Dürfte an vielen Nutzern vorbei gegangen sein. Aber Windows 11 ist am 24. Juni 2021 angekündigt worden und somit fünf Jahre alt. Was früher eine Gelegenheit zum Feiern gewesen wäre, ist inzwischen eine fünf Jahre alte Misere und Lektion an Microsoft, die zeigt, was man alles falsch machen und auf den Bauch fallen kann. Nutzer sollte man nicht für dumm verkaufen.
Dieses "Jubiläum" letzten Mittwoch ist nicht an mir vorbei gegangen, hatte ich doch diverse "Erinnerungsartikel" gesehen. Aber es war heiß, und ich fand das Thema jetzt nicht so "sexy", da zeitnah einen Artikel drüber zu bringen – später reicht auch noch. Zumal ich den Artikel Windows 10: Microsoft verlängert kostenloses ESU bis Oktober 2027 viel spannender fand. Aber ganz unter den Tisch fallen wollte ich das "Windows 11 Jubiläum" nicht, ist es doch ein wunderbares Beispiel, wie Microsoft sich verzockt hat und die Nutzer für dumm verkaufen wollte.
Neowin reflektiert 5 Jahre Windows 11
Bei Neowin gab es den Beitrag Windows 11 is now five years old mit der Botschaft, dass Microsoft die Nutzer seit "einem halben Jahrzehnt beglückt habe" (böse Zungen tauschen "beglückt" durch "gequält") Dort heißt es, dass Microsoft am 24. Juni 2021 eines seiner umstrittensten Betriebssysteme, Windows 11, designed mit "bring you closer to what you love" angekündigt habe. Gab da eine Preview – freigegeben wurde Windows 11 im Oktober 2021.
Die frühen Versionen von Windows 11 hätten vieles versprochen: Eine neu gestaltete, modernere Benutzeroberfläche, ein brandneues Startmenü und eine neue Taskleiste, Verbesserungen bei den virtuellen Desktops und beim Andocken von Fenstern, Unterstützung für Android-Apps, die Integration von Teams in die Taskleiste, Windows-Widgets, eine neue Version des Microsoft Store, verbesserte Sicherheit und vieles mehr.
Neowin erinnert daran, dass die Öffentlichkeit "einige dieser Funktionen" positiv aufgenommen habe, während andere heftige Kritik erfahren hätten. Neben den fehlenden Funktionen der Taskleiste und des Startmenüs hätten sich viele Leute an den hohen Hardwareanforderungen gestört. Zudem wurden TPM und Secure Boot zur Pflicht, was Verkäufe spezieller TPM-Chips für Motherboards beflügelte. Auch die zweistufigen Kontextmenüs seien "nicht gut angekommen" (das ist auch noch nach einem halben Jahrzehnt Windows 11 nicht gefixt).
Dafür gab es "Featuritis" und gestrichene Funktionen. Mir war schon entfallen, dass Microsoft die Teams-Integration entfernt und die Unterstützung für Android-Apps eingestellt hat. Mir waren nur "es hakt ständig mit Bugs und kaputten Funktionen, Zwangsbeglückung mit ungewollten Features, so dem unsäglichen AI-Slop a la Recall und Copilot" im Hinterkopf geblieben. Aber Microsoft hat ja eingesehen, dass man etwas ändern müsse, hieß es im ganz positiv formulierten Artikel. Aber man hat doch noch "die Kurve gekriegt", gab es doch am gleichen Tag den Artikel Win11Debloat 06.24.2026 veröffentlicht. Na bitte, geht doch.
Ein kritischer Blick von The Register
Das britische Medium The Register erinnerte mit dem Artikel Windows 11 turns five, leaving some important lessons for Microsoft, dass auch für Microsoft die "Bäume nicht überall in den Himmel wachsen". Denn mit Windows 11 hat Redmond sich eine "blutige Nase geholt". The Register drückt es so aus: "Windows 11 war für Microsoft schon immer ein Sorgenkind".
Dann erinnert The Register an einige Details: Windows 11 wurde im Juni 2021 (als Preview) angekündigt und am 5. Oktober allgemein freigegeben (siehe meinen Beitrag Windows 11 offiziell freigegeben). Damals litt ein Großteil der Kundschaft noch unter den Folgen der COVID-19-Pandemie. Und Windows 10, was mal als "letztes Windows angekündigt worden war", war damals mehr als ausreichend.
Aus Marketinggründen hat man damals ein neues "Flagschiff-Betriebssystem" auf den Markt geworfen und den Spruch "Was nicht kaputt ist, soll man nicht reparieren" ignoriert, dafür aber mit einem überarbeiteten und als Windows 11 präsentierten Windows 10 vieles kaputt gemacht; Hardwareanforderungen; Bugs am laufenden Band, und Featuritis. Das Desaster ließ sich fünf Jahre verfolgen.
Mein Blick auf Windows 11
Die beiden oben referenzierten Artikel beschreiben ganz gut das Desaster Windows 11, auch wenn Leute mit "bei mir läuft es super" um die Ecke kommen. Aber ich habe noch einige Spezialitäten im Hinterkopf, die zeigen, wie Microsoft Windows 11, von langer Hand vorbereitet, schlicht kaputt gemacht. Die Geschichte fängt damit an, dass vieles bei Microsoft ziemlich kopflastig ist und das Management weit in die Zukunft denken muss, dabei aber oft oder regelmäßig die Bedürfnisse der Nutzer aus den Augen verliert.
In den 90er Jahren war Microsoft damit befasst, sein Windows 9.x irgendwie zum Laufen zu bringen und erst mit Windows XP gelang ein etwas besserer Wurf. Was dann irgendwann als Windows 7 auf den Markt kam und überzeugte, hatte aber die Pleite mit Longhorn (Jahre der Verzögerung, gestrichene Funktionen) und den Schlenker über Windows Vista als Vorlauf.
Statt Windows 7 nach der Freigabe 2009 zukunftsfest zu machen, verstieg das Management um Steven Sinofsky sich zu Windows 8 und dessen Kacheloberfläche mit Touchbedienung. Damals kam das "wir wissen, was gut für die Anwender ist" auf die Agenda. Die Multifunktionsleiste (Ribbon) von Microsoft Office 97, die seinerzeit die Menüleiste ablöste, wurde auch mit User-Experience aus Laborversuchen begründet. Wie das Experiment Windows 8.x ausgegangen ist, wissen wir alle. Nur so viel: Sinofsky ist längst weg, Steve Ballmer ging als Vorstand, Satya Nadella kam und prägte das Credo "Mobile first, Cloud first".
Aber da gab es noch die Betriebssystemgruppe … und wenn Du die Leute genügend mit Windows 8.x gequält hat, kannst Du ihnen Windows 10 mit Startmenü vorwerfen, die sind einfach glücklich. Ich war es jedenfalls, als ich 2014 die ersten Ideen zu Windows 10 vernahm, kam aber schnell (in der ersten getesteten Preview) zum Schluss, dass Microsofts Management es immer noch nicht begriffen hat. Der Hang zu Apps aus dem Store, der Ansatz "Windows as a service" mit zwei Feature-Updates pro Jahr, fehlende Update-Steuerung in nicht verwalteten Windows-Versionen und Bugs, Bugs, Bugs forderten ihren Tribut.
Die Feature-Updates waren damit verkauft worden, dass Windows 10 das letzte Windows sei, weil man ja immer up-to-date bleibe. Es brauchte aber ein paar Jährchen, bis Microsoft die Einsicht zeigte, dass nur noch ein Funktionsupdate pro Jahr verkraftbar ist (schaut euch am Artikelende meine Beitrag zur "Zufriedenheit mit Windows" und den offenen Briefen an Microsoft, da was zu ändern, an, um die damalige Stimmung aufzufangen). Heute kommen Feature-Updates dann noch per Enablement-Update, so dass sich am Windows-Kern oft über zwei Jahre nichts ändert, sondern Funktionen lediglich freigeschaltet werden. So basieren Windows 11 24H2, 25H2 und 26H2 auf der gleichen Basis.
Es hätte alles so schön mit Windows 10 laufen können – alle Jahre ein Feature-Update, dieses für zwei Jahre per Enablement-Update aktualisiert und ein Betriebssystem, welches stabil läuft und den Anwender einfach arbeiten lässt. Aber Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn man einen solchen Ansatz nicht erfolgreich kaputt gemacht bekommt.
Da war das Marketing, welches feststellte "Oh, 2025 ist Windows 10 bereits 10 Jahre auf dem Markt, da haben wir doch früher immer ein Windows im Support beerdigt". Argumente hatte das Marketing ja genug, der Ruf der ersten Windows 10-Versionen war durch Bugs katastrophal. Wer erinnert sich noch, dass Windows 10 1607 im Jahr 2016 nach dem Rollout für drei Monate zurückgezogen und überarbeitet werden musste? "Das müssen wir besser machen, ein neues Windows mit anderem Namen muss her, der PC-Absatz muss auch mal wieder angekurbelt werden", wurde in Strategiesitzungen gewälzt.
Und da gab es noch so zwei Sachen, die in der breiten Öffentlichkeit untergingen: Microsoft wollte einen Chromebook-Killer sowie im Bereich der Android-Geräte wildern und was entgegen setzen. Beim Chromebook-Killer (siehe die Artikellinks wie Microsofts Trauma: Chromebooks sind preiswerter und schneller als die Windows-Schinken am Beitragsende) ist man mit seinem fetten Windows krachend gescheitert.
Aber es gab noch den Ansatz, ein Mobilgerät mit einem Windows 10X (und Android) zu entwickeln. Mit diesem Ansatz ist man auch krachend gescheitert. Denn Kunden, denen man das Ergebnis zeigte, müssen so etwas in der Art "Jungs, packt das ein und gebt es auf die Müllkippe, da ist kein Bedarf" gesagt haben. Die Entwicklung von Windows 10X wurde eingestellt, wie ich Mitte Mai 2021 im Beitrag Stecker gezogen: Ende für Windows 10X … berichtet habe.
Aber damit war die Basis für das Windows 11-Desaster bereits gelegt. Es ist an den meisten Leuten vorbei gegangen, aber in meinem obigen Beitrag zum Ende von Windows 10X stand 2021 folgendes Zitat:
Anstatt ein Produkt mit dem Namen Windows 10X im Jahr 2021 auf den Markt zu bringen, wie wir es ursprünglich vorhatten, nutzen wir die Lehren aus [der Vergangenheit] und beschleunigen die Integration wichtiger grundlegender 10X-Technologie in andere Teile von Windows und Produkte im Unternehmen.
Mit anderen Worten: Funktionen aus Windows 10X werden in Windows 10 übertragen. Dann sollen alle Windows 10-Nutzer was davon haben.
Aber ich lag falsch! Nicht Windows 10-Nutzer wurden beglückt, sondern wenige Wochen später, am 24. Juni 2021, zauberte Microsoft seine Ankündigung zu Windows 11 aus dem Hut. Gut, ich lag doch nicht so ganz falsch, denn dieses Windows 11 ist von den Build-Nummern immer noch ein Windows 10.xxx.
Ich hatte Windows 11 mal als "Resterampe von Windows 10X" bezeichnet und im Beitrag Windows 11 offiziell freigegeben seziert. O-Ton vom Oktober 2021 mit etwas Ironie gewürzt:
Bevor es untergeht: Wer mit Windows 10 unterwegs ist, bekommt bis zum 14. Oktober 2025 noch Support und Sicherheitsupdates. Und unter der Haube ist dieses Windows 11 schlicht ein Windows 10-Kern, auf den so einige Oberflächenelemente aus dem eingestellten Windows 10X übernommen wurden (siehe Stecker gezogen: Ende für Windows 10X …). Böse Zungen könnten behaupten, da wurden Teile von der Resterampe Windows 10X neu verbaut, aber Microsoft wird sicherlich in den kommenden Jahren was feines daraus schnitzen – da glaube ich ganz feste daran – man muss denen nur Zeit geben.
Die "Erfolgsgeschichte" von Windows 11 dürfte den meisten Lesern noch geläufig sein. Zu Beginn "dieser Journey" habe ich noch mit Popcorn auf der Couch gesessen. Aber davon werde ich zu fett, sagt meine Frau. Also greife ich asketisch zu meinem Linux Mint-Notebook oder boote altes Windows 10-Zeugs, was dank ESU, LTSC-Channel oder opatch noch lange im Support ist, Null Kalorien auf die Wage bringt, und mich einfach arbeiten lässt. Gelegentlich boote ich dann eine VM mit Windows 11 um etwas nachzuschauen und staune, womit die Leute sich so traktieren lassen.
Es gibt ja seit mindestens einem viertel Jahrhundert den Running Gag der Windows-Enthusiasten: "Dieses Jahr wird der Durchbruch für Linux". Ist natürlich Unsinn, Linux ist Nische und ein solides Windows könnte eine gute Basis sein. Windows hält den Markt, aber Apple & Co. knabbern mittlerweile da dran.
Nun hat der Running-Linux-Gag auch Redmond eingeholt. 2025 sollte ja laut Microsoft das Jahr des PC-Umstiegs auf Windows 11 mit AI werden (Microsoft: 2025 wird das Jahr der Windows 11 PC-Aktualisierungen). Bekanntlich hat der AI-Hype die Preise explodieren lassen, PC-Neukäufe sind verhalten, Microslop-AI mag man auch nicht so richtig, und so um die eine Milliarde Windows 10 PC-Besitzer verweigerten im Oktober 2025, zum Supportende "das Hüpfen zu Windows 11".
Microsoft hat ja eine Qualitätsoffensive für Windows 11 angekündigt, musste jetzt aber ein weiteres Mal das ESU-Programm für private Windows 10-Nutzer verlängern. Nach einer Erfolgsgeschichte und Party zum fünften Geburtstag sieht das nicht aus, oder?
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MVP: 2013 – 2016





Eine Korrektur:
Die Ribbons kamen nicht mit Office 97 sondern mit Office 2007.
Und zu Windows 10X kam die Aussage von Microsoft, das das nie funktioniert hätte.
Man hat also Windows 10 ein paar Dinge eines OS, das nie funktioniert hätte, aufgepropft und es Windows 11 genannt.
Und nicht zu vergessen Windows Server 2025, das ja die Serverversion von Windows 11 ist. Auch das glänzt wie Windows 11 mit allerlei Bugs und Problemen.