.

Damit hat dieses Gericht faktisch das Abkommen zwischen der EU und den USA über den Transatlantic-Datentransfer zunichte gemacht, da die Grundlagen, auf denen das Abkommen beruht, gerade entfallen sind. Denn der Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission, auf dem der Rechtsrahmen für den Datentransfer in die US-Cloud fußt, basiert auf der Prämisse, dass die US-Aufsichtsbehörden unabhängig sind und so in den USA ein für EU-Bürger angemessenes Datenschutzniveau herrscht. Es ist davon auszugehen, dass der Europäische Gerichtshof (EUgH) das US-EU Transatlantic Datentransfer-Abkommen erneut kippt, denn Max Schrems von noyb hat bereits angekündigt, gegen das Abkommen zu klagen.

Eine Leserrückmeldung auf Facebook

Szenenwechsel in Richtung Microsoft 365 und dessen "Alternativlosigkeit". Zum 25. Juni 2026 hatte ich im Beitrag MS Office Classic: Copilot-Schaltfläche verschwunden (Juni 2026)? über den neuesten Bug in Microsofts Office-Lösung berichtet (der Bug ist nun korrigiert – siehe Microsoft Outlook Classic: Copilot-Schaltflächen-Bug behoben (Juni 2026)). Gewohnheitsmäßig erstelle ich dann auch auf Facebook Posts und verlinke auf den Blog-Beitrag. Auf meinen Beitrag in einer Administratorgruppe für M365, Microsoft Infrastruktur/Cloud gab es dann eine kurze Reaktion von René Ketterer Kleinsteuber, Teilnehmers dieser Gruppe:

MS-Office ist bereits ersetzt. Jetzt sind wir dabei, das Gespann Exchange/Outlook zu kicken. Sollen sich die Copilot-Schaltfläche sonst peppen!

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe nachgefragt, ob ich nähere Informationen haben kann und das im Blog aufgreifen darf. René Ketterer Kleinsteuber ist Ingenieur, Informatiker und Geschäftsführer der isential gmbh. Er arbeitet als Software-Entwickler und ERP-Architekt und bloggt auf ketterer.biz. Auf Grund seines obigen Posts hatte er mir noch einige Details verraten.

Microsoft Office durch LibreOffice ersetzt

Zum Thema Microsoft Office schrieb mit der Leser, dass man dort einfach auf LibreOffice umgestiegen sei:

Der Office-Umstieg war erstaunlich einfach: Microsoft Office  raus, LibreOffice rein.

Herausforderungen kann es laut Ketterer höchstens geben, wenn man mit Partnern zusammenarbeitet, die auf hochkomplexe Excel-Dateien mit Makros und ähnlichem Gedöns setzen. Auch dort verfolgt er einen pragmatischen Ansatz und schrieb mir dazu:

Wir haben selbst einen Kunden, bei dem das so ist. Dafür reicht dann aber eine einzige Excel-Lizenz im gesamten Unternehmen völlig aus, um diese spezielle Anforderung abzudecken.

Ketterer meinte zum Thema "Aber wir brauchen unbedingt Excel, weil ein Kunde …" nur lapidar: "Das ist auf keinen Fall ein Grund, weiterhin im Microsoft-Käfig gefangen zu bleiben!" Kann ich nur unterschreiben – hier ist zwar noch ein Word 2000 für Altdateien installiert. Aber die Erzeugung von elektronischen Rechnungen über RechnungFertig läuft über den LibreOffice Writer. Es wird kein Microsoft 365 gebraucht.

Outlook und Exchange ersetzen

Zur Frage der Ablösung von Microsoft Exchange und Outlook als Client merkte Ketterer auf Nachfrage an: "Schau dir mal 'Stalwart' als Server und 'Bulwark Webmail' als Client an. Bulwark läuft überall als PWA und das völlig ohne Installationsaufwand."

Stalwart ist ein Open-Source-E-Mail- und Kollaborations-Server mit Unterstützung für JMAP, IMAP4, POP3, SMTP, CalDAV, CardDAV und WebDAV sowie einer Vielzahl moderner Funktionen. Er ist in Rust geschrieben und auf Sicherheit, Geschwindigkeit, Robustheit und Skalierbarkeit ausgelegt. Das Projekt ist auf GitHub gehostet und es gibt eine offizielle Stalwart-Webseite.

Als Client hatte Ketterer 'Bulwark Webmail' erwähnt. Auch hier gibt es ein GitHub-Projekt sowie eine Webseite für den Client mit Dokumentation etc. Zum Mail-Client schrieb er noch, dass man auch weiterhin den Thunderbird einsetzen könne, falls eine Offline-Verarbeitung der Mails gewünscht sei. Man könne den Thunderbird über IMAP anbinden, da die Thunderbird JMAP-Implementierung erst für nächstes Jahr geplant sei.

Alternativen zu M365

Von heise habe ich Ende Juni 2026 einen kurzen Text erhalten, der sich mit Alternativen zu Microsoft 365 befasst. heise schrieb, dass Europäische Datenschutzurteile und neue Regulierungen wie NIS2 Unternehmen zwingen, ihre Abhängigkeit von Microsoft 365 zu überdenken. Eine einfache Produktalternative zu M365 gebe es nicht, ist die Aussage der iX-Redaktion, die sich in Ausgabe 7/2026 mit dem Thema auseinander gesetzt hat.  Die Unternehmen müssen sich laut heise stattdessen strategisch entscheiden: Welche Kompromisse sind sie bereit einzugehen – und haben sie die IT-Reife, diese zu managen?

heise weist darauf hin, dass der US CLOUD Act amerikanische Unternehmen verpflichtet, Daten auf Anordnung von US-Behörden herauszugeben – unabhängig vom Serverstandort. Parallel verschärft die EU ihre Anforderungen: Die NIS2-Richtlinie verlangt von Unternehmen systematisches Risikomanagement für ihre IT-Lieferkette.

Obwohl Microsoft 365 den digitalen Arbeitsplatz dominiert, lässt sich die Abhängigkeit davon nicht einfach durch den Wechsel zu einem anderen Produkt beseitigen, schreibt heise. "Entscheidend ist vielmehr die Frage: ‚Wie muss meine IT aufgebaut sein, damit ein Wechsel überhaupt noch realistisch umsetzbar bleibt?'", betont iX-Redakteur Kornelius Kindermann.

Alternative Arbeitsplatz-Software existiert in zwei Grundformen: Integrierte Suiten bündeln alle Funktionen in einem geschlossenen System und eignen sich für Organisationen mit begrenzten Betriebsressourcen. Zu ihnen zählen Nextcloud Hub, kSuite, Proton Workspace, grommunio und die eXo Platform. Der Preis für die einfachere Handhabung: funktionale Abstriche bei Terminplanung, Echtzeitbearbeitung und mobiler Nutzung.

Modulare Ansätze wie openDesk kombinieren einzelne Bausteine. Sie bieten maximale Kontrolle, sind aber aufwendig im Betrieb. "Modulare Ansätze scheitern in realen Projekten nicht an fehlender Funktionalität, sondern an fehlender organisatorischer Klarheit", warnt Kindermann. Arbeiten die Komponenten nicht nahtlos zusammen, koste das schnell Nutzerakzeptanz.

In der Praxis entscheiden vier Bereiche über den Projekterfolg: Kalenderfunktionen mit Ressourcenbuchungen und Delegationen, Chat mit Compliance-Frameworks, nahtlos integrierte Videomeetings sowie die Mobile Experience. Letztere wird zum Prüfstein, wenn Mitarbeitende mit mehreren Apps jonglieren müssen.

"Eine allumfassende europäische Alternative zu M365 gibt es derzeit nicht", stellt der iX-Redakteur klar. Organisationen mit begrenzten IT-Ressourcen sollten integrierte Suiten mit funktionalen Kompromissen wählen. Organisationen mit hoher IT-Reife profitierten von modularen Ansätzen, wenn sie bereit seien, die daraus entstehende Komplexität aktiv zu steuern. Nicht das perfekte Softwareprodukt stehe im Vordergrund, sondern die Fähigkeit zur Anpassung, so Kindermann.

grommunio 2026.06.1 ist da

Weil es gerade passt, zum 1. Juli 2026 wurde grommunio 2026.06.1 veröffentlicht. grommunio ist eine europäische, quelloffene Groupware- und Collaboration-Plattform für E-Mail, Kalender, Kontakte, Chat, Video und Dateien und wird als nativer Exchange-Ersatz gehandelt. Die Entwickler geben für grommunio Release 2026.06.1 folgende Punkt als die wichtigsten Neuerungen an:

  • grommunio AI – ganz nach Ihren Vorstellungen
  • gromox: eine schlankere, schnellere Engine
  • grommunio Web wurde optimiert
  • Endlich gemeinsam genutzte Postfächer auf dem Smartphone
  • Ein neu gestaltetes Admin-Interface und DKIM sofort einsatzbereit
  • grommunio Meet wurde umfassend überarbeitet
  • grommunio Files hat einen ganzen Generationssprung gemacht
  • grommunio Keycloak wurde auf Keycloak 26.6.4 aktualisiert
  • grommunio Archive wurde auf die neue Generation 1.4 überarbeitet
  • grommunio Desk, der Desktop-Client, ist nun in Version 1.2 verfügbar
  • Eine neue Plattform: openSUSE Leap 16.0
  • Debian mit nativen .deb-Paketen für den gesamten Stack – Debian 13 sowie Ubuntu 24.04 und 26.04 LTS

Zudem wurde die Dokumentation neu gestaltet und überarbeitet. Alle Details und Informationen zu grommunio 2026.06.1 finden sich in einem Blog-Post.

Interessanter HR1-Talk

Ergänzung: Ziemlicher Zufall, am 5.7.2026 lief im Programm HR1 der Talk mit Sarah Spiekermann-Hoff. Spiekermann-Hoff ist Professorin für Wirtschaftsinformatik in Wien und befasst sich mit Digitalisierung. Anreißertext zur Sendung:

"Fortschritt braucht Weisheit und Mut – Maschinen fehlt beides", sagt Sarah Spiekermann-Hoff. Die Wirtschaftsinformatikerin mahnte schon vor Jahren, demokratiegefährdendes Verhalten von Tech-Konzernen zu brechen. Gemeinsam mit europäischen und US-amerikanischen Denkern der Digitalökonomie verfasste sie ein Manifest zur Verteidigung der Demokratie.

Ich habe die Sendung mit einem halben Ohr verfolgt und war fasziniert. Gedächtniszitat mit sinngemäßen Aussagen: "Wir alle, Unternehmen und Privatleute haben es täglich in der Hand, wie wir uns entscheiden und Investitionen tätigen. Wir müssen nicht überall US-Big-Tech nutzen. Auch KI kann man lokal betreiben." Es war ein ziemlich unaufgeregtes Plädoyer, sich Schritt für Schritt digital unabhängiger zu machen.

Ergänzung: Wenn ich es richtig einsortiere, ist die Podcast-Folge Welche Regeln braucht die digitale Welt? beim SWR bereits abrufbar – ich finde die Aussagen sehr eingängig und bedenkenswert, sollte sich jeder mal anhören. Die Webseite von Spiekermann-Hoff enthält einige weitere interessante Beiträge rund um das Thema KI (i.d.R. Verlinkungen von Presseberichten). Hier noch einige ältere Beiträge / Podcasts:

Warum braucht es Regeln für die digitale Welt?
Gefahr für die Demokratie: So wichtig sind klare Regeln für die digitale Welt
Ethik und Teilhabe in der digitalen Gesellschaft
KI-Zukunft & Causa Weißmann

Ähnliche Artikel:
Digital Independence (Feb. 2026): Europas Abschied von US-Tech
Digital Independence-Day (März 2026): Android-Apps von Google ersetzt
Digital Independence Day: Alternativen zu Microsoft 365
Digital Independence Day: 1. Scaleway-Rechenzentrum in Mailand eröffnet
Digital Independence Day: Souveräne Cloud; Scaleway in Ausschreibungen dabei, was ist mit SUSE?
Frankreich hat Fahrplan für digitale Souveränität und Linux-Migration der Verwaltung
EU-Regulierungen, Prüfverfahren und Digitale Souveränität
Digitale Souveränität: EU-Alternativen zu US-Tech-Produkten
Digitale Souveränität: Linux als Active Directory Domain Controller
Digital Independence Day: Die EU stellt Weichen für Unabhängigkeit

Dieser Beitrag wurde unter Cloud, Office, Software abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

20 Kommentare zu Digital Independence Day: Exchange/Outlook ersetzen; grommunio 2026.06.1 ist da

  1. Daniel sagt:

    Ich wünsch dem Projekt grommunio viel Erfolg. Da es auch mit Linux läuft fällt ein Argument für Windows schon mal weg. Und warum es keine Alternative zu Microsoft 365 geben soll erschließt sich mir auch nicht. Man muss es eben wollen und nicht nur behaupten das ginge nicht. Es gab eine Zeit vor Microsoft 365 und es wird auch eine danach geben.

    • TBR sagt:

      Office 365 oder M365 ist deutlich mehr als nur Mail und ein bisschen Office Paket. Das wird leider immer wieder völlig ausgeblendet.

    • Sansor sagt:

      Wir haben in der Firma vor einem halben Jahr von Exchange auf Grommunio umgestellt. Bis jetzt keine Sekunde bereut.
      Das Migrieren benötigt etwas an Vorarbeit, aber hat sich bei uns im Rahmen gehalten und hat überraschend gut funktioniert.
      Ein Blick auf dieses Projekt zu werfen ist durchaus empfehlenswert.

    • Franz sagt:

      Das Problem bei der Migration weg von Microsoft sind auch die ganzen Service-Dienstleister. Die haben meistens wenig bis gar kein Interesse daran, von Microsoft wegzugehen, weil das Umsätzeverluste bedeutet. An jeder verkauften Microsoft-Lizenz wird mitverdient.
      Ich seh das bei meinem AG – da gibt's fast nur Microsoft und alles andere ist böse. Lösungen auf Linuxbasis werden gar nicht erst angeboten, weil das nicht erwünscht ist. Das wird dann auch vor den Kunden so heruntergemacht, dass die garantiert keine Nicht-Microsoftlösung wollen. Angeblich sollen einige Niederlassungen inzwischen anders denken, der Großteil tut es aber (bis jetzt) nicht.

      • Giesama sagt:

        Mitverdient? Ich lach mich kaputt. Die meisten ballern die Lizenzen zum EK raus, nur um die Kunden zu bekommen. Evtl. hängt dann noch Einrichtung oder Wartung mit bei, evtl. aber auch nicht, da eh schon im allgemeinen Vertrag inkludiert. Wer weiß.
        Und die UVPs gegenüber der EKs ist ein Witz.
        Viele Dienstleister haben den Markt durch Dumpingpreise zerstört. Einige gehen sogar unter EK, nur um den einen oder anderen abzugreifen.

  2. Walter Hofstädtler sagt:

    * Für grommunio gibt es ein Community Forum, einfach reinschauen: https://community.grommunio.com/
    * Zu den alternativen Mail Klienten und grommunio: es gibt 2 Klienten die EWS sprechen, das eine ist der eM Client https://de.emclient.com/ und der zweite ist Thunderbird aber als EWS nicht IMAP eingerichtet. Beide funktionieren mit grommunio, da grommunio EWS anbietet.
    * Zum Outlook Classic: leider benötigen viele Programme das .NET Outlook Objekt für Automatisierung aber da ist der Outlook Classic das einzige Mail Programm, dass das .NET Outlook Objekt implementiert. Und da ist derzeit keine Abhilfe in Sicht.

  3. ich sagt:

    Auszug aus den Datenschutzbestimmungen von grommunio:
    https://grommunio.com/de/privacy/
    2.1.2. Newsletter
    Ihre Einwilligung zu unserem Newsletter umfasst auch die Nutzung des Newsletter-Tools "MailChimp" des US-amerikanischen Anbieters "Intuit". Wir weisen darauf hin, dass die USA kein sicheres Drittland im Sinne des EU-Datenschutzrechts ist (Angemessenheitsbeschluss oder andere geeignete Garantien gemäß Art. 46 DSGVO). Es besteht das Risiko, dass Ihre so übermittelten Daten dem Zugriff von Behörden zu Kontroll- und Überwachungszwecken ausgesetzt sind, ohne dass Sie über wirksame Rechtsmittel verfügen.

    Konsequent Inkonsequent. Weshalb muss man ein US-Produkt für den Newsletter benutzen?

    Auszug aus: https://borncity.com/blog/datenschutzerklaerung/
    Kommentare werden von Seiten der Benutzer freiwillig eingegeben, wobei diese im Rahmen der Beschreibung hier möglich ist. Eine eingegebene (optionale) E-Mail-Adresse (ich empfehle eine Freemail-E-Mail-Adresse) wird Dritten nicht angezeigt. Ich werte diese E-Mail-Adressen nicht aus.

    Optional heißt optional, nicht verpflichtend. Warum ist die Angabe einer Mailadresse verpflichtend wenn es in der Datenschutzerklärung optional steht?

    • Günter Born sagt:

      Zu deinem borncity-Thema: Weil einige Nutzer den Kommentarmechanismus hier im Blog missbraucht haben, musste ich eine Optionn aktivieren, die auch die Angabe einer E-Mail voraussetzt. Ist aber mehrfach im Blog erläutert, und es kann eine Wegwerf-E-Mail-Adresse angegeben werden. Wurde ja auch in obigem Kommentar so gehandhabt.

  4. Andreas Haerter (foundata) sagt:

    Ich bin überzeugter OSS-Fan und selbst Maintainer, aber mit Grommunio werde ich wohl nie warm, gerade wegen des Souveränitätsarguments. Ich will es mögen, kann aber nicht. Für mich ist das deshalb kein Beitrag zu digitaler Souveränität, sondern nur ein anderer Anbieter innerhalb desselben Lock-ins:

    1. Microsofts MAPI als Open Source nachzubauen, löst den Lock-in nicht auf, sondern stabilisiert ihn. Wer Outlook und MAPI will, fährt technisch am Ende meist konsequenter mit Exchange. EineNutzung dieses Ökosystems kann strukturell nur verlieren…

    2. …denn das Geschäftsmodell bleibt damit im Kern ausschließlich: "Exchange, nur günstiger." Aber die Abhängigkeit von Outlook, MAPI und Microsofts Protokollentscheidungen bleibt bestehen. MAPI ist zwar dokumentiert (nur(!) wegen Kartellrechtszwang 2007, nicht freiwillig druch MS), aber nicht wirklich ein freier, standardisierter Kommunikationsstandard, sondern historisch eine Microsoft-Windows-API für Provider und Plug-ins.

    3. Wer MAPI implementiert, bleibt IMMER indirekt von Microsofts Protokollentscheidungen abhängig insbesondere wenn er Outlook-Kompatibilität verspricht. Da hilft auch die offene Dokumentation seit 2007 nix.

    4. Projekte wie ehemals Zarafa, Kopano oder Grommunio können Kompatibilität herstellen, aber sie kontrollieren den Standard nicht. Das sieht man auch am Übergang zum "New Outlook". Wer Outlook-Kompatibilität verspricht, bleibt dauerhaft von Microsofts Entscheidungen abhängig.

    5. Appliance-Gedanke, deren Teile man nicht anfassen sollte. Aus Adminsicht eine Art Monolith, bei dem es einem nichts bringt, dass man von $Subsystem Ahnung hat. Auch hier wieder: Zum Schluss hat man ein anderer Anbieter innerhalb desselben Lock-ins. Ja, ich komme per SSH d'auf und kann systemctl nutzen. Aber kann genauso wenig mal $Bedarf rantackern wie an einen Exchange. Und die Wahrscheinlichkeit eines sauberen, freundlichen Forks ist IMHO auch gering, denn wer mit Ahnung von Mail außer exakt dieser Grommunio-Gromox-Kopano-Zaraf-Peer-Group wird MAPI implementieren wollen / welches Problem wird durch $Fork gelöst?

    Aus meiner Sicht wäre es viel sinnvoller, das Spiel einfach mal sauber durchzuziehen: Postfächer + Storage, Kalender & Kontakte, MTA, Spamfilter und Transport als eigenständige Module zu begreifen und jedes davon optimal zu betreiben. Fangt mit Dovecot und Postfix an. Das bedeutet eine echte Lernkurve, dafür ist aber alles modular austauschbar. Und wirklich souverän mit offenen Protokollen. Wenn Dovecot es einmal nicht mehr wäre, kann man transparent eben dieses Modul austauschen, da gescheite Protokolle zum tragen kommen.

    [Disclaimer: Ich habe zum letzten mal alles vor ~9 Monaten durchevaluiert, ggf. hat sich was gebessert, aber das ist mein Stand]:

    1. Speichertechnisch: Äham. Aus meiner Sicht unklug gemacht. Wenn man IMAP einschält HAT MAN DOPPELTEN SPEICHERPLATZVERBRAUCH. Gromox (also https://github.com/grommunio/gromox, Unterbau) speichert jede Nachricht in zwei unterschiedlichen Formaten gleichzeitig:
    – exchange.sqlite3 – der MAPI-Store mit fast allem (ohne Mail-Bodies)
    – cid/ – Anhänge und Nachrichtentexte (PR_BODY, PR_HTML, PR_RTF)
    – eml/ – RFC5322-Repräsentation der Nachricht (für IMAP)
    – ext/ – JSON-Digest-Dateien für IMAP-Indizierung grommunio

    2. Für IMAP werden RFC5322-Kopien der Nachrichten und zugehörige Metadaten vorgehalten. Das heißt: Jede E-Mail existiert physisch sowohl als MAPI-Objekt im cid/-Verzeichnis als auch als separate .eml-Datei. Die EML-Dateien im eml/-Verzeichnis werden entweder beim Eingang durch den delivery-Prozess erzeugt, oder vom midb-Prozess nachträglich aus MAPI-Objekten generiert, wenn ein IMAP-Client darauf zugreift. Im Vergleich mit Dovecot und so ziemlich allen anderen Mailserver, auch Exchange, ist Gromox aus meiner Sicht mit Abstand schlechteste Sotragebackend. Das zeigt auch wieder das Problem: Wer IMAP nicht zwingend braucht, sollte auf ActiveSync oder MAPI setzen, das spart erheblich Speicher und vermeidet die Komplexität der doppelten Datenhaltung.
    !! DAS OFFENE PROTOKOLLL (IMAP) WIRD ALSO AN SICH MAL DIREKT TORPEDIERT. !!!

    3. Keine Postfachübergreifende Masteruser für Migrationen möglich. Ähm…

    4. IMAP auch ansonsten aus meinster Sicht schlecht implementiert, insbesondere serverseitige Suche.

    5. War auch bei Art-Verwandten wie Zarafa und Kopano immer ein Problem: Wiederherstellung auf Ordner-Ebene und so zwar schön anzuschauen, aber super fehleranfällig / klappt einfach oft mit diversen Fehler nicht.

    […]

    Disclaimer #2: Ich habe einige Exchanges, Kopanos und Grommunios dieser Welt auf (andere) OSS-Stacks umgestellt und denke, dass ich weiß wovon ich spreche. Grommunio ist weniger verbuggt als Kopano, aber die anderen Gründe bleiben bestehen.

    • CPU_FAN sagt:

      Okay, Sie haben Recht. Wir packen alles wieder ein und gehen zurück in unsere Höhlen, da wir lieber im Bett bleiben und uns mit der Situation arrangieren anstatt die Chance zu nutzen. Also, habt ihr das alle gehört? Herr Haerter sagt, dass wir das alle falsch machen und zu MS zurück sollen. Totlaberer gibt es genug da draußen, tragen Sie also was Sinnvolles bei und behalten Sie Ihre Gedanken für sich.

      • Mangolf sagt:

        Der CPU_FAN pustet heftig und weiß natürlich alles viel besser. Eine fundierte Antwort / Begründung wurde wohl davon geblasen…
        Ich kann zwar nicht beurteilen, ob das alles so stimmt, was Andreas Haerter da geschrieben hat, aber wenn jemand so detailliert und ausführlich schreibt, läuft er gewaltig Gefahr zerrissen zu werden, wenn es Bullshit wäre. Der Schreibaufwand, diese Häme zu kassieren, wäre doch unsinnig.
        Ich finde es jedenfalls gut, wenn Leute hier zum Thema ihre Meinung kund tun-

        • CPU_FAN sagt:

          Es nervt mich halt hart wenn nicht belegte Behauptungen aufgestellt werden, meine Instanz hat bspw. >12000 Mails im Bestand und es sind 1,2GB auf der Platte belegt für den betreffenden Userstore. Die DB-Partition nutzt 249MB.

          Als weiteres sind die getätigten Aussagen das Äquivalent zu "Das neue Haus sieht genauso aus wie mein altes Haus, nur dass mein altes Haus in Flammen steht. Aber da es die Fenster am neuen Haus nicht in meiner Lieblings-Farbe gibt bleibe ich lieber in dem brennendem Haus."

      • Andreas Haerter (foundata) sagt:

        > Okay, Sie haben Recht. Wir packen alles wieder ein und gehen zurück in unsere Höhlen, da wir lieber im Bett bleiben und uns mit der Situation arrangieren anstatt die Chance zu nutzen.

        Sorry, das ist einfach nur Blafasel. Ich habe genau begründet wo das Problem liegt: MAPI und schlechtere Technik. Punkt.

        Es gibt Mailstacks die sind einfach besser und auch als Open Source-Projekte sinnvoller aufgestellt. Open-Xchange im Enterprise existiert. Dovecot existiert und ist einfach der UM WELTEN(!) bessere IMAP-Server. Roundcube & Co existieren. Ich bin schon lange Exchange und MS-frei. Gott sei Dank auch frei von Grommunio und ich werde es weiterhin durch klügeres Open Source ablösen.

        Genau das Gegenteil von "unsere Höhlen". Tolle Kritikfähigkeit BTW.

        >Herr Haerter sagt, dass wir das alle falsch machen und zu MS zurück sollen.

        Bitte? OK, OFFENSICHTLICH Leseschwäche. Mein Lebensunterhalt bestreite ich damit, eben kein Microsoft einzusetzen. Meine Güte. Ich bin Inhaber einer OSS- und Linux-Systemhauses und OSS-Berater. Man man man.

        • CPU_FAN sagt:

          Haben Sie sich die Artikel eigentlich bis zum Schluss durchgelesen, die Sie als Kritikpunkte gegenüber Grommunio angeführt haben? Sie holen einen obskuren Fall aus der Kiste, der aufgrund seiner Konstellation offenbar ohnehin selten ist, findet man durch 10 Sekunden Google-Suche. Was andere behaupten hat mich schon immer Null interessiert, was ich auf meinen Systemen vorfinde ist das was ich beweisen kann, da ich es vor mir habe. Und der Speicherverbrauch ist weit weg von dem von Ihnen angeführten Beispiel. Auf die anderen Punkte gehe ich nicht mehr ein, da es halt komplett lächerlich ist 2 Einzelfällen eine Allgemeingültigkeit zu verleihen um damit das gesamte Produkt und die eigentliche Mission dahinter zu diskreditieren. Wir haben genug Totlaberer in Deutschland, deshalb läuft hierzulande ja auch nichts mehr. Was wir brauchen sind Veränderungen, Innovation und dies mit dem damit einhergehendem Mut. Fehler zu machen gehört dazu, aber das hat dieses Feld an sich. In der IT lernt man nie aus.

          • Andreas Haerter (foundata) sagt:

            > Haben Sie sich die Artikel eigentlich bis zum Schluss durchgelesen,

            Sie (seit wann Duzt man sich hier denn nicht mehr?) haben nicht mal gelesen, dass ich keine Exchange-Server ausrolle und lesen einfach mal alle relevanten Punkte nicht. Und https://community.grommunio.com/d/927-increased-2x-disk-usage-and-number-of-files-6x-after-imapsync-migration -> Was ist daran exotisch? -> Hier synct ein Admin per IMAP rein und hat dann doppelten Speicher belegt als erwartet. Das ist exakt, was ich beschrieben habe.

            Aber zum Kernpunkt:

            1. Grommunio == MAPI. Das stützt das Microsoft. Nicht Souveränität. Gehen Sie doch einfach mal darauf ein.

            2. Worüber streiten wir eigentlich? Ich sage einfach: es gibt deutlich bessere Open-Source-Mailbackends. Dovecot ist älter, besser, schneller und macht IMAP mit allen Features inklusive Public Namespaces, Shared Namespaces, ACLs etc. pp. Ihnen geht es ganz offensichtlich nicht um Open Source und einen Wettbewerb an Lösungen, sondern nur um Grommunio-Fanboyism

            > Und der Speicherverbrauch ist weit weg von dem von Ihnen angeführten Beispiel

            Nochmal: Ich habe schon zig Installationen abgelöst. Es ist Fakt. Und auch logisch nachvollziehbar, siehe Architektur. Kopano ähnlich. Zarafa ähnlich. Lesen. Sie. Die. Manpage. Ich habe erst letzte Woche einen 800GB-Storage gehabt, bei dem ~370GB einfach nur wegen IMAP-Aktivierung verschwendet waren.

            > Was wir brauchen sind Veränderungen, Innovation und dies mit dem damit einhergehendem Mut.

            Jo, daher baue ich OSS-Mailstacks. Ohne Grommunio. UND VORALLEM: OHNE MAPI. Ich werde kein OSS-Produkt, das Microsoft direkt unterstützt und die Dominanz über Protokolle zementiert, unnötig supporten. Und ich brauch keinen Tacho in der Admin-Web-UI, auch wenn eben dieser bei Geschäftsführern irgendwie immer gut ankommt. :-D

            Ich versteh's wirklich nicht. Wenn ich schon alles OSS mache, dann baue ich keinen Exchange-Protokoll-Clon. Und solange man im Grunde nur Exchange nachbaut, bleibt ausschließlich die Preisschiene als Alternative. Und wie erfolgreich das war, hat man bei Zarafa & Kopano ja gesehen. Grommunio findet wegen der aktuellen Weltpolitik ggf. finanziell eine soliderer Basis als die Schwester- und/oder Vorgängerprojekte (je nach Sichtweise), aber es hat die gleichen Probleme schon direkt im aus meiner Sicht falschen (unsouveränen) Ansatz.

            Wie immer: Die Protokolle, Datenformate und dahinterstehende Standards sind der Schlüssel. Wer hier falsch wählt hat gar nichts gelöst.

            > Fehler zu machen gehört dazu, aber das hat dieses Feld an sich. In der IT lernt man nie aus.

            Grundlos Fehler zu wiederholen ist aber eben kein Lernen. Das Monopole und Lock-Ins in diesem Sektor in MAPI begründet sind ist sogar Kartellrechtlich schon seit zwei Dekaden durchgespielt, da gibt es keine Erkenntnislücke. Aber manche lernen es offensichtlich nie.

  5. MaxM sagt:

    @Andreas Haerter (foundata): Du scheinst Dich ja sehr tiefgehend auszukennen. Respekt.

    Nehmen wir mal an, ich wäre ein Venture-Kapitalist und würde Dir Geld anbieten, um Deine Lösung umzusetzen: "Postfächer + Storage, Kalender & Kontakte, MTA, Spamfilter und Transport als eigenständige Module zu begreifen und jedes davon optimal zu betreiben."

    Wieviel Kapital würde man benötigen, um diese Lösung vermarktungsfähig umzusetzen? Nur gaaaaannnz grobe Zahl.

    • Andreas Haerter (foundata) sagt:

      Es ist im Grunde wie bei Proxmox VE und anderen Projekten: Es liegt schon alles als Baustück da und muss zusammengesetzt werden für KMU ähnlich Grommunio, nur eben klüger. Genau das bauen wir z.B. mit durchdachten Ansible-Collections und -Konzepten für unsere Kunden, aber eben nicht "einfach so von der Stange" wie ein Mailcow oder mailu (die ich beide immer einem Grommunio vorziehen würde als Zwischenschritt zur eigenen Lösung, da sie immerhin einen gesunden Stack und wirklich offene Protokolle haben), sondern auch gerne mal mit Erweiterungen nach Bedarf (z.B. Signatur-Sync für Roundcube, https://github.com/foundata/roundcube-plugin-identity-from-directory, mal eine Erweiterung hier, mal eine da)

      Dickster Brocken ist Kalender und CalDAV. Die beste Implementierung hat lustigerweise wirklich DAViCal (sonstiger Projekteindruck hin oder her); Hier bringen wir wahrscheinlich bald ein eigenes Kalenderplugin für Roundcube unter GPL-3.0… den auf der Client-Seite sieht es am übelsten aus.

      Egal, ich schweife ab: Da es im Grunde um Integrationsarbeiten und Client-Evaluierungen, -Anpassungen und -Workarounds vorallem im Bereich Kontakte und Kalender geht um die Bausteine zu sinnigen Implementierungs-Best-Practices mit Supportinfra zu bauen kommt man mit einem mittleren sechsstelligen Betrag technisch schon sehr weit aus meiner Sicht, da man ~zwei Vollblut-OSS-Consultants/Entwickler mit Ahnung und je einem Mannjahr ziemlich weit kommt. Dann wahrscheinlich nochmal das gleiche für gescheites Marketing und Support-Infra-Aufbau mit Labs, Schulungen etc. pp.

      Deutliche leichtgewichtiger als ein Grommunio das sicher mehr wegfrisst and Entwicklerressourcen und natürlich anderes Segment als ein Open-Xchange. Aber das ist ja auch ein schönes Beispiel, wenn man mal schaut wie klein der Kern um Aki Tuomi & Co eigentlich ist und wie viel man bewegen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros. Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion. Kommentare, die gegen die Regeln verstoßen, werden rigoros gelöscht. Wegen Missbrauchs bin ich gezwungen, Name und E-Mail als Pflichtfelder beim Kommentieren zu aktivieren. Wählt ggf. einen (noch nicht benutzten) Alias-Namen und verwendet ggf. eine Dummy-Mail-Adresse (z.B. t@hotkev.com).

Du findest den Blog gut, hast aber Werbung geblockt? Du kannst diesen Blog auch durch eine Spende unterstützen.