Gartengeflüster: Braunfäule an Tomaten bekämpfen

TomatenDas Gartenjahr 2021 war ja durch sehr viel Regen und Feuchtigkeit geprägt. Für den Salat oder anderes Gemüse war das nicht ganz so schlimm. Wir hatten in der Vergangenheit noch nie so viele Zucchini wie in diesem Jahr – der viel Regen hat den beiden Pflanzen gut getan. Frau hat zwar wegen der Zucchini-Schwemme gejammert. Ich habe dann geraten, diese in Scheiben zu schneiden, in Öl anzubraten, so dass wie die als italienische Vorspeise essen konnten. Aber eigentlich hatte ich mich auf eine reichhaltige Tomatenernte gefreut: Rot und voll, aufgeschnitten, etwas Salz und Pfeffer sowie gehackte Zwiebel und dann auf's Brot. War irgendwie der Masterplan und genügend Tomatenpflanzen waren auch gesetzt worden.


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Und so harrten wir seit vielen Wochen darauf, dass die Tomaten im Hausgarten reifen sollten. Es war klar: So richtig Geschmack dürfte aber fehlen, da es im August doch arg an Sonne fehlte. Aber man kann nicht in die Gegend von Neapel ziehen, um die Aromen von Tomaten heranzukommen, die geschält als Pelati in Dosen landen. Aber selbst das war mir, wie vielen anderen Gartenbesitzern in Deutschland nicht vergönnt.

Kraut- und Braunfäule

Wie viele Gärtnerinnen und Gärtner musste ich die Erfahrung machen, dass die Braunfäule meine Tomaten heimsuchte. Die Kraut- und Braunfäule ist eine Pilzerkrankung, die durch feuchte Witterung auch Tomaten befällt. Die Blätter und Stängel werden braun bis schwarz und auch die Früchte werden befallen.

Tomate mit Braunfäule
Tomate mit Braunfäule

Es gibt zwar resistente Sorten, aber auch diese haben dem Pilzbefall nicht standhalten können. Wir selbst hatten wegen der Braunfäule in den vergangenen Jahren bereits Tomaten in Töpfen an der Hauswand stehen. Dort waren sie vor Regen etwas geschützt, so dass wir den Pilzbefall abwehren konnten. Aber obiges Foto zeigt, dass die einzige Tomatenpflanze im Topf auch bereits braun war.

Sobald die Pflanzen von der Kraut- und Braunfäule befallen sind, so die gängige Meinung der Fachleute, gibt es nur noch die Radikallösung: Tomatenpflanze ausreißen und im Restmüll entsorgen (keinesfalls in den Biomüll geben, um die Pilzverbreitung nicht zu unterstützen). Meine Frau hat also alle Tage eine der Tomatenpflanzen, die voller Früchte hingen, auf diese Weise entsorgt. Und es kam "ich bin es satt, ich pflanze keine Tomaten mehr".

Gärtner geben den Tipp (siehe hier), die Tomatenpflanzen weit auseinander zu setzen, um den gegenseitigen Befall zu verhindern. Blätter sollten immer wieder ausgedünnt werden, damit die Pflanzenteile nach einem Regen abtrocken könnten. Herrscht länger als 4 Stunden Regen und Feuchtigkeit, kann der Pilz wachsen. Im Beitrag hier wird die Infektion und Re-Infektion (über Kartoffeln) näher beschrieben.

Dann gibt es noch den Ratschlag, die Tomaten mit Ackerschachtelhalm-Sud zu spritzen, um die Widerstandskraft zu stärken. Wir hatten Brennnesselsud, hat aber auch nichts geholfen.


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Im Beitrag hier werden auch Anti-Pilzmittel grob erwähnt, aber das möchte kein Gärtner. Ein Tomatenhaus, um die Tomatenpflanzen zu schützen, möchte ich direkt am Haus aus optischen Grünen eher nicht aufstellen.

Frag den Tomatenflüsterer

Als meine Frau dann täglich eine Pflanze entsorgte, packte mich der Frust. Es muss doch eine Möglichkeit geben, da gegen den Pilz anzugehen und die Tomatenpflanzen bei leichtem Befall zu retten. Also länger im Internet gesucht und bei einem Tomatenflüsterer den Hinweis gefunden, dass Natron den PH-Wert so ändern kann, dass der Pilz eingeht.

Ich habe dann ein Resttütchen Backpulver (ca. 5 Gramm) genommen und in 1 Liter Wasser aufgelöst. Man kann auch Natron verwenden, wobei 10 Gramm auf 1 Liter Wasser für Natron oder Backpulver optimal wären. Das Ganze habe ich in eine kleine Sprühflasche gefüllt und meine restlichen, aber schon befallenen Tomatenpflanzen – vor allem die schon braun werdenden Stängel – gut eingesprüht. Vorher hatte ich die braunen Blätter entfernt.

Gerettete Tomatenpflanze
Gerettete Tomatenpflanze

Meine Frau zeterte zwar ständig "was soll der Mist, das wird nie was, reiß die Pflanze raus", aber sie überließ mir wenigstens Natron und die Sprühflasche. Und so sprühte ich die Tomatenpflanzen alle 2-3 Tage unter den Unkenrufen meiner Frau neu ein.  Und was soll ich sagen: Zum Leidwesen meiner Frau hat es geklappt – wir ernten seit Wochen rote werdende Tomaten. Obiges Foto zeigt die Pflanze mit restlichen Früchten, die Blätter sind schon weitgehend entfernt. Die im ersten Foto gezeigte Pflanze im Topf hatte ich nicht so oft eingesprüht, da schritt die Krautfäule langsam fort.

Kann alles ein Zufallsprodukt sein – aber ich bin überzeugt, dass meine Rosskur mit Natronwasser den Pilz zurückgedrängt hat. Die Tomatenpflanze im Topf wurde jetzt entsorgt, so drei, vier Früchte wurden nicht mehr reif. Die Gurkenpflanzen sind wohl auch fertig und die Zucchini kommen bald auch raus. Aber die obige Tomatenpflanze steht weiterhin. Kommendes Jahr will ich das wieder probieren und prüfen, ob der Tomatenflüsterer Recht hatte …

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1 Antwort zu Gartengeflüster: Braunfäule an Tomaten bekämpfen

  1. nook sagt:

    Merci für den Tip, wird nächstes Jahr probiert. Natron ist sowieso so ein Allround Mittel gegen fast alles.

    Ergänzend zu Deinen Erfahrungen beim Demeter Bauern um die Ecke im großen Folientunnel, weitläufig frei stehend und gut belüftet. Alle Sorten braun!

    Bei mir im Garten im Folienhaus, alles braun. Nach dem ersten Befall alle Blätter entfernt, braune Stiele stehen noch. Die verbliebenen Tomaten reifen bis jetzt noch nach, auch im Dunklen.

    Im Freiland hatte ich zig "resistente" Sorten, nur eine war es wirklich, die Sunviva. Die trägt jetzt noch.

    Vor allem passend zum Betriebssystem, " Wer Offenheit säen, Freiheit ernten und leckere Tomaten essen möchte, kann Saatgut der Open-Source-Tomate Sunviva …"

    Denke die Aktion aus Januar diesen Jahres ist vorbei, ich verteile im Bekanntenkreis weiter. Schöne Idee, Lebensgrundlage Saatgut – Saatgut wie Software – Eine Frage der Lizenz!

    https://blog.do-foss.de/kolumne/kommunen-fuer-biologische-vielfalt-e-v-starten-open-source-saatgutaktion/

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