Wissenschaft: Man ist so alt, wie man sich fühlt und man wird zufriedener mit seinem Körper

Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)Interessante Erkenntnisse von Wissenschaftlern. Wer sich jünger fühlt, als das biologische Alter ausweist, hat die Chance auf ein gesünderes und längeres Leben. Schon unsere Vorfahren wussten "Man ist so alt, wie man sich fühlt". Und es gibt noch eine Erkenntnis: Mit zunehmendem Alter werden die Menschen mit ihrem Körper zufriedener als in jungen Jahren. Das Bewusstsein für den Körper nimmt zu, und bestimmte Dinge wie das Aussehen sind nicht mehr so wichtig, während die Gesundheit wichtiger wird.


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Die Zufriedenheit mit dem Körper nimmt zu

Junge Menschen – und speziell junge Frauen – hadern häufig mit ihrem Körper. Da ist zu viel Fett, hier fehlt etwas oder da sollte was korrigiert werden. Die Schönheitschirurgie feiert seit Jahrzehnten fröhliche Urstände. Und zyklisch finden sich auch die Diät-Anleitungen in Illustrierten oder im Web, um vermeintliche und vorhandene überflüssige Pfunde zu bekämpfen. Aber es sieht so aus, als ob viele Menschen mit steigendem Alter irgendwie doch ihren Frieden mit dem eigenen Körper schließen. Da ist die Super-Figur oder das gedrillte Aussehen nicht mehr an erster Stelle, sondern es geht plötzlich eher um die eigene Gesundheit.

Älteres Paar
(Quelle: Pexels CC0 Lizenz)

Gut, manchmal ist auch die Natur bloß gnädig – erlebe ich bei mir. Wenn ich mich morgens im Bad wasche und in den Spiegel schaue, denke ich oft "Himmel, sieht der Kerl immer noch gut aus". Ich könnte dann Bäume ausreißen und Purzelbäume schlagen oder Handstände mache. Verkneife ich mir aber, seit ich bei so was vor 6 Jahren (allerdings beim Sport) so etwas wie einen Genickbruch erlitten habe (Ist's dem Esel zu wohl, geht er auf's Eis.)

Mache ich mit dem Smartphone schon mal ein Selfie (brauche ich gelegentlich für meine Autorentätigkeit), erschrecke ich regelmäßig "was hast Du da bloß wieder für einen weißhaarigen, faltigen alten Mann mit Bartstoppeln fotografiert?".

Gut, mit den Bartstoppels ist zu erklären: Morgens vor dem Spiegel bin ich frisch rasiert, Selfies entstehen oft am Nachmittag oder Abend, und da bin ich dann ungeschminkt und unrasiert.

Und es gibt noch einen Unterschied, der die "Gnade der Natur" ausmacht. Beim Waschen muss ich meine Brille absetzen, während ich bei den Selfies die Brille alleine brauche, um das Smartphone bedienen zu können. Und dann zeigt das Ergebnis gnadenlos: Der Zahn der Zeit nagt doch an mir, auch wenn ich mich oft wie 20 fühle und meine Frau  behauptet, ich sei ein Kindskopf.

Aber zurück zum Thema: Wissenschaftler von drei Universitäten in Australien und Neuseeland wollten wissen, wie sich die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Körper in Abhängigkeit vom Lebensalter entwickelt. Es geht um die Frage des Körperbewusstseins im Alter, und so wurden immerhin 15.000 Frauen und Männer über sechs Jahre hinweg befragt. Das Ergebnis: Je älter die Befragten waren, umso zufriedener waren sie mit dem eigenen Körper.

Frauen zwischen 19 und 24 Jahren haderten oft mit der Figur oder Äußerlichkeiten, während die Studienteilnehmerinnen über 60 Jahre sich als zufrieden mit ihrem Körper outeten. Wir Männer zeigten dort weniger Schwankungen, da wir oft weniger Wert auf "Schönheit" legen, sondern uns eher über "innere Werte" oder ggf. "werdende Muskeln, so um den Bauch herum" definieren. Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse lässt sich in diesem Artikel nachlesen.

Du bist so alt, wie Du dich fühlst

Hört sich irgendwie uralt an und habe ich schon bei meinen Eltern erlebt. Für Mutter waren Leute mit 90 Jahren "uralt", während sie mit 85+ unterwegs war. Und auch mir geht es so, dass ich nur durch diverse Zipperlein gelegentlich an die über sechs Jahrzehnte auf dem Buckel erinnert werde, aber mental immer noch "in den besten Jahren" verharre. Gut, man sieht ohne Brille schlecht, mit 50 wird das Blut dickflüssiger und der Sauerstoffgehalt geringer und die Leber lässt nach, so dass Alkohol mehr durchschlägt – aber das Thema Alkohol ist für mich eigentlich kein Thema, da ich nur selten ein kleines Glas Wein trinke. Beim Sport läuft es auch nicht mehr so, wie vor 10 – 15 Jahren, aber manchmal denke ich, ich bin eigentlich fitter als wie mit 35 Jahren. Nur werden die Erholungsphasen nach Anstrengungen länger.

Senioren im Park
(Quelle: Pexels Kaboompics // Karolina CC0 Lizenz)

Auch hier hat die Wissenschaft eine altbekannte Erfahrung bestätigt. Menschen, die sich jünger fühlen, können ein gesünderes und längeres Leben haben. Sowohl das Herz als auch das Gehirn scheinen bei Personen mit einer positiven Haltung zum Alter deutlich besser zu funktionieren, als bei Vergleichspersonen mit pessimistischerer Lebenseinstellung, die mit dem Alter hadern.


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Die US-Psychologin Becca Levy von der Yale University und ihr Team kam bereits in älteren Studie zu einem überraschenden Ergebnis: Menschen mit einer positiveren Sicht auf das Älterwerden lebten im Durchschnitt siebeneinhalb Jahre länger als Menschen mit einer negativeren (eine Zusammenfassung müsste hier in English zu finden sein).  "Für die Gesundheit und Langlebigkeit ist sowohl das Sich-jünger-Fühlen gut als auch eine generell positive Einstellung gegenüber dem Älterwerden", zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) in diesem Artikel die Entwicklungs­psychologin und Alterns­forscherin an der Universitäts­medizin Greifswald, Susanne Wurm. Die Botschaft des Artikels, der diese Forschungserkenntnisse aufgreift: Es kommt nicht auf das wirkliche Alter an, sondern eher auf die körperliche und geistige Kondition. An der alten Volksweisheit "man ist so alt, wie man sich fühlt", ist also etwas wahres dran.  Der verlinkte Beitrag ist ganz lesenswert und dürfte motivieren, auf die nächsten Jahrzehnte zu schauen.

Die beiden obigen verlinkten Artikel bzw. Themen haben die Botschaft, dass das Älterwerden nicht als Schreckgespenst wahrgenommen werden sollte. Denn das Altern finde vor allem im Kopf statt. Wer positiv auf das Alter blickt, und mit sich selbst im Reinen ist, hat auch mehr von diesen Lebensjahren.

Passt etwas in mein Projekt 100+, mit dem ich mich locker beschäftige (siehe Links am Artikelende). Wir können ja in 34 Jahren mal schauen, was aus meinem Projekt geworden ist ;-).

Angst vor dem Älterwerden

Das Meinungsforschungsinstituts Ipsos hat aber herausgefunden, dass mehr als jeder zweite Deutsche Angst vor dem Älterwerden hat. Das fängt bereits ab 40 0der 45 Jahren an, wenn die Kinder aus dem Haus gehen und die Eltern erste Unterstützung brauchen. Für Leute, die Angst vor dem Alter haben, hält der Artikel hier des RND noch einige tröstliche Worte bereit: Denn wir leben i.d.R. gesünder und länger als alle Generationen vor uns.

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