Meteorit von Elsmhorn, das Ergebnis eines Zusammenstoßes

Im April 2023 durchschlug ein Meteorit das Dach eines Hauses in Elmshorn. Dem Hausbesitzer hat der Fund nicht nur etwas Geld gebracht. Es ist auch bekannt, dass der Meteorit aus der Frühphase des Sonnensystems stammt. Und nun stellt sich heraus, der Brocken wurde durch die Kollision zweiter Körper erzeugt.


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Der Meteoritenfall von Elmshorn

Ende April 2023 gab es den Meteoritenfall von Elsmhorn in Norddeutschland. In einer Pressemitteilung der Universität Münster, die Bruchstücke der Meteoriten untersuchten, heißt es:

Am 25. April leuchtete um 14.14 Uhr für etwa vier Sekunden eine Tageslicht-Feuerkugel über Schleswig-Holstein auf. Diese helle Leuchterscheinung wurde von zwei Meteorkameras des "Allsky7 Netzwerks" aufgezeichnet und von einigen Augenzeugen in Deutschland und den Niederlanden beobachtet.

Kurz darauf entdeckten Einwohner des Ortes Elmshorn Einschläge auf Dächern und in Gärten und fanden Meteorite von einigen hundert Gramm bis mehrere Kilogramm. Speziell der Meteorit, der ein Loch ins Dach eines Hauses geschlagen hat, fand Eingang in die Berichterstattung der Medien. Ich hatte das Ereignis kurz im Blog-Beitrag Meteoriten, die Gefahr aus dem All … erwähnt.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte einen Artikel zu diesem Vorfall veröffentlich. Auf NDR fand sich dann die Information (und dieser Videobeitrag), dass der gefundene Meteorit aus der Ur-Zeit des Sonnensystems stammt. Und heise hat hier ebenfalls einige Informationen veröffentlicht.

Einer Familie scheint der Meteorit wohl eine hübsche Summe eingebracht zu haben. Ein 3,7 Kilogramm schwerer Meteorit, der im Garten der Familie eingeschlagen ist, soll nach meinen Informationen verkauft worden sein (der Wert war auf 400.000 Euro taxiert worden, der Verkauf soll für ca. 200.000 Euro über die Bühne gegangen sein).

Glücksfall für Wissenschaft und Hausbesitzer

Einige der Fundstücke stellten die Finder dankenswerter Weise der Wissenschaft zur Untersuchung zur Verfügung. Wissenschaftler aus Münster und Dresden konnten den Fund laut dieser Pressemitteilung analysieren und haben dabei festgestellt, dass es sich bei dem Gestein um einen sogenannten gewöhnlichen Chondriten des Typen H handelt. Das ist eine Gruppe von Meteoriten, die einen besonders hohen Anteil an Metall besitzen.

Für ihre Analysen zersägten die Wissenschaftler in Münster ein circa 40 Gramm schweres Stück des Meteoriten und stellten mehrere sogenannte Dünnschliffe her. Diese nur 30 Mikrometer dicken Gesteinsscheiben erlauben weitergehende Untersuchungen der internen Struktur mittels optischer und Elektronenmikroskopie. Ein Teil wurde zu einem feinen Pulver verarbeitet, das die Forscher zur weiteren chemischen und isotopischen Untersuchung beteiligten Instituten in Europa zur Verfügung gestellt haben.

Dr. Detlev Degering vom VKTA – Strahlenschutz, Analytik & Entsorgung Rossendorf e.V. untersucht aktuell ein weiteres Fundstück des Meteoriten im Untertagelabor Felsenkeller mittels hochempfindlicher Gammaspektrometrie auf vorrangig kurzlebige Radionuklide. Diese entstanden während seines Aufenthaltes im All und bestätigen zum Beispiel, dass es sich tatsächlich um einen aktuellen Fall handelt. Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte bereits anhand von Fotos sicher, dass hier echte Steinmeteorite vorliegen.


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Das Bruchstück stammt laut der Analysen aus der Urzeit des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren und weist eine intensive Brekziierung auf, heißt es in der Mitteilung der Universität. Das bedeutet, dass das Gestein aus verschiedenen Bestandteilen wie etwa sehr ursprünglichem und unverändertem so wie stark erhitztem Material besteht.

"Die Brekziierung des Meteoriten ist durch vorherige Kollisionen im frühen Sonnensystem und im Asteroidengürtel entstanden, einer Region mit einer besonders hohen Ansammlung von Asteroiden, die zwischen Mars und Jupiter liegt. In anderen Worten, der Mutterkörper des Meteoriten Elmshorn ist dort mit anderen Asteroiden kollidiert und ermöglicht uns so Einblicke in die Geschichte dieses Himmelskörpers.", erklärt Dr. Markus Patzek vom Institut für Planetologie der Universität Münster bereits im Mai 2023.

Sogar zwei Kollisionen

Nun bin ich bei Spiegel Online auf die Information gestoßen, dass der Meteorit bereits zwei Zusammenstöße erlebt habe. Da der Artikel hinter einer Paywall steckt, ist der Inhalt für mich nicht lesbar. Aber MSN hat den Beitrag hier gespiegelt und auf IDW gibt es diese Mitteilung, dass ein Fundstück des Meteoriten aus Elmshorn nun im "Museum der Natur" in Hamburg ausgestellt wird.

Lässt man das Beiwerk über die Entdeckung weg, ergibt sich folgende Erkenntnis, die ein Team von Forschenden, in dem auch Museumsleiter Stefan Peters vonseiten des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) vertreten war, aus der Analyse der Bruchstücke gewann. Sie fanden bei mineralogischen und geochemischen Analysen heraus, dass der Meteorit Trümmer von mindestens zwei verschiedenen Asteroiden enthält. Daraus schlossen sie, dass auf ihrem Weg um die Sonne offenbar zwei Asteroiden zusammengeprallt waren und zerstört wurden. Bei der Kollision vermischten sich Bruchstücke aus dem Inneren und von der Oberfläche der beiden Asteroiden und verschmolzen zum Mutterkörper des Meteoriten „Elmshorn".

Somit reicht seine Geschichte 4,5 Milliarden Jahre in die Anfänge unseres Sonnensystems zurück, heißt es in der Mitteilung. "Der Meteorit hat Informationen über diese große Kollision der beiden Asteroiden gespeichert", begeistert sich Stefan Peters. "Er verbindet zwei Gruppen von Meteoriten, von denen derzeit weltweit einige vom Himmel fallen. Aber es ist das erste Mal, dass wir ein Mischgestein dieser zwei Asteroiden finden. Wir haben in unserer Sammlung Material der beiden Mutterkörper und nun auch die Verbindung. Das ist eine tolle Ergänzung unserer Sammlung."

Auf MSN vermuteten die Fachleute, dass die beiden Ausgangskörper, die auf einen Durchmesser von mehreren Kilometern geschätzt werden) seit Beginn des Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ihre Bahnen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter zogen.

Vor etwa 2,8 Milliarden Jahren habe es dann eine Kollision gegeben, bei dem sich beide Himmelskörper zu in Staub und auflösten. Aus der Trümmerwolke habe sich ein neuer Körper bildet. Die Bruchstücke von Elmshorn waren für lange Zeit in diesem neu entstandenen Himmelskörper eingeschlossen.

Ein weiterer Einschlag eines weiteren Asteroiden, vor höchstens 20 Millionen Jahren, in den aus der Trümmerwolke geformten Körper sprengte dann die Bruchstücke frei, die auf einen Kurs Richtung Erde gerieten und im Jahr 2023 über Elmshorn niedergingen. Herausgefunden hat man dies durch die Analyse winziger, im Gestein eingeschlossener, Gasmengen.

Spannende Geschichte – hab gleich mal in meinem Garten geschaut. Ein paar Steine liegen da ja herum – ich befürchte, es ist aber kein Meteorit darunter.


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