Fisch-Fossil als Zeuge des Dinokillers vor 66 Millionen Jahren

Vor etwa 66 Millionen Jahren traf ein gewaltiger Asteroid von ca. 10 km Durchmesser die Erde in der Gegend von Mexiko und erzeugte den Chicxulub-Krater. Infolge dieses Einschlags starben die Dinosaurier und viele weitere Tierarten aus, so die gängige Lehrmeinung. Vor einiger Zeit haben Forscher Belege für die Katastrophe gefunden: Fisch-Fossilien, in deren Kiemen Glaskügelchen von diesem Impact gefunden wurden.


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Das Ereignis und der Chicxulub-Krater

Nach gegenwärtigem Wissensstand ist vor ca. 66 Millionen Jahren ein ca. 14 km großer Asteroid aus dem äußeren Asteroiden-Hauptgürtel mit einer Geschwindigkeit von 72.000 km/h in einem recht steilen Winkel die Erde im Golf von Mexiko traf. Der dabei entstandene, 66 Millionen Jahre alte, Chicxulub Einschlagkrater von ca. 180 km Durchmesser liegt im Norden der Halbinsel Yucatán in Nordamerika (Mexiko). Da er unter mächtigen Sedimentgesteinen begraben und nicht erodiert ist, zählt er zu den besterhaltenen großen Einschlagkratern der Erde.

Im Zusammenhang mit der Kreide-Paläogen-Grenze wird er mit dem Aussterben der meisten Dinosaurier und eines großen Teils der mesozoischen Tier- und Pflanzenwelt während des Übergangs zum Känozoikum in Verbindung gebracht – so der Wikipedia-Beitrag zum Krater. Dafür gibt es seit einigen Jahren Beweise.

Die Funde der Hell Creek-Formation

Im Nordwesten der USA, gibt es die sogenannte Hell-Creek-Formation, eine Abfolge von kontinentalen Sedimentgesteinen der Späten Kreide und des frühesten Paläozäns im Nordwesten der USA. Sie ist nach dem Flüsschen Hell Creek bei Jordan (Montana) benannt und enthält einige bedeutende Lagerstätten von Dinosaurier­fossilien. Die Formation ist in den Badlands des östlichen Montanas und Teilen von North Dakota, South Dakota und Wyoming aufgeschlossen. Aus diesen Aufschlüssen wurden die Überreste populärer Dinosauriergattungen wie Tyrannosaurus, Triceratops, Ankylosaurus und Edmontosaurus geborgen.

Des Weiteren enthält sie in ihrem oberen Abschnitt die mit Iridium angereicherte Kreide-Tertiär-Grenzschicht, eine dünne, auch andernorts auf der Erde nachgewiesene Schicht, deren obere Grenzfläche das Mesozoikum (Erdmittelalter) vom nachfolgenden Känozoikum (Erdneuzeit) trennt. Lässt sich alles im verlinkten Wikipedia-Artikel nachlesen. Interessant ist dort der Abschnitt zu den Belegen für das Entstehen des Chicxulub-Kraters.

2019 publizierte ein internationales Forscherteam eine Studie über Ablagerungen im Bereich der Lagerstätte Tanis in North Dakota, die den Forschern zufolge weniger als eine Stunde nach dem Entstehen des Chicxulub-Kraters, eines Einschlagkraters auf der Halbinsel Yucatán, entstanden sind. Eine Flutwelle hatte hier zahlreiche Ammoniten, Fische (u. a. Störe und Löffelstöre), Landtiere und Pflanzenteile übereinander getürmt, vermischt mit Auswurfmaterial des Impakts, das sowohl in den Kiemen von fossilen Fischen als auch im Inneren von Bernstein erhalten geblieben ist. Diese Fossilien wurden in den letzten Jahren ausgegraben.

Das Fisch-Fossil mit den Glaskügelchen

Das war mir so im Detail nicht geläufig – aber im April 2019 gab es beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) den Beitrag Entdeckt: Fisch-Fossil als Zeuge des Weltuntergangs, auf den ich aber erst im September 2021 gestoßen bin. Die Saga im Artikel: Der Einschlag des Asteroiden im Golf von Mexiko löste eine Katastrophe aus. 3165 Kilometer Luftlinie vom Einschlagsort starb ein Fisch, der dann in einer Schlammlawine begraben wurde und fossilierte. 66 Millionen Jahre später wurde der Fisch als Fossil ausgegraben und man fand in seinen Kiemen Glaskügelchen, die das Tier bis zum Tod eingeatmet hatte. Das wird als Beleg für das Aussterben der Dinosaurier gewertet.

Dieser Artikel vom 2. April 2019 beschreibt die Forschungsergebnisse, die eine Momentaufnahme des Tages vor fast 66 Millionen Jahren darstellen, als ein Asteroid in die Erde einschlug. Damals müssen Erdbeben-Schockwellen durch die Erdoberfläche gelaufen sein, die auch Tausende Kilometer entfernt, Tsunamis auslösten. Nach dem Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren regnete es Perlen aus heißem Glas. Das alles deutet einer Studie zufolge darauf hin, dass ein Tsunami im Landesinneren der USA, 3165 Kilometer Luftlinie vom Einschlagsort entfernt, durch ein massives Erdbeben der Stärke 11 ausgelöst wurde. Es war der Tag, an dem fast alles Leben auf der Erde ausstarb, einschließlich der Dinosaurier.


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Versteinerte Fische türmten sich übereinander, was darauf hindeutet, dass sie an Land geschleudert wurden und nach dem Rückzug der Flutwelle gemeinsam auf einer Sandbank gestrandet sind. Quelle: Robert DePalma, Kansas University

Die Forscher fanden in Tanis, North Dakota, fossile Beweise für eine Katastrophe, die sie auf den Tag des Asteroideneinschlags datieren, und schreiben in einer Mitteilung der Kansas University (English) vom 29. März 2019:

An jenem Tag ließen heftige Bodenerschütterungen zunächst riesige Wellen im Wasser eines alten Binnenmeeres entstehen. Dann begannen winzige Kügelchen herabzufallen, die aus geschmolzenem Gestein stammten, das am Rande des Weltraums abkühlte und glasige Kugeln bildete. Der Glasregen war so stark, dass er möglicherweise einen Großteil der Vegetation an Land entzündete, während die Fische im Wasser Mühe hatten zu atmen, weil die Glasperlen ihre Kiemen verstopften.

Als die Flutwelle eine Flussmündung erreichte, verwandelte sie sich in eine 10 Meter hohe Wasserwand, die Hunderte, wenn nicht Tausende von Süßwasserfischen – Störe und Löffelstöre – auf eine Sandbank spülte und die Strömung des Flusses vorübergehend umkehrte.

Auf die Fische, die durch das zurückweichende Wasser gestrandet waren, regneten Glasperlen mit einem Durchmesser von bis zu 5 Millimetern. Einige Perlen wurden zentimetertief im Schlamm eingegraben. Steine und Perlen regneten noch 10 bis 20 Minuten weiter, bevor eine zweite große Welle das Ufer überschwemmte und die Fische mit Kies, Sand und feinem Sediment bedeckte und sie bis zur Entdeckung ab dem Jahr 2012 versiegelte.

Unter den Funden waren auch Fische (fossile Störe) mit heißen Glaskugeln in den Kiemen, die ca. 45 Minuten nach dem Einschlag auf die Erde zurückregneten. Die Seite scinexx.de hat dieses Ereignis im April 2019 im Artikel Massengrab von Opfern des „Dinokillers" aufbereitet, nachdem Wissenschaftler über den Fund berichteten. Auch die NZZ hat diesen Artikel darüber veröffentlicht.

Das Ganze wurde am 1. April 2019 in einem Artikel in den Proceedings of the National Academy of Sciences internationales Autorenteam, darunter auch der Prorektor der University of Washington, Mark Richards, veröffentlicht. Ich finde diese Erkenntnisse, und insbesondere die Artikel rund um dieses Ereignis extrem spannend und habe das nun hier im Blog in diesem Artikel mal aufgegriffen.

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