Sommer 2020: Oleander in voller Blüte

Blühender Oleander 2020Wir haben August 2020 – und der Oleanderbusch im Topf auf meiner Terrasse steht in voller Blüte. Dabei sah es irgendwie vor einigen Wochen noch nicht nach einem bombastischen Oleander-Jahr aus. Zeit, einen kleine Geschichte rund um den Oleander – der auch als Rosenlorbeer bezeichnet wird –  und speziell diese Pflanze, die fast schon zum Grünabfall sollte (wenn ich auf meine Frau gehört hätte), zu erzählen.


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Die Wikikepdia weiß: Der Oleander (Nerium oleander), auch Rosenlorbeer genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Nerium innerhalb der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Alle Pflanzenteile sind giftig. Mit der Giftigkeit ist mir bekannt, aber das Zeugs muss man ja nicht essen – und vor allem blüht der Oleander so schön, wenn er denn blüht.

 

Oleander 2020
(Oleander im Juli 2020)

In obigem Foto ist der Oleander im Juli 2020 zu sehen. Wenn ich so auf meiner Terrasse saß, ging mir ‚da werden wir dieses Jahr aber nicht sonderlich viel vom Oleander haben‘ durch den Kopf. Denn mein Auge konnte die vielen unscheinbaren Blütenknospen nicht richtig deuten, so dass der Verstand keine Vorstellung entwickelte, wie der Busch einige Wochen später ausschauen könnte. Dieser Anblick kam im August – wie das nachfolgende Foto zeigt.

Blühender Oleander 2020
(Oleander im August 2020)

Wir hatten die Pflanze vor gut zwei Wochen an die Holzwand zum Nachbargrundstück gerückt, weil uns der Wind den Topf mit dem Busch am freistehenden Terrassenende immer umwehte. Und jetzt steht die Pflanze schon seit gut 1,5 Wochen in voller Blüte – einfach schön – wenn ich auf die Terrasse trete, ist das ein Stück Süden für mich – wird dann noch garniert durch eine Zitruspflanze und eine Bougainvillea (die aber etwas kümmert, muss ich wohl umtopfen).

Der ewige Kampf mit dem Oleander

Wenn ich mich richtig erinnere, ist die in obigem Foto sichtbare Pflanze unser zweiter Oleander. Im Winter muss der Topf zum Frostschutz in den Keller – und die erste Pflanze hat das irgendwann nicht überlebt. Der Oleander auf obigem Foto hätte fast dieses Schicksal geteilt.


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Im Keller stehen die Pflanzen recht dunkel und wir hatten ‚etwas zu stark mit dem Gießen‘ gespart (ich glaube, der Wurzelstock war Monate ohne Wasser). Als ich den Oleander im Frühling aus dem Keller holte, waren die Blätter vertrocknet und er warf alles ab. Es stand nur noch das Astgerippe da, so dass meine Frau ‚fachfräulich‘ feststellte ‚das Ding ist kaputt, nimm es mit zur Grünabfuhr und entsorge es‘.

Geduld ist die Mutter des Erfolgs

Nun ja, meine Frau und meine Wenigkeit sind zwar seit 45 Jahren ‚ein Herz und eine Seele‘ – meistens wenigsten, zumindest in den kurzen Perioden, wo wir nicht unterschiedlicher Meinung sind. Und beim Thema Geduld stelle ich fest: Wir sind nicht kompatibel. Meine Handwerker musste ich häufiger mit Engelsflöten zum Weiterarbeiten animieren, wenn die holde Weiblichkeit mal wieder mit ihrer Ungeduld die Mannschaft zur Weißglut gebracht und von der Baustelle vertrieben hatte. Und auch beim Schmetterlingsflieder, den ich mal radikal beschnitten hatte, so dass nichts mehr aus trieb, hieß es: Den hast Du ruiniert, grab den Stock aus und bringe ihn zum Grünabfall.

So was reizt natürlich zum Widerspruch – kann Mann sich natürlich nicht nachsagen lassen, er hätte den Schmetterlingsflieder kaputt gestutzt. Es dauerte einen Monat, es dauerte zwei Monate, und es kam nix. Und immer: Du hast den kaputt gemacht – entsorge den Stock‘. Aber Geduld ist mein zweiter Vorname – zumindest, wenn es um kaputt gestutzte Schmetterlingsflieder geht.

Ich glaube, im vierten Monat sah ich an der Wurzel die hier beschriebenen ‚vier grünen Pünktchen, groß wie ein Stecknadelkopf‘. Worauf meine Frau konterte: ‚Ich lach mich tot, da ist der Wunsch der Vater des Gedanken, Du hast den kaputt gemacht – entsorge den Stock‘. Nun ja, Glaube und Hoffnung versetzen Berge, heute steht der Schmetterlingsflieder in voller Pracht.

Oleander tot? Operation Wiederbelebung

Zurück zum Oleander – da stand nun das arme Gerippe, ganz ohne Blätter. Also habe ich mir eine Gartenschere gegriffen und die Äste 40 cm oberhalb des Topfrands radikal gekürzt. Sah alles wie ein Blumentopf aus, in dessen Erde jemand eine Hand voll Stöcke gesteckt hat. Dann noch kräftig gewässert und unter das Carport gestellt. Als die Frostgefahr vorbei war, habe ich den Topf mit dem ‚Stöcken‘ auf die Terrasse verfrachtet. Da stand er, begleitet vom Ratschlag: ‚Das Ding ist kaputt, nimm es mit auf die  Grünkompostieranlage‘. Habe ich geflissentlich ignoriert – man wirft nichts weg, was noch was werden könnte.

Und nach vielen Wochen sah ich wieder meine ‚grünen Pünktchen‘, dieses mal an den Stöcken des Oleanders. Einige Wochen später waren Blätter zu sehen und dann trieb der Oleander kräftig aus. Ist jetzt einige Jahre her – und obige Fotos zeigen, was aus dem gekappten Oleander geworden ist. Geduld ist die Mutter aller Tugenden.

Geschichten vom Kartoffelkrieg …

Na ja, so ganz unbedarft habe ich nicht gehandelt. Oleander wächst wie Unkraut und ist meiner Meinung nach eine zähe Pflanze. Ich erinnere mich an eine Exkursion, Anfang der 80er Jahre, in Marokko, wo es in den Antiatlas und bis an den Rand der Sahara ging. An jedem Ort, wo nur ein wenig Wasser vorhanden war, wuchsen Oleanderbüsche. Ich habe mir oft mit dem Messer einige Zweige abgeschnitten, um diese als Besen zu verwenden und mein Zelt auszufegen. Hitze und Kälte haben dem Oleander nichts ausgemacht – ich erinnere mich an eine Nacht, in der ich erbärmlich im Zelt fror. Am nächsten Morgen lag auf den Hängen rechts und links des Tals, in dem wir das Biwak aufgeschlagen hatten, bereits Schnee. Der Oleander war davon unbeeindruckt.

Also war meine Schlussfolgerung: Wenn das in Marokko so eine widerstandfähige Pflanze ist, gibt deinem ‚Kellerkind‘ eine Chance und übe dich in Geduld – wenn es nach einem Jahr immer noch nichts geworden ist, kannst Du den Wurzelstock immer noch entsorgen. Ist, wie in vielen Fällen, wo ich zum Leidwesen meiner Frau, mal wieder ‚beschnitten‘ hatte, ja wieder einmal gut gegangen. Mir fällt da der Leitspruch eines längst verstorbenen Verlagsmitarbeiters aus Köln ein: ‚Et hät noch immer jod jange‘ war (es ist noch immer gut ausgegangen) – nur den letzten Kampf gegen den Krebs hat er verloren. 

… und der Eibenhecke

Nur bei der Eibenhecke meiner ersten Eigentumswohnung ist mir heiß und kalt geworden. Als ich dort einzog, war die ‚Hecke‘ eine Aneinanderreihung von ‚Weihnachtsbäumchen‘ und sah aus wie Hund. Neu Besen kehren gut – ich habe mir am Samstag die Heckenschere geschnappt, um die Eibenhecke in Form zu bringen. Aber da war nichts in Form zu bringen – also meine Bügelsäge geschnappt und alles radikal auf ca. 140 Meter Höhe gekappt und beschnitten. So danach aus ‚wie Hund im Quadrat‘ – und die Eiben wurden gelb. Im Hinterkopf kam schon der Gedanke ‚Verdammt, jetzt musst Du der Hausgemeinschaft eine neue Eibenhecke besorgen, die hast Du wirklich beim Beschnitt gekillt …‘ – aber nach außen tat ich ‚das wird schon wieder, das Ding muss einfach kräftig beschnitten werden, glaubt mir, ich bin Ingenieur, ich kann das‘.

Und im Herbst wurde die Eibenhecke – oder das, was davon übrig geblieben war, wieder an einigen Stellen leicht grün. Im nächsten Frühjahr schlug die Hecke aus und war im Sommer wirklich eine Eibenhecke, die den Namen verdiente. Da war ich natürlich oben auf – und ich habe die Hecke einige Jahre später nochmals kräftig gekürzt. Sind um die 30 Jahre her und ich bin längst aus dem Objekt raus – wenn ich aber durch die betreffende Straße komme, freue ich mich über eine Eibenhecke, die dicht, viereckig und akkurat auf ca. 1,5 Meter Höhe wächst und einfach gut ausschaut. Auch das war eine Erfahrung, die mir beim Oleander natürlich im Hinterkopf herum spuckte.

Ach Mist, wollte nur ein paar Worte zum wunderschön blühenden Oleander schreiben – und nun ist es wieder eine Geschichte aus dem Leben geworden. PS: Nur meinen Hibiskus im Garten konnte ich nicht retten, wie ich hier ausgeführt habe. Mir wurde zwar wieder von ‚beste Frau von Welt‘ ein ‚Beschnitt‘ als Ursache angedichtet – was ich aber überzeugend widerlegen kann.

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