Digital Independence Day: Exchange/Outlook ersetzen; grommunio 2026.06.1 ist da

EU-FlaggeWir haben wieder den 1. Sonntag im Monat, also "Digital Independence Day" und Zeit für einen Beitrag zum Thema digitale Souveränität. Das Thema digitale Souveränität in Europa liegt ja seit ca. einem Jahr virulent in der Luft und hat auch die Mainstream-Medien erreicht. Vor einigen Tagen habe ich eine Rückmeldung von René Ketterer Kleinsteuber auf Facebook erhalten, der mir schrieb, dass sie in seinem Umfeld Exchange/Outlook ersetzen. Ich skizziere mal, was ich so erfahren habe. Zudem ist vor einigen Tagen grommunio 2026.06.1 erschienen.

Das Thema digitale Souveränität in Europa liegt ja seit ca. einem Jahr virulent in der Luft, und ist inzwischen sogar in den Mainstream-Medien. Gestern hatte ich noch berichtet, dass Mecklenburg-Vorpommern Microsoft Sharepoint durch Nextcloud ersetzt. Es geht also schrittweise voran. Viel wichtiger ist aber, dass es auch Firmen gibt, die über das Thema nachdenken und sogar erste Schritte wagen.

Aber ich höre auch allzu oft "Microsoft ist alternativlos". Könnte ein böses Erwachen geben, denn zum 30. Juni 2026 hatte ich im Beitrag Wurde das US-EU Transatlantic Datentransfer-Abkommen gerade pulverisiert? über die nächste juristische "Stolperfalle" für die europäischen US-Cloud und M365-Anwender berichtet. Eine Entscheidung des obersten Gerichtshofs der USA (US Supreme Court) alle eigenständigen  US-Aufsichtsbehörden für verfassungswidrig zu erklären hat Implikationen über die USA hinaus.

Damit hat dieses Gericht faktisch das Abkommen zwischen der EU und den USA über den Transatlantic-Datentransfer zunichte gemacht, da die Grundlagen, auf denen das Abkommen beruht, gerade entfallen sind. Denn der Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission, auf dem der Rechtsrahmen für den Datentransfer in die US-Cloud fußt, basiert auf der Prämisse, dass die US-Aufsichtsbehörden unabhängig sind und so in den USA ein für EU-Bürger angemessenes Datenschutzniveau herrscht. Es ist davon auszugehen, dass der Europäische Gerichtshof (EUgH) das US-EU Transatlantic Datentransfer-Abkommen erneut kippt, denn Max Schrems von noyb hat bereits angekündigt, gegen das Abkommen zu klagen.

Eine Leserrückmeldung auf Facebook

Szenenwechsel in Richtung Microsoft 365 und dessen "Alternativlosigkeit". Zum 25. Juni 2026 hatte ich im Beitrag MS Office Classic: Copilot-Schaltfläche verschwunden (Juni 2026)? über den neuesten Bug in Microsofts Office-Lösung berichtet (der Bug ist nun korrigiert – siehe Microsoft Outlook Classic: Copilot-Schaltflächen-Bug behoben (Juni 2026)). Gewohnheitsmäßig erstelle ich dann auch auf Facebook Posts und verlinke auf den Blog-Beitrag. Auf meinen Beitrag in einer Administratorgruppe für M365, Microsoft Infrastruktur/Cloud gab es dann eine kurze Reaktion von René Ketterer Kleinsteuber, Teilnehmers dieser Gruppe:

MS-Office ist bereits ersetzt. Jetzt sind wir dabei, das Gespann Exchange/Outlook zu kicken. Sollen sich die Copilot-Schaltfläche sonst peppen!

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe nachgefragt, ob ich nähere Informationen haben kann und das im Blog aufgreifen darf. René Ketterer Kleinsteuber ist Ingenieur, Informatiker und Geschäftsführer der isential gmbh. Er arbeitet als Software-Entwickler und ERP-Architekt und bloggt auf ketterer.biz. Auf Grund seines obigen Posts hatte er mir noch einige Details verraten.

Microsoft Office durch LibreOffice ersetzt

Zum Thema Microsoft Office schrieb mit der Leser, dass man dort einfach auf LibreOffice umgestiegen sei:

Der Office-Umstieg war erstaunlich einfach: Microsoft Office  raus, LibreOffice rein.

Herausforderungen kann es laut Ketterer höchstens geben, wenn man mit Partnern zusammenarbeitet, die auf hochkomplexe Excel-Dateien mit Makros und ähnlichem Gedöns setzen. Auch dort verfolgt er einen pragmatischen Ansatz und schrieb mir dazu:

Wir haben selbst einen Kunden, bei dem das so ist. Dafür reicht dann aber eine einzige Excel-Lizenz im gesamten Unternehmen völlig aus, um diese spezielle Anforderung abzudecken.

Ketterer meinte zum Thema "Aber wir brauchen unbedingt Excel, weil ein Kunde …" nur lapidar: "Das ist auf keinen Fall ein Grund, weiterhin im Microsoft-Käfig gefangen zu bleiben!" Kann ich nur unterschreiben – hier ist zwar noch ein Word 2000 für Altdateien installiert. Aber die Erzeugung von elektronischen Rechnungen über RechnungFertig läuft über den LibreOffice Writer. Es wird kein Microsoft 365 gebraucht.

Outlook und Exchange ersetzen

Zur Frage der Ablösung von Microsoft Exchange und Outlook als Client merkte Ketterer auf Nachfrage an: "Schau dir mal 'Stalwart' als Server und 'Bulwark Webmail' als Client an. Bulwark läuft überall als PWA und das völlig ohne Installationsaufwand."

Stalwart ist ein Open-Source-E-Mail- und Kollaborations-Server mit Unterstützung für JMAP, IMAP4, POP3, SMTP, CalDAV, CardDAV und WebDAV sowie einer Vielzahl moderner Funktionen. Er ist in Rust geschrieben und auf Sicherheit, Geschwindigkeit, Robustheit und Skalierbarkeit ausgelegt. Das Projekt ist auf GitHub gehostet und es gibt eine offizielle Stalwart-Webseite.

Als Client hatte Ketterer 'Bulwark Webmail' erwähnt. Auch hier gibt es ein GitHub-Projekt sowie eine Webseite für den Client mit Dokumentation etc. Zum Mail-Client schrieb er noch, dass man auch weiterhin den Thunderbird einsetzen könne, falls eine Offline-Verarbeitung der Mails gewünscht sei. Man könne den Thunderbird über IMAP anbinden, da die Thunderbird JMAP-Implementierung erst für nächstes Jahr geplant sei.

Alternativen zu M365

Von heise habe ich Ende Juni 2026 einen kurzen Text erhalten, der sich mit Alternativen zu Microsoft 365 befasst. heise schrieb, dass Europäische Datenschutzurteile und neue Regulierungen wie NIS2 Unternehmen zwingen, ihre Abhängigkeit von Microsoft 365 zu überdenken. Eine einfache Produktalternative zu M365 gebe es nicht, ist die Aussage der iX-Redaktion, die sich in Ausgabe 7/2026 mit dem Thema auseinander gesetzt hat.  Die Unternehmen müssen sich laut heise stattdessen strategisch entscheiden: Welche Kompromisse sind sie bereit einzugehen – und haben sie die IT-Reife, diese zu managen?

heise weist darauf hin, dass der US CLOUD Act amerikanische Unternehmen verpflichtet, Daten auf Anordnung von US-Behörden herauszugeben – unabhängig vom Serverstandort. Parallel verschärft die EU ihre Anforderungen: Die NIS2-Richtlinie verlangt von Unternehmen systematisches Risikomanagement für ihre IT-Lieferkette.

Obwohl Microsoft 365 den digitalen Arbeitsplatz dominiert, lässt sich die Abhängigkeit davon nicht einfach durch den Wechsel zu einem anderen Produkt beseitigen, schreibt heise. "Entscheidend ist vielmehr die Frage: ‚Wie muss meine IT aufgebaut sein, damit ein Wechsel überhaupt noch realistisch umsetzbar bleibt?'", betont iX-Redakteur Kornelius Kindermann.

Alternative Arbeitsplatz-Software existiert in zwei Grundformen: Integrierte Suiten bündeln alle Funktionen in einem geschlossenen System und eignen sich für Organisationen mit begrenzten Betriebsressourcen. Zu ihnen zählen Nextcloud Hub, kSuite, Proton Workspace, grommunio und die eXo Platform. Der Preis für die einfachere Handhabung: funktionale Abstriche bei Terminplanung, Echtzeitbearbeitung und mobiler Nutzung.

Modulare Ansätze wie openDesk kombinieren einzelne Bausteine. Sie bieten maximale Kontrolle, sind aber aufwendig im Betrieb. "Modulare Ansätze scheitern in realen Projekten nicht an fehlender Funktionalität, sondern an fehlender organisatorischer Klarheit", warnt Kindermann. Arbeiten die Komponenten nicht nahtlos zusammen, koste das schnell Nutzerakzeptanz.

In der Praxis entscheiden vier Bereiche über den Projekterfolg: Kalenderfunktionen mit Ressourcenbuchungen und Delegationen, Chat mit Compliance-Frameworks, nahtlos integrierte Videomeetings sowie die Mobile Experience. Letztere wird zum Prüfstein, wenn Mitarbeitende mit mehreren Apps jonglieren müssen.

"Eine allumfassende europäische Alternative zu M365 gibt es derzeit nicht", stellt der iX-Redakteur klar. Organisationen mit begrenzten IT-Ressourcen sollten integrierte Suiten mit funktionalen Kompromissen wählen. Organisationen mit hoher IT-Reife profitierten von modularen Ansätzen, wenn sie bereit seien, die daraus entstehende Komplexität aktiv zu steuern. Nicht das perfekte Softwareprodukt stehe im Vordergrund, sondern die Fähigkeit zur Anpassung, so Kindermann.

grommunio 2026.06.1 ist da

Weil es gerade passt, zum 1. Juli 2026 wurde grommunio 2026.06.1 veröffentlicht. grommunio ist eine europäische, quelloffene Groupware- und Collaboration-Plattform für E-Mail, Kalender, Kontakte, Chat, Video und Dateien und wird als nativer Exchange-Ersatz gehandelt. Die Entwickler geben für grommunio Release 2026.06.1 folgende Punkt als die wichtigsten Neuerungen an:

  • grommunio AI – ganz nach Ihren Vorstellungen
  • gromox: eine schlankere, schnellere Engine
  • grommunio Web wurde optimiert
  • Endlich gemeinsam genutzte Postfächer auf dem Smartphone
  • Ein neu gestaltetes Admin-Interface und DKIM sofort einsatzbereit
  • grommunio Meet wurde umfassend überarbeitet
  • grommunio Files hat einen ganzen Generationssprung gemacht
  • grommunio Keycloak wurde auf Keycloak 26.6.4 aktualisiert
  • grommunio Archive wurde auf die neue Generation 1.4 überarbeitet
  • grommunio Desk, der Desktop-Client, ist nun in Version 1.2 verfügbar
  • Eine neue Plattform: openSUSE Leap 16.0
  • Debian mit nativen .deb-Paketen für den gesamten Stack – Debian 13 sowie Ubuntu 24.04 und 26.04 LTS

Zudem wurde die Dokumentation neu gestaltet und überarbeitet. Alle Details und Informationen zu grommunio 2026.06.1 finden sich in einem Blog-Post.

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