Demenz: Rückgang der Neuerkrankungen

GesundheitGute Nachrichten: In Industrienationen wie Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder in den USA wird seltener Demenz als Alterserkrankung diagnostiziert als bei der Vorgänger-Generation der 85-Jährigen. Das ist das Ergebnis einer Meta-Studie der Universität Leipzig, in der Forscher insgesamt sieben Studien ausgewertet haben.


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Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene degenerative und nichtdegenerative Erkrankungen des Gehirns. Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, was zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und bei einigen Formen die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Charakteristisch für die Demenz ist der Verlust von Denkfähigkeiten. Demenzerkrankungen gehören zu den folgenschwersten Erkrankungen im Alter.

Senioren im Park
(Quelle: Pexels Kaboompics // Karolina CC0 Lizenz)

Ging man noch vor kurzer Zeit von einer generellen Zunahme der Demenzerkrankungen mit der älter werdenden Bevölkerung aus, gibt es jetzt Anzeichen, dass die Zahl der Demenzdiagnosen in den Industrieländern in speziellen Altersgruppen tendenziell abnehmen könnte. Das deutet zumindest eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leipzig an.

Zusammenfassung der Studie

Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig belegen einen Trend zu sinkenden Neuerkrankungsraten bei Demenz in westlichen Industrieländern. Das heißt, dass Menschen, die heute 85 Jahre alt sind, seltener an Demenz erkranken, als diejenigen, die eine Generation früher ihr 85. Lebensjahr erreichten.

Erkenntnis: Das Erkrankungsrisiko ist beeinflussbar

Veränderungen in den Neuerkrankungsraten an Demenz belegen vor allem: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, ist beeinflussbar. Das ist eine gute Nachricht, denn somit scheint Prävention möglich. Die Leipziger Forscher haben ihre Arbeit im Fachjournal „Clinical Epidemiology“ veröffentlicht.

Metaanalyse aktueller Studien

Leipziger Forscher fassten in einer Metaanalyse aktuelle Studien aus Industrienationen zusammen, die Unterschiede in Demenzraten in vergleichbaren Stichproben mit einem zeitlichen Abstand von mindestens zehn Jahren untersuchten.

Bei der Datensynthese von sieben identifizierten Studien zeigte sich eine positive Entwicklung in den Neuerkrankungsraten – zumindest  in westlichen Industrienationen, konkret Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA.


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Gegenläufig dazu war allerdings die Entwicklung in einer japanischen Studie: Hier wurde gar ein Anstieg bei den Demenzneuerkrankungen verzeichnet.

Annahmen aus der Analyse

Demnach ist anzunehmen, dass sich Trends in den Neuerkrankungsraten von Demenz in den Industrienationen nicht einheitlich entwickeln. „Selbst in Industrieländern können die Lebensumstände und Erfahrungen im Lebensverlauf stark variieren und damit Entwicklungstrends von Demenz unterschiedlich beeinflussen. Und das trotz der insgesamt sehr günstigen Lebensbedingungen, die einkommensstarke Länder in der Regel auszeichnen“, sagt Dr. Susanne Röhr vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP). „Für abschließende  Schlussfolgerungen ist es aber noch zu früh, da für andere Regionen bisher sehr wenige Erkenntnisse vorliegen.“

Bildung und komplexe berufliche Tätigkeiten helfen

Veränderungen in den Neuerkrankungsraten an Demenz belegen vor allem: das Risiko, an Demenz zu erkranken, ist beeinflussbar. Der tendenzielle Rückgang in den westlichen Industrieländern wird insbesondere vermehrter Bildung und komplexeren beruflichen Anforderungen sowie einer besseren Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Erkrankungen zugeschrieben.

„Mehr Bildung und fordernde berufliche Tätigkeiten erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen dementielle Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des ISAP an der Universität Leipzig.

Bessere Behandlung von Risikofaktoren und Lebensstil haben Einfluss

Gleichfalls können Diabetes oder Bluthochdruck, die im engen Zusammenhang mit Demenzerkrankungen stehen, heute besser behandelt werden. Grundsätzlich gilt: „Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, geistiger und sozialer Aktivität, Nichtrauchen und ausgewogener Ernährung hilft nicht nur Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen, sondern auch Demenz“, ergänzt Riedel-Heller. Demenz ist im Moment nicht heilbar, deshalb kommt der Prävention eine besondere Bedeutung zu.

Unklare andere Faktoren

Inwiefern kulturelle und ethnische Faktoren wie auch Umweltbedingungen oder der historische Kontext, in denen Populationen aufwachsen, Trends in der Demenzentwicklung mitbestimmen, ist bislang wenig erforscht. „Das ist jedoch ein Feld, in dem immer mehr Forschungsaktivität zu beobachten ist“, sagt Röhr.

Analysen von zeitlichen Trends in Demenzraten aus verschiedenen Ländern und Kulturen tragen zum Verständnis bei, unter welchen Voraussetzungen Menschen Demenz entwickeln – und daraus können wiederum Hinweise für weitere präventive Wirkfaktoren gewonnen werden.

Absolute Anzahl an Betroffenen steigt

Die absolute Anzahl an Betroffenen steigt jedoch vor allem durch die höhere Lebenserwartung weiter an. So bleibt Demenz eine der größten globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. „Zu sehen, dass jeder Einzelne und auch die Gemeinschaft etwas tun kann, ist ein Lichtblick. Deshalb ist es Zeit, mehr über die Prävention von Demenz zu sprechen. Wir brauchen eine Brain Health Agenda“, schlussfolgert Riedel-Heller.

Quelle: Pressemitteilung der Universität Leipzig

Fachveröffentlichung in Clinical Epidemiology:

“Is dementia incidence declining in high-income countries? A systematic review and meta-analysis” , DOI: 10.2147/CLEP.S163649.

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